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Autor: Kiesinger, Kurt Georg.

Titel: Regierungserklärung des Bundeskanzlers am 13. Dezember 1966 vor dem Deutschen Bundestag in Bonn.

Quelle: Behn, Hans Ulrich: Die Regierungserklärungen der Bundesrepublik Deutschland. München 1971, S. 185-204.

Die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Presse- und Informationsamtes der Bundesregierung.



Kurt Georg Kiesinger

Regierungserklärung des Bundeskanzlers am 13. Dezember 1966 vor dem Deutschen Bundestag in Bonn

Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Der Bildung dieser Bundesregierung, in deren Namen ich die Ehre habe zu Ihnen zu sprechen, ist eine lange, schwelende Krise vorausge­gangen, deren Ursachen sich auf Jahre zurückverfolgen lassen. Ihr offener Ausbruch er­folgte kaum ein Jahr nach den Wahlen zum 5. Deutschen Bundestag, die einen eindrucks­vollen Vertrauensbeweis für meinen Vorgänger, Professor Ludwig Erhard, erbracht und den Parteien der bisherigen Regierungskoalition deren Fortsetzung ermöglicht hatte. In der Folge belasteten innenpolitische Schwierigkeiten, innerparteiliche Auseinandersetzungen und außenpolitische Sorgen die Arbeit der Regierung, bis schließlich die Uneinigkeit über den Ausgleich des Bundeshaushalts 1967 und über die auf lange Sicht notwendigen fi­nanzpolitischen Maßnahmen zum Auseinanderbrechen der bisherigen Koalition und zu ei­nem Minderheitskabinett führten. Aus den dadurch notwendig gewordenen Koalitionsver­handlungen ist die neue Regierung der Großen Koalition hervorgegangen. Die Verhand­lungen der Parteien haben zu der wohl bisher gründlichsten Bestandsaufnahme der Mög­lichkeiten und Notwendigkeiten deutscher Politik vor einer Regierungsbildung geführt.

Zum erstenmal haben sich die Christlich-Demokratische und Christlich-Soziale Union und die Sozialdemokratische Partei auf der Ebene des Bundes zur Bildung einer ge­meinsamen Regierung entschlossen. Das ist ohne Zweifel ein Markstein in der Geschichte der Bundesrepublik, ein Ereignis, an das sich viele Hoffnungen and Sorgen unseres Volkes knüpfen. Die Hoffnungen richten sich darauf, daß es der Großen Koalition, die über eine so große, zwei Drittel weit übersteigende Mehrheit im Bundestag verfügt, gelingen werde, die ihr gestellten schweren Aufgaben zu lösen, darunter vor allem die Ordnung der öffentli­chen Haushalte, eine ökonomische, sparsame Verwaltung, die Sorge für das Wachstum un­serer Wirtschaft und die Stabilität der Währung. Dies alles sind Voraussetzungen des pri­vaten und öffentlichen Wohles in unserem wie in jedem anderen Lande. Sie verbürgen der Regierung und dem Parlament die nötige Kraft zum Handeln in allen Bereichen der Innen­und der auswärtigen Politik. Die Sorgen vieler gelten den möglichen Gefahren einer Gro­ßen Koalition, der nur eine verhältnismäßig kleine Opposition gegenübersteht.

Wir sind entschlossen, soviel an uns liegt, die auf uns gesetzten Hoffnungen zu er­füllen und die befürchteten Gefahren abzuwehren. In dieser Koalition, meine Damen und Herren, werden keine Macht und Pfründen zwischen Partnern geteilt, keine Miß­stände vertuscht und die Kräfte des parlamentarischen Lebens nicht durch Absprachen hinter den Kulissen gelahmt werden, wie es ihr mit dem Schlagwort „Proporzdemokra­tie" unterstellt wird. Die Opposition wird alle parlamentarischen Möglichkeiten haben, ihre Auffassung zur Darstellung und Geltung zu bringen.

Die stärkste Absicherung gegen einen möglichen Mißbrauch der Macht ist der feste Wille der Partner der Großen Koalition, diese nur auf Zeit, also bis zum Ende dieser Le­gislaturperiode fortzuführen.

(Beifall bei den Regierungsparteien)

Während dieser Zusammenarbeit soll nach Auffassung der Bundesregierung ein neues Wahlrecht grundgesetzlich verankert werden, das für künfti­ge Wahlen zum Deutschen Bundestag nach 1969 klare Mehrheiten ermöglicht.

(Erneuter Beifall bei den Regierungsparteien)

Dadurch wird ein institutioneller Zwang zur Beendigung der Großen Koalition und eine institu­tionelle Abwehr der Notwendigkeit zur Bildung von Koalitionen überhaupt geschaffen. Die Möglichkeit für ein Übergangswahlrecht für die Bundestagswahl 1969 wird von der Regierung geprüft.

Dieser Entschluß, nur eine zeitlich begrenzte Koalition zu bilden, wird uns aber nicht davon abhalten, in der Zeit unseres Koalitionsbündnisses alle wichtigen Aufgaben mit äußerster Entschlossenheit zu bewältigen.

Unsere nächstliegende Sorge ist, den Haushalt 1967 auszugleichen. Dies muß rasch geschehen. Das Finanzplanungsgesetz, das Steueränderungsgesetz 1966 und das Ergän­zungshaushaltsgesetz 1967 reichen nicht aus, um die Deckungslücken des Haushalts voll zu beseitigen. Trotz der drei Gesetze müssen wir 1967 mit einer Deckungslücke von rund 3,3 Milliarden DM rechnen. Die Regierung wird alsbald neue Ausgleichsvorschlä­ge in dieser Höhe vorlegen.

In den kommenden Jahren bietet die Finanzlage des Bundes ein noch düstereres Bild. Im Jahresdurchschnitt drohen Deckungslücken, die etwa so groß sind wie das ge­samte Haushaltsvolumen eines der finanzstärksten Länder der Bundesrepublik, und dies trotz der vom Hohen Hause inzwischen verabschiedeten drei Gesetze. Wie kam es zu dieser Entwicklung?

Erstens. Es fehlte an der mittelfristigen Vorausschau. Hätten wir schon rechtzeitig die schlichten Finanzprognosen, wie wir sie heute aufstellen, erarbeitet, so wäre diese Entwicklung vermieden worden.

(Beifall bei der SPD und vereinzelt in der Mitte)

Aber die in der Hochkonjunktur anschwellenden Staatseinnahmen, eine überalterte Haushaltspraxis, die verwirrende Vielfalt der öf­fentlichen Aufgaben, aber auch zu große Nachgiebigkeit gegenüber Interessengrup­pen

(Beifall bei den Regierungparteien)

und Überschätzung unserer Möglichkeiten haben dazu verführt, Jahr für Jahr neue fortlaufende Ausgaben und fortwirkende Einnahmeverminderungen zu be­schließen, ohne ihre Folgen für die Zukunft genügend zu bedenken.

