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Autorin: Wermke, Jutta.
Titel: Hörerziehung mit Medien. Zum Beispiel O-Töne im Unterricht.
Quelle: Jutta Wermke: Integrierte Medienerziehung im Fachunterricht. Schwerpunkt: Deutsch. München 1997. S.117-131.
Verlag: kopaed verlagsgmbh.
Die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Autorin.
Jutta Wermke
Hörerziehung mit
Medien
Zum Beispiel O-Töne im Unterricht
Wenn von Hörerziehung die Rede ist - zumal unter Deutschlehrern -, richtet sich die Aufmerksamkeit zunächst einmal auf die kommunikative Tugend des Zuhörens (vgl. Spinner 1988). Möglicherweise wird auch die Fähigkeit, Geräusche korrekt zu identifizieren, erwähnt, wie sie bei der Rezeption bzw. Produktion eines Hörspiels geübt werden kann (vgl. Denk 1977; Everling 1988). Im übrigen findet das Hören als Wahrnehmungsvermögen jedoch wenig Interesse, da ihm lediglich dienende Funktion beim Schreiben- und Lesenlernen und bisweilen für die Interpretation eines Textes zugeschrieben wird (vgl. Wermke 1995a, 121f).
Würde man jedoch danach fragen, wogegen sich eine Hörerziehung im Deutschunterricht zu wenden hätte, wären die Antworten sicherlich gezielter und engagierter: gegen 'Reizüberflutung' und 'Schallberieselung' in öffentlichen Gebäuden, gegen den 'solipsistischen' Walkman, gegen 'simple' Kinderhörkassetten und die 'Fließwellenkonzepte' der Rundfunksender (vgl. Liedtke 1988, 8, 203).
Das heißt, Hörerziehung hat im Deutschunterricht heute keinen selbständigen Stellenwert; sie wird allenfalls als Forderung dem Gebrauch, den vor allem Kinder und Jugendliche von auditiven Medien machen (Bonfadelli 1986; Breckner/Herrath 1987; Rogge 1988), entgegengesetzt.
Da wirkt die Vorstellung, die Rudolf Arnheim vor über sechzig Jahren vom "Rundfunk als Hörkunst" entwickelt hat, in mehr als einer Hinsicht irritierend: "Die neue Hörerziehung durch den Rundfunk, von der ja schon viel gesprochen wird, besteht nicht nur darin, daß unsre Ohren sich im Erkennen von Geräuschen üben, daß sie das Zischen einer Schlange vom Zischen des Wasserdampfes ... unterscheiden lernen. ... Wichtiger ... ist, daß wir ein Gefühl für das Musikalische der Naturklänge erhalten; uns zurückfühlen zu jener Urzeit, in der das Wort noch Klang, der Klang noch Wort war." (Arnheim 1979/1933, 24) Der Rundfunk also als Instanz der Hörerziehung, nicht primär als ihr Gegenstand, und Hörerziehung als Hören auf den Klang der Welt und nicht als nachgeordnete Funktion in Kommunikationsprozessen.
Weitgehend unbemerkt von Deutschunterricht und Medienerziehung wurde diese Zielperspektive nach dem Zweiten Weltkrieg in mehreren Bereichen weiterverfolgt. Ende der 60er und Anfang der 70er Jahre treten als neue Radioformen das "Akustische Feature" und das "Neue Hörspiel“ hervor, die beide zentral mit O-Tönen arbeiten. Zur gleichen Zeit entsteht in Kanada das World Soundscape Project, das ebenfalls in Deutschland Aufmerksamkeit findet. Allerdings kristallisieren sich die Projekte zur "Akustischen Landschaft" nicht um einen einzelnen Sender. Auch die Publikationen von Joachim-Ernst Berendt seit den 80er Jahren - am bekanntesten wurde "Nada Brahma. Die Welt ist Klang" (1985), hervorgegangen aus einer Vortragsreihe des Südwestfunks - haben wesentlich zur öffentlichen Diskussion des Hörens beigetragen. Sein Zugang zur Thematik ist im Ansatz spiritueller Natur, und die Musikbeispiele dienen der Meditation. Ich werde darauf unter Punkt 2 genauer eingehen. Zunächst möchte ich jedoch den Klang der Welt konkreter auf O-Töne beziehen und beschränke mich deshalb im folgenden auf eine Kurzcharakteristik des 'Akustischen Features', des 'Neuen Hörspiels' und der 'Klanglandschaft'.
Für das Akustische Feature, wie es am Sender Freies Berlin unter günstigen technischen Bedingungen entwickelt wurde (Braun 1981, 27ff.; vgl. Hickethier 1984, 4ff), ist zweierlei charakteristisch: zum einen der Primat des O-Tons, zum andern der Einsatz der Stereophonie. Peter Leonhard Braun, der diese Form maßgeblich geprägt hat, geht gerade nicht wie journalistisch üblich - von einem vorbereiteten Text aus, in den 0Töne illustrativ eingesetzt werden. Die Bearbeitung des O-Ton-Materials ist für ihn vorgängig und Teil des Erkenntnisprozesses. Eigenart und Struktur der Geräusche und Stimmen sind entscheidende Komponenten, auf die hin der Worttext zugeschnitten wird.
