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07.03.2017 | Nora Brockamp

Klangwunder – Ohrenspitzer Jahrestreffen 2017

Bild: Nora Brockamp/LMZ

„MenschMusikMacher“ mit Michael Bradke

Michael Bradke; Bild: Nora Brockamp/LMZ

Zu Beginn des Ohrenspitzer-Jahrestreffens am 10. Februar 2017 im Rahmen der Experimenta Heilbronn begrüßte Michael Bradke mit seiner Mitmachaktion „MenschMusikMacher“ die Ohrenspitzer-Referenten. Musikalische Spiele und Spielregeln, so Bradke, das kann man nur von Mensch zu Mensch vermitteln. Er zeigte viele Möglichkeiten auf, mit Kindern Musik nur mit dem Körper zu machen. Dabei verband er die Übungen mit theoretischem Fachwissen aus der Musikwissenschaft.

 

Mit dem Mutmachapplaus begonnen, zeigte Michael Bradke unterschiedliche geräuschvolle Begrüßungsformen aus der ganzen Welt auf. Er erklärte anhand von zwei und drei Schlägen, wie Polymetrik, also das Erklingen lassen verschiedener Metren im gleichen Zeitraum, mit dem einfachen Wort Landleberwurst umgesetzt werden kann. Unser Körper hält ständig nach Mustern Ausschau. So sind die meisten Satzteile und auch Gedichte oder Lieder so gebaut, dass sie in dreieinhalb Sekunden-Abschnitte eingeteilt werden, da das Gehirn sie so gut aufnehmen kann. Daher ist langsames Klatschen sehr schwierig und wird deutlich einfacher, wenn man es mit einem Bewegungsmuster verbindet und der Zeitabstand so besser spürbar ist. Große Bewegungen machen es schon Kleinkindern möglich einen Takt einzuhalten, aber auch professionelle Musiker nutzen diese Methode noch. Aber auch sehr schnelle Rhythmen können mit Hilfe von einstudierten Bewegungsabläufen einfacher umgesetzt werden. Eine Möglichkeit ist dabei auch die Klatschfalle: Bei dieser aus Spanien stammenden spielerischen Methode stehen zwei Personen abwechselnd klatschend voreinander. Einer klatscht von links nach rechts und einer von oben nach unten. So müssen beide nacheinander klatschen und können nicht ausversehen in den gleichen Takt kommen, da sich die Hände sonst berühren. Durch zwei Personen, die abwechselnd klatschen, entsteht ein schnellerer Klatschrhythmus.

 

Auch die Hohlräume zwischen den Händen, im Mund oder im Kopf können zum Musikmachen genutzt werden. Dazu kann auf den Mund, die Wange oder den Kopf geschlagen und der Hohlraum dabei jeweils vergrößert oder verkleinert werden. Das benötigt viel Übung. Kinder bringen hier eigenes Fachwissen mit. Sie können häufig sehr verschiedene Geräusche mit ihrem Körper machen.

 

Eine Methode aus einem Rhythmus heraus Musik zu machen ist die Methode „Melodien erwecken durch Silbenstrukturen“. Dabei nimmt man sich ein Wort, zum Beispiel einen Namen, und schaut sich die Silben an. Aus diesen werden neue Muster gebildet. Ein Beispiel: Aus Michael wird: Mi-mi-cha-cha-e-el, El-cha-mi, Le-a-chim, u.s.w. Das kann man dann als Vor-Nachsing-Spiel zusammen mit einem Rhythmus singen.

 

Bradke betonte, dass 80 % der Musikstücke auf der Welt ohne Noten gemacht werden. „Noten sind ein tolles Handwerkszeug, aber überhaupt nicht wichtig um Musik machen zu können.“ Eine Ermutigung auch mit Kindern, die keine Noten lesen können, Musik zu machen. Seine Bühnen-Mitmach-Show rundete Michael Bradke mit einem internationalen Schlussapplaus ab.

 

Die Webseite mit aktuellen Projekten von Michael Bradke finden Sie hier. Mehr Inspiration finden Sie auf seinem YouTube-Kanal.

Bildergalerie

Ohrenspitzertag 2017 Gallery: Eröffnung des Ohrenspitzer Jahrestreffens 2017

Ohrenspitzertag 2017 Gallery: Beim Stationenlauf verschiedene Geräusche wahrnehmen und zuordnen

Ohrenspitzertag 2017 Gallery: Geräusche blind erraten und zuordnen

Ohrenspitzertag 2017 Gallery: In Gruppen musizieren in der Sonderausstellung "Klangwunder"

Ohrenspitzertag 2017 Gallery: Ein Ausstellungsstück der Sonderausstelung Klangwelten

Ohrenspitzertag 2017 Gallery: Luftballons und Schall

Ohrenspitzertag 2017 Gallery: Kennenlernen der Sonderausstellung Klangwelten

Ohrenspitzertag 2017 Gallery: Übungen beim Stationenlauf zum Thema Schall

Ohrenspitzertag 2017 Gallery: Transfer in den Alltag

Führung durch die Sonderausstellung „Klangwunder“

Michael Bradke stellt musikalische Exponate für Ausstellungen auf der ganzen Welt her. Seine Ausstellungen sind immer interaktiv, für die Besucher erfahrbar. So auch die Sonderausstellung „Klangwunder“ in der Experimenta Heilbronn. In einer Führung erzählte er von seiner Arbeit und stellte verschiedene Exponate genauer vor. Außerdem zeigte er Möglichkeiten auf, mit Gruppen interaktiv die Ausstellung zu erfahren. Eine Methode hierbei ist das Tier-Geräusche-Klavier. Dabei stellen sich mehrere Personen, die jeweils ein Tier-Geräusch nachahmen können, in einer Reihe auf und strecken einen Arm aus. Der Pianist kann nun die Arme antippen und so verschiedene Geräusche zum Erklingen bringen. Dazu erklärte Bradke verschiedene soziale Funktionen von Tiergeräuschen, die sich auch in der Musik wiederfinden.