Zweitens. Noch 1965 wurden die Bundeshaushalte durch Einnahmeverzichte und Ausgabeer­höhungen zusätzlich mit insgesamt 7,2 Milliarden DM belastet. Die beiden Steueränderungsgesetze führten für Bund and Länder zu Einnahmeverlusten in Höhe von 3,1 Milliarden DM; zusätzliche Ausgaben in Höhe von 6 Milliarden DM wurden be­schlossen. Hinzu kommt, daß sich 1965 erstmals die 1964 beschlossene Übernahme des Kindergeldes auf den Bundeshaushalt mit einem vollen Jahresbetrag von rund 2,8 Milliarden DM auswirkte.

(Hört! Hört! in der Mitte)

Die Unzulänglichkeit des Art. 113 des Grundgesetzes und auch die unbegründete Furcht vor der Ungunst der Wähler haben eine Korrektur dieser Entscheidungen vor den Bundestagswahlen verhindert.

(Beifall bei der SPD und vereinzelt bei der CDU/CSU)

Auch nach den Wah­len gelang es nicht, den eingeschlagenen Weg ins Defizit zu verlassen. Das Haus­haltssicherungsgesetz 1966 war eine Krücke, die nur über die Schwierigkeiten eines einzigen Jahres hinweghalf: Von 3,1 Milliarden DM Ausgabekürzungen waren nur rund 400 Millionen DM Dauereinsparungen; die übrigen Ausgaben wurden lediglich um 1 bis 2 Jahre verschoben.

(Sehr richtig! bei der SPD)

Das ist die Wahrheit, die wir uns eingestehen müssen und die wir unserem Volk nicht vorenthalten dürfen.

(Beifall bei den Regierungsparteien)

Wäre von vornherein das getan worden, was wir nunmehr tun müs­sen, wären nicht jene Erwartungen und Gewöhnungen entstanden, die heute enttäuscht werden müssen.

(Zustimmung bei der SPD)

Die Gesundung der Bundesfinanzen ist weniger eine Frage des Sachverstandes als des politischen Mutes und der Einsicht aller Mitverantwortlichen.

(Beifall bei den Regierungsparteien)

Die Regierung weiß das und wird die Entscheidungen vorbereiten, die nötig sind, um die ab 1968 drohenden Deckungslücken auszugleichen, und dafür sorgen, daß vorrangige Aufgaben besser er­füllt werden können. Dies wird nicht allein durch Maßnahmen gelingen, die niemandem wehtun.

Bei der Neuorientierung der Haushaltspolitik und der Auswahl der Maßnahmen zur Ausgabeverminderung oder Einnahmeerhöhung wird die Bundesregierung von folgen­den Leitlinien ausgehen:

Erstens. Wir werden uns um eine Normalisierung der Kapitalmarktlage bemühen und Inve­stitionsausgaben, soweit das wirtschaftspolitisch und konjunkturpolitisch vertretbar ist, durch Kredite finanzieren.

Zweitens. Wirtschaftswachstum, Erhöhung der Produktivität und Vollbeschäftigung müssen gesichert bleiben. Nur eine vollbeschäftigte und beständig wachsende Wirtschaft kann uns jene Staatseinnahmen erbringen, die für die öffentlichen Aufgaben gebraucht wer­den.

(Beifall bei den Regierungsparteien)

Drittens. Die notwendigen Einschränkungen und Belastungen müssen möglichst gleichmäßig auf alle Gruppen und Schichten des Volkes verteilt werden.

(Beifall bei den Regierungsparteien)

Viertens. Die großen Blöcke der Konsumausgaben im Bundeshaushalt müssen ohne Scheu vor Tabus überprüft werden.

(Erneuter Beifall bei den Regierungsparteien)

Niemandem, am wenigsten den scheinbar Begünstig­ten, würde eine wirklichkeitsfremde Politik nützen, der die Finanzgrundlage fehlt oder die nur zu Lasten anderer für unser Volk lebenswichtiger Zukunftsaufgaben fi­nanziert werden könnte. Die Bundesrepublik wendet von ihrem Bruttosozialprodukt für soziale Leistungen so viel auf wie kein anderes Land. Das ist kein Wohl­standsübermut; wir müssen Milliarden für Kriegsopfer, Vertriebene und Flüchtlinge ausgeben und immer mehr alte Menschen versorgen, - eine Folge der Kriegsverlu­ste und der großen Geburtenausfälle während der beiden Weltkriege und der Wirt­schaftskrise um 1932. Politik ist in allen Bereichen die Kunst des Möglichen. Eine fortschrittliche Gesellschaftspolitik setzt eine gesunde, wachsende Wirtschaft und eine stabile Währung voraus. Sie würde den Boden unter den Füßen verlieren, wenn sie die Leistungen so stark ausdehnen wollte, daß das Wachstum unserer Wirtschaft die Stabilität der Währung gefährdete und die die Zukunft unseres Volkes sichern­den Infrastrukturinvestitionen unterbleiben müßten. In unserem System der Sozial­versicherung werden wir am Prinzip der dynamischen Rente festhalten.

(Beifall bei den Regierungsparteien)

Bei den So­zialleistungen, die der Lebenssicherung dienen, soll weder der Besitzstand gemin­dert noch sollen sie auf die gegenwärtige Höhe festgelegt werden. Wir müssen aber sehr ernsthaft die Bemessung der jährlichen Zuwachsraten der Sozialleistungen und der Bundeszuschüsse prüfen und sie mit den Möglichkeiten und Grundsätzen einer gesunden Finanzpolitik in Einklang bringen.

(Beifall bei den Regierungsparteien)

Fünftens. Andere Zuwendungen aus dem Bundeshaushalt sollten nicht mehr ohne Rücksicht auf die Wirtschaftslage des Empfängers, sondern nur dann gewährt werden, wenn der Bedarf gesellschaftspolitisch gerechtfertigt ist.

(Beifall bei den Regierungsparteien)

Wir werden prüfen, wo Ein­kommensgrenzen eingeführt werden sollen.

(Lebhafter Beifall bei den Regierungsparteien)

Wir können es uns nicht leisten, öffent­liche Mitte unterschiedslos nach dem Gießkannenprinzip zu verteilen.

(Lebhafter Beifall bei den Regierungsparteien)

Unter diese Erwägungen fällt die Sparförderung ebenso wie Leistungen, die nicht Fürsorgecha­rakter haben. Aber wenn die notwendigen Mittel fehlen, kann eben auch hier nur das Mögliche und Dringlichste geschehen.

Sechstens. Unsere Außenverpflichtungen müssen ebenfalls mit unseren Leistungsmöglichkei­ten in Einklang stehen oder in Einklang gebracht werden. Die Bundesregierung wird alle bisher eingegangenen Verpflichtungen erfüllen. Sie muß jedoch dafür sorgen, daß in Zukunft die Belastungen durch Beiträge an supranationale oder internationale Einrichtungen - allen voran die EWG - nicht in der bisherigen Weise weiterwach­sen.

(Beifall bei den Regierungsparteien)

Auch die unvermeidliche Steigerung der Entwicklungshilfe wird unseren finan­ziellen Leistungskräften angepaßt werden müssen.

(Zustimmung in der Mitte)

Ebenso wenig dürften künftige Verpflichtungen zum Ausgleich von Devisenaufwendungen für im Bundesgebiet stationierte Truppen ohne Rücksicht auf unsere Finanzlage übernommen werden.