Das erste akustische Feature in diesem Sinne ist "Hühner" (1967). Von der "Musikalität der Naturklänge" in einem romantischen Sinne, wie er bei Arnheim noch mitschwingt, kann hier nicht die Rede sein, eher von ihrer Perversion. Die Denaturierung der Hühnerzucht zur industrialisierten Legehennenbatterie wird hörbar. Der Schrei der zigtausend Küken, die aus dem Brutkasten stürmen, das Picken und Hämmern, wenn das Futterband vorbeirüttelt, sind Stimmen, die in Dialog treten mit den Erläuterungen zur Wirtschaftlichkeit der Anlage und zur artgerechten Haltung: "... die lärmen doch vor Vitalität und Legelust... hören Sie es sich doch an!"
Die herausgearbeitete Spezifik der O-Töne trägt nicht nur hier wesentlich zur Bedeutungskonstituierung im Kontext bei. Die Laute beutemachender "Hyänen" in der afrikanischen Nacht (1971) zum Beispiel korrigieren gängige Vorstellungen von dieser Tierart und dokumentieren zugleich Erkenntnisse der Verhaltensforschung. Oder: Daß "Catch as Catch Can" (1968) nicht nur eine Sache zwischen zwei Kämpfern und einem Schiedsrichter ist, sondern auch bzw. vor allem der Kampf des Publikums, wird akustisch vorgeführt im Wechsel von O-Tönen aus dem Ring und aus dem Zuschauerraum.
Das akustische Feature von Braun und Lindemann bis Kopetzky, um nur die bekanntesten Namen zu nennen, bewahrt nicht nur, sammelt, archiviert, sondern es argumentiert, stellt in Frage, widerlegt, stellt bloß über die akustische Dimension, an der sich die Kommentare messen lassen müssen.
Während das akustische Feature den Rezipienten zum Mit-Hörer machen will, indem der Autor ihm die akustische Essenz dessen vermittelt, was er (der Autor) in der realen Situation wahrgenommen hat, verfolgt das sogenannte "Neue Hörspiel", das - nicht nur, aber verstärkt - im Umfeld des Westdeutschen Rundfunks und vor allem unter der redaktionellen Betreuung von Klaus Schöning (1969; 1974) gepflegt wurde, mit der Einbeziehung von O-Tönen u. a. das Ziel, dem Rezipienten Gehör zu verschaffen, ihn zum Mit-Autor zu machen.
Obgleich Hörspiel und Feature sich in der Machart annähern und bisweilen durchmischen, unterscheiden sich die Formen unverkennbar am Eigenwert, der den Geräuschen im Feature zuerkannt wird, bzw. an der Dominanz der Sprache, die im Hörspiel auch in den O-Tönen beibehalten wird. Die Emanzipation des 'Klangs der Welt' macht aus dem Hörspiel ein Hör-Spielen. Das geschieht in den 80er Jahren, 1990 wird das "Studio Akustische Kunst» im WDR unter der Leitung von Klaus Schöning eingerichtet.
Neben Sprachartistik (von Jandl und Mon z.B.), die keineswegs abgewertet werden soll, hier aber nicht im Mittelpunkt des Interesses steht, werden Audio-Visionen großer Städte in der "Metropolis"-Reihe entworfen: zum Beispiel von München, Venedig, London. Und Soundscapes: Klanglandschaften von der Arktis z.B. mit dem Bersten der Eisberge, dem Erschlagen der Robben. Oder Klangevents wie die "Satelliten-Klangbrücke Köln-Kyoto" von Bill Fontana. Auch diese Entwicklungen erfolgen in enger Zusammenarbeit mit der Rundfunktechnik (vgl. Werner 1992).
Die "akustische Landschaft“ ist das Thema Murray Schafers (1988), der das World Soundscape Project 1970 an der Simon Fraser University in Westkanada gegründet hat. Es wird heute von Barry Truax geleitet.
Schafer fordert und initiiert eine interdisziplinäre Lautsphärenforschung, deren Aufgabe Beschreibung, Archivierung und Bewertung ist. Hinzukommen soll als weitere Disziplin das Akustik-Design, das Fehlentwicklungen korrigieren und vermeiden helfen und konstruktiv Klangräume als Lebensräume entwickeln soll. Als drittes hat Murray Schafer Konzepte des Earcleaning, der Gehörschulung, entwickelt und erprobt, um auch auf diese Weise empfänglich und empfindlich zu machen für Lautsphären. Beispielhaft für die Soundscape-Konzeption war das Projekt der Bauhütte Klangzeit, die die Stadt Wuppertal 1992 in eine Klanglandschaft verwandelt hat.
