MediaCulture-Online Blog

20.03.2017 | Sascha Schmidt

Die Zukunft der Nachrichten? – Snapchat und die Discover-Funktion

Bild: Screenshot aus Snapchat Discover vom 16.03.2017

Wie sehen mögliche Nachrichtenformate der Zukunft aus und wie können Jugendliche an den Konsum von Nachrichten herangeführt werden? Wenn es nach Branchenanalysten geht, hat Snapchat mit der Discover-Funktion eine Möglichkeit gefunden, Nachrichten für ein junges Zielpublikum auf zeitgemäße Art und Weise zu vermitteln. In Deutschland soll das Angebot ab April ausgebaut werden.

Nachrichten, die sich nach 24 Stunden selbst löschen

Snapchat setzt auf den Austausch von kurzen Videos und Bildern, die nach 24 Stunden wieder verschwinden. Seit 2015 verfügt die App bereits über die sogenannte Discover-Funktion, über die Newsbeiträge von externen Nachrichtenkanälen und Magazinen wie z.B. CNN, National Geographic und Cosmopolitan abgerufen werden können. Die Beiträge sind dabei ähnlich aufbereitet wie privat getauschte Beiträge: Die kurzen Videos und animierten Bilder verschwinden nach 24 Stunden wieder und lassen sich nicht lokal abspeichern. Die einzelnen Beiträge sind häufig so aneinandergereiht, dass sie eine zusammenhängende Geschichte erzählen und die Nutzer/-innen so zum Weitersehen motivieren sollen. Bislang können Nutzer/-innen in Deutschland ausschließlich auf das amerikanische Discover-Angebot zugreifen, ab April wird sich dies voraussichtlich ändern. Mit Spiegel Online, Vice und dem Bravo-Magazin sollen die ersten deutschen Kanäle Snapchats Discover-Funktion für ihre Inhalte nutzen.

Ein Format für junge Zielgruppen

Wenn es nach Branchenexperten geht, dann könnte dieses Nachrichtenformat auch zukünftig eine wichtige Rolle spielen. Gerade junge Zielgruppen spricht diese Art der Nachrichten besonders an, da die Machart der Beiträge mit schnellen Schnitten und einer hohen Content-Dichte auch die derzeitigen Videotrends auf YouTube wiederspiegelt. Hinzu kommt der Umstand, dass Snapchat und die einzelnen Nachrichtenkanäle scheinbar relevante Inhalte für ihre Zielgruppen bereits vorauswählen. Nutzerinnen und Nutzern wird somit ein leichter Zugang zu den Beiträgen ermöglicht und die Suche nach relevanten Themen fällt auf diese Weise weg. Werden bestimmte Beiträge oder Kanäle als uninteressant empfunden, können diese mit dem Berühren des Touchscreens oder einer Wischbewegung sogar einfach übersprungen oder der Nachrichtenkanal gewechselt werden.

Nachrichten oder Werbung?

Bild: Pixabay, Lizenz: CC0

Mit der Bereitstellung von Nachrichtenkanälen durch Snapchat ergeben sich auch neue Herausforderungen für die Medienpädagogik. Den häufig jungen Nutzerinnen und Nutzern muss aufgezeigt werden, welches manipulative Risiko hinter der Discover-Funktion sowie der selektiven Bereitstellung und Aufbereitung von Nachrichten steckt.
Klickt man sich durch derzeit beliebte amerikanische Nachrichtenkanäle auf Snapchat, so fallen vor allem auch geschickte platzierte Werbeinhalte auf. So wird beispielsweise auf dem Discover-Kanal des People-Magazins Werbung für den neuen Disney-Kinofilm geschickt als ein redaktioneller Beitrag mit dem Titel „13 things you never knew about…“ (13 Dinge, die du nie über … wusstest) aufbereitet. Diese Art der Werbeplatzierungen ist zwar keineswegs neu, wurde aber zumindest im Kontext der Discover-News von Snapchat bislang kaum explizit thematisiert. Für den Unterricht ist es beispielsweise denkbar, gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern die Inhalte eines Discover-Kanals auf Snapchat zu betrachten und zu analysieren, wo Werbeinhalte in Form von Nachrichtenbeiträgen platziert sind. Dies kann entweder mit einem schulischen Smartphone/Tablet geschehen, indem das Bild für alle projiziert wird, oder mit (ausgedruckten) Screenshots der einzelnen Beiträge. Wichtig ist es somit auch in diesem Kontext, Kinder und Jugendliche hin zu einem reflektierten Umgang mit dem breiten Medienangebot zu erziehen.


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