(Beifall bei den Regierungsprogrammen)

Siebtens. Auch die Personalausgaben müssen der Finanzlage angepaßt werden.

(Beifall bei den Regierungsparteien)

Achtens. Die Gesetzgebung über die Abwicklung von Kriegs- und Nachkriegsfolgen sollte abgeschlossen werden. Die Finanzlage des Bundes beweist, daß wichtige Aufgaben der Zukunftsvorsorge sträflich vernachlässigt werden würden, wenn die kommenden Jahre durch neue Zahlungen für die Vergangenheit belastet würden.

(Beifall bei Regierungsparteien)

Auch die gel­tenden Regelungen müssen mit dem Ziel überprüft werden, die Ausgabeverpflich­tungen mit der Einnahmeentwicklung des Bundes in Einklang zu bringen.

Neuntens. Für Sozialinvestitionen aller Bereiche, besonders für Wissenschaft und Forschung, müssen erheblich größere Geldmittel bereitgestellt werden.

(Beifall bei den Regierungsparteien)

Dies ist freilich nur möglich durch Einsparungen bei Konsumausgaben, bei Subventionen oder durch Steuererhöhung. Die Förderung der Forschung in Schlüsselbereichen der techni­schen Entwicklung - wie der Elektronik, der Atomenergie und der Weltraumfor­schung - ist für die Zukunft der Gesamtwirtschaft und damit für den Wohlstand un­seres Volkes ertragreicher als Subventionen, die nur der Erhaltung von stagnieren­den Bereichen dienen.

(Beifall bei den Regierungsparteien)

Die Regierung muß insbesondere auch durch gemeinsame Anstrengungen mit befreundeten Staaten der Gefahr eines technologischen Rück­standes entgegenwirken.

Zehntens. Die Regierung kann nicht von vornherein auf Steuererhöhungen verzichten. Je breiter die gegeneinander abzuwägenden Möglichkeiten zum Haushaltsausgleich angelegt sind, um so eher sind besondere Härten für einzelne Bevölkerungsgruppen vermeidbar. Das Wachstum der Wirtschaft darf jedoch durch steuerliche Maßnah­men nicht beeinträchtigt werden.

(Beifall bei den Regierungsparteien)

Elftens. Die Auseinandersetzungen zwischen dem Bund und den Ländern über die Anteile an der Einkommen- und Körperschaftsteuer litten in den vergangenen Jahren daran, daß die Maßstäbe für eine gerechte Verteilung fehlten. Diese Maßstäbe müssen erst durch eine vertikale Rangliste der Aufgaben in Bund, Ländern und Gemeinden erar­beitet werden.

Zwölftens. Der schwierige Anpassungsprozeß, der sich in den Steinkohlengebieten vollzieht, verlangt dringend wohlgeplante Maßnahmen, die eine dauernde Heilung verspre­chen.

(Beifall bei der SPD)

Es muß dafür gesorgt werden, daß der Steinkohlenabsatz bei der Elektrizität und der Stahlindustrie stabilisiert wird. Die Ansiedlung von Ersatzindustrien und andere Maßnahmen müssen die wirtschaftliche und soziale Zukunft der von unver­meidlichen Zechenstillegungen gefährdeten Menschen gewährleisten. Die betroffe­nen Länder vermögen dies aus eigenen Kräften allein nicht. Sie und der Bund müs­sen gemeinsam Mittel zur Bereinigung der schwierigen Lage bereitstellen.

Dreizehntes. Auch die Verteidigungsausgaben müssen sich nach der Finanzlage des Bundes richten.

(Beifall bei Abgeordneten der Regierungsparteien)

Der Verteidigungshaushalt ist aber keine Reservekasse für die Korrektur der Haushaltssünden vergangener Jahre.

(Beifall bei den Regierungsparteien)

In unserer künftigen Haushaltspolitik wird es nicht leicht sein, diese allgemeinen Zielset­zungen zu verwirklichen. Konflikte sind unvermeidlich. Wir können nicht einfach mit der Holzaxt das Gestrüpp der für die Zukunft angelegten öffentlichen Ausgaben planlos zu lichten versuchen. Im Gegenteil, diese Bereinigung soll uns instandsetzen, künftige Haus­halte als Instrumente einer klaren, vorausschauenden Gesamtpolitik zu benützen, die Wichtigstes von Wichtigem und Wichtiges von nur Wünschenswertem unterscheidet. Ein Haushalt darf nicht nur ein Flickenteppich von Interessen- und Ressortkompromissen sein, er muß vielmehr das Spiegelbild eines politischen Gesamtprogramms darstellen.

(Beifall bei den Regierungsparteien)

Erlauben Sie mir, an dieser Stelle auf eine Problematik hinzuweisen, welche die Verwirklichung eines ausgewogenen politischen Gesamtprogramms in der gesetzgeberi­schen Praxis erfahrungsgemäß gefährdet, wenn nicht gar behindert. Es ist schon schwie­rig, ein solches geschlossenes Programm innerhalb der Kabinettsberatungen zu bewah­ren, da verständlicherweise jedes Ressort um seine eigenen Vorstellungen kämpft und ihnen, oft ohne genügende Rücksicht auf andere Aufgaben, eine zu große Wichtigkeit beimißt. Die Aufgabe des Regierungschefs ist es, diese Ressortwünsche mit dem Ge­samtprogramm in Einklang zu bringen, sie also auf das ihnen gebührende Maß zurück­zuschneiden. Im Parlament setzt sich derselbe Prozeß fort. Arbeitskreise, Fraktionen, Ausschüsse sehen vielfach auch nur ihren eigenen Arbeits- und Interessenbereich, vor allem, wenn Gremien so zusammengesetzt sind, daß die Repräsentanten von Gruppenin­teressen über ihre eigenen Anliegen entscheiden.

(Beifall bei den Regierungsparteien – Heiterkeit)

Den führenden Kräften des Parlaments, insbesondere den Fraktionsvorständen und - vorsitzenden, kommt hier eine ähnliche Ordnungs- und Führungsaufgabe wie den Regie­rungschefs im Kabinett zu,

(Beifall bei den Abgeordneten der Mitte)

wenn eine geordnete Politik, die sich am Gemeinwohl orien­tiert, gelingen soll.

Um eine solche am Gemeinwohl orientierte und den Rahmen der finanziellen Mög­lichkeiten nicht überschreitende Politik zu sichern, wird die Bundesregierung zusammen mit dem Entwurf einer Bundeshaushaltsordnung eine Änderung des Art. 113 des Grund­gesetzes vorschlagen,

(Beifall bei den Abgeordneten der Mitte)

die es ermöglichen soll, ihre Zustimmung zu Beschlüssen über zu­sätzliche oder neue Ausgaben oder über Einnahmeminderungen auf einen bestimmten Höchstbetrag zu beschränken und gleichzeitig eine nochmalige Beschlußfassung des Bundestages zu beantragen. Dies würde eine mittlere Lösung zwischen dem bisherigen deutschen Recht und etwa dem englischen Recht darstellen, nach dem das Parlament zwar Ausgabekürzungen, aber keine Ausgabeerhöhungen beschließen kann. In diesem Zusammenhang begrüßt die Regierung den Initiativantrag einiger Abgeordneter zur Än­derung des § 96 der Geschäftsordnung des Bundestages, der eine Stärkung der Einfluß­möglichkeiten des Haushaltsausschusses anstrebt.

