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Autor: Kammerer, Patrick.
Titel: Die veränderten Konstitutionsbedingungen politischer Rhetorik.
Quelle: Rhetorik. Ein internationales Jahrbuch. Tübingen 1995. S. 14-29.
Verlag: Max Niemeyer Verlag.
Die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Autors.
Patrick Kammerer
Die veränderten Konstitutionsbedingungen politischer Rhetorik
»Es kommt eben sehr darauf an, wie man etwas sagt. Rudolf [Scharping] müßte wie ein Volkstribun der heutigen Zeit auf der Bühne stehen. Aber da muß er noch lernen. Und er muß jemand haben, der ihm bessere Reden schreibt. Er braucht Sätze, die die Leute wirklich noch bewegen.«
Hans Dieter Hüsch1
In seinem 1989 erschienenen Aufsatz über die Öffentliche Rede in Deutschland2 setzt sich Josef Kopperschmidt mit der erstmals 1965 formulierten Grundthese von Walter Jens auseinander, nach der sich in Deutschland »eine Tradition der politischen Rede mit Vorbildern, Beispielen, Mustern [...] nie gebildet« habe3. Kopperschmidts Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, daß die Jenssche Diagnose über den Verfall der Beredsamkeit in Deutschland gerade auch im Licht der komplexen und funktional differenzierten Gesellschaft der späten 80er Jahre gültig sei, inzwischen sogar ihre nationale Geltungsbegrenzung überschreite. In einer modernen pluralen Gesellschaft haben sich laut Kopperschmidt die Konstitutionsbedingungen der öffentlichen Rede verändert. Die öffentliche Rede entfalle zugunsten einer »Pluralisierung subsystemischer Sprachen, deren jeweils autonome Codes sich ihrer wechselseitigen Übersetzbarkeit widersetzen«.4 Ob dadurch das »Ende öffentlicher Rede« einmal mehr als ausgemacht gilt oder sich im Gegenteil auch neue »Chancen ihres Überlebens« auftun, muß Kopperschmidt offenlassen.5
Kopperschmidts Untersuchung stützt das gängige Urteil der Rhetorikforschung, wonach sich insbesondere am Beispiel der politischen Rede der Verfall der rhetorischen Tradition und Redekultur in Deutschland ablesen lasse: Neben die leuchtenden Beispiele der Antike gestellt, werfe die politische Rhetorik der Gegenwart nur noch Schatten.6 Ein solcher Vergleich leidet jedoch an einer eingeschränkten Sichtweise. Auffällig ist, wie wenig in allen Wirkungsanalysen zur gegenwärtigen politischen Rhetorik in Deutschland bislang die internen Konstitutionsbedingungen des konkreten Produktionsprozesses und die veränderten Wirkungsabsichten einer politischen Rede mitbedacht werden. Dies erklärt den paradoxen Umstand, daß zwar bei allen Rückgriffen auf die Anfänge und Geschichte der Rhetorik an die Musterreden der Logographen und die techné der antiken Rhetoren erinnert wird, für die Wirkungsanalysen der politischen Rhetorik der Gegenwart diese ureigene Trennung von rhetorischen Ratgebern, handwerklichem Instrumentarium und den öffentlichen Rednern jedoch aufgehoben scheint.
Nicht aus der Sicht der Adressaten, sondern aus dem Blickwinkel der Produzenten will dieser Beitrag darum die internen Entstehungsbedingungen heutiger politischer Rede betrachten. Wie sieht die Praxis der politischen Rede heute aus? Welche Funktion haben die Redenschreiber? Inwieweit beeinflussen die Medien die Konzeption und Wirkung politischer Reden? Dies sind die Kernfragen, denen dieser Aufsatz nachgehen möchte.
Die These von der »Funktionslosigkeit öffentlicher Rede«7 hat in der wissenschaftlichen Diskussion zu einer gänzlichen Vernachlässigung der Genese, des praktischen Entstehungsprozesses politischer Reden geführt. Während in der Philosophie und in der Literaturwissenschaft zur Interpretation und zum Verständnis von Texten ursprüngliche Fassungen verglichen und mannigfaltige Einflüsse auf das Endprodukt bedacht werden, versäumen Analysen aktueller politischer Reden, eine Rede als rhetorisches Machwerk sui generis zu betrachten. Damit bestärkt die Rhetorikforschung den naiven, in der Öffentlichkeit weit verbreiteten Eindruck, bei den Reden der Politiker handle es sich um meist wenig gelungene, aber selbstverfaßte Texte der verschiedensten Art. Diskutiert wird etwa die Gültigkeit historischer genera ist das genus deliberativum heute weitestgehend durch Elemente des genus laudativum bestimmt? oder die Funktion der Topik in der modernen politischen Rede. Wo >postmoderne< Romanautoren und Diskurstheoretiker längst die Dekouvrierung von (den Texten zugrundeliegenden) Strukturen zum Thema der Wirkungsanalyse erhoben und den Schleier des schönen Scheins vom bewußt >Gemachten< weggezogen haben, behandelt die Mutterdisziplin rhetorische Produkte in diesem Fall politische Reden eben nicht als >Fabrikate<, sondern konzentriert sich in aller Regel auf die Wirkung des fertigen Textes. Nicht daß die daraus gewonnenen Ergebnisse deshalb falsch wären sie gehen nur von Prämissen aus, die sich in Kenntnis der tatsächlichen Entstehungs- wie auch der modernen Wirkungsbedingungen politischer Reden im Medienzeitalter als unzureichend erweisen.
