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Autoren: Labenski, Jürgen / Krusche, Dieter.
Titel: Regisseure von A bis Z (Auszüge).
Quelle: Dieter Krusche: Reclams Filmführer. Stuttgart, 10., neu bearb. Aufl., 1996. S. 717-792 (Auszüge).
Verlag: Philipp Reclam Jun. Verlag.
Die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Verlags.
Dieter Krusche, unter Mitarbeit von Jürgen Labenski
Regisseure von A bis Z (Auszüge)
Inhaltsverzeichnis
Woody Allen 3
Robert Altman 5
Michelangelo Antonioni 6
Ingmar Bergman 8
Bernardo Bertolucci 10
Luis Buñuel 11
Claude Chabrol 13
Charles Spencer Chaplin 14
René Clair 16
Francis Ford Coppola 18
Sergej Michailowitsch Eisenstein 19
Rainer Werner Fassbinder 21
Federico Fellini 22
John Ford 24
Jean-Luc Godard 26
David Wark Griffith 28
Werner Herzog 29
Alfred Hitchcock 31
Helmut Käutner 33
Alexander Kluge 34
Stanley Kubrick 35
Akira Kurosawa 37
Fritz Lang 38
Ernst Lubitsch 40
Louis Malle 41
Friedrich Wilhelm Murnau 42
Georg Wilhelm Pabst 43
Pier Paolo Pasolini 45
Roman Polanski 46
Jean Renoir 48
Alain Resnais 50
Roberto Rossellini 51
Volker Schlöndorff 52
Martin Scorsese 54
Steven Spielberg 55
Wolfgang Staudte 56
Josef von Sternberg 58
Andrej Tarkowski 59
François Truffaut 60
Orson Welles 62
Wim Wenders 64
Billy Wilder 65
Konrad Wolf 66
Allen, geboren als Allen Stewart Konigsberg (andere Quellen: Königsberg) am 1. Dezember 1935 in New York (USA), war zunächst Gag-Schreiber und Entertainer, ehe er als Autor nach Hollywood kam, wo er mit dem Buch für Clive Donners Komödie What's new, Pussycat? (Was gibt's Neues, Pussy?, 1964) einen großen Erfolg hatte. Als Regisseur hat er später stets mit eigenen Drehbüchern gearbeitet. Er sagte: »Ich ziehe das Schreiben der Schauspielerei und dem Inszenieren bei weitem vor.«
Den Übergang Allens zur Regie markiert ein Kuriosum: 1966 kaufte er die Rechte an einem japanischen Abenteuerfilm und verwandelte ihn mit einer Neusynchronisation und ein paar Nachaufnahmen in ein parodistisches Spionagedrama um ein entwendetes Rezept für Eiersalat.
1969 folgte dann sein eigentliches Regie-Debüt mit dem Film Take the money and run (Woody der Unglücksrabe), dem fiktiven Lebensbild eines scheuen Einzelgängers. Mit dem Film Annie Hall (Der Stadtneurotiker, 1977), der vier »Oscars« (u. a. für den besten Film, das beste Buch, die beste Regie) gewann, setzte er sich beim Publikum und bei der Kritik endgültig durch.
Seither hat der Autor, Regisseur und Darsteller Woody Allen in vielen einfallsreichen Variationen vor allem sein Lieblingsthema behandelt: die Frustration des einzelnen in der Gesellschaft, an deren wahren oder vermeintlichen Standards er scheitert. Entstanden sind dabei vor allem intelligente Komödien, die skurrilen Wortwitz überzeugend mit parodistischen Elementen vereinen. Kritiker feierten ihn für diese Filme – wechselweise – als legitimen Erben der Marx-Brothers, von Mae West oder W. C. Fields. Aber Allen drehte auch psychologische Kammerspiele, die deutliche Einflüsse des europäischen Films – vom deutschen Stummfilm bis hin zu Ingmar Bergman – verraten. Alle Anregungen und Einflüsse aber hat Woody Allen zu einem ganz persönlichen Stil umgeschmolzen.
What's up, Tiger Lily? (Woody Allen – What's up, Tiger Lily?, 1966), Take the money and run (Woody – der Unglücksrabe, 1969), Bananas (Bananas, 1970), Everything you always wanted to know about sex** and were afraid to ask (Was Sie schon immer über Sex wissen wollten, aber nie zu fragen wagten, 1972), Sleeper (Der Schläfer, 1973), Love and death (Die letzte Nacht des Boris Gruschenko, 1975), Annie Hall (Der Stadtneurotiker, 1977), Interiors (Innenleben, 1978), Manhattan (Manhattan, 1979), Stardust memories (Stardust Memories, 1980), A midsummer night's sex comedy (Eine Sommernachts-Sexkomödie, 1982), Zelig (Zelig, 1983), Broadway Danny Rose (Broadway Danny Rose, 1984), The purple rose of Cairo (The Purple Rose of Cairo, 1985), Hannah and her sisters (Hannah und ihre Schwestern, 1986), Radio days (Radio Days, 1987), September (September, 1987), Another woman (Eine andere Frau, 1988), Crimes and misdemeanors (Verbrechen und andere Kleinigkeiten, 1988), New York stories (New Yorker Geschichten, 1988 – Episode: Oedipus wrecks – Ödipus ratlos), Alice (Alice, 1990), Shadows and fog (Schatten und Nebel, 1990), Husbands and wives (Ehemänner und Ehefrauen, 1991/92), Manhattan murder mystery (Manhattan Murder Mystery, 1993), Bullets over Broadway (Bullets over Broadway, 1994), Mighty Aphrodite (Mighty Aphrodite, 1995) u. a.
Altman, geboren am 20. Februar 1925 in Kansas City (USA), lebte nach seinem Kriegsdienst zunächst als Autor in Kalifornien. Dann kehrte er in seine Heimatstadt zurück, wo er rund 60 Industriefilme und seinen ersten Spielfilm (The delinquents – Die Delinquenten, 1955) drehte. Anschließend arbeitete er zehn Jahre lang für das Fernsehen, schrieb und inszenierte Fernsehfilme und Episoden für verschiedene Serien. Nach seinem Hollywood-Debüt kam mit dem Film M.A.S.H. (M.A.S.H., 1969) sehr schnell der große Erfolg. In den siebziger Jahren gewann Altman mit seinen Filmen die Gunst des Publikums und den Beifall der Kritiker. Aber 1981 hatte er genug von Hollywood und seinem Produktionssystem. Er ging nach New York und dann nach Paris, inszenierte am Theater, übertrug Bühneninszenierungen auf die Leinwand, machte Low-Budget-Filme. Zudem arbeitete er auch wieder für das Fernsehen, drehte zum Beispiel die Serie Tanner '88, in der ein fiktiver Präsidentschaftskandidat in den damals aktuellen Wahlkampf eingriff. 1992 kehrte Altman nach Hollywood zurück. Sein erster Film nach der ›Heimkehr‹ war The player, eine Satire über das Produktionssystem in Hollywood.

Robert
Altman bei Dreharbeiten zu »Short cuts«
Einen »Altman-Stil« wird man kaum definieren können. Zwar gibt es Vorlieben und Eigenarten, die man in vielen seiner Filme findet z. B. das Vergnügen daran, Filme mit zahlreichen »Hauptpersonen« zu drehen, deren Schicksale ineinander verwoben sind, oder die spezifische Behandlung des Tons mit überlappenden Dialogen und sich überlagernden Tonebenen. Aber wirklich typisch für Altman ist seine enorme Vielfalt in der Wahl der Themen und der Form. Seine Filme sind voller Anregungen und Überraschungen, und sie lassen Raum für die Phantasie des Zuschauers.
The delinquents (Die Delinquenten, 1955), The James Dean Story (Die James-Dean-Story, 1957 Co-R, Dokumentarfilm), Countdown (Countdown – Start zum Mond, 1966), That cold day in the park (Ein kalter Tag im Park, 1968), M.A.S.H. (M.A.S.H., 1969), Brewster McCloud (Brewster McCloud, 1970), McCabe & Mrs. Miller (McCabe und Mrs. Miller, 1970), Images (Spiegelbilder, Irland 1971), The long goodbye (Der Tod kennt keine Wiederkehr, 1972), Thieves like us (Diebe wie wir, 1973), California split (California Split, 1974), Nashville (Nashville, 1975), Buffalo Bill and the Indians, or Sitting Bull's history lesson (Buffalo Bill und die Indianer, 1975), Three women (Drei Frauen, 1976), A wedding (Eine Hochzeit / Robert Altmans Eine Hochzeit, 1977), A perfect couple (Ein perfektes Paar / Robert Altman's Ein perfektes Paar, 1978), Quintet (Quintett, 1978), Popeye (Popeye – Der Seemann mit dem harten Schlag, 1980), Health (Der Gesundheits-Kongreß, 1980), Come back to the five and dime, Jimmy Dean, Jimmy Dean (Komm zurück Jimmy Dean, 1982), Streamers (Windhunde, 1983), Secret Honor (Secret Honor, 1983), The laundromat (Der Waschsalon, 1984 – TV), Fool for love (Liebestoll – Fool for Love, 1985), Aria (Aria, England 1986 – Episode), Beyond therapy (Therapie zwecklos, 1986), Vincent & Theo (Vincent & Theo, Frankreich 1989), The player (The Player, 1992), Short cuts (Short Cuts, 1993), Prêt-à-porter (Prêt-à-porter, Frankreich 1994) u. a.
Antonioni, geboren am 29. September 1912 in Ferrara (Italien), studierte zunächst Volkswirtschaft. Er begann dann, sich für den Film zu interessieren, arbeitete an verschiedenen Drehbüchern mit und war Regieassistent Marcel Carnés bei dem Film Les visiteurs du soir (1942). Danach drehte er mehrere Kurzfilme; erst mit 38 Jahren konnte er seinen ersten Spielfilm inszenieren.
Antonioni ist in erster Linie ein Regisseur der Gefühle. Aber Gefühle sind bei ihm nicht vage romantische Empfindungen, sondern Reaktionen auf gesellschaftliche Verhältnisse. Er sagte: »Wenn man heute einen Film gestaltet, muß man nach meiner Überzeugung vor allem zwei Dinge im Auge behalten – einmal die Wirklichkeit um uns herum, sowohl in ihren alltäglichsten als auch in ihren außergewöhnlichsten Erscheinungsformen, und zweitens das Echo, das diese Eindrücke in unserer Seele hervorrufen.«
Seine Helden sind – besonders in seinen italienischen Filmen – vor allem Frauen, die in einer entfremdeten Welt ihre Naivität zurückzufinden suchen, während die Männer sich an die zweifelhaften Werte einer Konsumgesellschaft verloren haben. In der Gestaltung bevorzugt Antonioni weiche Überblendungen, eine Kamera, die die handelnden Personen umkreist und gleichsam belauert, einen langsamen, aber suggestiven Fluß der Handlung. In seinen späteren, im Ausland gedrehten Filmen zeichnet sich hier allerdings ein Wandel ab. In Blow-up zum Beispiel gibt es ausgesprochen »hektische« Montagen.

Michelangelo
Antonioni bei Dreharbeiten zu »Professione: Reporter«
Cronaca di un amore (Chronik einer Liebe, 1950), I vinti (Kinder unserer Zeit, 1952), La signora senza camelie (Die Dame ohne Kamelien / Die große Rolle, 1953), Tentato suicidio (Selbstmordversuch, 1953 – eine Episode des Films Amore in città – Liebe in der Stadt), Le amiche (Die Freundinnen, 1955), Il grido (Der Schrei, 1957), L'avventura (Die mit der Liebe spielen / Das Abenteuer, Italien/Frankreich 1959), La notte (Die Nacht, Italien/Frankreich 1960), L'eclisse (Liebe 1962, 1961), Il deserto rosso (Die rote Wüste, 1964), Blow-up (Blow up, England 1966), Zabriskie Point (Zabriskie Point, USA 1969), Cina-Chung-Kuo (Antonionis China, 1972 – Dokumentarfilm), Professione: Reporter (Beruf: Reporter, Italien/Frankreich/Spanien 1973/74), Il mistero di Oberwald (Das Geheimnis von Oberwald, 1980 – Fernsehproduktion), Identificazione di una donna (Identifikation einer Frau, 1982), Al di la delle nuvole (Jenseits der Wolken, BRD/Frankreich/Italien 1995 – Co-R: Wim Wenders) u. a.
Bergman, geboren am 14. Juli 1918 in Uppsala (Schweden), ist der Sohn eines Pastors; die Auseinandersetzung mit Gott und mit der Religion bestimmt einen großen Teil seiner Filme. Bergman studierte ab 1937 Literaturgeschichte, brach sein Studium aber bald ab. Er begann, Erzählungen zu schreiben, veranstaltete Laienspiele, arbeitete an einem Studententheater. 1944 schrieb er für Alf Sjöberg das Drehbuch zu dem Film Hets. Wenig später inszenierte er seinen ersten eigenen Film, Kris (Krise), der ein Mißerfolg wurde. Trotzdem wurde Bergman mit weiteren Filmen in Schweden schnell bekannt, während man im Ausland erst durch seine Komödie Sommarnattens leende (1955) auf ihn aufmerksam wurde. Neben seiner Tätigkeit für den Film ist Bergman auch ein bedeutender Theaterregisseur.
»Ich versuche, die Wahrheit über die menschlichen Verhältnisse zu erzählen, die Wahrheit so, wie ich sie sehe« (Bergman). Für Bergman ist der Film stets Mittel zum Zweck. Das formale Experiment hat ihm wenig bedeutet, wenn es ihm nicht half, sich besser, d. h. eindringlicher und überzeugender, zu artikulieren. Er hat nicht um jeden Preis nach neuen Wegen der filmischen Gestaltung gesucht; aber er hat gezeigt, wieviel Neuland man auf den alten Wegen noch erreichen konnte.
Zu Beginn seiner Laufbahn galt er als Chronist der skeptischen Nachkriegsjugend, die in der Welt der Erwachsenen keinen Platz findet. Dann wurden seine Helden älter und entdeckten die Probleme von Ehe und Beruf, die Bergman in den fünfziger Jahren – auch mit den Mitteln der Komödie – behandelte. Mit dem Film Det sjunde inseglet begann das bohrende Fragen nach dem Sinn des Lebens, nach Gott, nach dem Selbstverständnis des Menschen. Und schließlich diagnostizierte Bergman in Filmen wie Scener ur ett aektenskap die Widersprüchlichkeit des Lebens und die Schwierigkeit des Menschen, sich als Individuum und als Partner zu verwirklichen.

Ingmar
Bergman bei Dreharbeiten zu »Trollflöjten«
Kris (Krise, 1944), Skepp till Indialand (Schiff nach Indialand, 1947), Hamnstad (Hafenstadt, 1948), Fängelse (Gefängnis, 1948), Törst (Durst, 1949), Till glädje (An die Freude, 1949), Sommarlek (Einen Sommer lang, 1951), Kvinnors väntan (Sehnsucht der Frauen, 1952), Sommaren med Monika (Die Zeit mit Monika, 1952), Gycklarnas afton (Abend der Gaukler, 1953), En lektion i kärlek (Lektion in Liebe, 1954), Sommarnattens leende (Das Lächeln einer Sommernacht, 1955), Det sjunde inseglet (Das siebente Siegel, 1956), Smultronstället (Wilde Erdbeeren, 1957), Nära livet (An der Schwelle des Lebens, 1957), Ansiktet (Das Gesicht, 1958), fungfruktillan (Die Jungfrauenquelle, 1959), Såsom i en spegel (Wie in einem Spiegel, 1961), Nattvardsgästerna (Licht im Winter, 1962), Tystnaden (Das Schweigen, 1963), Persona (Persona / Geschichte zweier Frauen, 1966), Vargtimmen (Die Stunde des Wolfs, 1967), Skammen (Schande, 1968), En passion (Passion, 1968), Riten (Der Ritus, 1969 – ursprünglich für das Fernsehen produziert), The touch (The Touch / Berührungen, USA 1970), Fårädokument (Dokument über Fårö, 1970 – Dokumentarfilm), Viskningar och rop (Schreie und Flüstern, 1972), Scener ur ett aektenskap (Szenen einer Ehe, 1973), Trollflöjten (Die Zauberflöte, 1974), Ansikte mot ansikte (Von Angesicht zu Angesicht, 1975), Das Schlangenei (BRD 1976), Herbstsonate (BRD/Frankreich 1977), Fårödokument 1979 (Fårö-Dokument 1979, 1979 – Dokumentarfilm), Aus dem Leben der Marionetten (BRD 1979/80), Fanny och Alexander (Fanny und Alexander, Schweden/BRD/Frankreich 1981/82), Efter repetitionen (Nach der Probe, Schweden/Finnland/BRD 1983), Dokument: Fanny och Alexander (Dokument: Fanny und Alexander, 1981-85 – Dokumentarfilm), Karins Ansikte (Karins Antlitz, 1983-85) u. a.
Bertolucci, geboren am 16. März 1941 in Parma (Italien), veröffentlichte zunächst einen Gedichtband, fand Zugang zum Kreis um Pasolini und Moravia und assistierte Pasolini 1961 bei den Dreharbeiten zu Accattone. Pasolini überließ dem 21jährigen Bertolucci auch einen Stoff, mit dem er sich selbst schon lange beschäftigt hatte, für sein Regiedebüt. So entstand 1962 La commare secca. Aber Bertolucci löste sich in der Form seines Films ganz von seinem Vorbild und entwickelte eine Art ironischen Realismus.
In seinen späteren Filmen behandelt Bertolucci bevorzugt die Probleme junger Menschen in einer angepaßten, bürgerlichen Gesellschaft. Auch eine Auseinandersetzung mit dem bürgerlichen Anti-Faschismus (La strategia del ragno) wird in die Rückblende verlegt und dient ihm vornehmlich dazu, die Position des in der Gegenwart lebenden Protagonisten zu bestimmen. Formal bevorzugt er eine genau kalkulierte Erzählstruktur, bei der der Stellenwert der einzelnen Sequenzen im Licht späterer Erkenntnisse immer wieder verändert wird.
Als der italienische Film in die Krise geriet, verlegte sich Bertolucci Ende der achtziger Jahre auf internationale Großproduktionen, in denen er die Möglichkeiten eines großen Budgets verschwenderisch nutzte, in denen er aber auch erstaunlich viel von den inhaltlichen und formalen Strukturen seiner früheren Filme bewahrte.
La commare secca (Die dürre Gevatterin / Gevatterin Tod, 1962), Prima della rivoluzione (Vor der Revolution, 1964), Partner (Partner, 1967), Agonia (Der Todeskampf – Episode des Films Amore e rabbia – Liebe und Zorn, Italien/Frankreich 1967), Il conformista (Der große Irrtum, Italien/Frankreich/BRD 1969), La strategia del ragno (Die Strategie der Spinne, 1970), Ultimo tango a Parigi (Der letzte Tango in Paris, Italien/Frankreich 1972), Novecento (1900, 1974/ 1975), La luna (La Luna, 1978/79), La tragedia di un uomo ridicolo (Die Tragödie eines lächerlichen Mannes, 1980), The last emperor (Der letzte Kaiser, England/VR China/Italien 1986/87), The sheltering sky (Himmel über der Wüste, England 1989/90), Little Buddha (Little Buddha, Frankreich/England 1994) u. a.
Buñuel, geboren am 22. Februar 1900 in Calanda (Spanien) und gestorben am 29. Juli 1983 in Mexico-City (Mexiko), begann seine Karriere in Frankreich. Er war Assistent von Jean Epstein und debütierte 1928 als Regisseur mit dem skandalumwitterten Film Un chien andalou. Für einige Jahre kehrte er nach Spanien zurück und emigrierte nach dem Sieg Francos in die USA, wo er von 1938 bis 1945 vorwiegend mit Verwaltungsaufgaben am Museum of Modern Arts beschäftigt war. 1946 ging er nach Mexiko. Hier etablierte er sich mit einigen Kommerzfilmen, ehe er 1950 mit Los olvidados einen großen künstlerischen Erfolg erzielte. Danach drehte er noch eine Vielzahl bedeutender Filme in Mexiko, Frankreich und Spanien.

