Kleine Computerkunde

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„Computer“ ist zu einem dehnbaren Begriff geworden. Während man sich darunter in den 1990er-Jahren den klassischen Desktop-Rechner vorstellte, ist heute alles irgendwie zum Computer geworden – oder besser gesagt: In allem steckt ein Computer. Ob im Auto oder in der Waschmaschine, überall findet sich Computertechnik. Umgekehrt wurden aus Mobiltelefonen kleine Computer, mit denen man auch telefonieren kann. Für jeden Zweck gibt es heute eine ganz eigene Geräteklasse mit spezifischen Vor- und Nachteilen. Wie Privatpersonen müssen auch Bildungseinrichtungen abwägen, was jeweils die beste Lösung ist.

Klassische Desktop-PCs

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Als klassisches Arbeitsgerät steht spätestens seit den 1990er-Jahren an nahezu jedem Bürotisch ein PC-Tower mit Tastatur, Maus und Bildschirm. Auch in Schulen sind sie die Regel, wenngleich es immer mehr Projekte mit Notebooks gibt. Zahlreiche Beispiele zeigen, dass dies in der Praxis gut funktioniert, sowohl mit 1:1-Ausstattung als auch mit weniger Geräten. Andernorts kommt es jedoch vor, dass WLAN-Technik aus gesundheitlichen Gründen problematisiert wird. Ohne WLAN ergibt sich jedoch zur Vermeidung von Kabelsalat zwangsweise ein Festhalten an standortgebundenen PCs.

 

Diese befinden sich meist in gesonderten Computerräumen und sind somit der Benutzung in der alltäglichen Arbeitsumgebung entzogen. Ein solcher PC-Raum bietet als deutlich weniger Flexibilität als ein Klassensatz Notebooks. Gegenüber allen mobilen Varianten hat der Desktop-PC jedoch einen nicht unerheblichen Vorteil hinsichtlich der Ergonomie. Sofern alle Komponenten richtig angeordnet sind, ist häufiges Arbeiten an einem solchen um ein vielfaches gesünder als etwa an einem Notebook.

 

Zudem lassen sich Deskop-PCs durch den Austausch einzelner Komponenten wie optische Laufwerke und Sound- und Grafikkarten oder durch Erweiterung mit Speicherbausteinen individuell an die jeweiligen Bedürfnisse anpassen.

Notebooks

Notebooks oder synonym Laptops, also tragbare Computer, bei denen Tastatur und Bildschirm integriert sind, haben in den vergangenen zehn Jahren zahlreiche Desktop-Rechner aus den Wohnzimmern verdrängt. Durch die fortschreitende Miniaturisierung können heute leistungsfähige Prozessoren und Grafikkarten eingebaut werden, ohne dass die Preise für die Geräte noch eklatant über denen der Desktop-PCs liegen. Gerade bei der quasi-mobilen Nutzung innerhalb der Wohnung erfreuen sie sich immer größerer Beliebtheit.

 

Hinsichtlich Bildschirmgröße und Leistungsfähigkeit gibt es am Markt heute ein immense Bandbreite an Geräteklassen, vom 18,6″ (ca. 47 cm) großen, kaum noch tragbaren Desktop-Ersatz bis zum sogenannten Subnotebook mit etwa 11,6″ (29 cm) Bildschirmdiagonale und ohne optisches Laufwerk. Bei noch kleineren Rechnern spricht man von Netbooks, welche jedoch eine deutlich geringere Prozessorleistung besitzen.

 

Eine besondere Gattung sind die sogenannten Convertibles. Hierbei handelt es sich um Notebooks mit Touchscreen, welche man durch umklappen des Bildschirms zum Tablet-Computer umfunktionieren und per Gestiksteuerung bedienen kann. Weniger eine eigene Geräteklasse als ein Sammelbegriff für besonders schlanke und leichte Notebooks sind die sogenannten Ultrabooks. Bei der Bezeichnung handelt es sich um ein eingetragenes Warenzeichen des Chipherstellers Intel, sie wird jedoch allgemein für solche Geräte verwendet.

 

Während die mobile Nutzung entscheidende Vorteile mit sich bringt, ist die Kehrseite davon die begrenzte Akkulaufzeit. Zudem ist längeres Arbeiten am Notebook weitaus weniger ergonomisch als an einem Desktop-PC.

Netbooks

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Im Jahr 2008 begann ein regelrechter Hype um eine neue Geräteklasse, die sogenannten Netbooks, welcher mittlerweile jedoch wieder deutlich abgeflacht ist. Hierbei handelt es sich um hinsichtlich Displaygröße und Prozessorleistung deutlich reduzierte Notebooks mit geringem Gewicht und hoher Akkulaufzeit. Damit sind sie besonders für die mobile Nutzung konzipiert. Der Name impliziert bereits das angedachte Einsatzgebiet, die Netbooks dienen vornehmlich dem Surfen im Netz und dem Verwenden von Webapplikationen.