So ergeben sich etwa bei der Untersuchung der Gedenkrede »aus Anlaß der Pogrome des nationalsozialistischen Regimes gegen die jüdische Bevölkerung vor 50 Jahren« des ehemaligen Bundestagspräsidenten Philipp Jenninger vom 10. November 1988 ganz andere Erkenntnisse über den Zustand der öffentlichen Rede in Deutschland als bei Kopperschmidt8, wenn man in Betracht zieht, daß, erstens, Jenninger diese Rede nicht allein verfaßt hat und, zweitens, ihre katastrophale Wirkung mit darauf beruhte, daß der mit zwei Ebenen versehene Redetext nationalsozialistisches Gedankengut war, gleichsam in Anführungszeichen, der heutigen Analyse der NS-Zeit kontrastiert die Vortragskunst des Redners überstieg. Die unmittelbare Reaktion auf den Vortrag, die der Redeintention völlig zuwiderlief, war ganz wesentlich einer unzureichenden actio und pronuntiatio geschuldet. Dies belegt die Videoaufzeichnung der Veranstaltung. Doch auch wer den Redetext nachliest, erkennt unschwer, daß es einer großen Vortragskunst bedurft hätte, den beabsichtigten Rollenwechsel jeweils eindeutig kenntlich zu machen. Eine einzige Parenthese sollte klarstellen, daß die Fragen mit antisemitischem Hintergrund als historisches Zitat gemeint waren. Eine rhetorisch anspruchsvolle Konstruktion und ein immenses politisches Wagnis für den Redner. Beim Vortrag kam es entscheidend darauf an, daß die Stimme den Perspektivenwechsel vom Damals zum Heute zusätzlich verdeutlichte:
Und was die Juden anging: Hatten sie sich nicht in der Vergangenheit doch eine Rolle angemaßt so hieß es damals9 , die ihnen nicht zukam? Mußten sie nicht endlich einmal Einschränkungen in Kauf nehmen? Hatten sie es nicht vielleicht sogar verdient, in ihre Schranken gewiesen zu werden?10
Ein guter rhetorischer Berater hätte wissen müssen, daß dieser Text zwar grammatisch keinen Zweifel über den Standort des Redners zuließ, daß er aber >political correctness<! ein hohes Risiko trug, in der konkreten Redesituation gegen inneres und äußeres aptum zu verstoßen. Martin Walser hat auf die unterschiedliche Wirkung von geschriebenem Text und gehaltener Rede hingewiesen: »Als ich die Rede las, habe ich nicht begriffen, warum der Präsident des Deutschen Bundestages wegen dieser Rede so senkrecht hinabgestürzt wurde wie kein anderer Politiker seit 1945.«11
Es ist heute ein Gemeinplatz von Feuilleton und Wissenschaft, daß gutes Reden, von wenigen Ausnahmen abgesehen, nie in Verbindung mit Politikern gebracht wird. So kommt es auch, daß kaum Veröffentlichungen über die konkrete rhetorische Praxis von Politikern vorliegen. Das liegt nicht zuletzt daran, daß auch von seiten der Politik großes Interesse daran besteht, die Entstehungsprozesse und Hintergrundmechanismen politischer Reden nicht öffentlich zu machen. Die Existenz von Redenschreibern und rhetorischen Beratern ist neben dem Privatleben der Politiker eines der letzten Tabus in der Politik.