Die Diskussion um die "akustische Landschaft" hat ihre Auswirkung an unterschiedlichen Sendeanstalten gehabt. Sie hat die Programmgestaltung der Sendereihe des SFB "Internationale digitale Radiokunst", für die Sabine Breitsameter verantwortlich ist, deutlich geprägt. Das gilt in gewisser Hinsicht auch für Heidi Grundmanns "Radiokunst - Kunstradio" beim ORF in Wien.
Die Ambivalenz des Rundfunks wird in diesem Zusammenhang deutlich, indem er einerseits als Lautsphäre mit spezifischem (unter dem Aspekt des Akustik-Designs zu verbesserndem) Rhythmus wahrgenommen wird (Schafer 1988,284ff.) und andererseits als Institution, die akustische Landschaften bewahren hilft (vgl. Berendt 1985, 182). Ähnlich wie Arnheim betrachtet auch Schafer die Welt als "makrokosmische musikalische Komposition". Mit seiner "Kulturgeschichte des Hörens" zielt er darauf ab, daß wir sie nicht nur als etwas Gegebenes "erhalten" sollen, sondern daß wir verantwortlich "für ihre Form und ihre Schönheit" (1988, 9) sind, - ich ergänze - auch für Mißklänge und Fehlentwicklungen.
Diese metaphorische Rede macht allerdings nur einen Sinn, wenn wir davon ausgehen, daß sich über die akustische Dimension ein wesentlicher Zugang zu unserer Umwelt eröffnet und daß dementsprechend das Hören eine nicht ersetzbare Fähigkeit der aktiven und kreativen Wahrnehmung ist.
"Der neue Mensch wird ein hörender Mensch sein - oder er wird nicht sein", schreibt Berendt (1985, 16) in "Nada Brahma. Die Welt ist Klang".
Unsre alltägliche Wahrnehmung resultiert immer aus dem Ensemble unsrer Sinneseindrücke. Das Ohr liefert uns dabei spezifische Informationen (im folgenden vgl. Guski 1989; Tasso 1990; Tomatis 1990; Wermke 1995b).
So vermittelt uns die akustische Wahrnehmung ein anderes Raumgefühl als die visuelle: Der Raum, den wird hören, umgibt uns; der Raum, den wir sehen, ist uns gegenüber. Auch Entfernungen erfahren wir unterschiedlich: Wir hören eine Klangquelle häufig näher, als wir sie sehen. Die größere Intimität des Hörens resultiert auch daraus, daß wir Geräusche im Ohr hören, während der Ort der visuellen Wahrnehmung für unser subjektives Empfinden nicht das Auge, sondern das Objekt ist.
Daß Höreindrücke die Sympathie- und Antipathiezuschreibungen lenken können, und zwar losgelöst von der Mitteilung selbst, ist bekannt (vgl. Ursula Geißner 1984, 133). Weniger bekannt ist die Präzision der akustischen Wahrnehmung, die wir mit dem Auge nicht erreichen. So können wir über das Gehör exakt die Mitte einer Saite (als Oktave) bestimmen, wir hören genaue Zahlenverhältnisse (die Quint, die Quart) und reagieren sensibel auf feinste Nuancen der Stimmführung, so daß wir über das Ohr schlechter zu täuschen sind als etwa über ein Schriftstück.
Auch die Haltung des Hörenden hat ihre Besonderheit. Sie ist nicht nur in Kommunikationssituationen, sondern auch bezogen auf Umweltwahrnehmungen eine Haltung der Zuwendung, der Aufmerksamkeit und Wachsamkeit, des Warten könnens und Zeitgebens. Denn ich kann die akustische Information nicht abrufen wie die optische - die Augen kann ich schweifen lassen, die Ohren lediglich öffnen. Das macht auch ein erhöhtes Maß an Diskretion und Schonung erforderlich, wenn ich etwa mehr verstehe, als ich erfahren sollte.
Und schließlich: Das Gehör ist, mit dem Auge verglichen, unser archaischeres Organ. Wir erleben es als grenzüberschreitend. Wir hören schon, wenn wir noch nicht geboren sind (Tomatis baut seine Therapie darauf auf), und wir hören noch, wenn die anderen Sinne schon tot sind (Berendt 1985, 182ff). "Höre, Edelgeborener" beginnt das Tibetanische Totenbuch.
Daß die abendländische Tradition von Sphärenklängen weiß, die die theoria tou kosmou, die kosmische Schau, begleiten (Schafer 1988, 307ff., vgl. Berendt 1985, 224ff.), erwähne ich nur zur Erinnerung an die Bedeutung, die dieser 'verborgene Sinn' auch in unserer Kultur hatte und hat.
Es mag von daher nicht mehr abwegig erscheinen, wenn es Joachim-Ernst Berendt - wie oben zitiert - zur Schicksalsfrage erklärt, ob wir zu Hörenden werden, ob wir die in der abendländischen Tradition eher besitzergreifende aggressive Augenkultur mäßigen lernen durch die Gelassenheit des Hörenden (vgl. Berendt 1985, 14 ff.), ob es uns gelingt, als Hörende eine auf Nähe, Nuance und Gefühl beruhende Kommunikation zu unserer Umwelt - nicht nur der mitmenschlichen - aufzubauen.