Luis
Buñuel bei Dreharbeiten zu »La joven/the young one«
Buñuels Filme sind auf einem schmalen Grat zwischen Realismus und Surrealismus angesiedelt, wobei beides nicht beziehungslos nebeneinander steht sondern ineinander übergeht. Die traumhafte Bildfolge von Un chien andalou gewinnt aggressive sozialkritische Präsenz; der Dokumentarfilm Las hurdes (Erde ohne Brot, 1932) schildert das Elend spanischer Landarbeiter so direkt, so detailversessen, daß ihm etwas Alptraumartiges anhaftet. Realismus und Traum bestimmen auch seine späteren Filme. Immer wieder schildern sie kritisch und exakt gesellschaftliche Fehlentwicklungen, soziale Mißstände; und immer wieder wird der reportagehafte Charakter aufgebrochen durch beklemmende Traumbilder. Den Protagonisten sind oft Zwerge, Krüppel, blinde Bettler beigesellt nicht als pittoreskes Detail, sondern als Bilder des zerstörten Menschen, so wie Buñuels Vorliebe für die Darstellung von Brutalitäten auf die Zerstörung der Welt und des Lebens zielt. Bilder aus dem Unterbewußtsein und realistische Reportagen vereinen sich in seinen Filmen zu einer suggestiven Vision, die dem Publikum klarmachen soll, »daß es nicht in der besten aller möglichen Welten lebt« (Buñuel).
In Frankreich: Un chien andalou (Ein andalusischer Hund, 1928), L‘âge d'or (Das goldene Zeitalter, 1930).
In Mexiko: Gran Casino (Gran Casino, 1947), Los olvidados (Die Vergessenen, 1950), Subida al cielo (Der Weg, der zum Himmel führt, 1951), Las aventuras de Robinson Crusoe (Robinson Crusoe, 1952), El (Er, 1952), EI rio y la muerte (Der Fluß und der Tod, 1954), La vida criminal de Archibaldo de la Cruz / Ensayo de un crimen (Das verbrecherische Leben des Archibaldo de la Cruz, 1955), La mort en ce jardin (Pesthauch des Dschungels, Frankreich/Mexiko 1956), Nazarin (Nazarin, 1958), La fièvre monte a El Pao (Für ihn verkauf ich mich, Frankreich/ Mexiko 1959), La joven / The young one (Das junge Mädchen, 1960).
Viridiana (Viridiana, Spanien/Mexiko 1961), El ángel exterminador (Der Würgeengel, Mexiko 1962), Le journal d'une femme de chambre (Tagebuch einer Kammerzofe, Frankreich/Italien 1963), Belle de jour (Belle de jour – Schöne des Tages, Frankreich/Italien 1966), La voie lactée (Die Milchstraße, Frankreich/Italien 1968), Tristana (Tristana, Spanien/Italien/Frankreich 1970), Le charme discret de la bourgeoisie (Der diskrete Charme der Bourgeoisie, Frankreich/ Italien /Spanien 1972), Le fantôme de la liberté (Das Gespenst der Freiheit, Frankreich 1974), Cet obscur objet du désir (Dieses obskure Objekt der Begierde, Frankreich/ Spanien 1977) u. a.
Chabrol, geboren am 24. Juni 1930 in Paris (Frankreich), wurde nach einem Universitätsstudium zunächst Filmkritiker. Er war Mitarbeiter der Zeitschrift »Cahiers du Cinéma«; als er 1958 mit dem Geld, das ihm durch eine Erbschaft zugefallen war, den Film Le beau Serge drehte, initiierte er eine Entwicklung, die man allgemein als »nouvelle vague« etikettierte. Die Filme, die Chabrol in der ersten Hälfte der sechziger Jahre schuf, enttäuschten viele Kritiker. Doch dann entdeckte man hinter der glatten Perfektion seiner Bilder wieder die exakte Schilderung von Charakteren, Tatbeständen, eines Milieus. Bald galt Chabrol als kritischer Chronist des Bürgertums.
Als Schrittmacher für junge Regisseure, die er später als Produzent auch finanziell förderte, hat Chabrol zweifellos eine wichtige Rolle im französischen Film gespielt. Seinen eigenen Filmen merkt man seine Vorliebe für Hitchcock an: Immer wieder wird eine scheinbar geordnete Welt durch einen Einbruch von außen aufgestört und entlarvt, wobei bewußt »schöne« Bilder den oberflächlich fassadenhaften Charakter der bürgerlichen Ordnung betonen. Und seine Filme beziehen ihre Wirkung nicht zuletzt daraus, daß das Schreckliche, ein Mord etwa, gleichsam beiläufig und wie selbstverständlich geschieht.
Chabrols Filme entstanden, soweit nicht anders ausgewiesen, stets in französisch-italienischer Coproduktion.
Le beau Serge (Die Enttäuschten, Frankreich 1958), Les cousins (Schrei, wenn du kannst, Frankreich 1959), À double tour (Schritte ohne Spur, 1960), Les bonnes femmes (Die Unbefriedigten, 1960), Les godelureaux (Speisekarte der Liebe, 1960), Landru (Der Frauenmörder von Paris / Landru, 1962), Le tigre aime la chair fraîche (Der Tiger liebt nur frisches Fleisch, 1964), Le tigre se parfume à la dynamite (Der Tiger parfümiert sich mit Dynamit, 1966), La ligne de demarcation (Die Demarkationslinie, 1966), La route de Corinthe (Die Straße von Korinth, 1967), Les biches (Zwei Freundinnen, 1968), La femme infidèle (Die untreue Frau, 1968), Que la bête meure (Das Biest muß sterben, 1969), Le boucher (Der Schlachter, 1970), La rupture (Der Riß, Frankreich/Belgien 1970), La decade prodigieuse (Der zehnte Tag, Frankreich 1971), Juste avant la nuit (Vor Einbruch der Nacht, 1971), Docteur Popaul (Doktor Popaul / Der Halunke / Die Bulldogge, Frankreich 1972), La piège à loup (Die Wolfsfalle, 1972), Les noces rouges (Blutige Hochzeit, 1973), Nada! (Nada, 1973/1974), Une partie de plaisir (Eine Lustpartie / Ein lustiges Leben, 1974), De Grey (Das Verhängnis der Familie de Grey, Frankreich 1974 Fernsehproduktion), Le banc de la désolation (Die Bank am Meer, Frankreich 1974 – Fernsehproduktion), Les innocents aux mains sales (Die Unschuldigen mit den schmutzigen Händen, Frankreich/BRD/Italien 1974), Les folies bourgeoises (Die verrückten Reichen, Frankreich/BRD/Italien 1975), Les magiciens (Die Schuldigen mit den sauberen Händen, Frankreich/BRD 1975), The twist (Der Dreh, Frankreich/ BRD/Italien 1976), Alice ou la dernière fugue (Alice, Frankreich 1976), Les liens de sang (Blutsverwandte, Frankreich/Kanada 1977), Violette Nozière (Violette Nozière, Frankreich/ Kanada 1978), Le cheval d'orgueil (Traumpferd, Frankreich 1980), Les fantômes du chapelier (Die Phantome des Hutmachers, Frankreich 1981), Les affinités electives (Die Wahlverwandtschaften, Frankreich/BRD 1981 – Fernsehproduktion), La danse de mort (Ein Totentanz, 1982), Le sang des autres (Das Blut der anderen, Kanada/Frankreich 1983), Poulet au vinaigre (Hühnchen in Essig, 1984), Inspecteur Lavardin (Inspektor Lavardin oder die Gerechtigkeit, Frankreich/ Schweiz 1985), Masques (Masken, Frankreich 1986), Le cri du hibou (Der Schrei der Eule, Frankreich 1987), Une affaire de femmes (Eine Frauensache, 1988), Stille Tage in Clichy (BRD/ Frankreich/Italien 1989), Dr. M. (BRD/Frankreich/Italien 1990), Madame Bovary (Madame Bovary, Frankreich 1990), Betty (Betty; Frankreich 1991), L'enfer (Die Hölle, Frankreich 1993), La céremonie (Biester, Frankreich/BRD 1995) u. a.
Chaplin, geboren am 16. April 1889 in London (England) und gestorben am 25. Dezember 1977 in Vevey (Schweiz), war das Kind armer Varieté-Künstler und trat bereits mit sechs Jahren in kleinen Tanznummern öffentlich auf. Mit der Truppe des Pantomimen Fred Karno machte er 1910 und 1912/13 Tourneen durch die USA. Während der zweiten Tournee wurde er von Mack Sennett entdeckt und für die »Keystone« verpflichtet. Hier entwickelte er allmählich das Kostüm und die Maske, die später weltberühmt wurden. Nach etwa 35 Filmen für Sennett wechselte er 1915 zur »Essanay« und 1916 zur »Mutual« über. 1919 war er bereits Mitbegründer der »United Artists«; und in den zwanziger Jahren wurde er gleichsam ein ungekrönter König des Films, der es sich leisten konnte, an neuen Projekten monate-, ja jahrelang zu arbeiten. Als einer der wenigen Stummfilm-Komiker überstand er auch die Einführung des Tonfilms, allerdings verzichtete er später auf die Figur des »Tramps«, die ihn berühmt gemacht hatte. Nach dem Zweiten Weltkrieg führten sein Privatleben und sein politisches Engagement in den USA zu Pressekampagnen gegen ihn. Man warf ihm »unamerikanisches Verhalten« vor; und während einer Europareise Chaplins im Jahr 1952 erklärte der US-Justizminister, Chaplin, der immer noch englischer Staatsbürger war, werde nicht die Genehmigung zur Rückkehr erhalten. Seither lebte Chaplin in der Schweiz.
»Charlie«, der kleine Mann mit dem Habitus des Heruntergekommenen, der auf teils lächerliche, teils rührende Weise einen Rest von Würde bewahren will, ist wohl die bekannteste Figur der Filmgeschichte. Louis Delluc verglich seinen Schöpfer mit Molière, Élie Faure stellte ihn neben Shakespeare. Das Wort »chaplinesk« ist in viele Sprachen eingegangen. Es bezeichnet einen hintergründigen Humor, in dem Melancholie und das Wissen um die Mängel dieser Welt mitschwingen. Und es bezieht sich auf die Figur des Tramps, der leidet, der sich gegen die Ungerechtigkeit engagiert, der aber auch bereit ist zu kämpfen, um zu überleben. Die Entwicklung dieser Figur, ihre darstellerische Ausprägung und die Erfindung ihrer Abenteuer sind zweifellos das größte Verdienst Chaplins. Der Autor und Schriftsteller überragt noch den Regisseur, der stets mehr vor als mit der Kamera gestaltete. So hat Chaplin auch keine Schüler und Nachahmer gefunden; denn das wesentlichste Moment seiner Wirkung, die Figur des Tramps »Charlie«, ist sicherlich unnachahmlich.
1913/14: rund 35 Filme für die »Keystone«; 1915: 14 Filme für die »Essanay«; 1916: 11 Filme für die »Mutual«.
The tramp (Der Tramp, 1915), The fireman (Der Feuerwehrmann, 1916), The vagabond (Der Vagabund, 1916), One a. m. (Ein Uhr nachts, 1916), Easy street (Easy street, 1917), The immigrant (Der Einwanderer, 1917), A dog's life (Ein Hundeleben, 1918), Shoulder arms (Gewehr über, 1918), The kid (Das Kind / Der Vagabund und das Kind, 1920), Pay day (Zahltag, 1922), The pilgrim (Der Pilger, 1922/23), A woman of Paris (Die Nächte einer schönen Frau / Eine Frau in Paris, 1922/23), The gold rush (Goldrausch, 1925), The circus (Circus, 1926/27), City lights (Lichter der Großstadt, 1930), Modern times (Moderne Zeiten, 1932-35), The great dictator (Der große Diktator, 1938-40), Monsieur Verdoux (Monsieur Verdoux / Der Heiratsschwindler von Paris, 1944-46), Limelight (Rampenlicht, 1952), A king in New York (Ein König in New York, England 1957), The countess of Hongkong (Die Gräfin von Hongkong, England 1965) u. a.
Clair, geboren als René Chomette am 11. November 1898 in Paris (Frankreich) und gestorben am 15. März 1981 ebendort, war zunächst Journalist und hoffte auf literarischen Ruhm. Als er zum Film ging, wählte er ein Pseudonym, um seinen Namen für die künftige literarische Karriere nicht zu kompromittieren. Er begann als Schauspieler, wurde dann Assistent von Louis Feuillade und Jacques de Baroncelli und drehte als ersten eigenen Film 1923 Paris qui dort. Nach Versuchen im Experimentalfilm fand er 1927 mit Un chapeau de paille d'Italie seinen Stil einer beschwingten, tänzerisch-musikalischen Komödie, der ihn weltberühmt machte. Nach dem Mißerfolg seines sozialkritisch engagierten Films Le dernier milliardaire (Der letzte Milliardär, 1934) ging er verbittert nach England und kehrte erst 1939 für kurze Zeit nach Frankreich zurück. Den Krieg verbrachte er als Emigrant in Hollywood. Nach 1945 gelang ihm in Frankreich ein glänzendes Comeback. Doch der Film Porte de Lilas (1956) war sein letzter großer Erfolg.
René Clair hat in seinen Filmen das Paris der kleinen Leute, der Hinterhöfe und Straßensänger entdeckt, das er als realistischen Hintergrund für seine meist heiter-melancholischen Liebesgeschichten und seine turbulenten Verwechslungskomödien benutzte. Weniger erfolgreich waren seine Ausflüge in die Sozialkritik. Der eigentliche »Clairsche Stil«, den die Kritiker bewunderten und den das Publikum liebte, das war Tempo, tänzerische Eleganz, liebenswürdige Ironie, das war aber auch die perfekte Beherrschung der filmischen Mittel und ein Stilwillen, der seine leichten Geschichten nie seicht werden ließ.