Einer der ersten Presseartikel zu diesem Thema erschien 1974 im Hamburger Abendblatt. Der Autor Wilhelm Stapel berichtete damals, daß Bundeskanzler Willy Brandt einen persönlichen Redenschreiber beschäftige, nämlich
die Firma Klaus Harpprecht«, die aus dem Publizisten Harpprecht und seiner Sekretärin besteht. Die »Firma« residiert in einem Dachzimmer des Bundeskanzleramtes und tritt immer dann in Aktion, wenn der Bundeskanzler eine >grundsätzliche< Rede halten muß. (Bei Kanzlerreden zu Spezialthemen liefern die Fachministerien Unterlagen, die dann von Beamten des Presseamtes oder des Kanzleramtes >verarbeitet< werden.) Für ihre Tätigkeit erhält die »Firma Harpprecht« monatlich 15.000, DM aus dem Geheimfonds des Bundeskanzlers.12
Erst in jüngster Zeit mehren sich die Hinweise, daß die Ubiquität der Rhetorik, auf die Gert Ueding aus wissenschaftlicher Perspektive in mehreren Arbeiten hingewiesen hat, auch im politischen Bereich selbst zum Thema wird. Auffällig an dieser Entwicklung ist, daß die Rhetorik als Instrument der Politik zusehends transparent gemacht wird. Sechs Beispiele sollen dies zeigen:
1. Im Juli 1993 wurde vor dem Berliner Landgericht der 67 Jahre alte frühere sowjetische Diplomat Valentin Falin als Zeuge vernommen. Falin sollte im Prozeß gegen den früheren DDR-Verteidigungsminister Keßler wegen der Tötungen an der Berliner Mauer und der innerdeutschen Grenze unter anderem darüber Aufschluß geben, welchen Einfluß die Sowjetunion auf den Bau der Mauer am 13.8.1961 hatte. Falin sagte aus, er habe »durch die Nähe zu Chruschtschow damals den Eindruck gewonnen, daß etwas bevorstehe.« Auf die Frage nach seiner damaligen Funktion gab Falin zu Protokoll, daß er 1961 Berater und Redenschreiber des sowjetischen Staats- und Parteichefs gewesen sei.13
2. In Amerika kamen im Jahr 1993 gleich drei Filme in die Kinos, die sich mit dem Zentrum der politischen Macht und dem Verhältnis von Schein und Sein öffentlichen Redens und Handelns beschäftigten. Oliver Stones' » JFK » thematisierte pseudodokumentarisch die immer noch virulente Frage nach den Hintergründen (und Hintermännern) der Ermordung des Präsidenten John F. Kennedy im November 1963. In diesen Zusammenhang gehört auch eine Bemerkung des Amerika-Experten Carlos Widmann, der in seinem Kennedy-Porträt an der rhetorischen auctoritas des ermordeten Präsidenten und damit am Kern des modernen vir bonus Zweifel hegt. Kennedy habe sich, so Widmann despektierlich, die berühmtesten Zeilen seiner Antrittsrede »Laßt von diesem Ort in dieser Zeit die Botschaft ergehen an Freund und Feind, daß die Fackel an eine neue Generation von Amerikanern übergeben worden ist« »formulieren lassen«.14 Sie sind heute übrigens als Kennedy-Zitat auf dem Soldatenfriedhof von Arlington in Stein gemeißelt.
3. Wolfgang Petersen desavouierte dann in dem Thriller »In the Line of Fire« die öffentlich vorgetäuschte rhetorische Meisterschaft des (fiktiven) amerikanischen Präsidenten aus dem Blickwinkel eines Secret-Service-Agenten. Die eigentliche Macht, suggeriert der Film, liegt in den Händen des Stabschefs und der rhetorischen Berater.
4. Dieses Motiv findet sich ebenso in dem dritten Polit-Film des Jahres, in Ivan Reitmans Komödie »Dave«. Der Präsident erscheint darin als bloßer Popanz, die Fäden ziehen der Stabschef und der Pressesprecher des Weißen Hauses. Kevin Kline brilliert in der Rolle des Präsidenten-Doubles, das die Rhetorik Sprache wie Gesten des >echten< Präsidenten bereits in seinem ersten Probeauftritt nicht nur imitiert, sondern nach allen Regeln der Affektenlehre derart zu steigern versteht, daß der Pressesprecher vor Rührung mit den Tränen kämpft. »Eine tolle Rede«, beglückwünscht sich das Präsidenten-Double selbst. »Ja, nicht wahr«, bestätigt der Pressesprecher, »ich habe sie geschrieben«. Bill Clinton, heißt es, war von »Dave« sehr angetan. Das Drehbuch stammt von Gary Ross, seinem Redenschreiber.
5. Der FDP-Vorsitzende Klaus Kinkel hielt auf dem traditionellen Dreikönigstreffen seiner Partei am 6. Januar 1995 eine mit Spannung erwartete Grundsatzrede. In einem Bericht der ARD-»Tagesthemen« am selben Abend hieß es dazu: »Fünf Mitarbeiter haben bei der Rede geholfen, sie war besser als viele, die man von ihm kennt. Kleine Holprigkeiten können auch Vertrauen schaffen. Ein begnadeter Redner ist er nicht, aber man dankt freundlich für den überdurchschnittlichen Auftritt.«15 Auffällig ist die Kombination der Enthüllung von rhetorischen Beratern mit der Darstellung des Politikers in der Art eines Schauspielers (»Auftritt«), dessen Glaubwürdigkeit sich offenbar über die rednerischen Defizite (»kleine Holprigkeiten«) vermitteln soll.