 

Oftmals verfügen sie bereits über eingebaute Slots für SIM-Karten zur Nutzung des mobilen Internets. Zum Einsatz kommen meist Atom-Prozessoren von Intel oder in jüngerer Zeit auch die Fusion-Serie des Herstellers AMS. Beide zeichnen sich durch geringen Stromverbrauch und damit einhergehend geringe Leistung aus, was die Einsatzmöglichkeiten dieser Geräte deutlich einschränkt. Für die Betriebssysteme Windows Vista und Windows 7 waren sie anfangs zu schwach und so werden Netbooks seit dem Verkaufsstop von Windows XP entweder mit Linux oder Windows 7 Starter ausgeliefert. Mittlerweile gibt es auch Dual-Boot-Versionen, die sowohl mit Windows 7 Starter als auch mit dem deutlich schnelleren Tablet- und Smartphone-Betriebssystem Android ausgestattet sind.

 

Die Bildschirmdiagonale beträgt meist 10″ (25 cm) bei einer üblichen Auflösung von 1024x600 Pixel, was für mache Anwendungen und Internetseiten etwas klein ist. Was die Netbooks dennoch für die Schule interessant macht, ist ihr geringer Preis: für 250.- € ist heute ein solches Gerät zu haben. Übrigens gibt es auch Netbooks als Convertibles, etwa der OLPC XO-1 oder der Intel Classmate PC . Beide wurden speziell für den Einsatz in der (Grund-)Schule entwickelt, vornehmlich in Schwellenländern. In Deutschland sind sie bislang kaum vertreten. Sie zeichnen sich insbesondere durch eine robuste Bauart aus. Intel gibt etwa an, der Classmate PC könne Stürze aus 60 cm Höhe unbeschadet überstehen.

Nettops

Unter der etwas albernen Bezeichnung Nettop (Netbook + Desktop) versteht man eine Geräteklasse, die hinsichtlich ihrer Leistungsfähigkeit eher einem Netbook entspricht, jedoch wie ein Desktop-Computer nicht über Bildschirm und Tastatur verfügt. Die Geräte sind jedoch deutlich kleiner als letztere. Meist kommen dabei die Atom-Prozessoren der Firma Intel zum Einsatz. Der Markt für Nettops ist recht gering, es handelt sich um absolute Nischenprodukte. Es ist jedoch anzunehmen, dass durch die fortschreitende Miniaturisierung irgendwann gewöhnliche Desktop-PCs ähnliche Abmessungen besitzen werden.

 

Manche Hersteller bezeichnen auch Rechner mit leistungsfähigeren Prozessoren als Nettops, wenn sie hinsichtlich ihrer Abmessungen in dieses Schema passen. Diese Geräte verfügen dann meist über ein optisches Laufwerk, was bei Nettops im herkömmlichen Sinn nicht der Fall ist.

Tablets

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Als Apple Anfang 2010 sein iPad auf den Markt brachte, brach eine regelrechte Hysterie unter Techniknerds rund um die Welt aus. Die Tablet-Computer mit dem 9,7″ (24,6 cm) großen Touchscreen wurden innerhalb kurzer Zeit millionenfach verkauft. Noch im selben Jahr erschienen erste Konkurrenzprodukte mit dem von Google entwickelten Betriebssystem Android, so etwa das Galaxy Tab von Samsung. Sowohl Android als auch iOS, das mobile Betriebssystem von Apple, zeichnen sich durch ihre geschlossene Architektur aus:

 

Software ist nur über die jeweiligen App-Stores erhältlich und an die Betriebssysteme sind unweigerlich Accounts bei diesen Stores verbunden. Die Anbieter binden die Kunden somit in einer Weise an sich, wie es selbst bei Microsofts Windows- und Office-Monopolstellung nie der Fall war. Insbesondere bei Apple kommen zur Software zahlreiche multimediale Inhalte hinzu, an denen der Konzern kräftig mitverdient.

 

Besonders für iOS (Apple) hat sich mittlerweile ein kaum noch überschaubarer Markt an Bildungs-Apps etabliert. Seit Apples Vorstoß mit der Software iBook-author, mit der Lehrkräfte selbst digitale Schulbücher erstellen können, scheint endgültig klar, dass Apple mit dem iPad gezielt auf den Bildungsmarkt zustrebt. Von Google ist in dieser Hinsicht bislang wenig zu hören, auch ist die Vielfalt der Edu-Apps für Android nicht ganz so groß.