 

Die unterschiedlichen Exponate ermöglichen einen leichten Zugang zur Musik. Mit den verschiedenen Apparaturen können vielseitige Erfahrungen mit Musik gemacht werden. Kinder lernen, helle von dunklen und hohe von tiefen Tönen zu unterscheiden. Der Einfluss von Tönen auf verschiedene Räume und die Veränderung von Stimme durch Effekte werden live erfahrbar. Hall verleitet durch die Außenwahrnehmung der eigenen Stimme zum Singen. Die verschiedenen Instrumentengattungen sind vertreten. Auch der Einfluss der Beschaffenheit, der Größe, der Länge und der Dicke des Materials auf den Klang ist erfahrbar. Es gibt Exponate, die gut mit mehreren Leuten ausprobiert werden können und solche, die eher alleine getestet werden.

Stationenlauf Schallwelten mit Bianca Schmalz

Bianca Schmalz; Bild: Nora Brockamp/LMZ

Bianca Schmalz hat während ihres Praxissemesters beim Projekt Ohrenspitzer ein Stationen-Laufspiel für Schülerinnen und Schüler ab der dritten Klasse entwickelt, welches Schall-Experimente und Tablet-Anwendungen in einem Projekt vereint. Der Stationenlauf „Die Geister der Schallearen“ beginnt mit einer Geschichte, die von einer Spezies handelt, die auf einer Inselgruppe lebt, sehr gerne spielt und sich nur von Tönen ernährt. Nachdem die Schallis jedoch ungewollt Geister geweckt haben, sind sie bedroht, denn die Geister machen einen solchen Lärm, dass die Schallis sich nicht mehr trauen die Hände von ihren Ohren zu nehmen. Nun ist es die Aufgabe der Schülerinnen und Schüler die Geister auf den einzelnen Inseln wieder einzufangen. Dazu werden Gruppen gebildet, die die verschiedenen Stationen rund um die Themen Schall, Gehör und Geräusche ablaufen. An jeder der sieben Stationen werden diese Themen in praktischen Experimenten erfahrbar. Zudem sind sechs Stationen mit Erklärvideos mit theoretischem Hintergrundwissen ausgestattet. So lernen Kinder spielerisch, bis sie alle Inseln erforscht und somit alle Geister eingefangen haben.

 

Die PDF zum Stationen-Laufspiel können Sie hier herunterladen.

Impressionen vom Ohrenspitzer-Jahrestreffen

Das Projekt Ohrenspitzer

Das Ohrenspitzer-Projekt bringt seit 2003 Kinder im Alter zwischen drei und 14 Jahren mit der Bedeutung des gekonnten Zuhörens, interessanten Hörspielen und aktiver Hörspielgestaltung in Berührung. Es ist mittlerweile in über 35 Landkreisen in Baden-Württemberg vertreten und bietet über 70 Veranstaltungen pro Jahr an. Ohrenspitzer wird gefördert von der Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg (LFK), der Stiftung MedienKompetenz Forum Südwest (MKFS), der Landeszentrale für Medien und Kommunikation Rheinland-Pfalz (LMK) und dem Südwestrundfunk (SWR).

Links

Ohrenspitzer Baden-Württemberg  
Materialien, Praxisbeispiele, Ohrenspitzerkoffer, Termine, Standorte u.v.m.

 

Schülerradio für Baden-Württemberg  
Das Stadtmedienzentrum Stuttgart (SMZ) am LMZ BW berät und hilft ganz konkret bei der professionellen Umsetzung von Radioprojekten.

 

MediaCulture-Online: Audio  
Radio, Podcast, Musikproduktionen: Nützliche Tipps zur digitalen Audiotechnik und Ideen für die pädagogische Praxis.

 

Stiftung Zuhören  
Projekte, Fortbildungen, Termine u.a. zum Thema Zuhören.

 

GanzOhrSein  
Ein modulares Handlungsmodell zu Hörenfördern und Hörenmachen mit Bausteinen zur Zuhörförderung.

 

Auditorix  
Hörspielwerkstatt der Landeszentrale für Medien (LfM) und Schule des Hörens für Kinder, Pädagoginnen und Pädagogen.

 

AudiYou
AudiYou ist eine kostenlose Online-Audiothek aus Deutschland für Kinder, auf der Audiodateien hoch- und runtergeladen werden können.

 

Materialien zum Thema Hören  
Materialbestellung bei der Landeszentrale für Medien (LfM), z.B. „Auditorix“, Broschüre „Der Sinn des Hörens“.

 

Die Welt des Hörens  
Website der Initiative Hören – Offensive für das Ohr.

 

Schule des Hörens  
Seite zur Förderung des Bewusstseins der Sinneskompetenz Hören.

 

Hörspielbox  
Alles rund um Sounds im Netz: Geräusche und Klänge online..

 

Gutes Hinsehen und Zuhören – Ratgeber für Eltern  
Materialien der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) zum Thema Lärm und Gesundheit.

 

Weitere interessante Links auch auf der Ohrenspitzer-Seite.

Audio, Außerschulische Pädagogik, Erzieherinnen und Erzieher, MCO_Blog, Medienbildung, Tagungsdokumentation

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