6. Vier Wochen, bevor Björn Engholm als Vorsitzender der SPD und Ministerpräsident von Schleswig-Holstein zurücktrat, stellte er sich am 31. März 1993 in der ZDF-Fernsehsendung »Was nun, Herr Engholm?« den Fragen der Journalisten Klaus Bresser und Klaus-Peter Siegloch. In dem Interview kam die Rede unter anderem auf den Entwurf einer Regierungserklärung des ehemaligen schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Uwe Barschel, in dessen Besitz die SPD gelangt war. Klaus-Peter Siegloch: »Die Frage ist: Haben Sie den Nilius nicht gefragt: >Sag mal, woher hast du das eigentlich?<« Engholm antwortete: »Lieber Himmel, die kommt auf schwarzen Kanälen. [...] Also, die Fraktion hat es, der Redenschreiber der Fraktion macht sich drüber her [...].«16
Dieses letzte Beispiel zeigt nicht nur ebenso wie die vorgenannten, daß eine Enttabuisierung und Thematisierung rhetorischer Mechanismen in der Politik stattfindet. Es weist aber auch auf eine Besonderheit der politischen Rhetorik hin, die in wissenschaftlichen Analysen meist übersehen wird. Engholms Landtagsrede hatte seinerzeit für Aufsehen gesorgt, weil sie auf Formulierungen Barschels replizierte, die dieser nur in einer schriftlichen Entwurffassung, nicht aber in der tatsächlichen Rede verwendet hatte. Aus gutem Grund enthält deshalb nahezu jedes Manuskript einer politischen Rede eine Sperrfrist sie soll sicherstellen, daß nicht aus einer Rede zitiert wird, bevor sie gehalten wurde sowie den Vermerk: » Es gilt das gesprochene Wort! « Die Redemanuskripte werden in der Regel vorab an die Presse verteilt. Für viele Berichterstatter ist der tatsächliche Vortrag einer politischen Rede inzwischen oft völlig irrelevant. Interessant sind lediglich die Informationen, die der Redetext enthält. Wirkung besitzt nicht das gesprochene Wort, sondern die schriftlich fixierte >message<. Engholms Redenschreiber war aber leider nicht im Besitz der autorisierten Endfassung des Barschel-Textes. »Gibt es ein Papier?«, fragen Journalisten als erstes vor einem Redetermin und verabschieden sich nicht selten mit demselben wieder vor Beginn des eigentlichen Vortrags.
Daraus ergeben sich ganz neue Wirkungsbedingungen der öffentlichen Rede. So ist es beispielsweise möglich, daß ein Politiker für einen kämpferischen Vortrag seiner Ansichten großen Beifall von 500 unmittelbaren Zuhörern erhält, in einem Pressebericht für eine Leserschaft von 500.000 aber vermerkt wird, er habe nur seine bekannten Positionen wiederholt. In einer Nachrichtensendung im Fernsehen, von fünf Millionen Zuschauern gesehen, wird gar nicht über diese Veranstaltung berichtet. Welches ist nun die genuine Wirkung dieser öffentlichen Rede?
Alle vorigen Beispiele sind nur einzelne Mosaiksteine, die sich jedoch zum Bild einer international veränderten Wahrnehmung der Wechselbeziehung von Politik und Rhetorik zusammenfügen. Zumeist unfreiwillig rücken dabei auch jene rhetorischen Hintermänner und -frauen in den Vordergrund, zu deren Selbstverständnis es in Deutschland seit Jahrzehnten gehört, hauptberuflich Reden zu schreiben, doch selbst niemals von sich reden zu machen.
Anders verhält es sich zunehmend mit jenen Redenschreibern, deren Dienstzeit für namhafte Politiker länger zurückliegt. Sie fungieren unter anderem als zumeist nur repräsentierende Zugpferde einschlägiger Publikationen, wie etwa dem Reden-Berater des Verlags Norman Rentrop oder dem Handbuch Die besten Reden von A Z. Der Jurist Thilo von Trotta etwa arbeitete unter anderem sechs Jahre für Helmut Schmidt und wirbt nun ebenso für den Reden-Berater wie der Diplomat Michael Engelhard, der für die Bundespräsidenten Scheel und von Weizsäcker schrieb und inzwischen Generalkonsul der Bundesrepublik Deutschland in Mailand ist.