 

Egal ob es sich um ein iPad oder ein Android-Gerät handelt, liegen die Vorteile der Tablets auf der Hand: Schnelle Betriebssysteme, die nur eingeschränkt multitasking-fähig sind und beispielsweise die eingebaute Kamera. Sieben offene Programme wie bei Windows sind hier nicht möglich, dafür arbeiten die Tablets jedoch recht fix und sie fahren auch schnell hoch. Wer jedoch viel Text eingeben möchte oder mit komplexer Software arbeiten muss, dem wird ein solches Gerät wenig nutzen. Tablets sind ideal zum Surfen im Netz, zum Bearbeiten von Blogs und Wikis oder zum Arbeiten mit speziell für sie zugeschnittenen Apps. Ob sie für den Einsatz in der Schule taugen, wird kontrovers diskutiert. Die geschlossene Arbeitsumgebung ist verführerisch, andererseits ist für die Hälfte des Preises ein Netbook zu haben ist, das deutlich mehr kann.

Meinungen zum Tablet-Einsatz im Unterricht

 

  • André Spang, Lehrer an der Kaiserin-Augusta-Schule in Köln und dort maßgeblich am Einsatz der iPads beteiligt:

    „Der Vorteil eines Tablets ist seine schnelle Einsetzbarkeit („Instant-On“), seine lange Akkulaufzeit, sein geschlossenes System (speziell beim iPad) und damit die geringe Anfälligkeit für Manipulationen, die hohe Mobilität und die intuitive Bedienbarkeit. Nachteile, wie fehlende Steckplätze, keine Tastatur, kleiner Bildschirm haben wir gerne und bewusst in Kauf genommen, denn die Vorteile der Nutzung im Unterricht und in unterschiedlichsten Räumen und Konstellationen überwiegen für uns.“

  • Stefan Klinga, Leiter des Stadtmedienzentrums Mannheim:

    „Das iPad kann kein Ersatz für richtigen IT-Unterricht sein. Wenn die Jugendlichen die Schule verlassen, dann werden sie am Arbeitsplatz einen PC stehen habe, kein iPad. Der Umgang mit Betriebssystemen, Datenformaten oder auch mit Viren ist deswegen nicht weniger wichtig“

  • Michael Kerber, Stellvertretender Schuldirektor am Evangelisch Stiftischen Gymnasium Gütersloh:

    „Die sind nett zum Anschauen von Videos, zum ernsthaften Arbeiten brauche ich die Dinger nicht“

Smartphones

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Wie Tablets arbeiten moderne Smartphones meist mit Betriebssystemen wie iOS oder Android, mittlerweile auch Windows Mobile. Auch hier war die Firma Apple Vorreiter: 2007 erschien mit dem iPhone das erst Smartphone mit Multitouch-Bedienoberfläche, das fast ausschließlich über den Touchscreen bedient wird. Nach und nach wurde das zuvor hauptsächlich verwendete Symbian OS verdrängt. Bei Smartphones handelt es sich letztendlich um kleine Computer mit integrierter Telefonfunktion.

 

Wie auch Tablets werden sie über Gestiksteuerung bedient. Sie verfügen über mannigfaltige Schnittstellen, Bluetooth, WLAN, USB-Anschluss, Kamera und GPS-Empfänger. Durch letztere lassen sie sich zum Beispiel als Navigationsgerät benutzen, wenn die entsprechende App installiert wird. Wie bei den Tablets sind die Nutzer durch die Wahl des Betriebssystems eng an die Vertriebsplattformen der jeweiligen Hersteller gebunden und müssen sich dort zwangsweise ein Konto einrichten.

Smart-TVs

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Smart-TV oder Hybrid-TV nennt man moderne Fernsehgeräte, die ebenfalls über Computer-Funktionalitäten wie Internetanschluss via WLAN und Schnittstellen für USB-Speichermedien oder SD-Karten verfügen. Solche TV-Geräte können alle gängigen Audio- und Videoformate wiedergeben und sind somit nicht allein an die TV-Programme gebunden. Mit ihnen lassen sich ebenso Online-Angebote wie YouTube, Online-Videotheken oder die Mediatheken der verschiedenen Fernsehsender konsumieren.

 

Neben der gängigen Steuerung mittels normaler Fernbedienung lassen sie sich auch über Smartphones bedienen. Dazu gibt es spezielle Apps, die sich den Touchscreen des Smartphones zunutze machen und somit ein Browsen im Netz auf dem Fernseher erlauben.

Spielkonsolen

Auch Spielkonsolen wie die Sony PlayStation oder die Nintendo Wii verfügen über einen Internetanschluss, etwa um Software-Updates zu beziehen. Dieser ist in der Regel auch zum Surfen nutzbar, wozu es beispielsweise für die PlayStation 3 eine passende Funktastatur gibt. Dank diverser Cloud-Anwendungen lässt sich somit gar mit einer Zocker-Konsole eine Bewerbung schreiben. Praktikabel ist das sicher nicht, aber wo nichts anderes zur Hand ist, allemal besser als gar nichts.

 

 

Pädagogische Praxis

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