Hören, Horchen und Lauschen sind solche Formen auditiver Aufmerksamkeit (Wermke 1995b). Sie haben gemeinsam, daß sie (im Unterschied zum 'Zuhören' z.B.) akustische Wahrnehmungen außerhalb von Kommunikationsprozessen bezeichnen. Das schließt nicht aus, daß sprachliche Äußerungen auch Teil des Höreindrucks sein können. Wer aber lauscht oder horcht, tut das nicht, um gleich etwas zu sagen, sondern um etwas zu erfahren, ohne zu fragen, oder um das, was zu hören ist, zu genießen. So hört man z.B. Musik, ohne einen weiteren Zweck damit zu verbinden. Man lauscht der Stimme, die eine Geschichte liest, und will sie ja nicht unterbrechen. Aber auch in einer Unterhaltung kann man zeitweilig auf einen Unterton horchen, der einen nachdenklich macht und aus der konkreten Kommunikation heraustreten läßt. Die räumliche Trennung von der Schallquelle ist für Lauschen und Horchen sprichwörtlich geworden. Alle drei Formen auditiver Aufmerksamkeit sind jedoch Elemente einer Hörästhetik, die sich auf den 'Klang der Welt' richtet.
Daß eine solche Hörästhetik nicht ohne O-Töne vermittelt werden kann, daß das Hören des Gehörten im Unterricht unverzichtbar ist, sollte selbstverständlich sein. Hier liegen Chancen einer "neuen Hörerziehung durch den Rundfunk", wie sie Arnheim 1933 vorgeschwebt haben mag. Allerdings ist die Nutzung des akustischen Materials (aus urheberrechtlichen Gründen) häufig nur schwer möglich. Ich habe mich deshalb bei den folgenden Vorschlägen zur Hörerziehung im Deutschunterricht im Interesse ihrer Durchführbarkeit auf öffentlich zugängliche Materialien beschränkt.
Für Deutschlehrer möchte ich die Entscheidung, auditive Medien neben literarischen Texten, die z.B. sehr genaue Hörbilder enthalten können, einzusetzen, noch unter einem weiteren Aspekt begründen. Wahrnehmung und Vorstellung sind unterschiedliche, wenngleich nicht voneinander unabhängige kognitive Leistungen. Der Sprachtext, der etwas Gesehenes oder Gehörtes beschreibt - ob sachlich-detailliert oder poetisch-verdichtet - fordert das Vorstellungsvermögen des Rezipienten heraus, die Phantasie der Sinne. Angeboten wird ihm das Ergebnis eines bestimmten Wahrnehmungsprozesses, der - bewußt oder unbewußt - immer auswählt, zusammenfaßt und zumindest implizit durch die Wortwahl interpretiert.
Die nicht sprachlich vermittelte Situation, die ich erlebe, muß ich selbst erst definieren durch Selektion der Eindrücke, Gewichtung der Aspekte, Entdeckung von Zusammenhängen und Attribuierung von Bedeutung, indem ich für meine Wahrnehmung die passenden Worte finde.
Ästhetische Erziehung, die als Voraussetzung aller handlungsorientierten Zielsetzungen eine kreative Wahrnehmung der Wirklichkeit fördern will, muß neben literarischen Texten nonverbale Anreize geben, um Beobachtung und Sprache, Primärerfahrung und Bedeutung zusammenzubringen. Für die visuelle Seite unserer Wirklichkeitserfahrung tun wir das im Deutschunterricht mit Selbstverständlichkeit, indem wir Werke der bildenden Kunst, dokumentarische Photographie und umweltbezogene Sehaufgaben einbeziehen. Eine vergleichbare Nutzung auditiver Medien steht noch aus.
Die folgenden Vorschläge sollen als Anregung dienen, wie der 'Klang der Welt' im Deutschunterricht (ggf. fächerübergreifend mit Musik) gehört werden kann. Ich gehe in vier Schritten vor, die jeweils eine oder mehrere Stunden in Anspruch nehmen und je nachdem kompakt oder in größeren Intervallen geplant werden können. Es sind:
1. Lautsphäre, 2. Geräuschkomposition, 3. Akustisches Feature, 4. Klanglandschaft, 5. Stille.
Hörbeispiele:
"Voices Of The Rainforest" (als MC bei Network erschienen, aufgenommen von dem Ethnologen Steven Feld, Best.Nr. 140.762)
"Welthören" von Hansjörg Schmidthenner (fast vierstündige Hörfunk-Trilogie, in der ARD gesendet und von Network auf 3 CD`s Best.Nr. 110.805 mit einem Begleitbuch veröffentlicht)
"Gesänge der Buckelwale" (verlegt bei 2001, Best.Nr. 34917)
Es handelt sich hierbei um O-Töne, die bestimmte Audiotope bzw. Lautsphären akustisch darstellen. "Voices Of The Rainforest" dokumentiert einen Tag im Leben der Kaluli, die auf Papua (Neuginea) leben. "Für sie sind die Geräusche des Urwalds Musik", heißt es in der Einführung. Man hört Insekten, Vögel und Frösche am Morgen, die Menschen bei der Arbeit, ihre Lieder, das Wasser der Flüsse, den Regen und den Abendgesang der Vögel.