Die in der Wissenschaft diskutierte Ubiquität der Rhetorik bietet den modernen Rhetoren im Zeitalter der Kommunikation ein vielfältiges Betätigungsfeld: Neben den Memoiren-Ghostwritern (allen voran William Novak, der die Erinnerungen des Chrysler-Chefs Lee Iacocca zu einem Millionenseller machte), den PR-Rhetoren sowie den branding-Spezialisten, deren alleinige Aufgabe darin besteht, international erfolgreiche Markennamen zu kreieren, haben sich auch in der Politik Subsparten rhetorischer Tätigkeit herausgebildet. So wuchs in den 80er Jahren auch in Deutschland die Zahl der Medienberater (rhetorisches Argumentationstraining für den Umgang mit der Presse) und der sogenannten political consultants. Letztere müssen über ein dichtes Kontakt- und Informationsnetz sowie die Fähigkeit verfügen, in Kurz-Expertisen neueste Informationen über politische Strömungen etc. zusammenzufassen. Vor allem der Bedarf an Medienberatern ist eine Folge der veränderten Wirkungsbedingungen öffentlicher Rede: Es ist der Filter vor allem der elektronischen Medien, der bestimmt, ob und in welcher Form die Worte eines Politikers von einer breiten Öffentlichkeit wahrgenommen werden wie das oben aufgeführte Beispiel ja anschaulich belegt. Nahezu jede öffentliche Rede der führenden Politiker unseres Landes wird von der übergroßen Mehrheit der Bevölkerung nur in Mediensequenzen wahrgenommen, die zudem meist noch kommentiert werden.
Mindestens ebenso sehr wie die Funktion hat sich auch die Form politischer Rede gewandelt. Politiker sind heute immer weniger als Redner im traditionellen Sinne, sondern zunehmend als Gesprächspartner im Zeitungsinterview sowie als Diskutanten in Fernsehsendungen gefragt. Das legendäre Fernsehduell zwischen dem schlecht rasierten Richard Nixon und seinem Herausforderer Kennedy vor fast 35 Jahren markiert den Beginn der Einsicht in die gewachsene Bedeutung des Fernsehens für die Politik. Die idealtypische antike Aufforderung: »Sprich, damit ich dich sehe«, mutiert vor der Bilderwelt des Fernsehens immer stärker zur Frage: »Wie sieht er/sie aus, wenn er/sie spricht?« Die Gefahr der bloßen Inszenierung liegt auf der Hand. Man sollte sie aber nicht überbewerten. Ich bezweifle, ob die Feststellung von Franz Josef Strauß zutrifft, er wäre Bundeskanzler geworden, wenn er nur den Kopf von Alfred Dregger gehabt hätte.
In langer Tradition stehen die Redenschreiber, über deren Arbeit und Einfluß öffentlich wenig bekannt ist. Im engeren Kreis der Politik, aber auch der politischen Journalisten, sieht dies anders aus. Der Spiegel, selbst peinlich auf die Anonymität der meisten seiner Autoren bedacht, machte von seinem Wissen um die rhetorischen Berater des Bundeskanzlers unlängst öffentlichen Gebrauch. In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 20.10.1993 erschien ein Aufsatz von Dominique Moïsi und Michael Mertes zum Thema Europa; am 8.11.1993 hieß es dazu in dem Hamburger Magazin:
Längst ist auch das Kanzleramt keine Trutzburg der Alt-Europäer mehr. Mit Billigung des Kohl-Vertrauten Eduard Ackermann hat Michael Mertes, Kohls Redenschreiber in Europafragen, öffentlich über eine neue Europapolitik nachgedacht. Sein Aufsatz, als >persönliche Meinung< deklariert, war auffällig unauffällig im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen versteckt.17
Unterstellt wurde, der Redenschreiber sollte unter eigenem Namen testen, welche Reaktionen bestimmte Thesen hervorrufen, die der Bundeskanzler bald selbst vorzutragen beabsichtige.
Wie sieht die Arbeit der Redenschreiber aus? Wie entstehen politische Reden, wie funktioniert die Zusammenarbeit zwischen Redenschreibern und jenen Politikern, in deren Auftrag sie schreiben? Am Beispiel der Bundeskanzler Helmut Kohl, Helmut Schmidt und Willy Brandt soll im folgenden die Praxis der politischen Rede in Deutschland skizziert werden. Als Quellen dienen Veröffentlichungen, Interviews und Gespräche mit ehemaligen oder amtierenden Redenschreibern und Politikern.
Bundeskanzler Helmut Kohl hält pro Jahr zwischen 120 und 150 Reden. In Wahlkampfzeiten verdoppelt sich diese Zahl. Dazu kommen Grußworte, Beiträge für verschiedene Zeitungen und Zeitschriften sowie mehrere hundert persönliche Briefe. An allen diesen Texten sind Redenschreiber maßgeblich beteiligt.