(Beifall bei Abgeordneten der Regierungsparteien)

Meine Damen und Herren, es ist hohe Zeit, daß wir aus dieser Erkenntnis die Folge­rungen ziehen. Freilich hat die Gesetzgebung der vergangenen Jahre - und das ist einer der bedenklichsten Sachverhalte - uns schon viele Wege dadurch verlegt, daß auf lange Zeit hinaus wirkende und sich zum Teil außerordentlich steigernde Ausgabeverpflichtun­gen jeden künftigen Haushalt in gefährlicher Weise vorbelasten. Es muß uns gelingen, den verlorengegangenen finanziellen Spielraum für unsere politischen Entscheidungen wieder­zugewinnen.

(Beifall bei den Regierungsparteien)

Gelänge dies nicht, dann wären die Haushalte der kommenden Jahre nur noch die Zwangsvollstreckung früherer Regierungsvorlagen und Parlamentsbeschlüsse.

Eine sorgfältige, nicht nur eine Addition der Ressortvorstellungen widerspiegelnde mittelfristige Finanzplanung muß uns in den Stand setzen, diesen notwendigen finan­ziellen Spielraum wiederzugewinnen und dann die Möglichkeiten zu neuen politischen Entscheidungen wieder zu erlangen.

Wir dürfen bei diesen Überlegungen freilich nicht nur die Bundeshaushalte im Auge haben. Wir leben in einem Bundesstaat, in welchem Bund, Länder und Gemeinden ihre eigenen Aufgabenbereiche zu erfüllen haben. Ob die Aufgabenverteilung durch das Grundgesetz heute noch sachgerecht ist oder ob etwa bestimmte Bundeskompetenzen auf die Länder, Länderkompetenzen auf den Bund übertragen werden sollten, wird zu prüfen sein im Zusammenhang mit der Reform der Finanzverfassung, welche diese Re­gierung als eine der großen innenpolitischen Aufgaben betrachtet und verwirklichen will.

(Beifall bei den Regierungsparteien

Ich erwähnte schon, daß die Auseinandersetzungen zwischen dem Bund und den Ländern über die Anteile an der Einkommen- und Körperschaftsteuer in den vergange­nen Jahren darunter litten, daß die Maßstäbe für eine gerechte Verteilung fehlten, und daß diese Maßstäbe erst durch eine vertikale Rangliste der Aufgaben in Bund, Ländern und Gemeinden erarbeitet werden mußten. Das wird aber nur gelingen, wenn auch die Länder und die Gemeinden ihre Haushaltspolitik nach den Grundsätzen gestalten, die ich für die künftige Haushaltspolitik des Bundes dargelegt habe. Das Stabilitätsgesetz wird dafür einen Teil der rechtlichen und politischen Voraussetzungen schaffen. Im übrigen wird es nötig sein, durch einen kooperativen Föderalismus eine gerechte und fruchtbare Ordnung in den Bereichen des Bundes, der Länder und der Gemeinden herbeizuführen. Meine Damen und Herren, bei unseren politischen Planungen können wir die Rechnung nicht ohne den Wirt machen. Eine gesunde, wachsende Wirtschaft ist die Voraussetzung für das private wie für das öffentliche Wohl. Die Bundesrepublik Deutschland zählt heute zu den großen Industrie- und Handelsnationen der Erde. Es muß das Ziel der Wirt­schaftspolitik sein, diesen von unserem ganzen Volk hart erarbeiteten Erfolg zu bewah­ren. Nur wenn uns dieses gelingt, werden auch wir die erforderlichen Mittel für die Durchführung einer erfolgreichen Politik in allen Bereichen erhalten.

Die Bundesregierung bekennt sich daher ausdrücklich zu den wirtschaftspolitischen Zielsetzungen, die der Deutsche Bundestag im Gesetz über die Bildung des Sachver­ständigenrates niedergelegt hat: im Rahmen der marktwirtschaftlichen Ordnung gleich­zeitig Stabilität des Preisniveaus, hohen Beschäftigungsstand und außenwirtschaftliches Gleichgewicht bei stetigem und angemessenem Wachstum anzustreben.

Diese Aufgabenkombination verlangt von der Wirtschaftspolitik, daß sie sich je­weils auf die Einzelziele konzentriert, die am meisten gefährdet sind. Dies sind nach

Auffassung der Bundesregierung zur Zeit das optimale Wirtschaftswachstum und die Si­cherung eines hohen Beschäftigungsstandes. Es droht sogar die Gefahr eines gesamt­wirtschaftlichen Rückschlages. Meine Damen und Herren, die Vorausschätzungen der wissenschaftlichen Institute und des Sachverständigenrates für 1967 haben den Ernst der Lage deutlich gemacht. Die Talsohle in der Konjunkturentwicklung kann sogar noch vor uns liegen, zumal dann, wenn ein harter Winter einen besonders starken Saisoneinbruch bewirken würde.

Bei dieser Ausgangslage ist daher eine expansive und stabilitätsorientierte Wirt­schaftspolitik das Gebot der Stunde.

(Beifall bei den Regierungsparteien)

Allerdings hat sich der Wachstumsspielraum der deutschen Wirtschaft gegenüber dem vergangenen Jahrzehnt erheblich verringert, so daß die Preisstabilität schneller gefährdet werden kann. Trotz dieser Schwierigkeit ist die Bundesregierung entschlossen, einem wirtschaftlichen Aufschwung ohne spätere Über­hitzungserscheinungen den Weg zu bahnen. Die Bundesregierung sieht in dieser Heraus­forderung keinen Grund, auch nur eines der gesamtwirtschaftlichen Ziele zu vernachläs­sigen, sondern sie nimmt sie als Ansporn zu besonderer Leistung. Sie fordert diese Lei­stung von sich selbst, von den Vertretern der gesellschaftlichen Gruppen und vom ein­zelnen Staatsbürger.

(Beifall bei den Regierungsparteien)

Die Bundesregierung wird unverzüglich folgende Maßnahmen unterstützen und einleiten:

Erstens: Die Deutsche Bundesbank hat in letzter Zeit mehrfach zu erkennen gege­ben, daß sie aus konjunkturpolitischen Gründen eine weitere Lockerung der Kreditre­striktionen ins Auge fassen werde, wenn hieraus keine Gefahren für die Geldwertstabi­lität erwüchsen. Die Bundesregierung hält nunmehr eine entscheidende Lockerung der Kreditrestriktionen durch die Deutsche Bundesbank für sachlich geboten. Die Bundesre­gierung würde eine fühlbare Senkung des Diskontsatzes und entsprechende Erleichte­rungen für den Geld- und Kapitalmarkt begrüßen.

(Beifall bei den Regierungsparteien)

Zweitens bittet .die Bundesregierung den Deutschen Bundestag, den Gesetzentwurf zur Abschaffung der Kuponsteuer bald zu beraten. Dabei sollte der enge Zusammenhang mit Zeitpunkt und Ausmaß der erhofften kreditpolitischen Entscheidungen der Deut­schen Bundesbank berücksichtigt werden.