"Welthören" ist eine akustische Reise um den Erdball und das Ergebnis von 15 Jahren Recherche. "Wir begleiten einen Indio in einem Kanu auf dem Amazonas, hören sein Zwiegespräch mit der Tierwelt; erleben die Fischer in Togo beim von Gesang begleiteten Einholen der großen Netze; wir sitzen neben einem Märchenerzähler in Marrakesch; tibetische Mönche bringen ihr Mantra 'Om' in unsere Ohren; wir sind mitten im hektischen Treiben auf der Howrah-Bridge in Kalkutta; besuchen Trance-Zeremonien auf Bali..." (Einführungstext). Inzwischen ist dieses akustische Dokument für die kulturelle Vielfalt der Erde in einigen Passagen schon zu historischem Archivmaterial geworden, das die Erinnerung an vergangene Klänge bewahrt.
Die “Gesänge der Buckelwale” wurden 1970 von Forschern im offenen Meer bei den Bermuda-Inseln mit Unterwassermikrophonen aufgenommen, die bis zu 500 Metern unter dem Meeresspiegel angebracht waren. Mit ihren Gesängen verständigen sich die Tiere, die in Gruppen leben, auch über weite Entfernungen. Ähnlich wie Vögel haben sie bestimmte - aber viel längere - Melodien, die sie wiederholen und die von überwältigender Intensität und Musikalität sind.
Die Beschäftigung mit diesen O-Tönen im Unterricht hat zum Ziel, zunächst einmal die Wahrnehmung zu schulen, damit die Schüler genau hinhören und Klänge und Geräusche unterscheiden lernen. In einem zweiten Schritt geht es um die Anregung von Vorstellungen, was das für eine Umwelt sein mag, die sich so (fremd) anhört, was das wohl für Lebewesen sind, die so miteinander kommunizieren.
Sprachaufgaben können sich z.B. auf die Beschreibung bestimmter Szenen (z.B. des erwachenden Morgens im Regenwald) beziehen oder auf die Charakterisierung von Klangsequenzen (z.B. der Gesänge verschiedener Buckelwale) oder auf Geschichten die zu bestimmten Geräuschen - vor allem unbekannten - erzählt bzw. erfunden werden.
Als Medienaufgabe bietet es sich an, mit dem Kassettenrekorder, den die meisten Schüler haben, selbst O-Töne aufzunehmen zu vorher genau definierten Themen (Müllabfuhr; Ampelkreuzung; Kirmes; Tennisplatz; Souveniers aus den Ferien usw.).
Nicht sinnvoll wäre es, diese Thematik sozusagen als 'Auftakt' für die Besprechung literarischer Texte zu verwenden. Stattdessen sollten diese wie die folgenden Vorschläge auch als eigenständige Unterrichtsgegenstände präsentiert werden. Das schließt einen Vergleich zwischen der unterschiedlichen Machart und Wirkung von Literatur und Hörtext natürlich nicht aus.
Hörbeispiele:
"Die Ohrenreise" von Georg Eichinger (eine Aufnahme des Senders Freies Berlin, verlegt bei SCHWANM/Patmos Best.Nr. H&L 22442)
"Hi-Fi Geräusche für Dia und Film" (Polygram MusikVertrieb, Glokkengießerwall 3, 20095 Hamburg, Best.Nr. Stereo 84 1559/2)
"Die Ohrenreise" ist eine gute Einführung zum Thema 'Hören als aktive Rezeption' in Form einer Geschichte für Kinder. Hänsel und Gretel wissen von einem Haus in ihrer Stadt, in dem angeblich ein alter Mann lebt, der alle Geräusche sammelt, die es auf der Welt gibt. Wie in einem Restaurant kann man sie gegen eine kleine Gebühr bestellen: pur oder in allen möglichen Mischungen. Die beiden Kinder machen sich dorthin auf, weil sie hören möchten, wie das Gras wächst. In diesem Haus werden sie Zeuge verschiedener Szenen, die ihnen der alte Mann nebenbei erläutert. Z.B. bestellt der Kapitän das Brüllen eines Seelöwen zu Sturm, Brandung, Möwengeschrei und Schiffssirene. Der alte Mann hält dagegen: Warum immer nur langweilige passende Kombinationen, warum nicht einmal eine überraschende Zusammenstellung: z.B. von Türenknarren bzw. Schritten mit Brandung, Möwe, Schiffssirene. - Oder der Philosoph, der die Stille hören möchte: Er ist erbost, denn das Geräusch der fallenden Stecknadel, das er bestellt hat, klinge ordinär - es war eine mit buntem Glaskopf. Mehr verspricht er sich vom "Geräusch einer Nähnadel aus Gold ohne Kopf, die auf ein dunkelgrünes Samtkissen fällt." Die Kinder erfahren bei dieser Auseinandersetzung Interessantes über den Klang der Stillen (Plural!), der je nach den angrenzenden Geräuschen sehr unterschiedlich sein kann. Auch über die Reinheit von Klängen hören sie einiges im Gespräch des alten Mannes mit seinem Lieferanten. Denn die Geräuschaufnahme von einer tausendjährigen Eiche, die gefällt wurde, wird beanstandet, da verunreinigt durch Autolärm usw. Geräuschkassetten, für die die oben angegebene nur ein Beispiel ist, gibt es mit verschiedenen Schwerpunkten und unterschiedlichen Differenzierungsgraden im Handel. Auch Kinder haben sie nicht selten in ihrer Sammlung.