René
Clair (l.) und Jean Cocteau 1959 in Cannes
Paris qui dort (Das schlafende Paris, 1923), Entr'acte (Zwischenspiel, 1924), Un chapeau de paille d'Italie (Der italienische Strohhut / Der Florentiner Hut, 1927), Les deux timides (Die beiden Furchtsamen, 1928), Sous les toits de Paris (Unter den Dächern von Paris, 1930), Le million (Die Million, 1931), À nous la liberté (Es lebe die Freiheit, 1932), Quatorze juillet (Der 14, Juli, 1932), Le dernier milliardaire (Der letzte Milliardär, 1934).
In England: The ghost goes west (Ein Gespenst auf Reisen, 1935), Break the news (Heraus mit der Wahrheit / Falschmeldung, 1938).
In den USA: The flame of New Orleans (Die Abenteurerin, 1941), I married a witch (Meine Frau, die Hexe, 1942), It happened tomorrow (Es geschah morgen, 1944), And then there were none (Das letzte Wochenende, 1945).
In Frankreich: Le silence est d'or (Schweigen ist Gold, 1946/47), La beauté du diable (Pakt mit dem Teufel, 1949), Les belles de nuit (Die Schönen der Nacht, Frankreich/Italien 1952), Les grandes manœvres (Das große Manöver, Frankreich/Italien 1955), Porte de Lilas (Die Mausefalle, Frankreich/Italien 1956), Tout l'or du monde (Alles Gold dieser Welt, Frankreich/Italien 1961), Les fêtes galantes (Die Festung fällt, die Liebe lebt / Liebling, laß das Schießen sein, Frankreich/Rumänien 1965) u. a.
Coppola, geboren am 7. April 1939 in Detroit (USA), lernte sein Metier an der Hochschule und als Assistent von Roger Corman. Ein etwas mißglücktes Regiedebüt feierte er bereits 1961 mit der Western- und Sexklamotte Tonight for sure (Das gibt es nur im Wilden Westen); 1962 gewann er den Samuel-Goldwyn-Preis für sein Drehbuch Pilma Pilma, das aber nie verfilmt wurde; im gleichen Jahr ermöglichte ihm Corman einen neuen Start mit dem Horrorfilm Dementia 13 / The haunted and the hunted (Dementia 13, USA/Irland). 1969 gründete Coppola die Produktionsfirma American Zoetrope; 1971 verfilmte er Mario Puzos Mafia-Chronik The godfather und gewann damit den »Oscar« für den besten Film; 1973 produzierte er den von George Lucas inszenierten Erfolgsfilm American graffiti. Coppola war als wichtiger Vertreter des »New-Hollywood«-Films etabliert. In der Folge war sein Werk von phantasievoller Kreativität und Risikobereitschaft geprägt. Er hat die Familiengeschichte um den Godfather mit zwei Fortsetzungen komplettiert, das Unbehagen an und in der amerikanischen Gesellschaft mit dem alptraumhaften Drama The conversation (1973) artikuliert, den Wahnwitz des Krieges in Apocalypse now (1976-79) eingefangen. In One from the heart (Einer mit Herz, 1981) versuchte er, die Video-Ästhetik mit der Kino-Dramaturgie zu versöhnen – und verlor dabei sein Geld und seine Zoetrope-Studios. Aber der Regisseur Coppola erholte sich von diesem Rückschlag schnell. Mit »kleinen« Filmen wie dem versponnen-subversiven Rumble fish (Rumble Fish, 1982) machte er einen neuen Anfang; auch seine Position in der Film-Industrie hat sich wieder konsolidiert.
Eine »typische Handschrift«, ein beherrschendes Thema findet man in Coppolas Werk nicht. Aber die Lust, mit bewegten Bildern zu fabulieren, Spannung und Stimmungen zu erzeugen, neue Wirkungsmöglichkeiten zu erkunden, spürt man in all seinen Filmen.
Tonight for sure (Das gibt es nur im Wilden Westen, 1961), Dementia 13 / The haunted and the hunted, (Dementia 13, USA/Irland 1962), You're a big boy now (Big Boy, jetzt wirst Du ein Mann!, 1966), Finian's rainbow (Der goldene Regenbogen, 1967), The rain people (Liebe niemals einen Fremden, 1968), The godfather (Der Pate, 1971), The conversation (Der Dialog, 1973), The godfather, part II (Der Pate, Teil II, 1974), Apocalypse now (Apocalypse now, 1976-79), One from the heart (Einer mit Herz, 1981), The outsiders (Die Outsider, 1982), Rumble fish (Rumble Fish, 1982), The Cotton Club (Cotton Club, 1983), Peggy Sue got married (Peggy Sue hat geheiratet, 1986), Gardens of stone (Der steinerne Garten, 1986), Tucker: the man and his dream (Tucker, 1987), New York stories (New Yorker Geschichten, 1988 – Episode), The godfather, part III (Der Pate, Teil III, 1989), Dracula (Bram Stoker's Dracula, 1992).
Eisenstein, geboren am 23. Januar 1898 in Riga (Rußland) und gestorben am 11. Februar 1948 in Moskau (UdSSR), studierte zunächst am Ingenieurinstitut. 1920 wurde er Regisseur und Bühnenbildner am Moskauer Proletkult-Theater. Mit dem Film kam er erstmals 1923 in Berührung, als er einen Kurzfilm (Glumows Tagebuch) drehte, den er in seine Bühneninszenierung von Ostrowskis Eine Dummheit macht auch der Gescheiteste einbauen wollte. 1924 entstand sein Film Statschka, und schon sein nächster Film, Bronenosez Potjomkin, machte ihn berühmt. Von 1929 bis 1932 unternahm Eisenstein eine Studienreise in das westliche Ausland und drehte den Film Que viva Mexico!, den er nicht vollenden konnte. Unvollendet blieb auch sein Film Beschin lug, den er nach seiner Rückkehr in die UdSSR in Angriff nahm. Er scheiterte an den Einsprüchen engstirniger Funktionäre. Erst 1938 konnte er mit Alexandr Newski wieder einen Film vollenden. Eisenstein starb während der Arbeit an dem dritten Teil seines Films Iwan grosny, dessen zweiter Teil ihm eine öffentliche Rüge des ZK der KPdSU eingetragen hatte.
Eisenstein gilt unbestritten als einer der größten Regisseure und bedeutendsten Theoretiker des Films. In seinen Stummfilmen verzichtete er auf die übliche Fabel und den individuellen Helden. Außerdem entwickelte er für sie eine spezielle Art der Montage. In der Aneinanderreihung einzelner Szenen sah er nicht nur die Möglichkeit, eine fortlaufende Handlung zu erzählen; er wollte vielmehr durch den »unvermittelten Zusammenprall der Bilder« im Zuschauer »Ideen auslösen und Einsichten bewirken«. Deshalb unterbrach er z. B. in seinem Erstlingswerk Statschka die Schilderung des brutalen Einsatzes berittener Polizisten gegen streikende Arbeiter durch Bilder aus einem Schlachthof. In den dreißiger Jahren, im Zeichen des »sozialistischen Realismus«, galten die Montage-Theorien des einstmals gefeierten Regisseurs als »formalistisch«. In seinen Tonfilmen wandelte sich Eisensteins Stil. Nicht mehr die Masse steht im Mittelpunkt, sondern eine überragende Einzel-Persönlichkeit; und an die Stelle der »Kollisionsmontage« treten expressive Schauspielkunst und düstere Suggestivkraft der Bilder.
Eisenstein hat übrigens alle seine Stummfilme zusammen mit seinem Assistenten Grigori Alexandrow inszeniert; in seinen sämtlichen Filmen hat er mit dem Kameramann Eduard Tisse zusammengearbeitet.

Sergej
Eisenstein über Skizzen zu »Iwan grosny«
Statschka (Streik, 1924), Bronenosez Potjomkin (Panzerkreuzer Potemkin, 1925), Oktjabr (Oktober / Zehn Tage, die die Welt erschütterten, 1927), Generalnaja linija / Staroje i nowoje (Die Generallinie / Das Alte und das Neue / Kampf um die Erde, 1926-29), Que viva Mexico! (Que viva Mexico!, USA 1930-32, unvollendet), Beschin lug (Die Beschin-Wiese, 1935-37, unvollendet), Alexandr Newski (Alexander Newski, 1938), Iwan grosny (I und II) (Iwan der Schreckliche – I und II, 1944-46), Iwan grosny (III) (lwan der Schreckliche – III, 1946/47, unvollendet).
Fassbinder, geboren am 31. Mai 1946 in Bad Wörishofen (BRD) und gestorben am 10. Juni 1982 in München (BRD), besuchte die Rudolf-Steiner-Schule und anschließend Gymnasien in Augsburg und München. Er verließ die Schule, um Schauspieler zu werden. 1967 kam Fassbinder zum Münchener »Action-Theater«, aus dem Anfang 1968 das »antiteater« wurde. Nach zwei Kurzfilmen (Stadtstreicher, 1966; Das kleine Chaos, 1967) drehte er 1969 mit dem Ensemble des »antiteaters« seinen ersten abendfüllenden Spielfilm (Liebe ist kälter als der Tod), der im gleichen Jahr bei den Berliner Filmfestspielen gezeigt wurde. In den folgenden drei Jahren hat Fassbinder mehr als ein Dutzend Spiel- oder Fernsehfilme gedreht.
In der Nachfolge seines Erstlings Liebe ist kälter als der Tod entstand eine Reihe unkonventioneller Gangsterfilme, in denen die Rituale amerikanischer Vorbilder und auch der Filme des Franzosen Jean-Pierre Melville intelligent verarbeitet wurden, in denen Fassbinder eine eigene »Kino-Welt« voller Verweise und Zitate, voller Melancholie und Resignation schuf. An seinen zweiten Film, Katzelmacher, schließt ein Zyklus entlarvender Studien aus dem kleinbürgerlichen Leben an. Hier zeigt Fassbinder, wie sich Menschen am Alltag reiben, wie sie an den Anforderungen der Konsumgesellschaft zerbrechen. Dabei erreichte er die Intensität seiner Filme durch eine ganz unspektakuläre, aber konsequent insistierende Kamera und durch eine karge Sprache, die in ihrer Stilisierung an Ferdinand Bruckner erinnert. Allerdings unterliefen ihm in seinen oft melodramatischen Zeitbildern gelegentlich auch allzu grelle Effekte (Satansbraten). Mit Filmen wie Despair – Eine Reise ins Licht und Lili Marleen machte Fassbinder später auch den Versuch, mit »Weltstars« für den »Weltmarkt« zu produzieren. Bei aller formalen Perfektion vermißt man aber in diesen Filmen die widerborstige Individualität ihres Schöpfers. Die war eher spürbar in seiner umstrittenen, aber höchst eindringlichen Fernsehserie Berlin Alexanderplatz.
Liebe ist kälter als der Tod (1969), Katzelmacher (1969), Götter der Pest (1969), Warum läuft Herr R. Amok? (1969 – Co-R: Michael Fengler), Rio das Mortes (1970), Whity (1970), Niklashauser Fart (1970 – Co-R: Michael Fengler – Fernsehproduktion), Der amerikanische Soldat (1970), Pioniere in Ingolstadt (1970 – Fernsehproduktion), Warnung vor einer heiligen Nutte (1970), Der Händler der vier Jahreszeiten (1970 – Fernsehproduktion), Die bitteren Tränen der Petra von Kant (1971), Wildwechsel (1972 – Fernsehproduktion), Acht Stunden sind kein Tag (1972 Fernsehserie), Welt am Draht (1973 – Fernsehproduktion), Die Zärtlichkeit der Wölfe (1973 Gesamtleitung, R: Ulli Lommel), Nora (1973), Angst essen Seele auf (1973), Martha (1973), Effi Briest (1972-74), Faustrecht der Freiheit (1974), Mutter Küsters Fahrt zum Himmel (1975), Angst vor der Angst (1975), Ich will doch nur, daß ihr mich liebt (1975/76 – Fernsehproduktion), Der Postmeister (1975 – Fernsehproduktion), Satansbraten (1976), Chinesisches Roulette (BRD/ Frankreich 1976), Bolwieser (1976/77 – Fernsehproduktion), Despair – Eine Reise ins Licht (BRD/Frankreich 1977), Deutschland im Herbst (1977/78 – Episode), Die Ehe der Maria Braun (1978), In einem Jahr mit 13 Monden (1978), Die dritte Generation (1978/79), Berlin Alexanderplatz (1979/80 – Fernsehserie), Lili Marleen (1980), Lola (1981), Die Sehnsucht der Veronika Voss (1981), Querelle – Ein Pakt mit dem Teufel (BRD/Frankreich 1982) u. a.
Fellini, geboren am 20. Januar 1920 in Rimini (Italien) und gestorben am 31. Oktober 1993 in Rom (Italien), war zunächst Karikaturist und Rundfunkautor, trat in Varieté auf und schrieb für die humoristische Wochenzeitschritt »Marc Aurelio«. Auch zum Film kam er zunächst als Autor: Er war Co-Autor bei Rossellinis Roma città aperta und Paisà, bei Lattuadas Senza pietà und Germis Il cammino della speranza (Der Weg der Hoffnung, 1951) u. a. In Rossellinis L'amore war er als Darsteller der Partner von Anna Magnani. 1950 drehte er zusammen mit Alberto Lattuada den Film Luci del varietà (Lichter des Varietiés). Ein Jahr später entstand sein erster eigener Film. Spätestens mit La strada errang Fellini internationalen Ruhm.
Fellinis Filme vereinen auf faszinierende Weise einen sehr subjektiven Realismus mit einer wuchernden Bildphantasie und einem mystischen Glauben an die Kraft der Gnade, die vornehmlich den Armen und Naiven zuteil wird. Christliches Gedankengut mischt sich mit Obsessionen, die offenbar aus Kindheitserinnerungen stammen. Fellini sagt: »Meine Arbeit ist nichts anderes als das Bekenntnis meiner Sehnsüchte und Wünsche. Sie ist der Spiegel meines Lebens.«
Während die ersten Filme Fellinis genau kalkulierte Geschichten erzählten, überwiegt später, ab La dolce vita, eine episodische, fast essayistische Struktur, bei der nicht mehr die Handlung, sondern die genaue Beschreibung von Situationen wichtig ist. Vieles wirkt dort improvisiert, wie eine spontane Eingebung. »Eine Arbeit mit einer festgefügten Konzeption zu beginnen wäre für mich undenkbar. Irgendwann würde ich sie doch über den Haufen werfen« (Fellini). Das ergibt oft einen suggestiven Fluß der Bilder, entgeht aber gerade in den letzten Filmen nicht immer der Gefahr unverbindlicher Effekte.

Federico
Fellini bei Dreharbeiten zu »Amarcord«
Luci del varietà (Lichter des Varieté, 1950 Co-R: Alberto Lattuada), Lo sceicco bianco (Die bittere Liebe, 1951), Amore in città (Liebe in der Stadt, 1953 – Episode), I vitelloni (Die Müßiggänger, Italien/Frankreich 1953), La strada (La Strada / Das Lied der Straße, 1954), Il bidone (Die Schwindler, Italien/Frankreich 1955), Le notti di Cabiria (Die Nächte der Cabiria, Italien/ Frankreich 1956), La dolce vita (Das süße Leben, Italien/Frankreich 1959), Boccaccio 70 (Boccaccio 70, Frankreich/ Italien 1962 – Episode), Otto e mezzo (8½, Italien/Frankreich 1962), Giulietta degli spiriti (Julia und die Geister, BRD/Italien/ Frankreich 1965), Histoires extraordinaires (Außergewöhnliche Geschichten, Frankreich/Italien 1967 – Episode: Toby Dammit), Fellini: Satyricon (Fellinis Satyricon, 1969), I clowns (Die Clowns, 1970 – Fernsehproduktion), Fellini: Roma (Fellinis Roma, Italien/Frankreich 1971), Amarcord (Amarcord, 1973), Il Casanova di Fellini (Fellinis Casanova, Italien/England 1974/ 1975), Prova d'orchestra (Orchesterprobe, Italien/BRD 1978), La città delle donne (Fellinis ›Stadt der Frauen‹, Italien/Frankreich 1978/ 1979), E la nave va (Fellinis Schiff der Träume, Italien/Frankreich 1983), Ginger e Fred (Ginger und Fred, Italien/Frankreich/BRD 1985), Federico Fellini intervista (Fellinis Intervista, Italien/ Frankreich 1986), La voce della luna (Die Stimme des Mondes, Italien/Frankreich 1989) u. a.
Ford, als Sohn irischer Eltern unter dem Namen Sean Aloysius O'Fearna am 1. Februar 1895 in Cape Elizabeth (USA) geboren und gestorben am 31. August 1973 in Palm Deserts bei Palm Springs (USA), wurde von seinem Bruder Francis, der in der Frühzeit des Films als Schauspieler und Regisseur einigen Erfolg hatte, nach Hollywood geholt. 1917 erhielt er die Chance, Wildwestfilme zu inszenieren. Als er 1924 mit The iron horse (Das Feuerroß) seinen ersten künstlerischen Erfolg erzielte, hatte er bereits rund 50 Filme dieses Genres gedreht.
Der Western blieb das Gebiet, auf dem er es vor allem zur Meisterschaft brachte, obwohl er auch mit sogenannten »Problemfilmen« erfolgreich war. Mit sechs »Oscars« für Regie (vier für Spielfilme, zwei für Dokumentarfilme) dürfte Ford, der insgesamt rund 150 Filme drehte, wohl Hollywoods »meistdekorierter« Regisseur sein.
Eines der Lieblingsmotive Fords ist das Schicksal einer Gruppe, die durch drohende Gefahr isoliert ist. Dieses Muster benutzt er sowohl in seinen Western als auch in seinen sozialkritischen Filmen, in denen gewöhnlich eine Familie diese Gruppe bildet. Ford erweist sich als Meister in der Darstellung der Gruppendynamik und der Charakterisierung der einzelnen Personen, die plastisch gegeneinander abgesetzt sind. Dabei diagnostiziert er kühl und gelassen, nimmt gleichsam die Position des objektiven Beobachters ein. Lakonisch ist auch sein Bildstil. Selbst in turbulenten Situationen bleibt die Kamera nicht selten relativ unbeweglich; aber er versteht es, aus diesem Kontrast zusätzliche Spannung abzuleiten. Von Bedeutung für sein Werk ist auch die Zusammenarbeit mit zwei bevorzugten Drehbuchautoren: Dudley Nichols (1930-47) und Frank S. Nugent (seit 1947).
Seine wichtigsten Western: The iron horse (Das Feuerroß, 1924), The lost patrol (Die verlorene Patrouille, 1934), Stagecoach (Ringo / Höllenfahrt nach Santa Fe, 1939), My darling Clementine (Faustrecht der Prärie / Tombstone, 1946), Three godfathers (Spuren im Sand, 1948), Fort Apache (Bis zum letzten Mann, 1948), She wore a yellow ribbon (Der Teufelshauptmann, 1949), Wagonmaster (Westlich St. Louis, 1950), Rio Grande (Rio Grande, 1950), The searchers (Der schwarze Falke, 1956), The horse soldiers (Der letzte Befehl, 1959), Two rode together (Zwei ritten zusammen, 1961), The man who shot Liberty Valance (Der Mann, der Liberty Valance erschoß, 1961), Cheyenne autumn (Cheyenne, 1964).
Sonstige Filme: The informer (Der Verräter, 1935), Young Mr. Lincoln (Der junge Mr. Lincoln, 1939), The grapes of wrath (Früchte des Zorns, 1939/40), The long voyage home (Der lange Weg nach Cardiff, 1940), Tobacco road (Die Tabakstraße, 1940), How green was my valley (So grün war mein Tal / Schlagende Wetter / Schwarze Diamanten, 1941), The fugitive (Befehl des Gewissens, 1947), The quiet man (Der Sieger / Die Katze mit dem roten Haar, 1952), The sun shines bright (Wem die Sonne lacht, 1953) u. a.
Godard, geboren am 3. Dezember 1930 in Paris (Frankreich), wuchs in der Schweiz auf und drehte dort 1954 seinen ersten Kurzfilm. Er studierte dann in Paris Ethnologie, wurde Filmkritiker (u. a. bei den »Cahiers du Cinéma«), drehte weitere Kurzfilme (z.T. zusammen mit Eric Rohmer bzw. François Truffaut) und inszenierte 1959 À bout de souffle, seinen ersten abendfüllenden Spielfilm.