Drittens wird die Bundesregierung, wenn es erforderlich ist, durch gezielte Ausga­ben die Investitionstätigkeit in unserer Volkswirtschaft beleben. Für den Straßenbau, für die Modernisierung von Bundesbahn und Bundespost sowie für andere vordringliche In­vestitionen ist für diesen Fall im Rahmen eines Eventualhaushaltes oder nach Verab­schiedung des Stabilitätsgesetzes in Anwendung des § 3 des Entwurfs ein zusätzlicher Betrag bis zu 2,5 Milliarden DM vorzusehen.

Viertens erwartet die Bundesregierung von den genannten Maßnahmen Impulse, die weit über ihre unmittelbaren Wirkungen hinausgehen. Ihre wirtschaftspolitische Aktion ist die Aktion einer stabilen und handlungsfähigen Regierung mit breiter parlamentari­scher Grundlage. Diese staatliche Autorität gewährt den Unternehmen die notwendige Sicherheit, um ihre betrieblichen Planungen und ihre Investitionsentscheidungen auf ei­ne Wiederbelebung der Konjunktur zu richten. Nachdem die innenpolitische Unsicher­heit gewichen ist, können sich die spontanen Kräfte des Marktes wieder entfalten.

Ein stärkeres Wachstum der Realeinkommen darf aber nicht in eine neue Preisstei­gerung ausarten.

(Unruhe bei der CDU/CSU)

Stabilität im Wachstum kann jedoch nur dann gesichert werden, wenn ein enges Zusammenwirken mit den autonomen Tarifvertragsparteien zustande kommt.

(Beifall bei den Regierungsparteien)

Meine Damen und Herren, der Spielraum der Expansionspolitik hängt entscheidend - ich betone: entscheidend - von dem Erfolg einer freiwilligen und gemeinsamen Aktion der Gewerkschaften und Unternehmerverbände zu einem stabilitätsgerechten Verhalten im Aufschwung ab.

(Lebhafter Beifall bei den Regierungsparteien)

Die Bundesregierung wird deshalb durch ihr Beispiel und ihr Vor­angehen eine solche konzertierte Aktion unterstützen und hierzu sofort die notwendigen Initiativen ergreifen. Beide Tarifpartner haben in der Vergangenheit mehrfach ihre Be­reitschaft zu einer solchen freiwilligen Mitarbeit erklärt. Die Bundesregierung erkennt dies ausdrücklich an. Sie wird alle notwendigen Voraussetzungen für eine solche Aktion schaffen, insbesondere wird sie in Zusammenarbeit mit dem Sachverständigenrat den Tarifpartnern Orientierungsdaten für deren eigene Entscheidungen zur Verfügung stellen und diese mit allen Beteiligten erörtern.

Unter den geschilderten Voraussetzungen einer „kontrollierten Expansion" strebt die Bundesregierung eine Wachstumsrate des realen Bruttosozialproduktes in der Größen­ordnung von 4 Prozent an.

Wachstumsförderung und Zusammenwirken mit allen verantwortlichen Kräften müs­sen in eine neue Politik der Globalsteuerung eingeordnet werden. Diese Politik schützt vor der Flucht in den Einzeldirigismus, sichert die marktwirtschaftlich-freiheitliche Ord­nung und ist damit allen anderen Systemen weit überlegen. Die Bundesregierung sieht in der Verabschiedung eines umfassenden Gesetzes zur Förderung der Stabilität und des Wachstums der Wirtschaft eine notwendige Voraussetzung für diese Politik.

Die Bundesregierung wird eine Kommission unabhängiger Sachverständiger beru­fen und sie mit der Auswertung der bisherigen Erfahrungen bei der Mitbestimmung als Grundlage weiterer Überlegungen beauftragen. Die Bundesregierung lehnt Bestrebungen ab, die den bewußten und erkennbaren Zweck einer Aushöhlung der Mitbestimmung verfolgen.

(Beifall bei der SPD)

An der Koordinierung der internationalen Währungs- und Konjunkturpolitik wird die Bundesregierung auch in Zukunft intensiv teilnehmen. Sollten sich hier jedoch keine Erfolge zeigen, so muß sich eine Wirtschaftspolitik, die auf Stabilität und Wachstum be­dacht ist, gegenüber außenwirtschaftlichen Störungen möglichst zusammen mit anderen, wirtschaftspolitisch gleich orientierten Staaten absichern. Die Entwicklung zu einem eu­ropäischen Hartwährungsblock wäre einem nationalen Alleingang vorzuziehen.

Die Wirtschafts- und Finanzpolitik, meine Damen und Herren, aber auch alle übri­gen innenpolitischen Bereiche, insbesondere die Gesellschafts-, Agrar-, Verkehrs-, Wohnungsbau- und Sicherheitspolitik müssen langfristig angelegt und aufeinander abge­stimmt werden. Ein solches Gesamtprogramm setzt aber eine umfassende Bestandsauf­nahme über die gesetzlichen, vertraglichen und internationalen Verpflichtungen voraus, ihre Überprüfung nach Schwerpunkten und Prioritäten und vor allem ihre Anpassung an die finanziellen Möglichkeiten.

Die Bundesregierung wird die Arbeiten für dieses Gesamtprogramm sofort beginnen. Unabhängig von dem wiederkonstituierten Kabinettsausschuß für Wirtschaft hat sie für diese Aufgabe einen Kabinettsausschuß für längerfristige Finanzplanung eingesetzt. Die Bundesregierung wird bemüht sein, diesem Gesamtprogramm einen mehrjährigen Finanz­plan und mehrjährige Investitionsprogramme für die öffentliche Hand aller Ebenen zu­grunde zu legen, der unter Mitwirkung der Länder aufgestellt und mit den Erfordernissen des gesamtwirtschaftlichen Gleichgewichts in Einklang stehen soll. Ich bitte das Hohe Haus daher um Verständnis, daß ich heute darauf verzichte, einen Katalog von unverbind­lichen Zusagen und Absichtserklärungen für die einzelnen Ressortbereiche vorzutragen.

(Beifall bei den Regierungsparteien)

Alle unsere Bemühungen um die innere Ordnung, um wirtschaftliches Wachstum und soziale Gerechtigkeit, meine Damen und Herren, haben freilich nur Sinn und Be­stand, wenn es gelingt, den Frieden und eine freiheitliche Lebensordnung zu bewahren.

Daß der Friede bewahrt werde, ist die Hoffnung aller Völker, und das deutsche Volk wünscht dies nicht weniger als die anderen.

(Beifall bei den Regierungsparteien)

Darum ist der Wille zum Frieden und zur Verständigung der Völker das erste Wort und das Grundanliegen der Außenpolitik die­ser Regierung.

(Beifall bei den Regierungsparteien)

Zwar dient jede Außenpolitik unmittelbar den Interessen des eigenen Volkes; aber in einer Welt, in welcher die Schicksale der Völker so eng miteinander verknüpft sind, darf sich niemand der Mitverantwortung für diese Welt und für den Frieden in dieser Welt entziehen.