Ziel dieser Unterrichtseinheit ist das Experiment. Nach der Besprechung der verschiedenen Themen, die das Hörspiel anbietet, dürfen die Schüler selbst mit Klängen experimentieren.
Die Medienaufgabe könnte lauten: a) Geräusche aufschreiben, Kombinationen ausdenken und dabei vom Effekt (lustig, grausig, schön ... ), ausgehen, ohne daß weitere Begründungen verlangt werden. b) Kombinationen akustisch realisieren, indem z.B. eine Geräuschkassette benutzt wird. Es könnten dann nach einem bestimmten, vorher festgelegten Plan Geräusche aus den verschiedenen Abteilungen (wie: "Flugzeuge", "Tierstimmen", "Publikumsgeräusche", "Glocken") kombiniert oder im Wechsel gebracht werden; und es können von den Schülern aufgenommene Geräusche dazwischengeschnitten werden, sofern die technischen Möglichkeiten (z.B. ein transportables Mini-Tonstudio) zur Verfügung stehen.
Als Sprachaufgabe mit zahlreichen Varianten könnte anschließen: Die Schüler erfinden zu der Geräuschkomposition Geschichten.
Die Weiterentwicklung des Themas wäre mit einem kulturgeschichtlichen Rückblick zu verbinden, indem der Lehrer oder die Lehrerin über den italienischen Futuristen Luigi Russolo - seine Ästhetik und Ideologie informiert. Im Manifest des Bruitismus schreibt er 1913:
"Uns wird viel größerer Genuß aus der idealen Kombination der Geräusche von Straßen, Verbrennungsmotoren, Automobilen und geschäftigen Massen als aus dem Wiederhören beispielsweise einer Eroica oder Pastorale... Wir werden uns damit unterhalten, daß wir im Geiste die Geräusche der Metallrouleaus vor Ladenfenstern, von zuschlagenden Türen, das Schlurfen und Drängen der Menge, die Massenunruhe der Bahnhöfe, Stahlwerke, Fabriken, Druckpressen, Kraftwerke und Untergrundbahnen orchestrieren." (zit. n. Knilli 1970, 46)
Als Medienaufgabe bietet es sich an, nach einer Phase des Sammelns von Lärmquellen Bilder vorzulegen, z.B. von Ives Tanguy "Langsam dem Norden zu" (1942), mit der Frage: Was für Geräusche könnte diese Maschine machen, wenn sie sich in Bewegung setzt? Die Aufgabe kann auch ohne Schneidemöglichkeit bearbeitet werden mit mehreren Kassettenrekordern, die simultan laufen und jeweils ein Geräusch in einem bestimmten Rhythmus zu Gehör bringen. Reale Lärmquellen können bei einem "Live-Konzert" in der Klasse hinzukommen.
Ein Teil der SchülerInnen formuliert zu der abgebildeten Maschine von Tanguy eine Geräuschkulisse sprachlich, und zwar entweder als Beschreibung oder als Lautmalerei, die dann auch Bestandteil des Konzertes werden kann.
Eine Aufführung mit mehreren Kassettenrekordern, Livegeräuschen und Stimmvirtuosen ist jedoch nur dann sinnvoll, wenn vorher eine rhythmische Strukturierung gelingt. Wichtig wäre es zudem, einen öffentlichen Ort für die Wiedergabe zu finden: einen großen Platz, eine Müllhalde, den Güterbahnhof usw.
Hörbeispiel:
"Hühner" von Peter Leonhard Braun (1967; Sender Freies Berlin) Der Text zu diesem Feature ist publiziert in Peter Leonhard Braun: "4 Feature-Texte", herausgegeben vom Sender Freies Berlin, Berlin 1972. Die Bemühungen der Feature-Abteilung des SFB, Feature-Kassetten ebenfalls über Verlage (zumindest aber über öffentliche Bibliotheken) zugänglich zu machen, sind noch nicht abgeschlossen, lassen aber darauf hoffen, daß die rechtlichen Fragen in absehbarer Zeit geklärt werden können.