Jean-Luc
Godard
Godard hatte in seinem ersten Spielfilm gewisse ästhetische Gesetze besonders des Filmschnitts souverän mißachtet; aber er hatte doch eine ganz normale, spannende Geschichte erzählt. In seinen späteren Filmen (speziell seit Masculin féminin) trat dann das Moment des Erzählerischen mehr und mehr zurück zugunsten der Reflexion. Was Truffaut schon sehr früh diagnostizierte: Godard verfilmte nicht mehr seine Gefühle, sondern seine Gedanken. Die Schriftinserts z. B., die schon in den frühen Filmen die Erzählstruktur aufbrachen, gewannen ein Eigenleben; die handelnden Personen erschienen im Gewand (und der Bedeutung!) allegorischer Figuren; die eigentliche Handlung trat mehr und mehr zurück zugunsten zeitkritischer Reflexionen. In Le gai savoir schließlich ist die »Handlung« ganz auf die Diskussion zwischen einem Mann und einer Frau reduziert. Mit dieser Entwicklung hat Godard einen beträchtlichen Teil seiner früheren Anhänger verloren. Er gewann statt dessen eine Schar begeisterter Apologeten, für die seine Methode ein neuer Weg der Filmkunst ist.
À bout de souffle (Außer Atem, 1959), Le petit soldat (Der kleine Soldat, 1960), Une femme est une femme (Eine Frau ist eine Frau, Frankreich/Italien 1961), Vivre sa vie (Die Geschichte der Nana S., 1962), Les Carabiniers (Die Karabinieri, Frankreich/Italien 1963), Le mépris (Die Verachtung, Frankreich/Italien 1963), Bande à part (Die Außenseiterbande, 1964), Une femme mariée (Eine verheiratete Frau, 1964), Alphaville, une étrange aventure de Lemmy Caution (Lemmy Caution gegen Alpha 60, Frankreich/Italien 1964), Pierrot le fou (Elf Uhr nachts, 1965), Masculin féminin (Masculin – feminin oder: Die Kinder von Marx und Coca-Cola, Frankreich/Schweden 1966), Made in USA (Made in USA, 1966), Deux ou trois choses que je sais d'elle (Zwei oder drei Dinge, die ich von ihr weiß, 1966), La chinoise, ou plutôt à la chinoise (Die Chinesin, 1967), Week-end (Weekend, Frankreich/Italien 1967), Loin du Viet-Nam (Fern von Vietnam, 1967 – Co-R), Le gai savoir (Die fröhliche Wissenschaft, 1968), One plus one (Eins plus Eins, England 1968), British sounds (EngIische Töne, England 1969), Prawda (Wahrheit, CSSR 1969), Vladimir et Rosa (Wladimir und Rosa, Frankreich/BRD/USA 1970 – Co-R: Jean-Pierre Gorin), Lotte in Italia (Kämpfe in Italien, 1970), Vento dell'est (Ostwind, Italien/Frankreich/BRD 1970), El fatah (El Fatah, 1971 – unvollendet), Tout va bien (Alles geht gut, Frankreich/Italien 1971/72), Letter to Jane (Ein Brief an Jane, 1972 – Co-R: Jean-Pierre Gorin), One a(merican) m(ovie) (Ein amerikanischer Film, 1968 – unvollendet), Numéro deux (Nummer zwei, 1975), Comment ça va? (Wie geht es?, Frankreich/Mexiko 1975 – Co-R: Anne-Marie Miéville), Ici et ailleurs (Hier und anderswo, 1975 – Co-R: Anne-Marie Miéville), Six fois deux (Sechs mal zwei, 1976), Sauve qui peut (La vie) (Rette wer kann [Das Leben], Schweiz/Frankreich/BRD 1979), Passion (Passion, Schweiz/Frankreich 1981), Prénom Carmen (Vorname Carmen, 1982), Je vous salue Marie (Maria und Joseph, Frankreich/Schweiz/England 1983), Detective (Detektiv, 1984), Soigne ta droite (Schütze deine Rechte, Frankreich/Schweiz 1986), King Lear (König Lear, USA 1987), Nouvelle vague (Nouvelle vague, 1990), Allemagne neuf-zéro (Deutschland 90, 1991), Hélas pour moi! (Weh mir!, Frankreich/Schweiz 1993), JLG (JLG, Frankreich/Schweiz 1994 Dokumentarfilm), 2 x 50 ans de cinéma francais (2 x 50 Jahre französischer Film, England/Frankreich/Schweiz 1994/95 – Co-R: AnneMarie Miéville) u. a.
Griffith, geboren am 23. Januar 1875 in La Grange (USA) und gestorben am 23. Juli 1948 in New York (USA), war zunächst u. a. Laufbursche, Gelegenheitsarbeiter, Reporter und Schauspieler bei einer Wanderbühne. Als Darsteller kam er auch zum Film und debütierte in Edwin S. Porters Rescued from an eagle's nest (Aus einem Adlernest gerettet, 1907). Er schrieb dann einige Drehbücher und durfte 1908 selbst den Film The adventures of Dolly (Dollys Abenteuer) inszenieren. Bis Ende des Jahres hatte er bereits rund 50 Einakter gedreht. 1912 folgte der erste amerikanische Zweiakter, ab 1913 war er bei der »Mutual« Spezialist für »Großfilme« von fünf und mehr Akten. Zu dieser Zeit zählte er bereits zu den führenden Regisseuren Hollywoods. Er gründete 1914 eine eigene Filmgesellschaft für die Produktion seines Films The birth of a nation, war 1915 neben Mack Sennett und Thomas Harper Ince Mitbegründer der »Triangle« und zählte 1919 zu den »großen vier« (Douglas Fairbanks, Mary Pickford, Charles Chaplin, D. W. Griffith), die sich als »United Artists« zusammenschlossen. Aber schon Anfang der zwanziger Jahre verließen ihn Glück und Erfolg. 1931 drehte er seinen letzten Film, der aber bereits kurz nach der Uraufführung aus dem Verleih gezogen wurde. Er starb vergessen und verbittert.
Griffith gilt allgemein als der erste bedeutende Filmkünstler. Als seine Entdeckungen rühmt man u. a. den Einstellungswechsel in einer Szene, Licht- und Schatteneffekte, Wechsel des Bildformats, Auf- und Abblende. Auf jeden Fall hat er all diese technischen Möglichkeiten als Mittel filmischer Wirkung erkannt und genutzt. Entsprechend groß war sein Einfluß. Besonders der russische Revolutionsfilm hat sowohl von seiner Montagetechnik als auch von seiner Massenregie profitiert. In Eisensteins theoretischen Schriften spürt man selbst da noch Anerkennung und Bewunderung, wo er kritische Anmerkungen zu den »Metaphern« in Griffiths Filmen macht. Eisenstein wies auch auf die Verwandtschaft zwischen Griffith und Dickens hin: melodramatische Aktion in einer realistischen Umwelt, übersteigerte, aber glaubwürdige Charaktere, Sentimentalität, Sorgfalt im Detail.
Griffith drehte insgesamt einige hundert Filme.
The adventures of Dolly (Dollys Abenteuer, 1908), Enoch Arden (Enoch Arden, 1911), Man's genesis (Die Entstehung des Menschen, 1911), The battle of sexes (Der Kampf der Geschlechter, 1914), The birth of a nation (Die Geburt einer Nation, 1914), Intolerance (Intoleranz / Die Tragödie der Menschheit, 1916), Broken blossoms (Gebrochene Blüten, 1919), Isn't life wonderful? (Ist das Leben nicht wunderschön?, 1924), Abraham Lincoln (Abraham Lincoln, 1930), The struggle (Der Kampf, 1931) u. a.
Herzog, als Werner H. Stipetić am 5. September 1942 in München (Deutschland) geboren, studierte zunächst Literatur-, Theater- und Geschichtswissenschaft in München und in Pittsburgh (USA). Aber er hat gesagt, seit er denken könne, habe er auch gewußt, daß er einmal Filme drehen wolle. Das Geld für seine ersten Versuche auf diesem Gebiet verdiente sich der Autodidakt Herzog als Punktschweißer in nächtlicher Akkordarbeit. 1964 erhielt er für sein Drehbuch »Feuerzeichen« den Carl-Mayer-Drehbuchpreis. Er verfilmte das Buch 1967 unter dem Titel Lebenszeichen und errang damit auf Anhieb einen Hauptpreis bei den Internationalen Filmfestspielen in Berlin und andere Auszeichnungen. Im gleichen Jahr hatte er bereits für seinen Film Letzte Worte den Hauptpreis in der Kategorie Kurzspielfilm bei den Kurzfilmtagen in Oberhausen erhalten. Schon bald zählte der besessene Bildgestalter Herzog zu den wichtigsten Vertretern des deutschen Films, zu den wenigen zudem, die auch im Ausland ein breiteres Echo fanden. 1982 erhielt er auf dem Festival in Cannes den Preis für die beste Regie (Fitzcarraldo).
Die Welt seiner Filme ist bizarr und gewalttätig. Der Alltag und der normale Bürger sind seine Sache nicht. Seine Helden sind Außenseiter, Randfiguren des Lebens, nicht selten physisch oder psychisch Deformierte, die sich dem Sturz ins Nichts entgegenstemmen und dabei häufig unterliegen. Man hat Herzog deshalb gelegentlich Fatalismus und spekulative Ausnutzung des Abnormen vorgeworfen. In Wirklichkeit herrscht in Herzogs Filmen eher ein rationaler Skeptizismus, der die Grenzen des Menschen in durchaus aufklärerischer Weise demonstriert. Den Vorwurf der Spekulation widerlegt Herzog selbst mit Filmen wie Land des Schweigens und der Dunkelheit, einem Dokumentarfilm, der ungewöhnlich einfühlsam und taktvoll über das Schicksal taubblinder Menschen berichtet. Und hinter dem oftmals brutalen Realismus seiner Filme spürt man ein zorniges Engagement. Wenn es dem Film nütze, werde er, so sagte Herzog in einem Gespräch (mit Fritz Rumler), »auch zur Hölle fahren und dort drehen«. Kein Wunder, denn Film, so Herzog im gleichen Gespräch, sei sein »Ticket zum Leben«, ohne das er in Kürze ein toter Mann wäre.
Kurzfilme und mittellange Filme: Herakles (1962), Spiel im Sand (1964), Die beispiellose Verteidigung der Festung Deutschkreutz (1967), Letzte Worte (1967), Maßnahmen gegen Fanatiker (1969), Die fliegenden Ärzte von Ostafrika (1969), Skiflugschanze Planica – Die große Ekstase des Bildschnitzers Steiner (1974).
Lange Filme: Lebenszeichen (1967), Fata Morgana (1968-70), Auch Zwerge haben klein angefangen (1970), Behinderte Zukunft? (1971 – Dokumentarfilm), Land des Schweigens und der Dunkelheit (1971 – Dokumentarfilm), Aguirre, der Zorn Gottes (1972), Jeder für sich und Gott gegen alle (1974), Herz aus Glas (1976), Stroszek (1976/77), Nosferatu – Phantom der Nacht (BRD/Frankreich 1978), Woyzeck (1978/79), Fitzcarraldo (1981), Wo die grünen Ameisen träumen (1984), Cobra Verde (1987), Echos aus einem düsteren Reich (BRD/Frankreich 1990 – Dokumentarfilm), Schrei aus Stein (BRD/Frankreich/Kanada/ Monaco/Italien 1990), Lektionen in Finsternis (1992 – Dokumentarfilm) u. a.
Hitchcock, geboren am 13. August 1899 in London (England) und gestorben am 29. April 1980 in Los Angeles (USA), wurde in einem Jesuiten-Seminar erzogen und studierte dann Kunstwissenschaft und Ingenieurwesen. Zum Film kam er als Verfasser und Zeichner von Zwischentiteln. Er avancierte zum Architekten, Cutter, Co-Autor und Regieassistenten.
1922 produzierte und inszenierte er den Film Number thirteen (Nummer dreizehn), der aber aus Geldmangel unvollendet blieb. So debütierte er als Regisseur 1925/26 in München mit zwei englisch-deutschen Coproduktionen. 1926 erzielte er mit The lodger seinen ersten großen Erfolg. In den dreißiger Jahren galt Hitchcock als einer der führenden englischen Regisseure. 1939 ging er nach Hollywood.
Hitchcock gilt unbestritten als Meister des »suspense«, einer Spannung, die nicht aus der Abfolge grober Effekte oder der Suche nach dem Täter, sondern aus intelligent dosierter Irritation des Zuschauers entsteht. (»Ich habe ›Whodunits‹ immer vermieden, weil bei ihnen sich meistens das ganze Interesse auf den letzten Teil konzentriert ... Man sitzt da und wartet in Ruhe auf die Antwort: Wer war der Täter? Von Emotion keine Spur« – Hitchcock.) Sein Lieblingsthema ist der Identitätsverlust. Immer wieder werden seine meist gutbürgerlichen Helden aus der Ordnung ihres alltäglichen Lebens gerissen. Sie werden in ein Verbrechen verwickelt, werden für Verbrecher oder Spione gehalten, oder müssen selbst befürchten, ein Verbrechen begangen zu haben. Ihre gewohnte Umwelt zeigt sich unter der Oberfläche merkwürdig verändert; sie werden Fremde in ihrer eigenen Welt. Diese Thematik bestimmt auch den Stil der Filme. Die Kamera nimmt oft eine subjektive Position ein und zieht den Betrachter in die Handlung hinein. In der Montage wird die Spannung raffiniert gesteigert und ein ständiger Schwebezustand des Argwohns geschaffen. »Man verlangt vom Publikum, fast zwei Stunden ununterbrochen auf ein und dieselbe Fläche zu starren. Da muß man darauf schon etwas unterbringen, was das Interesse der Leute wachhält« (Hitchcock). – »Hitchcock ist augenblicklich der einzige Cinéast der Welt, der genau weiß, was er will und wie er es erreichen kann« (François Truffaut).

Alfred
Hitchcock (l.) mit Bruce Dern bei Dreharbeiten zu »Family plot«
The lodger (Der Untermieter, 1926), Blackmail (Erpressung, 1929), Juno and the paycock Juno und der Pfau, 1930), Murder (Mord / Mary Sir John greift ein!, England/Deutschland 1930), Number seventeen (Nummer siebzehn, 1932), Waltzes from Vienna (Wiener Walzer, 1933), The man who knew too much (Der Mann, der zuviel wußte, 1934), The thirty-nine steps (Die 39 Stufen, 1935), The lady vanishes (Eine Dame verschwindet, 1938), Jamaica Inn (Riff-Piraten, 1939).
In den USA: Rebecca (Rebecca, 1940), Foreign correspondent (Mord, 1940), Suspicion (Verdacht, 1941), Saboteur (Saboteure, 1942), Shadow of a doubt (Im Schatten des Zweifels, 1943), Lifeboat (Das Rettungsboot, 1943), Spellbound (Ich kämpfe um Dich, 1945), Notorious (Berüchtigt / Weißes Gift, 1946), The Paradine case (Der Fall Paradin, 1947), The rope (Cocktail für eine Leiche, 1948), Under capricorn (Sklavin des Herzens, England 1949), Stagefright (Die rote Lola, England 1950), Strangers on a train (Der Fremde im Zug / Verschwörung im Nordexpreß, 1951), I confess (Ich beichte / Zum Schweigen verurteilt, 1952), Dial M for murder (Bei Anruf Mord!, 1953), Rear window (Das Fenster zum Hof, 1954), To catch a thief (Über den Dächern von Nizza, 1955), The man who knew too much (Der Mann, der zuviel wußte, 1955 – Remake des Films von 1934), The trouble with Harry (Immer Ärger mit Harry, 1956), The wrong man (Der falsche Mann, 1957), Vertigo (Aus dem Reich der Toten, 1958), North by northwest (Der unsichtbare Dritte, 1959), Psycho (Psycho, 1960), The birds (Die Vögel, 1963), Marnie (Marnie, 1964), Torn curtain (Der zerrissene Vorhang, 1966), Topaz (Topas, 1968), Frenzy (Frenzy, England 1971), Family plot (Familiengrab, 1975) u. a.
Käutner, geboren am 25. März 1908 in Düsseldorf (Deutschland) und gestorben am 20. April 1980 in Castellina (Italien), studierte Germanistik, Psychologie, Kunstgeschichte u. a., war Mitbegründer des Kabaretts »Die vier Nachrichten« und ging als Schauspieler und Regisseur zum Theater. Zum Film kam er als Autor, 1939 debütierte er als Filmregisseur. Die atmosphärische Maupassant-Verfilmung Romanze in Moll (1943) machte ihn prominent; 1945 galt Käutner, der sich im »Dritten Reich« politischer und künstlerischer Indoktrination entzogen hatte, als die große Hoffnung für den neuen deutschen Film. Aber Erfolge und Mißerfolge wechselten. Käutner erhielt zahlreiche Auszeichnungen und wurde andererseits seit 1950 mehrere Jahre lang in deutschen Studios nicht beschäftigt. Seit 1964 arbeitete er fast ausschließlich für das Theater und für das Fernsehen.