(Beifall bei Abgeordneten der Regierungsparteien)

Die deutsche Regierung tritt für eine konsequente und wirksame Friedenspolitik ein, durch die politische Spannungen beseitigt und das Wettrüsten eingedämmt werden. Wir werden an Vorschlägen zur Rüstungskontrolle, Rüstungsminderung und Abrüstung mit­arbeiten. Die Bundesrepublik hat gegenüber ihren Bündnispartnern auf die Herstellung von Atomwaffen verzichtet und sich entsprechenden internationalen Kontrollen unter­worfen. Wir streben keine nationale Verfügungsgewalt über Atomwaffen und keinen nationalen Besitz an solchen Waffen an.

(Beifall bei den Regierungsparteien)

Wir sind entschlossen, mit allen Völkern Beziehungen zu unterhalten, die auf Verstän­digung, auf gegenseitiges Vertrauen und auf den Willen der Zusammenarbeit gegründet sind. Dies gilt auch für unser Verhältnis zur Sowjetunion, obwohl unsere Beziehungen im­mer noch durch das ungelöste Problem der Wiedervereinigung unseres Volkes belastet sind. Ich gehörte in Jahre 1955 bei unserem Besuch in Moskau - erlauben Sie mir diese persönliche Erinnerung - zu denjenigen, die mit Nachdruck für die Aufnahme diplomati­scher Beziehungen zwischen der Bundesrepublik und der Sowjetunion eintraten. Sicherlich hat die Entwicklung dieser Beziehungen die Erwartungen auf beiden Seiten enttäuscht. Das soll für uns kein Anlaß sein, unsere Bemühungen um eine Verständigung Schritt für Schritt und um zunehmendes, gegenseitiges Vertrauen zu verringern.

In meiner letzten Rede im Deutschen Bundestag am 1. Oktober 1958 in Berlin habe ich gesagt, das deutsche Volk hege weder Feindschaft noch Haß gegen die Völker der Sowjetunion, es möchte mit ihnen im Gegenteil in guter friedlicher Nachbarschaft leben, und es denke auch nicht daran, sich in die inneren Verhältnisse der Sowjetunion einzu­mischen. Ich habe hinzugefügt, es möge für die Sowjetunion im Zusammenhang mit der Wiedervereinigung Deutschlands Probleme geben, deren Lösung ihr schwierig scheine. Politische Klugheit und weitblickender Verständigungswille auf allen Seiten würden aber solche Schwierigkeiten überwinden können. Ich bin auch heute noch dieser Über­zeugung. Und diese Regierung wird nach dieser Überzeugung handeln.

(Beifall bei den Regierungsparteien)

Die letzte Bun­desregierung hat in der Friedensnote vom März dieses Jahres auch der Sowjetunion den Austausch von Gewaltverzichtserklärungen angeboten, um erneut klarzustellen, daß sie nicht daran denke, unsere Ziele anders als mit friedlichen Mitteln anzustreben. Die Bun­desregierung wiederholt heute dieses auch an die anderen osteuropäischen Staaten ge­richtete Angebot. Sie ist bereit, das ungelöste Problem der deutschen Teilung in dieses Angebot einzubeziehen.

(Beifall bei Abgeordneten der SPD)

Im übrigen hoffen wir, das gegenseitige Verständnis und Vertrauen durch die Ent­wicklung unserer wirtschaftlichen, geistigen und kulturellen Beziehungen beständig zu fördern und zu vertiefen, um so die Voraussetzungen für künftige erfolgreiche Gesprä­che und Verhandlungen zu schaffen.

Deutschland war jahrhundertelang die Brücke zwischen West- und Osteuropa. Wir möchten diese Aufgaben auch in unserer Zeit gerne erfüllen. Es liegt uns darum daran, das Verhältnis zu unseren östlichen Nachbarn, die denselben Wunsch haben, auf allen Gebieten des wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Lebens zu verbessern und, wo immer dies nach den Umständen möglich ist, auch diplomatische Beziehungen aufzunehmen.

In weiten Schichten des deutschen Volkes besteht der lebhafte Wunsch nach einer Aussöhnung mit Polen, dessen leidvolle Geschichte wir nicht vergessen haben und des­sen Verlangen, endlich in einem Staatsgebiet mit gesicherten Grenzen zu leben, wir im Blick auf das gegenwärtige Schicksal unseres eigenen geteilten Volkes besser als in frü­heren Zeiten begreifen. Aber die Grenzen eines wiedervereinigten Deutschlands können nur in einer frei vereinbarten Regelung mit einer gesamtdeutschen Regierung festgelegt werden, einer Regelung, die die Voraussetzung für ein von beiden Völkern gebilligtes, dauerhaftes und friedliches Verhältnis guter Nachbarschaft schaffen soll.

(Beifall bei den Regierungsparteien)

Auch mit der Tschechoslowakei möchte sich das deutsche Volk verständigen. Die Bundesregierung verurteilt die Politik Hitlers, die auf die Zerstörung des tschechoslowa­kischen Staatsverbandes gerichtet war. Sie stimmt der Auffassung zu, daß das unter An­drohung von Gewalt zustandegekommene Münchener Abkommen nicht mehr gültig ist.

(Beifall bei der SPD und bei Abgeordneten der CDU/CSU)

Gleichwohl bestehen noch Probleme, die einer Lösung bedürfen, wie zum Beispiel das des Staatsangehörigkeitsrechts. Wir sind uns unserer Obhutspflicht gegenüber den Su­detendeutschen Landsleuten wie gegenüber allen anderen Vertriebenen und Flüchtlingen bewußt und nehmen sie ernst. Diese Vertriebenen haben, wie das tschechoslowakische Volk zuvor, bitteres Leid und Unrecht erfahren. Der Bundesregierung liegt daran, dieses trübe Kapitel der Geschichte unserer Völker zu beenden und ein Verhältnis vertrauens­voller Nachbarschaft herzustellen.

(Beifall bei den Regierungsparteien)

Mit den Vereinigten Staaten von Amerika sind wir durch vielfache freundschaftli­che Beziehungen und im Nordatlantischen Pakt eng verbunden, dessen Festigung und zeitgerechte Fortentwicklung uns ein wichtiges Anliegen ist. Diese Regierung wird kei­ne der großen Hilfen vergessen, die uns die Vereinigten Staaten in den vergangenen bei­den Jahrzehnten geleistet haben.

(Beifall bei den Regierungsparteien)

Sie weiß, daß das Bündnis mit den Vereinigten Staaten und den übrigen Partnern des Nordatlantischen Paktes auch heute und in der Zukunft, die wir zu überblicken vermögen, für uns lebenswichtig ist.