Die Anlässe und Adressaten sind mannigfaltig. Die folgenden Beispiele stammen aus dem Oktober 1993: Auf die Rede vor dem französischen Senat in Paris folgt tags darauf der Vortrag vor Dozenten und Studenten der Privat-Universität Witten-Herdecke, gefolgt wiederum von der Festansprache auf dem Bundesjägertag in Mainz am nächsten Tag. Mancher Wissenschaftler mag über den letztgenannten Termin schmunzeln. Er verdeutlicht aber, daß sich das Aufgabenfeld der öffentlichen Rede eines Regierungschefs unserer Zeit über das ursprüngliche genus deliberativum hinaus auch auf andere rhetorische Bereiche erstreckt. Selbst dezidierte Äußerungen über juristische Streitfragen (Helmut Kohls Einlassungen zur Frage des Umgangs mit den Stasi-Akten) gehören dazu. Die Problematik dieser rhetorischen Omnipräsenz liegt auf der Hand: Kann ein Redner sich glaubwürdig in so schneller Folge zu so unterschiedlichen Themen und Anlässen in jeweils angemessener Form äußern?
Zu bewältigen ist das Redepensum nur mit Hilfe kompetenter Berater und mehrerer Redenschreiber. Helmut Kohl verfügt über einen Redenschreiber-Stab von vier Mitarbeitern. Angeführt von einem Referatsleiter, der selbst einem Gruppenleiter unterstellt ist, arbeiteten im Reden-Referat in der Regel zwei festangestellte Referenten sowie ein weiterer Redenschreiber, dessen Vertrag zumeist über zwei Jahre läuft. Auch die beiden Referentenstellen werden alle zwei bis vier Jahre neu besetzt. Dahinter steht die Absicht, mit neuen Mitarbeitern immer wieder auch neue Ideen zu bekommen. Die Richtung, die die Rede nehmen soll, sowie deren zentrale Argumente werden vom Bundeskanzler festgelegt. Ein Redenschreiber übernimmt die Federführung des ersten Entwurfs. Dazu fordert er gegebenenfalls Fakten aus den jeweiligen Fachreferaten an. Häufig verwendet er auch leicht modifiziert das eine oder andere Kernstück aus anderen Kanzlerreden, so etwa in den Reden zum Standort Deutschland im zweiten Halbjahr 1993. Die Ausführungen über zu kurze Maschinenlauf- und Arbeitszeiten in Deutschland wurden so zum ceterum censeo des Bundeskanzlers.
Dieser erste Referentenentwurf wird dann im Redenschreiberteam intern diskutiert. Die überarbeitete Fassung erhält der Kanzler. Helmut Kohl nimmt sich die Redeentwürfe meist zur Überarbeitung ins Wochenende mit. Bei kleineren Anlässen entsteht auf diese Weise schnell die endgültige Fassung. Größere Reden jedoch (Regierungserklärung, Rede im Pariser Senat etc.) führen zu mehreren Redebesprechungen, an denen der Bundeskanzler, die Redenschreiber sowie die jeweiligen Experten teilnehmen. Satz für Satz geht die Runde den Redetext durch. Dieses Prozedere wiederholt sich in der Regel mehrere Male; dann gibt der Bundeskanzler das Redemanuskript frei.