Helmut
Käutner (r.), daneben Carl Zuckmayer, bei Dreharbeiten zu
»Ein
Mädchen aus Flandern«; v.l.: Maximilian Schell, Gert Fröbe
Käutner, auch ein perfekter »Handwerker«, hat höchst unterschiedliche Filme gedreht Dramen, Lustspiele, Volksstücke, Kabarettfilme, Thriller usw. Doch seine Stärke war ein »poetischer Realismus«, der Stimmungen einfing und Atmosphäre zeichnete, der Menschen in einem genau definierten Milieu beobachtete. So gelang ihm mit Unter den Brücken (1944) wohl sein bester Film.
Diese Methode, die er auch bei seinen zeitkritischen Filmen bevorzugte, hat ihm gelegentlich den Vorwurf eingetragen, politische Probleme auf private Konflikte zu reduzieren. Es ist ihm aber auch mehrfach gelungen, politische Probleme in privaten Konflikten sichtbar zu machen. Zweifellos gehörte Käutner zwischen 1940 und 1960 zu den bemerkenswertesten Regisseuren des deutschen Films.
Kitty und die Weltkonferenz (1939), Kleider machen Leute (1940), Wir machen Musik (1942), Romanze in Moll (1943), Große Freiheit Nr. 7 (1944), Unter den Brücken (1944), In jenen Tagen (1947), Der Apfel ist ab (1948), Epilog (1950), Die letzte Brücke (Österreich/Jugoslawien, 1953), Ludwig II (1955), Des Teufels General (1955), Himmel ohne Sterne (1955), Ein Mädchen aus Flandern (1956), Der Hauptmann von Köpenick (1956), A stranger in my arms (Ein Fremder in meinen Armen, USA 1957), The restless years (Zu jung, USA 1958), And ride the tiger (Ritt auf dem Tiger, USA 1958), Schinderhannes (1958), Der Rest ist Schweigen (1959), Die Gans von Sedan (1959), Das Glas Wasser (1960), Schwarzer Kies (1961), Die Rote (1962), Das Haus in Montevideo (1963), Lausbubengeschichten (1964), Die Feuerzangenbowle (1970), Margarete in Aix (1976 – Fernsehproduktion), Mulligans Rückkehr (1977 – Fernsehproduktion) u. a.
Kluge, geboren am 14. Februar 1932 in Halberstadt (Deutschland), studierte Jura und neuere Geschichte. Nach dem Abschluß der Studien folgten wissenschaftliche Publikationen und literarische Arbeiten, für die Kluge u. a. mit dem Berliner Kunstpreis ausgezeichnet wurde. Erste Bekanntschaft mit dem Film machte er als Volontär bei Fritz Lang in Berlin. Ab 1959 drehte Kluge mehrere Kurzfilme. Außerdem war er Dozent an der Filmabteilung der Hochschule für Gestaltung in Ulm. 1966 entstand sein erster abendfüllender Spielfilm, der auch im Ausland – Beachtung fand und Preise gewann.
Kluges Filme erzählen ihre Geschichten nicht, sie »protokollieren« sie gleichsam in kühler Distanz, die durch verfremdende Zwischentitel noch betont wird. Sie geben Ausschnitte, Aspekte der Wirklichkeit und fordern so die Mitarbeit des Betrachters. »Ich glaube, das ist der Kern: Der Film stellt sich im Kopf des Zuschauers zusammen, und er ist nicht ein Kunstwerk, das auf der Leinwand für sich lebt. Der Film muß deswegen mit den Assoziationen arbeiten, die, soweit sie berechenbar, soweit sie vorstellbar sind, vom Autor im Zuschauer ausgelöst werden. Ich glaube, das ist etwas, was Godard auch macht. Und das fordert eine indirekte Methode, bei der das, was nachher im Kopf vorgestellt werden soll, niemals direkt abgebildet wird ... « (Kluge).
Abschied von gestern (1966), Die Artisten in der Zirkuskuppel: ratlos (1968), Willi Tobler und der Untergang der sechsten Flotte (1971), Der große Verhau (1971), Gelegenheitsarbeit einer Sklavin (1973), In Gefahr und größter Not bringt der Mittelweg den Tod (1974 – Co-R: Edgar Reitz), Der starke Ferdinand (1975), Deutschland im Herbst (1977/78 – Episode), Die Patriotin (1979), Der Kandidat (1980 – Co-R), Krieg und Frieden (1982/83 – Co-R), Die Macht der Gefühle (1983), Der Angriff der Gegenwart auf die übrige Zeit (1985), Vermischte Nachrichten (1986) u. a.
Kubrick, geboren am 26. Juli 1928 in New York (USA), verkaufte im Alter von 14 Jahren ein Foto an die Zeitschrift »Look«, wurde mit 17 von der gleichen Zeitschrift fest angestellt und war mit 21 ein bekannter und erfolgreicher Fotograf. Dann begann er, sich für den Film zu interessieren. Nach zwei Kurzfilmen (Day of the fight – Der Tag des Kampfes, 1949; Flying padre – Der fliegende Priester, 1951) drehte er zwischen 1953 und 1956 drei Filme, bei denen er jeweils sein eigener Produzent, Autor, Regisseur und Kameramann war. Im Kino waren diese Filme nicht sonderlich erfolgreich; aber die Kritiken waren doch so positiv, daß Hollywood Kubrick 1957 die Chance gab, den Film Paths of glory zu drehen, der ihn berühmt machte. In den sechziger Jahren übersiedelte Kubrick nach England. Kubricks Filme sind stets kritisch engagiert – gegen die Macht des Geldes, gegen den Krieg, gegen die Allmacht des Staates, gegen die Atombombe usw. Während er aber in seinen früheren Filmen das Publikum durch krassen und oft brutalen Realismus überzeugen wollte, bediente er sich später vieldeutigerer, mit Vorliebe satirischer Mittel. In seinem Film Dr. Strangelove, or: How I learned to stop worrying and love the bomb zum Beispiel geriet ihm die Vision eines Atomkriegs zum höhnischen Spektakelstück, das den Wahnwitz der Situation gerade in der Übersteigerung einer absurden Komödie deutlich machte. Und Hohn spürte man auch, wenn in 2001: A space odyssey turbulente »Action«-Szenen von einem Wiener Walzer untermalt werden, wenn in A clockwork orange Beethovens 9. Symphonie KZ-Bilder illustriert. Diese giftigen Attacken werden eingebettet in ein wahres Furioso von Motiven und Bildern, die viele seiner Filme als den verzweifelten Kampf eines Moralisten gegen das Böse in all seinen Erscheinungsformen erscheinen lassen. Es gibt keinen positiven Bezugspunkt in der Wirklichkeit mehr, nur das absurd makabre Bild einer total aus den Fugen geratenen Welt. Und diese Absurdität spürt man auch in einem Film wie Barry Lyndon, der die absolute Amoralität seines Helden in einer heillosen Zeit in Bildern von betörender Schönheit schildert.
Fear and desire (Furcht und Begierde, 1953), Killer's kiss (Der Tiger von New York, 1954), The killing (Die Rechnung ging nicht auf, 1956), Paths of glory (Wege zum Ruhm, 1957), Spartacus (Spartacus, 1959), Lolita (Lolita, England 1961), Dr. Strangelove, or: How I learned to stop worrying and love the bomb (Dr. Seltsam oder Wie ich lernte, die Bombe zu lieben, England 1963), 2001: A space odyssey (2001: Odyssee im Weltraum, England/USA 1965-68), A clockwork orange (Uhrwerk Orange, England 1970/1971), Barry Lyndon (Barry Lyndon, England 1974), The shining (Shining, England 1979), Full metal jacket (Full Metal Jacket, USA/England 1987) u. a.
Kurosawa, geboren am 23. März 1910 in Tokio (Japan), wollte Maler werden und besuchte die Kunstakademie. Später zweifelte er an seinem Talent und wechselte 1936 als Autor und Regieassistent zum Film über. Nachdem er ungefähr 50 Drehbücher geschrieben hatte, führte er 1943 zum ersten Mal selbst Regie. Er hatte schnell Erfolg und gründete 1959 eine eigene Produktionsfirma. 1970 gründete er mit seinen Kollegen Kinoshita und Kobayashi die »Yonkino-kai«-Produktion.
Kurosawa gilt in Japan als »westlicher« Regisseur. Er verfilmte u. a. Dostojewskis Roman Der Idiot (Hakuchi), Gorkis Nachtasyl (Donzoko) und Shakespeares Macbeth (Kumonosujo); er wurde auch als erster japanischer Regisseur für Europa »entdeckt«. Seine Filme handeln oft von der Widersprüchlichkeit des Menschen und der Kompliziertheit des Lebens, wobei er häufig die Tat als Sinn des Lebens preist. Die Welt seines Lieblingsschriftstellers Dostojewski lebt in vielen seiner Filme. Formal sucht er – anders als etwa Ozu oder Mizoguchi – nicht die Vollendung eines individuellen Stils, er paßt seine künstlerischen Mittel jeweils dem Thema an.
Sugata sanshiro (Die Legende vom großen Judo, 1943), Subarashiki nichiyobi (Ein wunderbarer Sonntag, 1947), Yoidore tenshi (Der betrunkene Engel, 1948), Rashomon (Rashomon – Das Lustwäldchen, 1950), Hakuchi (Der Idiot, 1951), Ikiru (Einmal wirklich leben, 1952), Shichinin no samurai (Die sieben Samurai, 1953), Ikimono no kiroku (Bericht über ein lebendes Wesen / Ein Leben in Furcht, 1955), Kumonosu-jo (Das Schloß im Spinnwebwald, 1957), Donzoko (Nachtasyl, 1957), Kakushi toride no san akunin (Die verborgene Festung, 1958), Warui yatsu hodo yoku nemuru (Die Schlechten schlafen gut, 1960), Yojimbo (Yojimbo – Der Leibwächter, 1961), Akahige (Rotbart, 1965), Dodes'ka-den (Dodeskaden – Menschen im Abseits, 1970), Dersu Usala (Uzala, der Kirgise, UdSSR/Japan 1973-75), Kagemusha (Kagemusha – Der Schatten des Kriegers, 1979/80), Ran (Ran, Frankreich/Japan 1985), Akira Kurosawa's dreams / Konna yüme wo mita (Akira Kurosawas Träume, USA 1989), Hachigatsu no kyohshikyoku (Rhapsodie im August, 1990/91), Madadayo (Madadayo, 1992/93) u. a.
Lang, geboren am 5. Dezember 1890 in Wien (Österreich) und gestorben am 2. August 1976 in Los Angeles (USA), studierte Architektur und Malerei. Nach einer Verwundung im Ersten Weltkrieg begann er, Drehbücher zu schreiben, die von Joe May und Otto Rippert verfilmt wurden. 1919 debütierte Lang mit dem Film Halbblut als Regisseur; ersten künstlerischen Erfolg brachte ihm zwei Jahre später Der müde Tod. In den zwanziger Jahren gehörte Fritz Lang zu den führenden deutschen Filmregisseuren. 1933 emigrierte er, nachdem ihm Goebbels zuvor angeboten hatte, eine Art »Reichs-Filmintendant« zu werden. Über Frankreich und England ging er in die USA, wo er eine zweite erfolgreiche Karriere begann. Ein Versuch, Ende der fünfziger Jahre im deutschen Film wieder Fuß zu fassen, scheiterte.

Fritz Lang (l.) mit Howard Vernon bei Dreharbeiten zu »Die 1000 Augen des Dr. Mabuse.«
Ornamentaler Stil und architektonische Struktur bestimmen seine frühen deutschen Filme. Riesige Bauten, raffinierte Lichteffekte, drohende Schatten beherrschen oft die Szenerie. Der Mensch erscheint vorwiegend als Opfer schicksalhafter Verstrickungen. Und konsequent bannt ihn die Kamera in ein Labyrinth strenger Linien, konfrontiert ihn mit der Monumentalität riesiger Dekorationen oder ballt ihn zur Masse gesichtsloser Lebewesen. Wie kein anderer Filmregisseur vielleicht hat Lang in den zwanziger Jahren die Probleme der Zeit erahnt. Daß er sie in seinen Filmen nicht kritisch reflektierte, sondern intuitiv schilderte, führte gelegentlich zu dem Mißverständnis, er identifiziere sich mit diesen Zeitströmungen zumal seine Frau und langjährige Drehbuchautorin Thea von Harbou sich nach 1933 den neuen Verhältnissen in Deutschland schnell anpaßte. In Hollywood hat Lang vorwiegend »Action«-Filme gedreht. Auch hier sind die Protagonisten meistens Gehetzte, Ausgelieferte, Hoffnungslose; aber ihre Umwelt wird nun realistischer geschildert, und die Sozialkritik wird dadurch direkter und faßbarer.
Halbblut (1919), Die Spinnen – I. Teil: Der goldene See (1919), Die Spinnen – II. Teil: Das Brillantenschiff (1920), Der müde Tod (1921), Dr. Mabuse, der Spieler – I. Teil: Der große Spieler, ein Bild unserer Zeit (1922), Dr. Mabuse, der Spieler II. Teil: Inferno, ein Spiel vom Menschen unserer Zeit (1922), Die Nibelungen – Siegfried (1923), Die Nibelungen – Kriemhilds Rache (1924), Metropolis (1926), Spione (1928), Die Frau im Mond (1929), M (1931), Das Testament des Dr. Mabuse (1932).
In Frankreich: Liliom (Liliom, 1934).
In den USA: Fury (Raserei / Fury / Blinde Wut, 1936), You only live once (Gehetzt / Du lebst nur einmal, 1936), You and me (Du und ich, 1938), The return of Frank James (Rache für Jesse James, 1940), Western Union (Überfall der Ogalalla / Western Union, 1941), Man hunt (Menschenjagd, 1941), Hangmen also die! (Auch Henker sterben, 1943), The ministry of fear (Ministerium der Angst, 1944), The woman in the window (Gefährliche Begegnung / Die Frau im Fenster, 1944), Scarlet street (Straße der Versuchung, 1945), Cloak and dagger (Im Geheimdienst, 1946), Secret beyond the door (Geheimnis hinter der Tür, 1947), House by the river (Das Todeshaus am Fluß, 1950), American guerilla in the Philippines (Der Held von Mindanao, 1950), Rancho notorious (Engel der Gejagten, 1951), Clash by night (Vor dem neuen Tag, 1952), The blue gardenia (Gardenia, eine Frau will vergessen, 1952), The big heat (Heißes Eisen, 1953), Human desire (Lebensgier, 1954), Moonfleet (Schloß im Schatten, 1954), While the city sleeps (Die Bestie, 1955), Beyond a reasonable doubt (Jenseits allen Zweifels, 1956).
In der Bundesrepublik – jeweils in Gemeinschaftsproduktion BRD/Frankreich/Italien: Der Tiger von Eschnapur (1958), Das indische Grabmal (1958), Die 1000 Augen des Dr. Mabuse (1961) u. a.
Lubitsch, geboren am 28. Januar 1892 in Berlin (Deutschland) und gestorben am 30. November 1947 in Hollywood (USA), war zunächst im väterlichen Geschäft, einer Damenschneiderei tätig, ehe Max Reinhardt ihn 1911 als Schauspieler entdeckte. Schon bald trat Lubitsch auch in Filmen auf, und 1914 führte er zum ersten Mal selbst in einem Film Regie. 1919 hatte er mit der Komödie Die Austernprinzessin und mit dem historischen Ausstattungsfilm Madame Dubarry großen Erfolg und zählte damit zu den führenden deutschen Filmregisseuren. Aber schon 1922 ging er nach Hollywood, wo er bis zu seinem Tode blieb.
In Deutschland drehte der vielseitige Lubitsch Volksstücke, Komödien und historische Ausstattungsfilme, die vor allem seinen Ruhm begründeten. In Hollywood wurde er zum Meister der Gesellschaftskomödie, die gewöhnlich ein wenig frivol und ein wenig zynisch war gerade soviel, daß sie noch das augenzwinkernde Einvernehmen mit den Helden gestattete. Der vielzitierte »Lubitsch touch« bestand dabei aus der spielerischen Leichtigkeit, mit der er seine Pointen setzte, aus dem Geschick, mit dem er dramatische Situationen ironisch auflöste und das Pathos seiner Helden entlarvte. Die Erfindung des Tonfilms nutzte Lubitsch für einfallsreiche musikalische Komödien, denen die Entwicklung des amerikanischen Musicals viel verdankt.
Blindekuh (1915), Schuhpalast Pinkus (1916), Ein fideles Gefängnis (1917), Carmen (1918), Die Augen der Mumie Ma (1918), Die Austernprinzessin (1919), Die Puppe (1919), Madame Dubarry (1919), Kohlhiesels Töchter (1920), Sumurun (1920), Anna Boleyn (1920), Die Bergkatze (1921), Das Weib des Pharao (1921).
In den USA: The marriage circle (Die Ehe im Kreise, 1924), Forbidden paradise (Das verbotene Paradies, 1924), Lady Windermere's fan (Lady Windermeres Fächer, 1925), The student prince (Der Studentenprinz / Alt-Heidelberg, 1927), The love parade (Liebesparade, 1929), The smiling lieutenant (Der lächelnde Leutnant, 1931), The merry widow (Die lustige Witwe, 1934), Angel (Engel, 1937), Bluebeard's eighth wife (Blaubarts achte Frau, 1938), Ninotchka (Ninotschka, 1939), The shop around the corner (Rendezvous nach Ladenschluß, 1940), That uncertain feeling (Ehekomödie, 1941), To be or not to be (Sein oder Nichtsein, 1942), Heaven can wait (Ein himmlischer Sünder / Memoiren eines Lebemannes, 1943), That lady in ermine (Die Frau im Hermelin, 1948 – fertiggestellt von Otto Preminger) u. a.
Malle, geboren am 10. Oktober 1932 in Thumeries (Frankreich) und gestorben am 23. November 1995 in Los Angeles (USA), stammte aus großbürgerlichem Elternhaus und begann ein Studium der Wirtschaftswissenschaft. Aber schon 1951 wechselte er zur Filmhochschule über, die er bis 1953 besuchte. Er arbeitete dann als Regieassistent – u. a. bei dem Unterwasser-Filmer Jacques Yves Cousteau und zeichnete als Co-Regisseur des Dokumentarfilms Le monde du silence (Die schweigende Welt, 1956). Ein Jahr später inszenierte er seinen ersten eigenen Spielfilm.
Malle hat unterkühlte Reißer, psychologische Dramen, intelligente Lustspiele und turbulente Action-Filme gedreht. Und er ist später auch zu seinen dokumentarischen Anfängen zurückgekehrt. Er hat es dabei verstanden, für jedes Thema einen adäquaten Stil zu finden – ob er nun ein fiktives Porträt von Brigitte Bardot zeichnete (Vie privée) oder die ausweglos pessimistische Welt Drieu la Rochelles schilderte (Le feu follet). Malle war zweifellos einer der begabtesten Stilkünstler des französischen Films. Aber er war kein Virtuose, der seine Fähigkeiten zur Schau stellte, sondern ein Regisseur, der sich um stets neue und dem Thema angemessene Formen bemühte.
Le monde du silence (Die schweigende Welt, 1956 – Dokumentarfilm, Co-R: Jacques Yves Cousteau), L'ascenseur pour l'echafaud (Fahrstuhl zum Schafott, 1957), Les amants (Die Liebenden, 1958), Zazie dans le métro (Zazie, Frankreich/ Italien 1960), Vie privée (Privatleben, Frankreich/Italien 1961), Le feu follet (Das Irrlicht, 1963), Viva Maria (Viva Maria, Frankreich/Italien 1965), Le voleur (Der Dieb von Paris, 1966), Histoires extraordinaires (Außergewöhnliche Geschichten, Frankreich/Italien 1967 – Episode: William Wilson), Calcutta phantom India (Calcutta, Frankreich 1969 – Dokumentarfilm), Le souffle au cœur (Herzflimmern, Frankreich/Italien/BRD 1970), Lacombe Lucien (Lacombe Lucien, Frankreich/ BRD/Italien 1973), Humain trop humain (Menschlich, allzumenschlich, 1972-74 – Dokumentarfilm), Place de la République (Place de la République, 1972 bis 1974 – Dokumentarfilm), Black Moon (Black Moon, 1974/1975), Pretty baby (Pretty Baby, USA 1977), Atlantic City, U.S.A. (Atlantic City, USA, Kanada/ Frankreich 1979), My dinner with André (Mein Essen mit André, USA 1981), Crackers (Crackers, USA 1983), Alamo Bay (Alamo Bay, USA 1984), God's country (Gottes eigenes Land, USA 1979/85 – Dokumentarfilm), And the pursuit of happiness (... und das Streben nach Glück, USA 1986/87 – Dokumentarfilm), Au revoir, les enfants (Auf Wiedersehen, Kinder, Frankreich/ BRD 1987), Milou en mai (Eine Komödie im Mai, Frankreich/Italien 1989), Damage (Verhängnis, Frankreich/England 1992), Vanya on 42nd Street (Vanya – 42. Straße, USA/ England 1994) u. a.
Murnau, als Friedrich Wilhelm Plumpe am 28. Dezember 1888 in Bielefeld (Deutschland) geboren und am 11. März 1931 in Santa Barbara (USA) gestorben, studierte Kunstgeschichte und wurde als Mitglied eines Studententheaters von Max Reinhardt entdeckt. Er spielte und inszenierte dann am Theater und debütierte als Filmregisseur erst 1919 mit dem Film Der Knabe in Blau. Wie andere Filme Murnaus ist auch dieses Erstlingswerk verschollen. Seinen ersten großen Erfolg erzielte Murnau 1921 mit Nosferatu. Einige Jahre später ging er mit einem Fünfjahres-Vertrag nach Hollywood. Als Produzent Fox jedoch seinen Film Our daily bread (Unser täglich Brot, 1929) gegen den Willen des Regisseurs veränderte, kündigte Murnau seinen Vertrag und floh verbittert in die Südsee, wo er in Zusammenarbeit mit Robert Flaherty den Film Tabu drehte. Eine Woche vor seiner Uraufführung starb Murnau bei einem Verkehrsunfall. Im deutschen Film der zwanziger Jahre war Murnau Einzelgänger und Anreger zugleich. Während die deutschen Regisseure damals überwiegend in den Ateliers eine künstliche Welt aufbauten, zog es ihn, wie seine schwedischen Kollegen, in die Natur, der er immer neue Aspekte abgewann von der düsteren Drohung in Nosferatu bis zu einer ganz sinnlichen Schönheit in Tabu. Verwandt war er seinen deutschen Zeitgenossen darin, daß er statt der Realitäten des Alltags vornehmlich die geheimen Grenzbezirke der Seele erforschte und dabei eine Welt voll unwirklicher Bedrohungen und Ahnungen beschwor, wobei er in dem Drehbuchautor Carl Mayer einen idealen Mitarbeiter fand. Allerdings ist der Mensch bei Murnau dem Schicksal nicht wehrlos ausgeliefert. Selbst in Nosferatu gibt es eine Alternative, kann das Unheimliche durch die Tat besiegt werden. Dies alles hat Murnau in einer suggestiven Bildsprache verwirklicht. Er entdeckte selbst viele Möglichkeiten filmischer Gestaltung oder brachte seine Mitarbeiter dazu, sie zu entwickeln. Marcel Carné sagte von seinen Filmen, in ihnen werde die Kamera zu einer Person des Dramas.
Der Knabe in Blau (1919), Satanas (1919), Sehnsucht (1920), Der Bucklige und die Tänzerin (1920), Der Januskopf (1920), Abend – Nacht Morgen (1920), Der Gang in die Nacht (1920), Marizza, genannt die Schmugglermadonna / Das schöne Tier (1920), Schloß Vogelöd (1921), Nosferatu (1921), Der brennende Acker (1921), Phantom (1922), Die Austreibung (1923), Die Finanzen des Großherzogs (1924), Der letzte Mann (1924), Herr Tartüff / Tartüff (1925), Faust – Eine deutsche Volkssage (1926).
In den USA: Sunrise (Sonnenaufgang, 1926/1927), Four devils (Die vier Teufel, 1928), Our daily bread / City girl (Unser täglich Brot / Die Frau aus Chicago, 1929), Tabu (Tabu, 1929-31).
Pabst, geboren am 27. August 1885 in Raudnitz (Österreich-Ungarn) und gestorben am 29. Mai 1967 in Wien (Österreich), arbeitete von 1905 bis 1921 am Theater. Dann erst holte ihn Carl Froelich, zunächst als Autor, Darsteller und Regieassistent, zum Film. 1923 debütierte er als Filmregisseur, und 1925 brachte ihm Die freudlose Gasse bereits einen internationalen Erfolg. Bis 1932 gehörte er zu den führenden Regisseuren des deutschen Films. Dann emigrierte er nach Frankreich, wo er aber nur noch durchschnittliche Unterhaltungsfilme drehte. 1940 kehrte er nach Deutschland zurück. Nach dem Krieg drehte Pabst in Österreich, Deutschland und Italien, erreichte aber nicht mehr das Niveau seiner frühen Filme.
Pabst gilt als Vertreter eines psychologisch getönten Realismus. Viel zitiert wurde seine Äußerung: »Wozu soll eine romantische Behandlung noch gut sein? Das wirkliche Leben ist schon romantisch, ja grausig genug.« In seinen Filmen gibt es keine Symbole, keine drohenden Schatten und irritierenden Lichtreflexe es sei denn, sie seien von der konkreten Situation gefordert. An die Stelle schicksalhafter Verstrickungen setzte er soziales Engagement; und die geheimnisvollen Mächte, die damals im deutschen Film die Menschen bedrohten, suchte er mit den Methoden der Psychoanalyse zu bekämpfen. Allerdings verstellte ihm sein Realismus auch gelegentlich den Blick für die Hintergründe und verlieh seinen Filmen kolportagehafte Züge.
Der Schatz (1923), Die freudlose Gasse (1925), Geheimnisse einer Seele (1925), Die Liebe der Jeanne Ney (1927), Die Büchse der Pandora (1928), Tagebuch einer Verlorenen (1929), Die weiße Hölle vom Piz Palü (1929 – Co-R: Arnold Fanck), Westfront 1918 / Vier von der Infanterie (1930), Die Dreigroschenoper (Deutschland/USA 1931), Kameradschaft (Deutschland/Frankreich 1931), Die Herrin von Atlantis (1932), Don Quichotte (Don Quichotte, Frankreich 1932), A modern hero (Ein Held unserer Zeit, USA 1934), Mademoiselle Docteur (Mademoiselle Docteur / Spione von Saloniki, Frankreich 1936), Komödianten (1941), Paracelsus (1943), Der Prozeß (Österreich 1947), Geheimnisvolle Tiefe (Österreich 1949), La voce del silenzio (Männer ohne Tränen, Italien/Frankreich 1952), Das Bekenntnis der Ina Kahr (1954), Es geschah am 20. Juli / Drei Schritte zum Schicksal / Aufstand gegen Adolf Hitler – Was geschah wirklich am 20. Juli 1944? (1955), Der letzte Akt (Österreich 1955), Rosen für Bettina (1956), Durch die Wälder, durch die Auen (1956) u. a.
Pasolini, geboren am 5. März 1922 in Bologna (Italien) und gestorben am 2. November 1975 in Ostia (Italien), wurde zunächst als Schriftsteller bekannt. Er schrieb Essays und Romane und veröffentlichte Anthologien von Dialekt-Gedichten und Volksliedern. In den fünfziger Jahren begann er, auch für den Film zu schreiben – u. a. war er Co-Autor bei Mario Soldatis La donna del fiume (Die Frau vom Fluß, 1954), Fellinis Le notti di Cabiria (1956) und Florestano Vancinis La lunga notte del '43 (Die lange Nacht von 43, 1960). Fünf Drehbücher schrieb er für den Regisseur Mauro Bolognini. 1961 führte er dann in dem Film Accattone erstmals selbst Regie. Der Filmregisseur Pasolini wurde bekannter als der Schriftsteller.
In Pasolinis Filmen mischen sich marxistische und christliche Einflüsse auf überraschende Weise. Seine sozialkritischen Berichte enthalten nicht selten Verweise auf die Evangelien, während seine Verfilmung des Matthäus-Evangeliums deutliche marxistische Aspekte enthält. Beide Elemente werden vereint durch ein leidenschaftliches Engagement für die Armen und Unterdrückten. Formal bevorzugte Pasolini zunächst einen direkten Realismus, der sich aber nie auf das äußere Erscheinungsbild der Wirklichkeit beschränkte. In seinen späteren Filmen stilisierte er zunächst die Realität, auch die einer mythischen Vergangenheit, im Sinne seiner pointierten Aussage. Mit Decamerone (Decamerone) und I racconti di Canterbury (Pasolinis tolldreiste Geschichten) ließ er sich dann auf eine derbe und oftmals vordergründige Historienmalerei ein, die viele seiner Anhänger enttäuschte. Doch seine beiden letzten Filme signalisierten wiederum neue formale und inhaltliche Aspekte: wütendes Engagement in dem Spielfilm, insistierende, aber geduldige Beobachtung in dem Dokumentarfilm.