Jedes Bündnis, meine Damen und Herren, ist nur so viel wert und hat nur so viel Fe­stigkeit wie das Vertrauen der Bündnispartner zueinander, daß ihre vitalen Interessen vom Partner verstanden und berücksichtigt werden. Das gilt auch für die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und uns. Vielleicht haben wir in den vergangenen Jah­ren im Verhältnis zu den Vereinigten Staaten manchmal zu sehr unsere eigenen Sorgen, Nöte und Anliegen betont, was ja bei einem schwächeren und bedrängten Partner nahe­liegt, und darüber übersehen, daß auch eine große Macht wie die Vereinigten Staaten ih­re Sorgen und Probleme hat, für die sie bei ihren Verbündeten Verständnis und, wo dies möglich ist, Unterstützung erwartet. Fast wider ihren Willen ist diese mächtige Nation nach dem letzten Krieg in eine Lage geraten, die sie in allen Kontinenten engagiert. Wir sollten dies nicht vergessen und uns überlegen, wie wir zu unserem Teil an der Bewah­rung des Weltfriedens entschiedener als bisher Mitverantwortung übernehmen können.

(Beifall bei Abgeordneten der Regierungsparteien)

Freilich muß sich jedes europäische Land, das dazu entschlossen ist, eingestehen, daß seine eigenen Kräfte begrenzt sind und daß die europäischen Völker einen viel stärkeren Beitrag für den Frieden in der Welt und die Wohlfahrt der Völker leisten könnten, wenn sie ihre Kräfte miteinander verbänden.

(Beifall bei den Regierungsparteien)

Wir sind daher davon überzeugt, daß die wirtschaftliche und politische Einigung Eu­ropas ebenso im Interesse der europäischen Völker wie in dem der Vereinigten Staaten liegt, und ich wage die Hoffnung auszusprechen, daß eines Tages auch die Sowjetunion in einem solchen einigen Europa ein wesentliches Element der Friedensordnung in unse­rer Welt erblicken wird. Das mag manchem als eine zu kühne Hoffnung erscheinen. Aber die Größe der Aufgabe verlangt von uns, daß wir den Mut haben, über die aktuellen Sorgen und Probleme hinaus eine zukünftige Friedensordnung auf diesem Planeten vorauszudenken.

(Beifall bei den Regierungsparteien)

Wir wollen aber den Willen zur Einigung Europas nicht als Vorwand dafür benut­zen, das, was uns jetzt zu tun möglich ist, zu unterlassen. Daher ist diese Regierung ent­schlossen, in einer der Kraft und den Möglichkeiten unseres Volks angemessenen Weise ihren Beitrag für einen gerechten und dauerhaften Frieden zu leisten.

Die bestehenden europäischen Gemeinschaften, welche die vorangegangenen Regie­rungen der Bundesrepublik mit beständiger Energie gefördert haben, haben große Fort­schritte erzielt. Wir werden auf den konsequenten Ausbau der Europäischen Wirt­schaftsgemeinschaft und ihrer Institutionen hinwirken. Die Gemeinschaft der Sechs soll allen europäischen Staaten offenstehen, die sich zu ihren Zielen bekennen. Besonders würden wir eine Teilnahme Großbritanniens und anderer EFTA-Länder an den europäi­schen Gemeinschaften begrüßen.

(Beifall bei den Regierungsparteien)

Wir wünschen, unsere Beziehungen zu Großbritannien fortschreitend zu entwickeln und zu vertiefen. Wir werden die enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Italien fortsetzen. Dies gilt gleichermaßen für die Niederlande, Belgien und Luxemburg. Diese Regierung wird entschieden darauf drängen, daß gleich­zeitig mit der inneren Entwicklung des Gemeinsamen Marktes eine weltoffene Handels­politik betrieben wird. Sie wird sich daher mit Nachdruck für einen erfolgreichen Ab­schluß der Kennedy-Runde einsetzen.

(Beifall bei den Regierungsparteien)

Meine Damen und Herren, die entscheidende Rolle für die Zukunft Europas fällt der Entwicklung des deutsch-französischen Verhältnisses zu.

(Beifall bei den Regierungsparteien)

Die vom Osten und Westen erhoffte europäische Friedensordnung ist ohne ein enges und vertrauensvolles Verhältnis zwischen Deutschland und Frankreich nicht denkbar. Weitblickende Staatsmänner in un­seren Nachbarländern, in den Vereinigten Staaten und in der Sowjetunion haben diese elementare Tatsache, wenn auch unter verschiedenen Gesichtspunkten, erkannt. In ihrer Haltung gegenüber Frankreich läßt sich die Bundesregierung von folgenden Erwägungen leiten:

Erstens. Aus den Fakten der europäischen Geographie und aus der Bilanz der Ge­schichte unseres Kontinents ergibt sich unter den Bedingungen der Gegenwart ein be­sonders hohes Maß an Übereinstimmung der Interessen unserer beiden Völker und Län­der.

Zweitens. Gemeinsam mit Frankreich, dem ältesten Verbündeten Amerikas in Eu­ropa, halten wir ein solides Bündnis zwischen den freien, sich einigenden Nationen Eu­ropas und den Vereinigten Staaten von Amerika für unerläßlich, wie immer auch die Struktur dieses Bündnisses angesichts einer gewandelten Welt künftig gestaltet werden wird. Wir weigern uns, uns eine falsche und gefährliche Alternative der Wahl aufreden zu lassen.

(Beifall bei den Regierungsparteien)

Drittens. Mit Frankreich treten wir ein für die Wiederherstellung der historisch ge­wachsenen europäischen Völkerfamilie, ein Ziel, das die Beendigung der geschichtswid­rigen und unnatürlichen Zerreißung unseres Volkes einschließt.

Viertens. Die deutsch-französische Zusammenarbeit, die wir wünschen, richtet sich gegen kein anderes Volk und Land. Sie ist vielmehr Kristallisationspunkt einer Politik, die sich die Einigung Europas zum Ziel gesetzt hat. Sie ist unerläßlich, wenn Europa ein mitverantwortlicher Partner werden soll. Jenes Europa, das „mit einer Stimme" spricht, wie es amerikanische Staatsmänner forderten, setzt eine ständig wachsende Überein­stimmung der deutschen und der französischen Politik voraus. Europa kann nur mit Frankreich und Deutschland, nicht ohne oder gar gegen eines der beiden Länder, gebaut werden. Worauf es nun ankommt, sind praktische Schritte auf dem Wege zur Einigung, nicht die unnachgiebige Verfolgung von idealen Vorstellungen.

(Beifall bei den Regierungsparteien)

Das Wünschenswerte, meine Damen und Herren, darf das Mögliche nicht verhindern.

Fünftens. Für die Verbesserung des Verhältnisses zu den osteuropäischen Nachbarn ist eine deutsch-französische Zusammenarbeit auf möglichst vielen Gebieten von größ­tem Wert.

Sechstens. Aus allen diesen Gründen wünscht die Bundesregierung, die im deutsch­französischen Vertrag vom 22. Januar 1963 enthaltenen Chancen zur Koordinierung der Politik beider Länder so konkret wie möglich zu nützen. Sie wird dafür Vorschläge un­terbreiten.

(Beifall bei den Regierungsparteien)

Die besonderen Gegebenheiten unserer beiden Nationen werden auch in Zukunft in manchen Fragen Unterschiede von Interessen und Meinungen aufweisen. Die Bundesre­gierung ist jedoch überzeugt, daß solche Probleme geringer wiegen als die für das Schicksal unserer beiden Völker und Europas gebieterische Notwendigkeit zu einer im­mer weitere Bereiche umfassenden wirtschaftlichen, technologischen, kulturellen, mili­tärischen und politischen Zusammenarbeit.

