MediaCulture-Online Blog

28.03.2018 | Ina Mangold

Cambridge Analytica – Datenskandal bei Facebook

Bild: Unsplash

Nachdem Whistleblower Christopher Wylie die illegale Analyse von 50 Millionen Facebook-Profilen offenlegte, steht Facebook stark in der Kritik. Was genau passierte und welche Themen nun im Unterricht angesprochen werden sollten.

 

Der eigentliche Skandal passierte bereits im Jahr 2014, als die Firma Cambridge Analytica (CA) Daten von 50 Millionen Facebook-Profilen zusammensammelte. Facebook erfuhr schon 2015 von dem Vorfall, die Daten wurden jedoch, wie durch einen Enthüllungs-Artikel im Guardian herauskam, für die US-Wahl 2016 verwendet. Trumps ehemaliger politischer Berater Steve Bannon ist auch gleichzeitig der ehemalige CEO von Cambridge Analytics, wobei CA 2016 von Trumps Team engagiert wurde.

 

Der Whistleblower Christopher Wylie, Datenspezialist und ehemaliger Mitarbeiter von Cambridge Analytica, deckte die Vorgehensweise der Datensammler auf.

Wie genau kam Cambridge Analytica an die Daten?

Wurden die Facebook-Nutzerdaten für die Kampagne für Donald Trump verwendet? Bild: Screenshot Cambridge Analytica

Ausgangspunkt des Datensammelns ist der Psychologie-Professor Aleksandr Kogan der Universität Cambridge. Mit seiner eigens gegründeten Firma Global Science Research (GSR) baute er die App thisisyourdigitallife, mit der Nutzer bezahlte Persönlichkeitstest machen konnten und im Gegenzug ihre Daten für akademische Zwecke freigaben. Dabei speicherte die App nicht nur die Daten der Nutzer, sondern auch Profildaten von deren Facebook-Freunden.

 

Das geschah in Kooperation mit Cambridge Analytica (CA), einer Tochter der Datenanalysefirma SCL Election Ltd. Hier wurde mit den Daten Persönlichkeitsprofile von US-Wählertypen erstellt. Ein entwickelter Algorithmus konnte dann Nutzer durch eine Analyse des persönlichen Facebook-Profils einem Wahlverhalten zugeordnet werden. Wähler können so mit passender Wahlwerbung konfrontiert werden. Vor allem bei Wählern, die sich noch nicht festgelegt haben, ist dabei eine Beeinflussung des Wahlverhaltens möglich.

Was hat Facebook damit zu tun?

Facebook wusste von dem unautorisierten Datensammeln bereits, nachdem Kogans App ab 2014 auf dem Markt war. Damals bat Facebook Cambridge Analytica per Post, die Daten zu löschen und eine Bestätigung zu senden. Eine Überprüfung an Computern der Firma gab es lauf Whistleblower Christopher Wylie nicht. Der Vorfall wurde vertuscht – was Facebook-CEO Mark Zuckerberg jetzt als Fehler einräumt.

Wenig Antworten auf harsche Kritik

In einem Statement gibt die Plattform an, die Daten seiner Nutzer für akademische Zwecke zur Verfügung gestellt zu haben. Laut Facebooks AGB sei das nur legal, wenn die Daten zur Verbesserung des Nutzungserlebnisses der jeweiligen App verwendet werden. Eine Weitergabe an Dritte, wie hier von Kogans Unternehmen GSR an Cambridge Analytica/SCL, sei nicht erlaubt. Daraufhin wurde die Kooperation mit Kogan 2015 abgebrochen. In diesem Zusammenhang weist Facebook ausdrücklich darauf hin, dass es kein Datenleck gab und Kogan die Daten wie andere Entwickler auch legal erhalten habe. Das damalige Vorgehen sei bereits geändert worden. Zusätzlich kündigte Zuckerberg in einem Facebook-Post die Verbesserung des Datenschutzes auf seiner Plattform an und entschuldigte sich bei seinen Usern mit Zeitungsanzeigen. Dennoch nimmt die Kritik an der Plattform nicht ab.

Verstrickungen und Ungereimtheiten

Die Firma hat sich auf datenbasierte Kampagnen spezialisiert. Bild: Screenshot Cambridge Analytica

Auch die Umstände um die beteiligten Firmen und Firmenchefs sind verworren: Kogan hat mittlerweile eine Professur in St. Petersburg und wird mit der russischen Regierung in Verbindung gebracht. Alexander Nix, der mittlerweile suspendierte CEO von SCL, geriet nach der Veröffentlichung einer Videoaufnahme eines fingierten Kundengesprächs durch einen Reporter des britischen Channel 4 unter Druck. Dieser hatte sich als potenzieller Kunde ausgegeben, der eine Wahl in Sri Lanka beeinflussen wolle. Nix hatte ihm daraufhin erpresserische Methoden zur Diskreditierung von Wahlkandidaten vorgeschlagen. Seriosität sieht anders aus.

 

Mittlerweile wird Cambridge Analytica auch mit der Beeinflussung des Brexit-Votums in Verbindung gebracht. Sowohl in den USA als auch in Großbritannien wird gegen Cambridge Analytica ermittelt. Auch die deutsche Justizministerin Katarina Barley verlangt von Facebook weitere Klarstellungen.

Cambridge Analytica im Unterricht

Der Fall zeigt, wie wichtig es ist, Kinder und Jugendliche für Datenschutz und Big Data zu sensibilisieren. Hier lohnt es sich ausführlich über die AGB der sozialen Netzwerke und die Erlaubnisse, die man den Plattformen gibt, zu diskutieren. Dabei steht der Datenschutz im Vordergrund, aber auch die Thematik, was mit persönlichen Nutzerdaten – auch in der Werbung – möglich ist. Ebenso zeigt die Veröffentlichung des Skandals durch investigativen Journalismus, wie wichtig unabhängige Medien und engagierter Journalismus ist für die Gesellschaft sind.

 

Informationen zu den angegebenen Themen finden Sie hier:

 

 

Datenschutz, Jugendmedienschutz, Soziale Netzwerke

Keine Kommentare
Kommentar hinzufügen

* = Pflichtfeld

*
*
*

CAPTCHA Bild zum Spamschutz
Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.
*