Pier
Paolo Pasolini
Accattone (Accattone – Wer nie sein Brot mit Tränen aß, 1961), Mamma Roma (Mamma Roma, 1962), La ricotta (Der Käse, 1962 – Episode des Films Rogopag / La via moci il cervello), Comizi d'amore (Hunger nach Liebe, 1964), Il vangelo secondo Matteo (Das erste Evangelium Matthäus, Italien/Frankreich 1964), Uccellacci e uccellini (Große Vögel, kleine Vögel, 1966), Edipo re (Edipo Re – Bett der Gewalt, 1967), Teorema (Teorema – Geometrie der Liebe, 1968), Il porcile (Der Schweinestall, Italien/Frankreich 1969), Medea (Medea, Italien/Frankreich/BRD 1969), Decamerone (Decamerone, Italien/Frankreich/BRD 1970), I racconti di Canterbury (Pasolinis tolldreiste Geschichten, Italien/Frankreich/BRD 1971), Il fiore delle mille e una notte (Erotische Geschichten aus 1001 Nacht, Italien/Frankreich 1974), Salò o le 120 giornate di Sodoma (Die 120 Tage von Sodom, Italien/Frankreich 1975), Appunti per un Orestiade Africana (Fußnoten zu einer afrikanischen Orestie, Italien 1975 – Dokumentarfilm.)
Polanski, geboren am 18. August 1933 als Kind polnischer Eltern in Paris (Frankreich), wo er auch die Schule besuchte, studierte von 1954 bis 1959 an der Filmhochschule in Łód¸ (Polen). Schon als Student fand er internationale Anerkennung mit seinem Kurzfilm Dwaj ludzie z szàfq (Zwei Mann und ein Schrank, 1957). Er arbeitete als Autor mit Wajda und Skolimowski zusammen und spielte kleinere Rollen in Filmen von Wajda und Munk. In Polen inszenierte er auch seinen ersten abendfüllenden Spielfilm. Seither hat er in Frankreich, England, den USA und in Italien gearbeitet.
Polanskis Filme sind vieldeutige Parabeln voller Freude am grotesken und manchmal makabren Detail. Allegorische Grundmuster treten später zurück zugunsten spielerischer Elemente, die aber stets doppelbödig bleiben. Scheinbare Skurrilität entlarvt die Widersprüchlichkeit menschlicher Existenz – im Warten auf Katelbach genauso wie im Kampf gegen blutrünstige Vampire. In die Entwicklung des modernen Films hat Polanski weniger ästhetische und weltanschauliche Theorien eingebracht als vielmehr verblüffende, phantastische Visionen, die er einfallsreich und suggestiv realisiert.

Roman
Polanski mit Mia Farrow (r.) bei Dreharbeiten zu »Rosemary's
Baby«
Nóz w wodzie (Das Messer im Wasser, Polen 1961), Les plus belles eseroqueries du monde (Schwindler sind überall, Frankreich 1964 eine Episode), Repulsion (Ekel, England 1965),
Cul-de-sac (Wenn Katelbach kommt, England 1966), Dance of the vampires / The fearless vampire killers (Tanz der Vampire, England 1966), Rosemary's baby (Rosemaries Baby, USA 1967), Macbeth (Macbeth, England 1970/71), What? (Was?, Italien/Frankreich/BRD 1972), Chinatown (Chinatown, USA 1974), Le locataire (Der Mieter, Frankreich 1975), Tess (Tess, Frankreich/England 1978), Pirates (Piraten, Frankreich 1984/85), Frantic (Frantic, USA/Frankreich 1987), Bitter moon (Bitter Moon, England/Frankreich 1991), Death and the maiden (Der Tod und das Mädchen, USA/Frankreich/England 1994) u. a.
Renoir, geboren am 15. September 1894 in Paris (Frankreich) und gestorben am 12. Februar 1979 in Beverly Hills (USA), ist der Sohn des Malers Auguste Renoir. Er versuchte sich als Keramiker, als Journalist und Schriftsteller, ehe er 1924 zum Film kam. Nachdem er anfangs mit den Avantgardisten sympathisiert hatte, wandte er sich bald einem mehr realistischen Stil zu und errang 1926 mit seiner Verfilmung von Zolas Nana seinen ersten großen Erfolg. In den dreißiger Jahren gehörte Renoir zu den führenden Vertretern französischer Filmkunst. Bei Kriegsausbruch emigrierte er in die USA, wo er einige weniger bedeutende Filme drehte und eigentlich nur mit The southerner (1945) das Niveau seiner Vorkriegsfilme erreichte. Renoir kehrte erst spät über Indien (The river, 1951) und Italien (La carrozza d'oro, 1952) nach Frankreich zurück. Hier drehte er noch mehrere Filme, die aber von Kritik und Publikum zwiespältig aufgenommen wurden. Seinen Lebensabend verbrachte er wieder in den USA.