"Hühner" ist die erste Dokumentarsendung in Stereo-Technik. Im Dialog von Erzähler, Fachstimme 1, Fachstimme 2, Bauer und Boß wird das Verfahren der industrialisierten Hühnerzucht vom Ablegebetrieb über die Bruthalle zum Eltern- und Großelternbetrieb erläutert und schließlich die Masthähnchenproduktion. Die Rentabilität der Anlagen wird in Zahlenrelationen (wieviel Futter für wieviel Lebendendgewicht, wie viele Eier in wie vielen Tagen usw.) nachgewiesen. Über die Steuerung der biologischen Abläufe durch die Lichteinwirkung erhält der Zuhörer genaue Informationen. Explizit wird dagegen weder kritisiert noch 'hinterfragt'. Alles was gegen diese Tierhaltung vorzubringen wäre, wird konkret zu Gehör gebracht: in der Inhumanität der Fachsprache (die die "Behaglichkeitszone" eines Huhnes nach Prozenten relativer Luftfeuchtigkeit und des Sauerstoffs pro Tag definiert), in der primitiven Gleichsetzung von optimaler Legeleistung und Lebensqualität der Hühner ("die Hühner-Riviera, ganzjährig"), in der sachlichen Beschreibung durch den Erzähler, der die Tiere als lebende dagegensetzt “... riecht nach Körpern... warm, feucht... Ausdünstung von vielen Schläfern ... auch der trockene, würzige Geruch von Futter...das lebt hier...überall...voll davon fast Druck- ...“), und in den Tierstimmen (Piepen in den Eiern, Pochen in den Eiern, Schaben im Ei, Ausbrechen, schrilles Piepen). "Triumph! Leben!" sagt der Erzähler, und der Hörer weiß bereits, wie dieses Leben aussehen wird. Nicht nur die Sprache, sondern auch die Montage (Reihenfolge und Schnitt) entlarven das dargestellte Wohlstandsphänomen als kreatürliches Inferno. Dabei vermittelt die Stereophonie das für das Hören so wichtige Raumgefühl. Der Zuhörer steht als Hörer mitten im Geschehen. Sparsam gesetzte akustische Effekte übernehmen die Funktion des kritischen Kommentars (Fachstimme 1: "Für das Huhn ist der liebe Gott nicht mehr zu ständig, das konstruieren jetzt wir..."). Zu hören ist: das Elektronengehirn, daneben die Hühner; Maschinenrhythmus und Geschrei der Tiere werden mörderisch laut. Die Stille danach wirkt gespannt und unangenehm... usw.
Unterrichtsziel ist es, die Aussagen des Features zu verstehen und zu entdecken, wie sie vermittelt werden. Neben der Strukturanalyse ist die Wirkung auf den Hörer zu reflektieren.
Die Aufgabenstellung kann Gruppenarbeit vorsehen, so daß eine Gruppe den Text nur liest und die andere den Text nur hört. Der Vergleich wird zeigen, daß es einerseits einer besonderen Kompetenz bedarf, die im heutigen Deutschunterricht vernachlässigt wird, komplexe Texte über das Ohr aufzunehmen und simultan zu analysieren. Und daß andererseits über die akustische Dimension eine Aussage bzw. Stellungnahme mitgeteilt wird, die der geschriebene Text nur vermuten läßt.
Obgleich der Schwerpunkt der Beschäftigung mit dem Feature auf der Analyse liegen wird, halte ich es für möglich, in den höheren Klassenstufen parallel zur Erörterung als Aufsatzform auch die Arbeit mit Elementen des Features zuzulassen.
Quellen für Hörbeispiele:
Programm des Studios "Akustische Kunst" (seit 1994 gibt der WDR hierfür ein separates Programmheft heraus, das zu beziehen ist unter: WDR Köln, Studio für Akustische Kunst, D 50600 Köln)
Programm der Sendereihe "Internationale digitale Radiokunst" des SFB (zu beziehen über: Sender Freies Berlin, Abt. Öffentlichkeitsarbeit, Masurenallee 8-14, D 14057 Berlin)
Katalog der Bauhütte Klangzeit Wuppertal 1992, herausgegeben vom Kulturamt, Friedrich-Engels-Allee 83, D 42285 Wuppertal;
Videos zur Klangzeit Wuppertal 92 sind über Halbbild e. V, Gathe 6, D 42107 Wuppertal zu beziehen.
Es geht hierbei um Projekte, die zusammen mit dem Musik- und Kunstunterricht realisiert werden können, Entscheidend ist das Hörerlebnis in der Landschaft (bzw. in Architekturen), so daß Videos zwar als Anregung für eigene Pläne dienen können, nicht jedoch als Ersatz. Es liegt in der Konsequenz des Themas "O-Töne hören", das Klassenzimmer zu verlassen und nach einer gewissen Hörschulung den Klang der Welt 'draußen' zu suchen. Damit die Leserinen und Leser sich eine Vorstellung machen können, gebe ich hier einige Beispiele nach dem Katalog der Bauhütte Klangzeit wieder, die 1992 die Stadt Wuppertal in eine Klanglandschaft verwandelt bzw. als Akustische Landschaft vorgestellt hat.