Die Zusammenarbeit zwischen den jeweiligen Amtsinhabern im Bundeskanzleramt und ihren Redenschreibern war unterschiedlich eng. Konrad Adenauers Redenschreiber hatten wenig Erfolg mit ihren Entwürfen, wenn sie sich etwa an belebenden Bildern oder anderem rhetorischem ornatus versuchten. Der erste Kanzler der Bundesrepublik Deutschland wich selten von seinem nüchternen Duktus ab. Auch die Bitte seines Verlegers, er möge seine »Erinnerungen« doch stilistisch überarbeiten, beschied er mit der Antwort: »Wenn einem der Stil nicht paßt, braucht er es ja nicht zu lesen.«18
Ganz anders als Adenauer setzte Helmut Schmidt die Macht des Wortes sehr nuanciert ein. Helmut Schmidt überließ bei keinem noch so geringen Redeanlaß etwas dem Zufall. Selbst bei sogenannten >freien Reden< stützte sich Schmidt auf vorbereitete Redebausteine. Ein für Schmidt typischer rhetorischer Trick bestand darin, die Existenz seines Redenschreiberstabs vor versammeltem Publikum zwar aufzudecken, diese Mitarbeiter aber gleichzeitig ironisch zu brüskieren, um sich im folgenden dann als genuin freier Redner darzustellen. Mit den Worten: »Ich lege jetzt einmal weg, was meine Mitarbeiter mir aufgeschrieben haben«, leitete Schmidt nicht selten eine Rede ein, um dann exakt anhand des vorbereiteten Manuskripts weiterzusprechen.19 Die ehemaligen Redenschreiber Helmut Schmidts loben dessen rhetorische Fähigkeiten, vor allem im Bereich der actio und pronuntiatio. Selbstkritisch wird vermerkt, daß aus relativ schwachen Vorlagen durch einen guten Vortrag »beeindruckende Reden« geworden seien.20 Im Jargon der Redenschreiber heißt das: Schmidt verstand es, >einen Text hochzureden<. Der 1995 verstorbene Journalist Hans-Joachim Friedrichs wies in seinem letzten Interview allerdings auch auf die Kehrseite der rhetorischen Fähigkeiten Helmut Schmidts hin: »Kein Streit und keine Herzlichkeit. Nur diese Schulmeisterei: Ja, da müssen Sie anders fragen, diese nervende Besserwisserei, die er ja nie losgeworden ist.«21
Helmut Kohl hatte vor allem am Anfang seiner Regierungszeit viel Kritik bezüglich seiner rhetorischen Fähigkeiten auszuhalten.22 Die Kritik am Redner Helmut Kohl reichte in den Augen mancher Gegner dabei schon als Beleg ihrer Kritik an den Argumenten und der Überzeugungskraft des Bundeskanzlers aus. Ein doppelter Trugschluß, wie sich zeigen sollte. Es mehren sich die Anzeichen dafür, daß gerade auch die Urteile über die rhetorischen Fähigkeiten Helmut Kohls einer Revision bedürfen. Frank Schirrmacher merkte dazu in einem Interview an:
Die Frage ist, ob sich eine Debatte über all das in einem Milieu führen läßt, in dem es gleichsam zum geistigen Initiationsritus gehört, Kohl intellektuell zu unterschätzen. Die Geschichte der Rezeption Helmut Kohls bei Intellektuellen wird eines der peinlichsten Kapitel künftiger Kulturgeschichte Deutschlands sein.23
Nahezu übergangen in der Diskussion um die Rhetorik Helmut Kohls wird bislang dessen eigentliche rhetorische Stärke: Sie liegt im persönlichen Gespräch, in dem sich seine Direktheit und Jovialität oft gewinnend auswirken. »Es gab noch keinen Kanzler, der wie er mit fast allen Mächtigen der Welt wie ein Privatmann umgehen kann«, kommentierte Helmut Herles im Bonner General-Anzeiger.24 Helmut Kohl hat seine politischen Erfolge vor allem in seiner Rolle als Gesprächsführer in Entscheidungsgremien und in Verhandlungsrunden erzielt. Doch nicht nur: Zwei Beispiele aus den Jahren 1994 und 1995 zeigen, daß Helmut Kohl manch früheren Kritiker zu einer Revision seines Urteils über den Rhetoriker Kohl gebracht hat. Das erste Beispiel ist die nahezu frei gehaltene Rede auf dem CDU-Parteitag vom 27. Februar 1994 in Hamburg. Dem Medienecho ist zu entnehmen, daß Helmut Kohl dabei die Vorgaben der klassischen Rhetorik erfüllt hat: Der Redner Kohl hat »alle Register gezogen«25, seine »Rede, kämpferisch und engagiert, war gleichermaßen an die Herzen wie die Köpfe der gut tausend CDU-Delegierten [...] gerichtet und er eroberte sie im Sturm.«26 Selbst die konservativer Fraternisierung unverdächtige Süddeutsche Zeitung bilanzierte: »Ja, es war eine ordentliche Rede [...].«27 Auch das rhetorische Handwerk wurde erneut zum Thema: »Soviel war in den letzten Tagen schon durchgesickert: Daß Kohl eine Woche lang an seiner Rede gefeilt habe, dann aber den Entschluß faßte, frei zu sprechen, gestützt nur auf einige Notizen.«28 Das zweite Beispiel ist die Rede auf dem Berliner Klimagipfel am 5. April 1995, für die Helmut Kohl nicht nur den Beifall der Konferenzteilnehmer erhielt, sondern auch breite Zustimmung bei der nationalen wie internationalen Presse fand.29
Mit einiger Vorhersagbarkeit melden sich bei gelungenen Reden von Politikern (gemessen an der unmittelbaren Wirkung auf die Zuhörer) häufig Kritiker mit dem Einwand, gutgesetzte Worte reichten nicht aus; wird das für richtig befundene politische Anliegen dagegen schlecht vorgetragen, folgt das Lamento über den schlechten Zustand der politischen Rhetorik. Die Kritik an »politically incorrecten« Inhalten geht fast nie den Umweg über die rhetorische Analyse.