Jean
Renoir (l.) bei Dreharbeiten zu »La carrozza d'oro«
Georges Sadoul nannte Renoir »den französischsten aller Vorkriegs-Regisseure« und sah in ihm »den Meister des poetischen Realismus«. Renoir ist gleichermaßen als Schöpfer realistischer Dramen und impressionistischer Schilderungen in die Filmgeschichte eingegangen. Von düsterem Realismus sind zum Beispiel seine Filme Toni, Les bas-fonds (Nachtasyl) und La bête humaine erfüllt. Stimmungsmalerei und eine plastische Bildkraft, die an die Werke seines Vaters erinnert, dominieren dagegen in Filmen wie Une partie de campagne und in dem umstrittenen, hintergründig-skurrilen Le déjeuner sur l'herbe (Das Frühstück im Grünen, 1959). Und schließlich vertrat er seine gesellschaftskritischen Thesen, die durchaus anarchistische Aspekte aufweisen, auch mit böser Ironie – z. B. in Boudu, sauvé des eaux und in La règle du jeu. Aber gerade mit diesen aggressiven Filmen hatte Renoir beim Publikum nur geringen Erfolg.
»Ich bin für das Einfache und Direkte im Film, nicht für übertrieben ›kunstvolle‹ Mittel. Die Technik sollte gar nicht bemerkt werden. Dann ist es gut« (Renoir).
La fille de l'eau (Das Mädchen vom Wasser, 1924), Nana (Nana, 1926), La petite marchande d'allumettes (Das Mädchen mit den Schwefelhölzern / Die kleine Streichholzverkäuferin, 1928), La chienne (Die Hündin, 1931), Boudu, sauvé des eaux (Boudu, aus dem Wasser gerettet, 1932), Toni (Toni, 1934), Le crime de Monsieur Lange (Das Verbrechen des Monsieur Lange, 1935), La vie est à nous (Das Leben gehört uns, 1936), Une partie de campagne (Eine Landpartie, 1936-46), Les bas-fonds (Nachtasyl, 1936), La grande illusion (Die große Illusion, 1937), La Marseillaise (Die Marseillaise, 1938), La bête humaine (Bestie Mensch, 1938), La règle du jeu (Die Spielregel, 1939), The southerner (Der Mann aus dem Süden, USA 1945), The diary of a chambermaid (Das Tagebuch einer Karnmerzofe, USA 1946), The woman on the beach (Die Frau vom Strand, USA 1947), The river (Der Strom, USA 1951), La carrozza d‘oro (Die goldene Karosse, Italien/Frankreich 1952), French cancan (French Can Can, 1955), Éléna et les hommes (Éléna und die Männer / Weiße Margeriten, Frankreich/ Italien 1956), Le déjeuner sur l'herbe (Das Frühstück im Grünen, 1959), Le testament du Docteur Cordelier (Das Testament des Dr. Cordelier, 1959 – Fernsehproduktion), Le caporal épinglé (Der Korporal in der Schlinge, 1962), Le petit théâtre de Jean Renoir (Jean Renoirs kleines Theater, 1969 – Fernsehproduktion) u. a.
Resnais, geboren am 3. Juni 1922 in Vannes (Frankreich), wollte zunächst Schauspieler werden. Ab 1943 besuchte er anderthalb Jahre die französische Filmhochschule, dann begann er Kurzfilme, vornehmlich über Malerei und Maler, zu drehen. Nach Filmen über van Gogh (1948) und Gauguin (1950) u. a. schien er als »Kunst-Experte« abgestempelt. Doch dann folgten drei ungewöhnliche Filme, in denen sich Resnais als engagierter Zeitkritiker erwies: Guernica (Guernica, 1950) nach dem gleichnamigen Bild Picassos mit Texten von Eluard wurde zur Anklage gegen den Faschismus, Les statues meurent aussi (Auch Statuen sterben, 1951) handelte von der afrikanischen Kunst und vom Kolonialismus und Nuit et brouillard (Nacht und Nebel, 1956) zog eine Bilanz des Schreckens der Konzentrationslager. 1959 drehte Resnais dann seinen ersten Spielfilm.
In seinen Spielfilmen hat sich Resnais immer wieder mit dem Problem der Zeit, mit dem Zusammenklang von Traum und Realität beschäftigt. Er zeigt Menschen, die ihre Vergangenheit suchen oder von Erinnerungen bedrängt werden. Aber diese Auseinandersetzung bleibt nicht literarische Spekulation; sie zielt auf aktuelle, oft politische Probleme. Formal wiederholt sich das Thema der Filme in den raffinierten Montagen, die Gegenwart und Vergangenheit, Erlebtes und Erdachtes unvermittelt nebeneinanderstellen.
Hiroshima – mon amour (Hiroshima – mon amour, Frankreich/Japan 1959), L'année dernière à Marienbad (Letztes Jahr in Marienbad, Frankreich/Italien 1960), Muriel ou le temps d'un retour (Muriel oder Die Zeit der Wiederkehr, Frankreich/Italien 1962), La guerre est finie (Der Krieg ist vorbei, Frankreich/Schweden 1965), Je t‘aime, je t'aime (Ich liebe dich, ich liebe dich, 1967), Loin du Viet-Nam (Fern von Vietnam, 1967 – Co-R), L‘an 01 (Das Jahr 1, 1972 – Co-R: Jacques Doillon, Jean Rouch), Stavisky ... (Stavisky ..., Frankreich/Italien 1974), Providence (Providence, Frankreich/ Schweiz 1976), Mon oncle d'Amerique (Mein Onkel aus Amerika, 1979), La vie est un roman (Das Leben ist ein Roman, 1982), L'amour à mort (Liebe bis zum Tod, 1984), Mélo (Mélo, 1986), Je veux rentrer à la maison / I want to go home (I want to go home, 1988), Smoking / No smoking (Smoking / No Smoking, Frankreich/Italien/ Schweiz 1992/93) u. a.
Rossellini, geboren am 8. Mai 1906 in Rom (Italien) und gestorben ebendort am 3. Juni 1977, kam nach abgebrochenem Studium und Versuchen in verschiedenen Berufen zunächst als Atelierarbeiter und Techniker zum Film. Nach einigen Kurzfilmen drehte er 1941 unter der künstlerischen Oberleitung von Francesco De Robertis seinen ersten Spielfilm, La nave bianca (Das weiße Schiff / Glückliche Heimkehr). Wenige Jahre später machte ihn sein Film Roma città aperta (1944/45) weltberühmt. Rossellini galt als Meister des Neorealismus, der ein völlig neues Verhältnis zur Wirklichkeit im Film brachte. Aber schon in den fünfziger Jahren warfen ihm vor allem italienische Kritiker Verrat an eben diesem Neorealismus vor. Sie gingen dabei von einer engen, theoretischen Definition des Begriffes aus, während Rossellini in einem Interview betont hatte: »Für mich ist Realismus nichts anderes als die künstlerische Form der Wahrheit!« Unterstützung fand Rossellini vor allem bei französischen Kritikern und Kollegen. Jacques Rivette zum Beispiel schrieb über den Film Viaggio in Italia (Liebe ist stärker, 1953), der in Italien ein völliger Mißerfolg war: »Durch das Erscheinen von Viaggio in Italia sind alle Filme plötzlich um zehn Jahre gealtert ...«
Mitte der fünfziger Jahre reiste Rossellini für längere Zeit nach Indien und drehte dort Dokumentarfilme. Nach seiner Rückkehr inszenierte er noch einige Spielfilme, die aber nur geringen Erfolg hatten, da sie den Erwartungen nicht entsprachen, die das Publikum und große Teile der Kritik an seinen Namen knüpften. Rossellini arbeitete daraufhin überwiegend für das Fernsehen, für das er Dokumentarfilme und »szenische Dokumentationen«, wie eine Geschichte der Apostel (1968), drehte. Rossellini war stets von der »Wirklichkeit« fasziniert. Dokumentarfilme, semi-dokumentarische Spielfilme und die realistischen Bestandsaufnahmen aus der Nachkriegszeit weisen nachdrücklich darauf hin. Aber »Wirklichkeit« und die »Realität der Wahrheit« hat er auch in Filmen über die Apostel, über den heiligen Franziskus oder den König Ludwig XVI. gesucht. Man hat ihm vorgeworfen, sein Verhältnis zur Wirklichkeit sei unreflektiert und intuitiv; und tatsächlich verzichtet Rossellini häufig auf Analysen und Erklärungen. Er erfaßt statt dessen Tatsachen und Tatbestände subjektiv in ihrer Komplexität und stellt sie dabei gleichsam als Selbstverständlichkeit vor die Zuschauer. Doch dieser Methode gewinnt er oft einen eigentümlichen Reiz ab, sie ermöglicht ihm eine Kongruenz von Sinn und Form, die sowohl künstlerisch als auch moralisch wahrhaftig ist.
La nave bianca (Das weiße Schiff / Glückliche Heimkehr, 1941 – Oberleitung: Francesco De Robertis), Roma città aperta (Rom – offene Stadt, 1944/45), Paisà (Paisa, 1946), L'amore (Amore, 1947/48), Germania, anno zero (Deutschland im Jahre Null, 1947), Stromboli, terra di dio (Stromboli, 1949/50), Francesco, giullare di dio (Franziskus, der Gaukler Gottes, 1950), Europa 51 (Europa 51, 1952), Viaggio in Italia (Liebe ist stärker, 1953), Angst (BRD/Italien 1954), India, matri bhumi (Indien, Mutter Erde, Italien/ Frankreich 1958 – Dokumentarfilm), Il generale della Rovere (Der falsche General, Italien/ Frankreich 1959), Vanina Vanini (Der furchtlose Rebell, Italien/Frankreich 1961), Anima nera (Schwarze Seele, 1961), La prise de pouvoir par Louis XVI. (Die Machtergreifung Ludwigs XVI., Frankreich 1966 – Fernsehproduktion), Anno uno (Das Jahr eins, 1974), Il Messia (Der Messias, Italien/Frankreich 1975-78) u. a.
Schlöndorff, geboren am 31. März 1939 in Wiesbaden (Deutschland), verdankt wesentliche Anregungen und Einflüsse Frankreich und dem französischen Film. Schlöndorff selbst meinte über seinen Werdegang: »Meine beiden Brüder sind Ärzte. Alles bestimmte mich dazu, auch Arzt oder Anwalt zu werden. Andererseits ist nichts verständlicher, als daß ein Bürgersohn zum Zirkus will. So ist es mir ergangen. Es gibt keinen Zirkus mehr, hieß es; dann eben zum Film; es gibt in Deutschland keinen Film mehr; dann gehe ich nach Frankreich. Das war 1955, ich war 16 und bin tatsächlich nach Paris gegangen, wo ich zehn Jahre blieb: erst als Internatsschüler, dann als Student (Jura, denn für Film gab's keine Stipendien) bis zum Staatsexamen, nebenbei als Besucher der Ciniémathèque (täglich drei Filme), schließlich als Regieassistent von Jean-Pierre Melville, Alain Resnais und Louis Malle.«
1965 kehrte Schlöndorff in die Bundesrepublik zurück und drehte hier alsbald seinen ersten Film, die atmosphärisch dichte und stilsichere Musil-Adaption Der junge Törless, den manche Kritiker noch immer für seinen besten halten. Seinen größten Erfolg hatte er mit dem Film Die Blechtrommel, der die »Goldene Palme« beim Festival in Cannes und den »Oscar« für den besten ausländischen Film gewann. Nach der Wiedervereinigung engagierte sich Schlöndorff in der Leitung des Filmstudios in Babelsberg und verzichtete dafür geraume Zeit auf seine Regietätigkeit.
Der perfekte Handwerker und Techniker Schlöndorff ist kein Regisseur der »unverwechselbaren Handschrift«. Er ist bemüht, sich seinen Stoffen anzupassen und läßt sich dabei auch wohl von ihnen dominieren. Er ist engagiert und will wirken, wobei er das Risiko allzu greller Effekte in Kauf nimmt. Und sein Engagement für die Fragen der Gegenwart kann nicht verdecken, daß ihm die sorgfältige Rekonstruktion der Vergangenheit (wie in Der junge Törless und in Der plötzliche Reichtum der armen Leute von Kombach) am überzeugendsten gelang.
Der junge Törless (1965), Mord und Totschlag (1966), Michael Kohlhaas (1967/68), Baal (1969 Fernsehproduktion), Der plötzliche Reichtum der armen Leute von Kombach (1970), Die Moral der Ruth Halbfass (1971), Strohfeuer (1972), Übernachtung in Tirol (1973 – Fernsehproduktion), Georginas Gründe (1974 – Fernsehproduktion), Die verlorene Ehre der Katharina Blum (1975 Co-R: Margarethe von Trotta), Der Fangschuß (1976), Valeska Gert (1977 – Fernsehproduktion), Deutschland im Herbst (1977/78 – Episode), Die Blechtrommel (1978/79), Der Kandidat (1980 – Co-R), Die Fälschung (1981), Krieg und Frieden (1982/83 – Co-R), Un amour de Swann (Eine Liebe von Swann, Frankreich/BRD 1983), Death of a salesman (Tod eines Handlungsreisenden, USA/BRD 1985), A gathering of old men (Ein Aufstand alter Männer, USA 1986), The handmaid's tale (Die Geschichte der Dienerin, USA/BRD 1989/90), Homo Faber (BRD/Frankreich/Griechenland 1990) u. a.
Scorsese, geboren am 17. November 1942 in Flushing (USA), kam als Achtjähriger nach New York, wo die Familie in »Little Italy«, dem italienischen Viertel, wohnte. Er war ein kränkliches Kind, das an vielen der üblichen Kinderspiele nicht teilnehmen konnte. So wurde er oft in die Rolle des Beobachters gedrängt und entdeckte früh die Traumwelt des Kinos. Scorsese wollte zunächst Priester werden. Doch nach einem Jahr verließ er das Seminar, um (bis 1966) in New York Film zu studieren. Mit seinen Hochschulfilmen gewann er einige Preise; bereits 1968 erschien sein erster abendfüllender Spielfilm (Whos that knocking at my door? – Wer klopft denn da an meine Tür?), den er mühsam selbst produziert hatte. Die erste »Studio-Produktion« ermöglichte ihm – wie schon Bogdanovich und Coppola der experimentierfreudige Roger Corman, für den er die umstrittene Gangster-Studie Boxcar Bertha (Die Faust der Rebellen, 1971) drehte. Nach seinem dritten Film (Mean streets – Hexenkessel, 1972) zählte man ihn bereits zu den vielversprechenden Talenten des »New Hollywood«-Films.

Martin
Scorsese bei Dreharbeiten zu »Good Fellas«
Scorsese hat gerade in seinen besten Filmen das präzis beobachtete Milieu seiner Kindheit aufgegriffen und darin private Erfahrungen und Erinnerungen angesiedelt. Seine Geschichten spielen oft inmitten von Armut und Gewalt; seine Helden sind verzweifelte Einzelgänger, die sich nach Hilfe und nach Erlösung sehnen. Eine vielzitierte Dialogzeile aus Mean Streets lautet: »Ich weiß, daß man für seine Sünden nicht in der Kirche büßt, sondern auf der Straße!«.
Who's that knocking at my door? (Wer klopft denn da an meine Tür?, 1965-68), Boxcar Bertha (Die Faust der Rebellen, 1971), Mean streets (Hexenkessel, 1972), Alice doesn't live here anymore (Alice lebt hier nicht mehr, 1974), Taxi driver (Taxi-Driver, 1975), New York, New York (New York, New York, 1976), The last waltz (The Band – The Last Waltz, 1978 – Dokumentarfilm), The raging bull (Wie ein wilder Stier, 1979), The king of comedy (The King of Comedy, 1981), After hours (Die Zeit nach Mitternacht, 1985), The color of money (Die Farbe des Geldes, 1986), The last temptation of Christ (Die letzte Versuchung Christi, 1987), New York stories (New Yorker Geschichten, 1988 – Episode), Good Fellas (Good Fellas – Drei Jahrzehnte in der Mafia, 1989), Cape Fear (Kap der Angst, 1990), The age of innocence (Zeit der Unschuld, 1993).
Spielberg, geboren am 18. Dezember 1947 in Cincinnati (USA), begann bereits als Schüler, 8-mm- und 16-mm-Filme zu drehen. Während der College-Zeit entstand sein 24-Minuten-Film Amblin, der ihm Festival-Preise und 1968 einen Vertrag als Regisseur beim Fernsehen einbrachte. Er inszenierte u. a. Episoden für die Serien Dr. med. Marcus Welby, Owen Marshall, Strafverteidiger und Columbo und 1971 den Fernseh-Film Duel (Duell). Wieder hatte er auf Anhieb Erfolg. Sein Film gewann Preise bei mehreren europäischen Festivals, und Spielberg erhielt die Chance, seinen ersten Kino-Spielfilm zu inszenieren: The Sugarland Express (1974).
Als Regisseur drehte Spielberg in schneller Folge einige der erfolgreichsten Hollywood-Filme – überwiegend phantastische Abenteuergeschichten voll naiver Fabulierkunst, die in ihren besten Momenten (etwa bei E. T. The extra-terrestrial, 1982) den Bereich des Märchenhaften berühren. Mit der Romanverfilmung The color purple (Die Farbe Lila, 1985) wandte sich Spielberg dem sogenannten Problem-Film zu, hatte damit aber zunächst beim Publikum mehr Erfolg als bei der Kritik.
Außerdem betätigt sich Spielberg mit seiner Produktionsfirma »Amblin Entertainment« auch kontinuierlich als Produzent, wobei die meisten der von ihm produzierten Filme mehr oder weniger deutlich seine Handschrift tragen: z. B. Poltergeist (Poltergeist, 1982 – R: Tobe Hooper), Gremlins (Gremlins – Kleine Monster 1984 – R: Joe Dante), Back to the future (1985 R: Robert Zemeckis).
The Sugarland Express (Sugarland Express, 1974), Jaws (Der weiße Hai, 1975), Close encounters of the third kind (Unheimliche Begegnung der dritten Art, 1977), 1941 (1941 – Wo, bitte, geht's nach Hollywood?, 1979), Close encounters of the third kind (Special edition) (Unheimliche Begegnung der dritten Art – Die neue Version, 1980), Raiders of the lost ark (Jäger des verlorenen Schatzes, 1981), E. T. The extra-terrestrial (E. T. Der Außerirdische, 1982), Twilight zone – The movie (Unheimliche Schattenlichter, 1983 – Regie einer Episode), Indiana Jones and the temple of doom (Indiana Jones und der Tempel des Todes, 1984), The color purple (Die Farbe Lila, 1985), Empire of the sun (Das Reich der Sonne, 1987), Amazing stories (Unglaubliche Geschichten, 1986 – Episode: The mission), Amazing stories 2 (Weitere unglaubliche Geschichten, 1986 – Episode: Ghost train), Indiana Jones and the last crusade (Indiana Jones und der letzte Kreuzzug, 1988), Always (Always, 1989), Hook (Hook, 1991), Jurassic park (Jurassic Park, 1992), Schindler's list (Schindlers Liste, 1993).
Staudte, geboren am 9. Oktober 1906 in Saarbrücken (Deutschland) und gestorben am 19. Januar 1984 in Maribor (Jugoslawien), studierte an der Technischen Hochschule und war Ingenieur, ehe er zur Bühne ging, wo er als Schauspieler u. a. bei Reinhardt und Piscator tätig war. Nach 1933 drehte er Werbefilme, war Rundfunksprecher und spielte kleine Filmrollen. 1943 inszenierte er seinen ersten Spielfilm, ein recht belangloses Lustspiel. Nach 1945 drehte er in der DDR einige bemerkenswerte zeitkritische Filme, die ihm internationale Anerkennung einbrachten. 1956 siedelte er in die Bundesrepublik über.

Wolfgang
Staudte mit Juliette Mayniel bei Dreharbeiten zu »Kirmes«
Staudte hat eine Vorliebe und eine besondere Begabung. für die satirische, oftmals karikaturistische Übersteigerung. Das ermöglichte ihm die Gestaltung seines zweifellos besten Films Der Untertan. Die gleiche Eigenschaft steht ihm aber bei der Behandlung realistischer Stoffe manchmal ein wenig im Wege. Da unterläuft es ihm leicht, daß er die Objekte seiner zeitkritischen Attacken allzusehr karikiert und damit ihrer Gefährlichkeit entkleidet. In der Bundesrepublik hat er sich, konsequenter als andere Filmregisseure, um die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit und mit Fehlentwicklungen in der Gegenwart bemüht. Aber auch in diesem Genre entstanden seine besten Inszenierungen (Die Mörder sind unter uns, Rotation) in der DDR. Seit Anfang der siebziger Jahre hat Staudte fast ausschließlich für das Fernsehen gearbeitet.
Akrobat schö-ö-ön (1943), Die Mörder sind unter uns (DDR 1946), Die seltsamen Abenteuer des Fridolin B, (DDR 1947), Rotation (DDR 1949), Schicksal aus zweiter Hand / Zukunft aus zweiter Hand (BRD 1949), Der Untertan (DDR 1951), Die Geschichte vom kleinen Muck / Die Abenteuer des kleinen Muck (DDR 1953), Leuchtfeuer (DDR/Schweden 1954), Ciske – ein Kind braucht Liebe (BRD/Holland 1955).
In der BRD: Rose Bernd (1957), Madeleine und der Legionär (1958), Kanonenserenade (BRD/Italien 1958), Der Maulkorb (1958), Rosen für den Staatsanwalt (1959), Kirmes (1960), Der letzte Zeuge (1960), Die glücklichen Jahre der Thorwalds (1962 – R. übernommen von John Olden), Die Dreigroschenoper (1963), Herrenpartie (BRD/Jugoslawien 1964), Das Lamm (1964), Ganovenehre (1966), Heimlichkeiten (BRD/Bulgarien 1968), Die Herren mit der weißen Weste (1969), Fluchtweg St. Pauli – Großalarm für die Davidswache (1971), Der Seewolf (BRD/Rumänien 1972 Fernseh- und Kinoproduktion), Lockruf des Goldes (BRD/Rumänien 1975 – Fernsehproduktion), Das verschollene Inka-Gold (BRD/Rumänien/ Frankreich 1977 – Fernsehproduktion), Zwischengleis (1978), Der eiserne Gustav (1978 Fernsehproduktion), Die Pawlaks (1981/82 Fernsehserie) u. a.
Sternberg, als Josef Sternberg am 29. Mai 1894 in Wien (Österreich) geboren und gestorben am 22. Dezember 1969 in Hollywood (USA), kam mit seiner Familie 1901 in die USA. Nach vorübergehender Rückkehr nach Wien (1904) erfolgte 1908 die endgültige Auswanderung. Sternberg, um dessen Leben und Werk sich mancherlei Legenden ranken, kam als Laboratoriumsarbeiter und Vorführer erstmals mit dem Film in Berührung und avancierte dann zum Regieassistenten, Kameramann, Autor und Cutter. Mit Hilfe privater Geldgeber drehte er 1925 den Film The salvation hunters, der ihn über Nacht bekannt machte. Seine nächsten Filme wurden nach Meinungsverschiedenheiten mit den Produzenten von anderen Regisseuren fertiggestellt, er selbst übernahm die Endfertigung eines Films von Frank Lloyd, inszenierte einen Film für Chaplin, den dieser nie herausbrachte, montierte auf Geheiß des Studios einen Film Erich von Stroheims usw. Nachdem er 1929 in Deutschland für den Film Der blaue Engel Marlene Dietrich engagiert und weltberühmt gemacht hatte, wurde er zum Regisseur der Dietrich, mit der er wohl seine erfolgreichsten Filme drehte. Seine Laufbahn als Regisseur endete bereits 1953 mit dem in Japan gedrehten Film The saga of Anatahan (Die Saga von Anatahan), der nur in wenigen Kinos gezeigt wurde.
Sternberg war eine exzentrische, kraftvolle Regie-Persönlichkeit. Seine Filme sind eine eigenwillige Variation des »cinema pur« – Kino, das nicht den Anspruch erhebt, Realität zu sein. Er bevorzugte Studios, und es störte ihn nicht, wenn Modelle als solche erkannt wurden; er schuf Träume, die er mit kühler Berechnung realisierte. Dabei betonte er die Künstlichkeit seiner Welt noch durch die Flächigkeit des Bildes, indem er oft durch Schleier und Vorhänge filmte, die Darsteller wie auf eine Bühne stellte. Aber diese künstliche Welt war seine ureigenste Schöpfung, ein Kosmos aus Bewegung und Aktion.
The salvation hunters (Die Heilsjäger, 1925), The sea gull / The woman of the sea (1926 – nicht herausgebracht), Underworld (Unterwelt, 1927), The last command (Sein letzter Befehl, 1928), The docks of New York (Die Docks von New York, 1928), The case of Lena Smith (Eine Nacht im Prater, 1929), Thunderbolt (Blitzstrahl, 1929), Der blaue Engel (Deutschland 1929/30), Marocco (Marokko / Herzen in Flammen, 1930), Dishonored (Entehrt / X 27,1931), An American tragedy (Eine amerikanische Tragödie, 1931), Shanghai Express (Schanghai Expreß, 1932), Blonde Venus (Die blonde Venus, 1932), The scarlet empress (Die große Zarin, 1934), The devil is a woman (Die spanische Tänzerin, 1935), I Claudius (Ich, Claudius, England 1937 – unvollendet), Sergeant Madden (Sergeant Madden, 1939), The Shanghai gesture (Im Banne von Schanghai, 1941), Jet pilot (Düsenjäger, 1950 erst 1957 herausgekommen), Macao (Macao, 1952), The saga of Anatahan (Die Saga von Anatahan, Japan 1953) u. a.
Tarkowski, geboren am 4. April 1932 in Sawras (UdSSR) und gestorben am 28. Dezember 1986 in Paris (Frankreich), war der Sohn des Dichters Arsenij Tarkowski, dessen Gedichte der Sohn in seinen Filmen Serkalo (Der Spiegel) und Stalker (Der Stalker) zitiert. Tarkowski studierte zunächst Musik, Malerei, Bildhauerei, Orientalistik und Geologie, ehe er sich 1954 bei der Moskauer Filmhochschule bewarb. Er war dort Schüler von Michail Romm, den er bewunderte und verehrte und von dem er sagte: »Er hat mich gelehrt, ich selbst zu sein!«
1960 beendete er sein Studium mit dem (halblangen) Abschlußfilm Katok i skripka (Die Walze und die Violine), und schon zwei Jahre später machte ihn sein erster abendfüllender Spielfilm international bekannt und berühmt. Mit Iwanowo detstwo (1962) gewann er den Großen Preis beim Festival in Venedig und mehr als ein Dutzend weitere internationale Auszeichnungen. Sein nächster Film über den legendären mittelalterlichen lkonenmaler Andrej Rubljow (1966-69) wurde im eigenen Land zunächst heftig kritisiert und konnte mehrere Jahre lang nicht aufgeführt werden.
Tarkowskis spätere Filme schaffen aus verschlüsselten Bildern eine poetische Traumwelt, in der die moralische Bewährung des Menschen zum beherrschenden Thema wird. Er sagte einmal: »Im Film gibt es zwei Arten von Regisseuren, die zwei verschiedene Arten von Filmen machen: einmal diejenigen, die die Welt in der sie leben, imitieren, und dann die, die ihre eigene Welt erschaffen – die Poeten des Films. Und ich glaube, daß nur die Poeten in die Filmgeschichte eingehen werden, Künstler wie Bresson, Dowschenko, Mizoguchi, Bergman, Buñuel, Kurosawa.«
Kein Zweifel, daß auch Tarkowski zu diesen »Poeten des Films« zählt. Doch die eigene Welt, die er erschuf, brachte ihn immer wieder in Konflikte mit den Kulturfunktionären seiner Heimat. In zwei Jahrzehnten konnte Tarkowski auf diese Weise nur fünf Filme in der UdSSR realisieren. So kehrte er schließlich von einer Auslandsreise nicht zurück und ließ sich in Italien nieder. Aber er hat stets betont, daß er seine Emigration nur als »vorübergehend« ansehe.
Iwanowo detstwo (lwans Kindheit, 1962), Andrej Rubljow (Andrej Rubljow, 1966-69), Soljaris (Solaris, 1972), Serkalo (Der Spiegel, 1974), Stalker (Der Stalker, 1980), Tempo di viaggio (Die Zeit der Reise, Italien 1983 – Co-R: Tonino Guerra Dokumentarfilm), Nostalghia (Nostalghia, Italien 1983), Offret (Opfer, Schweden/Frankreich/England 1985).
Truffaut, geboren am 6. Februar 1932 in Paris (Frankreich) und gestorben am 21. Oktober 1984 ebendort, wurde nach dem Besuch der Volksschule zunächst Laufbursche, dann Fabrikarbeiter. Als Gründer eines Arbeiterfilmclubs lernte er Andre Bazin, den Chefredakteur der »Cahiers du Cinéma«, kennen, der ihn ermunterte, über Film zu schreiben. Bald zählte Truffaut zu den scharfsinnigsten und schärfsten französischen Filmkritikern. 1956 arbeitete er als Assistent von Rossellini. Nach zwei Kurzfilmen (Une visite, 1954; Les mistons, 1957) und der Mitarbeit an Filmen von Godard, Rivette u. a. drehte er 1959 seinen stark autobiographisch gefärbten ersten Spielfilm, Les quatre cents coups. Der Held dieses Films, Antoine Doinel, tritt übrigens – jeweils älter geworden und vom gleichen Darsteller gespielt – in den Filmen Antoine et Colette (Antoine und Colette), Baisers volés, Domicile conjugal (Tisch und Bett) und L'amour en fuite wieder auf.