"Linea Recta". Eine Klang-Installation von Paul Panhuysen, Eindhoven: "Ungefähr 50 lange Saiten werden zwischen die Bäume (einer) Allee gespannt. Jede Saite wird an ihrem Ende befestigt. Dosen dienen als Resonanzkörper. Sie markieren eine gerade Linie in einer Höhe von ca. 3 bis 4 Metern über den Köpfen des Publikums in der Mitte der Allee. Das Instrument wird von Pendeln gespielt, die, durch den Wind bewegt, die Saiten anschlagen. Der Wind ist der Künstler an diesem Instrument. Der Standpunkt des Publikums beeinflußt die Wahrnehmung. Wenn sich die Menschen in der Allee bewegen, wird der Klang wechseln, werden sie andere Klänge hören können. Durch die Bewegung kann der Zuhörer , seine' Klänge herauswählen, die er als 'schön' empfindet. Die Entfernung, der Raum, die Zeit, der Wind, das Publikum, die Natur, die künstlerisch gestaltete Umgebung und das Wetter spielen eine wichtige Rolle im Erleben dieser Installationen."
'Acoustical Views 1'. Eine Klangskulptur von Bill Fontana: Lautsprecher werden auf den höchsten Punkt eines Turms oder eines Denkmals gestellt, von dem aus man einen Panoramablick über die Landschaft hat. An diesen Plätzen soll eine Live-Übertragung von einem Mikrophon zu hören sein, das in der (vom Turm oder vom Denkmal aus zu sehenden) Landschaft installiert ist.
Als Alternative schlage ich vor, auf einem Aussichtsturm Geräuschaufnahmen von Objekten (Bauernhof, Fluß, Autobahn, Fabrik), die in den vier Himmelsrichtungen zu sehen sind, abzuspielen.
Begleitend zu den Projekten können Märchen, Sagen und mythologische Texte gelesen werden, in denen Naturklänge von Bedeutung sind (die Äolsharfe, der Gesang der Sirenen).
"Wer Klang erfahren will, muß zuvor gelernt haben, Stille zu erfahren!“ (Berendt 1985, 190)
Hörbeispiele:
Meditationsübung (aus Berendt 1985, 190-192)
Lieder von Eichendorff (in der Vertonung von Franz Schubert, aufgenommen mit Fischer-Dieskau)
"Gesänge der Buckelwale" (s.o. 3.1.)
Meditationsübung (Auszug): "... Hören Sie auf Ihren Atem... Wenn Sie das eine Weile getan haben, hören Sie durch den Atem hindurch... Sie hören den Raum, in dem Sie sitzen. Nehmen Sie sich nicht vor, ihn unbedingt hören zu wollen. Wenn Sie lange genug hören - dann werden Sie ihn hören... Hören Sie jetzt durch den Raum... Vielleicht gibt es Glockenschläge von ferne... Schritte... Ein Auto ... Vogelstimmen ... Radiomusik von irgendwo her.. Belegen Sie nichts davon negativ.. Hören Sie hindurch. Raum, Glockenschlag, Schritte, Auto, Vögel: Es ist alles ein Schleier. Dahinter ist: Stille. Sie weitet sich - weiter und weiter. 'Offene Weite - nichts von heilig.' Das hören Sie: Weite öffnet sich."
"Mondnacht" von Joseph von Eichendorff
Es war, als hätt der Himmel
Die Erde still geküßt,
Daß sie im Blütenschimmer
Von ihm nur träumen müßt.
Die Luft ging durch die Felder,
Die Ähren wogten sacht,
Es rauschten leis die Wälder,
So sternklar war die Nacht.
Und meine Seele spannte
Weit ihre Flügel aus,
Flog durch die stillen Lande,
Als flöge sie nach Haus.
Die scheinbare Paradoxie, Hörbeispiele zum Thema "Stille" anzugeben, kann Ausgangspunkt für die Beschäftigung mit der Frage sein, wie es zu den unterschiedlichen Charakterisierungen von Stille als dröhnend, knisternd, lastend kommt. Es können weitere Assoziationen gesammelt werden: strömend, blau, voll... Stille ist ein Prozeß, der mit dem Weitertönen der angrenzenden Geräusche beginnt. Geeignete Texte zum Einstieg bieten "Momo" von Michael Ende (1988 z.B. 2. Kapitel) und "Tom Sawyers Abenteuer" von Mark Twain (1949, 9. Kapitel). Außerdem kann an Eichingers "Ohrenreise" (s.o. 3.2.) angeknüpft werden.
Hören als Haltung, an der der ganze Körper beteiligt ist, wird in der Meditationsübung erfahrbar, die auch im 'normalen' Deutschunterricht, sofern es möglich ist, auf dem Boden (oder im Freien) zu sitzen, nicht nur zu Demonstrationszwecken sinnvoll sein kann (vgl. Wermke 1995b). Nach der Konzentration auf ihren Atem werden die Schüler das (gesungene) Lied "Mondnacht" ganz anders, sozusagen körperlich, als großen Bogen des Ein- und Ausatmens und des Ineinanderfließens von Luft und Windhauch wahrnehmen. Schuberts und Eichendorffs "Mondnacht" als Original-Ton der Stille?
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