Wir sind unseren Verbündeten dafür dankbar, daß sie unseren Standpunkt in der Frage unseres geteilten Volkes und seines Rechtes auf Selbstbestimmung unterstützen. Die politischen Gegebenheiten haben die Wiedervereinigung unseres Volkes bisher verhindert. Und noch ist nicht abzusehen, wann sie gelingen wird. Auch in dieser für unser Volk so entscheidend wichtigen Frage geht es uns um Frieden und Verständigung. Wir sind kei­ne leichtfertigen Unruhestifter, denn wir wollen ja gerade den Unruheherd der deutschen Teilung, die ja auch eine europäische Teilung ist, durch friedliche Verständigung besei­tigen und unserem Volk seinen Frieden mit sich und mit der Welt wiedergeben.

Auch diese Bundesregierung betrachtet sich als die einzige deutsche Regierung, die frei, rechtmäßig und demokratisch gewählt und daher berechtigt ist, für das ganze deut­sche Volk zu sprechen.

(Beifall bei den Regierungsparteien)

Das bedeutet nicht, daß wir unsere Landsleute im anderen Teil Deutschlands, die sich nicht frei entscheiden können, bevormunden wollen. Wir wollen, soviel an uns liegt, verhindern, daß die beiden Teile unseres Volkes sich während der Trennung auseinanderleben.

(Beifall bei den Regierungsparteien)

Wir wollen entkrampfen und nicht verhärten, Gräben über­winden und nicht vertiefen. Deshalb wollen wir die menschlichen, wirtschaftlichen und geistigen Beziehungen mit unseren Landsleuten im anderen Teil Deutschlands mit allen Kräften fördern. Wo dazu die Aufnahme von Kontakten zwischen Behörden der Bun­desrepublik und solchen im anderen Teil Deutschlands notwendig ist, bedeutet dies kei­ne Anerkennung eines zweiten deutschen Staates. Wir werden diese Kontakte von Fall zu Fall so handhaben, daß in der Weltmeinung nicht der Eindruck erweckt werden kann, als rückten wir von unserem Rechtsstandpunkt ab.

(Beifall bei den Regierungsparteien)

Die Bundesregierung ist um die Ausweitung des innerdeutschen Handels, der kein Außenhandel ist, bemüht. Sie wird dabei auch eine Erweiterung von Kreditmöglichkei­ten anstreben und gewisse organisatorische Maßnahmen zur Verstärkung der innerdeut­schen Kontakte ins Auge fassen. Die Bundesregierung wird alles tun, um die Zugehörig­keit Berlins zur Bundesrepublik zu erhalten, und gemeinsam mit dem Senat und den Schutzmächten prüfen, wie die Wirtschaft Berlins und seine Stellung in unserem Rechtsgefüge gefestigt werden können.

(Beifall bei den Regierungsparteien)

Wir wollen, was zum Wohl der Menschen im gespaltenen Deutschland möglich ist, tun und, was notwendig ist, möglich machen.

In unserer auswärtigen Politik werden wir alle traditionellen guten Beziehungen, die uns mit vielen Völkern der Erde verbinden, bewahren und vertiefen.

Seit dem Ende des letzten Krieges sind in Asien und Afrika viele neue Staaten ent­standen, die nun um ihre innere Ordnung und um ihre wirtschaftliche Konsolidierung ringen. Das deutsche Volk, insbesondere seine Jugend, verfolgt diese Entwicklung mit lebhafter Anteilnahme und Sympathie. Unsere Politik, die sich für einen gerechten und dauerhaften Frieden in der Welt verantwortlich weiß, muß diese Völker beim Aufbau ih­res wirtschaftlichen und staatlichen Lebens im Rahmen ihrer Möglichkeiten nach besten Kräften unterstützen. Das gilt auch für die Länder Lateinamerikas. Wir erinnern uns da­bei an die große Hilfe, die wir selbst und andere europäische Länder nach dem letzten Weltkrieg durch den Marshallplan erhalten haben.

Mit zehn arabischen Staaten haben wir zur Zeit bedauerlicherweise keine diplomati­schen Beziehungen. Wir vertrauen aber darauf, daß die traditionell gute Zusammenarbeit im beiderseitigen Interesse bald wieder aufgenommen und fortentwickelt werden kann.

(Beifall bei den Regierungsparteien)

Unter Mißbrauch des Namens unseres Volkes sind gegen jüdische Menschen grau­enhafte Verbrechen begangen worden. Diese gestalten unser Verhältnis zu Israel pro­blematisch und schwierig. Es wurde durch die Aufnahme diplomatischer Beziehungen verbessert und gefördert. Die Bundesregierung wird auf diesem Wege fortschreiten.

(Beifall bei den Regierungsparteien)

Die Regierungserklärung hat darauf verzichtet, in der bisher üblichen Weise die ganze Breite der politischen Aufgaben aufzufächern. Sie wollte Neues sagen, wo jetzt Neues zu sagen und zu wagen ist: in der Finanzpolitik, der Wirtschaftspolitik, der Au­ßenpolitik und der Deutschlandpolitik. Es ist nicht die Erklärung einer Regierung, die aus einem glänzenden Wahlsieg, sondern aus einer von unserem Volk mit tiefer Sorge verfolgten Krise hervorging. Aber gerade diese Tatsache verleiht ihr ihre Kraft: zu ent­scheiden, was entschieden werden muß, ohne Rücksicht auf ein anderes Interesse als das des gemeinen Wohls oder, ich sage es, der Nation und des Vaterlandes.

(Lebhafter Beifall bei den Regierungparteien)

Dies ist nicht die Geburtsstunde eines neuen Nationalismus in Deutschland, nicht in dieser Regierung, nicht in diesem Hohen Hause, nicht in unserem Volk! Auch bei den letzten Landtagswahlen hat sich die überwältigende Mehrheit der Wähler - in Hessen 92,1%, in Bayern 92,6% - zu den demokratischen Parteien bekannt, die während der beiden letzten Jahrzehnte den Aufbau eines demokratischen Staates und die Eingliede­rung der Bundesrepublik Deutschland in die europäische, die westliche Völkerfamilie vollzogen haben, deren Ideale und deren politisches Ethos wir teilen.

(Beifall bei den Regierungsparteien)

Wenn wir unser Volk von unserem redlichen Willen durch Wort und Tat überzeu­gen, wenn wir auch den Stil unseres politischen Lebens von dem Verdacht des Interes­senschachers oder des ehrgeizigen Ränkespiels befreien, wenn wir ohne Arroganz, aber mit Würde die Sache unseres Volkes vor der Welt vertreten, wenn wir, wie wir es be­schworen haben, unsere Kraft dem deutschen Volke widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden, das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes wahren und verteidigen, unsere Pflichten gewissenhaft erfüllen und Gerechtigkeit gegenüber jeder­mann üben werden, dann wird dieses Volk in der Bundesrepublik, vor allem seine Ju­gend, und einmal das ganze deutsche Volk seinem freien demokratischen Staat vertrauen und zu ihm stehen in Glück und Not.

(Anhaltender lebhafter Beifall bei den Regierungsparteien

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