François
Truffaut (r.) mit Charles Denner bei Dreharbeiten zu »L'homme
qui aimait les femmes«
Während Truffauts erster Film wesentlich um Wirklichkeitsnähe und Authentizität bemüht war, werden seine späteren Filme von einer oftmals ironisch getönten Sensibilität der Gestaltung bestimmt. Er gibt nicht mehr vor, Wirklichkeit abzubilden, sondern schafft in seinen Filmen eine eigene Welt, in der sich die Wirklichkeit entlarvend spiegelt. Dabei benutzt er oft die Konventionen und Klischees bestimmter Filmgenres, um den Zuschauer um so leichter in seine Welt herüberzuziehen; denn »wie alle Autodidakten möchte ich vor allem überzeugen« (Truffaut).
Les quatre cents coups (Sie küßten und sie schlugen ihn, 1959), Tirez sur le pianiste (Schießen Sie auf den Pianisten, 1960), Jules et Jim (Jules und Jim, 1961), Antoine et Colette (Antoine und Colette, 1961 – Episode des Films L'amour à vingt ans – Liebe mit zwanzig), La peau douce (Die süße Haut, 1964), Fahrenheit 451 (Fahrenheit 451, England 1966), La mariée était en noir (Die Braut trug Schwarz, Frankreich/Italien 1967), Baisers volés (Geraubte Küsse, 1968), La sirène du Mississippi (Das Geheimnis der falschen Braut, Frankreich/Italien 1969), L'enfant sauvage (Der Wolfsjunge, 1969), Domicile conjugal (Tisch und Bett, Frankreich/Italien 1970), Les deux Anglaises et le continent (Zwei Mädchen aus Wales und die Liebe zum Kontinent, 1971), Une belle fille comme moi (Ein schönes Mädchen wie ich, Frankreich/USA 1972), La nuit américaine (Die Amerikanische Nacht, Frankreich/Italien 1972), L'histoire d'Adde H. (Die Liebe der Adele H., 1975), Vargent de poche (Taschengeld, 1975/76), L'homme qui aimait les femmes (Der Mann, der die Frauen liebte, 1976/77), La chambre verte (Das grüne Zimmer, 1978), L'amour en fuite (Liebe auf der Flucht, 1978), Le dernier métro (Die letzte Metro, 1980), La femme d'à côté (Die Frau nebenan, 1981), Vivement dimanche! (Auf Liebe und Tod, 1982) u. a.
Welles, geboren am 6. Mai 1915 in Kenosha (USA) und gestorben am 10. Oktober 1985 in Los Angeles (USA), schockierte und faszinierte schon als Zwanzigjähriger das Publikum mit ungewöhnlichen Theaterinszenierungen. Und nachdem ihm 1938 eine Hörspielfassung von H. G. Wells' »Krieg der Welten« so realistisch geraten war, daß sie eine Massenhysterie auslöste, gab Hollywood dem jungen Mann den wohl großzügigsten Vertrag in der Geschichte der Filmmetropole: Welles sollte jährlich einen Film in absoluter Freiheit drehen. So entstand Citizen Kane (1940). Aber bald gab es doch Meinungsverschiedenheiten, Einsprüche und Eingriffe. Orson Welles verließ 1947 Hollywood und filmte seither in verschiedenen Ländern, wobei man insgesamt dem Schauspieler Welles mehr Chancen bot als dem Regisseur. Seine Inszenierungen entstanden nicht selten durch die Unterstützung von Mäzenen, manche Filme blieben unvollendet, wie etwa sein in Mexiko begonnener Don Quijote.
Welles' erster Film war eine radikale Absage an die damals gültigen ästhetischen Regeln des Films. Er löste die übliche Handlung in Erinnerungsfetzen auf; mit Hilfe der Tiefenschärfe des Bildes, die ein Spiel im Vorder- und Hintergrund ermöglichte, zog er Gegenwart und Vergangenheit stellenweise in einer Szene zusammen; Weitwinkelobjektive verzerrten und verfremdeten die Handlung. Welles hat daraus aber keinen »neuen Stil« entwickelt, den er zum Prinzip erhoben hätte. So wie er sich stets wieder andersartiger Stoffe bemächtigt hat, so hat er sie auch in immer neuen Formen behandelt. Dabei wirken alle seine Filme, in denen er gewöhnlich auch die Hauptrolle spielte, gleichsam überlebensgroß und ganz individuell. Selbst Macbeth und Othello erscheinen weniger als Shakespeare-Adaptionen, sondern als Welles-Filme.

Orson
Welles in »F for Fake«
Citizen Kane (Citizen Kane, 1940), It's all true (Es ist alles wahr, Brasilien 1941 – unvollendet), The magnificent Ambersons (Der Glanz des Hauses Amberson, 1942), The stranger (Der Fremde, 1946), The lady from Shanghai (Die Lady von Shanghai, 1947), Macbeth (Macbeth, 1947), Othello (Othello, Marokko 1951), Mr. Arkadin / Confidential report (Herr Satan persönlich, 1955), Touch of evil (Im Zeichen des Bösen, 1957), Le procès (Der Prozeß, Frankreich/BRD/Italien 1962), Compañadas a medianoche (Falstaff, Spanien/Schweiz 1965), Histoire immortelle (Die Stunde der Wahrheit Frankreich 1967), The deep / Dead reckoning (Die Tiefe, 1967-69 unveröffentlicht), The other side of the wind (Die andere Seite des Windes, 1970-72 – unvollendet), Fake? / F for Fake (F wie Fälschung, USA/ Frankreich 1973) u. a.
Wenders, am 14. August 1945 in Düsseldorf geboren, studierte zunächst Medizin und Philosophie, brach sein Studium jedoch nach vier Semestern ab und ging 1966 nach Paris, wo er sich vergeblich an der Filmhochschule IDHEC bewarb. Ersatzweise »studierte« er ein Jahr lang die Filmgeschichte in den Veranstaltungen der Cinemathèque Française. Dann kehrte er nach Deutschland zurück und gehörte hier zu den ersten Studenten und Absolventen der Hochschule für Film und Fernsehen in München.
Schon während seines Studiums drehte er rund ein Dutzend Kurzfilme; 1970 entstand sein Abschlußfilm Summer in the city, und bereits ein Jahr später hatte er einen respektablen Erfolg mit der Handke-Verfilmung Die Angst des Tormanns beim Elfmeter. Der Erfolg ist Wenders treu geblieben. Er erhielt mehrfach den Deutschen Filmpreis in Gold bzw. in Silber und gewann Festivalpreise in Cannes und Venedig.
Wenders verbrachte mehrere Jahre in den USA, wo auch einige seiner Filme entstanden. Dennoch sollte man den amerikanischen Einfluß in seinen Arbeiten eher gering einschätzen. Seine oft überlangen Filme bestechen vor allem durch eine genaue, insistierende Beobachtung von Bewegungen – von Fahrten, Ortsveränderungen, Reisen und Begegnungen mit fremden Städten und Landschaften, aber auch – ganz wörtlich von Gesten und Reaktionen. Seine besten Filme sind wortkarge Beschreibungen des Schicksals von Menschen, die aus ihrem Alltag ausbrechen, um neue Erfahrungen zu sammeln, die sich auf reale oder spirituale Abenteuer einlassen, ohne daß dabei aber von der Regie »abenteuerliche« Effekte bemüht werden. Wenders meint: »Mich interessieren die Vorgänge, die einfach ablaufen, passieren, und ich möchte da nicht hineinpfuschen, keine Dramaturgie, keine ›Handlung‹ im üblichen Sinn.«
Die Angst des Tormanns beim Elfmeter (1971), Der scharlachrote Buchstabe (1972), Alice in den Städten (1973), Falsche Bewegung (1974/75), Im Lauf der Zeit (1975), Der amerikanische Freund (1977), Nicks Film – Lightning over water (1979/1980), Hammett (Hammett, USA 1978-82), Der Stand der Dinge (1982), Paris, Texas (BRD/ Frankreich 1983), Tokyo-Ga (BRD/USA 1985), Der Himmel über Berlin (BRD/Frankreich 1986/1987), Aufzeichnungen zu Kleidern und Städten (BRD/Frankreich 1988), Bis ans Ende der Welt (1990), In weiter Ferne, so nah! (1993), Lisbon Story (BRD/Portugal 1994/95), Al di la delle nuvole (Jenseits der Wolken, BRD/Frankreich/Italien – Co-R) u. a.
Wilder, als Samuel Wilder am 22. Juni 1906 in Sucha (Österreich) geboren, kam als Filmjournalist nach Berlin und debütierte dort als Filmautor durch seine Mitarbeit an dem Drehbuch für Menschen am Sonntag (1929). Bis 1933 schrieb er weitere erfolgreiche Drehbücher und emigrierte dann über Frankreich in die USA, wo er zunächst als Autor mit Charles Brackett zusammenarbeitete. Das Team schrieb u. a. die Lubitsch-Filme Bluebeard's eighth wife (Blaubarts achte Frau, 1938) und, zusammen mit Walter Reisch, Ninotchka (1939). 1942 inszenierte Wilder seinen ersten Spielfilm, nachdem er in Frankreich bereits für einen Film als Co-Regisseur gezeichnet hatte. Billy Wilder, wegen seiner Vielseitigkeit oft als »Handwerker« unterschätzt, hat eine Reihe wirkungsvoller Kinostücke geschaffen. Ersten Ruhm errang er mit dem düsteren Kriminalfilm Double indemnity (1944). Wenig später engagierte er sich als Gesellschaftskritiker, der u. a. in Sunset Boulevard (1949) den Mythos Hollywoods demontierte. Und just als man ihn als strengen Moralisten akzeptiert hatte, wandte er sich dem Lustspiel zu. Wilders Filme sind präzise und manchmal plakativ. Seine Dramen berichten vom Versagen eines Individuums; seine Lustspiele, deren Witz oft mit bösen Widerhaken versehen ist, beziehen ihre Effekte gewöhnlich aus der gleichen Prämisse, die mit unbeirrbarer Konsequenz zu einem oft zwiespältigen Ende geführt wird. Dabei verzichtet er auf Symbole, Abschweifungen, Hintergründe. Er sorgt für Tempo, setzt seine Effekte sehr genau und schafft mit seinen Filmen und für sie eine eigene Welt.
The major and the minor (Der Major und das Mädchen, 1942), Five graves to Cairo (Fünf Gräber bis Kairo, 1943), Double indemnity (Frau ohne Gewissen, 1943), The lost weekend (Das verlorene Wochenende, 1944), Sunset Boulevard (Boulevard der Dämmerung, 1949), The big carnival / Ace in the hole (Reporter des Satans, 1950), Stalag 17 (Stalag 17, 1952), Sabrina (Sabrina, 1953), The seven year itch (Das verflixte siebente Jahr, 1954), Love in the afternoon (Ariane – Liebe am Nachmittag, 1956), Witness for the prosecution (Zeugin der Anklage, 1957), Some like it hot (Manche mögen's heiß, 1958), The apartment (Das Appartement, 1959/60), One, two, three (Eins, zwei, drei, 1961), Irma la douce (Das Mädchen Irma la Douce, 1962/63), The fortune cookie (Der Glückspilz, 1965/66), The private life of Sherlock Holmes (Das Privatleben von Sherlock Holmes, England 1969/70), Avanti! (Avanti – Avanti, 1972), The front page (Extrablatt, 1974), Fedora (BRD/Frankreich 1977), Buddy Buddy (Buddy Buddy, USA 1981) u. a.
Wolf, geboren am 20. Oktober 1925 in Hechingen (Deutschland) und gestorben am 7. März 1982 in Berlin (DDR), ist der Sohn des Dramatikers Friedrich Wolf. 1933 emigrierte er mit seinen Eltern in die Sowjetunion. Im Krieg war er Offizier in der sowjetischen Armee; von 1949 bis 1954 studierte er dann (bei Sergej Gerassimow) an der Filmhochschule in Moskau. Wolf arbeitete als Regieassistent mit Joris Ivens und Kurt Maetzig zusammen und lieferte sein Regiedebüt bei der DEFA mit der musikalischen Komödie Einmal ist keinmal (1955). Sein Film Lissy (1957) brachte ihm einen internationalen Erfolg, und seither galt er als der bemerkenswerteste Filmregisseur in der DDR.
Seine größten Erfolge erzielte Wolf überraschend mit den Filmen, die sich mit dem Nationalsozialismus auseinandersetzen. Da sind Milieu und Atmosphäre einer Zeit, die er selbst nicht oder doch nicht bewußt miterlebt hat, präzise eingefangen, da wird bei den Helden und ihren Gegenspielern auf jede Verzeichnung verzichtet. Ein subtiler Realismus bewährt sich, der ohne viele Worte die kleinen Fehler summiert, die das deutsche Bürgertum in die große Katastrophe führten. Bei seinen Gegenwartsfilmen hat man manchmal das Gefühl mangelnder Distanz; da unterlaufen ihm gelegentlich formale Spielereien und ein leichtes Pathos. Erst Solo Sunny zeigt hier eine Gelassenheit, die ganz angemessen und ganz überzeugend erscheint.
Einmal ist keinmal (1955), Genesung (1956), Lissy (1957), Sonnensucher (1957-59 – uraufgeführt 1972 im Fernsehen), Sterne (DDR/Bulgarien 1959), Leute mit Flügeln (1960), Professor Mamlock (1961), Der geteilte Himmel (1964), Der kleine Prinz (1966-uraufgeführt 1972 im Fernsehen), Ich war neunzehn (1967), Goya – oder Der arge Weg der Erkenntnis (DDR/UdSSR 1969-71), Der nackte Mann auf dem Sportplatz (1973), Mama, ich lebe (1976), Solo Sunny (1979 – Co-R: Wolfgang Kohlhaase), Busch singt (1980-82 – sechsteiliger Dokumentarfilm – Co-R) u. a.
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