Wer heute den Verfall der politischen Beredsamkeit in Deutschland beklagt, muß sich deshalb fragen lassen, ob er damit nicht vornehmlich eine ästhetische Kategorie meint und dabei womöglich unabsichtlich die gewandelten Bedingungen politischen Handelns vernachlässigt. Kopperschmidt etwa untersucht in seinem Aufsatz lediglich die Reden Jenningers und von Weizsäckers.30 Beide Politiker bekleideten jedoch rein präsidiale Positionen, ihre politische Macht beschränkte sich also fast ausschließlich auf die Macht des Wortes. Wenn wir die Analyse der öffentlichen Rede in Deutschland auf die Präsidialrhetorik beschränken, werden wir aber der politischen Realität nicht gerecht. Muß in einer repräsentativen Demokratie, die nicht auf Plebisziten fußt, auch die rhetorische auctoritas eines gewählten Politikers nicht vor allem daran gemessen werden, was er von seinen versprochenen Zielen durchsetzen kann? Und das entscheidet sich nahezu immer im Kreis weniger Verantwortlicher sei es etwa bei Verhandlungen mit Verbänden, mit internationalen Partnern oder Stichwort Solidarpakt mit den Ministerpräsidenten der Bundesländer. Was die öffentliche Rede angeht, hat Gert Ueding also recht, wenn er mit kritischem Unterton feststellt, daß es heute in aller Regel nicht mehr darum gehe, »mit politischer Rede Entscheidungen zu bewirken oder durchzusetzen«, sondern »bereits getroffene Entscheidungen« populär zu machen.31 Worauf es aber verstärkt ankommt, ist die Überzeugungskraft abseits öffentlicher Veranstaltungen. Offensiv gewendet: Im Kern des Auftrags an die Politiker einer parlamentarischen Demokratie steht verantwortliches politisches Handeln.
Das tiefe Mißverständnis, dem manche Exegeten von politischer Rhetorik der Gegenwart erliegen, resultiert daraus, daß die Rahmenbedingungen der Politik und damit auch der politischen Reden außer acht gelassen werden. Max Weber hat Politik als »ein starkes langsames Bohren von harten Brettern mit Leidenschaft und Augenmaß zugleich« definiert.32 Die Mehrzahl aller Länderregierungen ebenso wie die Bundesregierung wird seit vielen Jahren aus Koalitionen zweier oder dreier Parteien gebildet. Ein Politiker mit Regierungsverantwortung muß bei seinen Reden bedenken, daß das, was er heute unter dem Beifall seiner Zuhörer anregt, fordert oder zurückweist, übermorgen möglicherweise Platz finden muß in einem Gesetzes-Kompromiß, der nur einen Teil seiner eigenen Vorstellungen aufnimmt. Politische Sprache in einer Demokratie muß so beschaffen sein, daß sie politische Kompromisse und damit politisches Handeln möglich macht. Andernfalls droht der Verlust von Glaubwürdigkeit (warum stimme ich doch zu, obwohl ich gestern »mit mir niemals« gesagt habe) oder aber der Verzicht auf eigenes politisches Handeln. Wer in seiner Sprache nicht kompromißfähig ist, läuft Gefahr, handlungsunfähig zu werden. Dies gilt zu großen Teilen auch für die Politiker der Oppositionsparteien. Hier wachsen offenbar vor allem für die Bundestagsabgeordneten von Bündnis 90/Die Grünen die Schwierigkeiten, ihrer Basis zu erklären, wie sich ihre eigene »tägliche Politik zu den verbalradikalen Forderungen einer Bundesversammlung [der Grünen] verhält. «33
Der Politologe und Kommunikationsforscher Wolfgang Bergsdorf hat bei aller Bedeutung, die er der öffentlichen Rede im allgemeinen für die politische Praxis beimißt, die These formuliert: »Nicht die Kunst der Rhetorik und auch nicht die leitenden Begriffe der politischen Terminologie bewirken oder verhindern politische Entwicklungen, sondern die Menschen, die sich ihrer zum Zwecke der Überredung oder Überzeugung bedienen.«34 Im Verhältnis von Rhetorik und Politik, so folgert Bergsdorf, gelte deshalb »der Primat der Politik«.35 Noch einmal sei Adenauer als historischer Beleg genannt: »Der Beifall, den Adenauers Reden im Bundestag fanden, galt nie der rednerischen Leistung, sondern war allein eine Bezeugung geziemenden Respekts vor dem Kanzler oder Ausdruck demonstrativer Kampfstimmung gegenüber dem politischen Gegner«, resümiert Heinz Kühn.36 Als Lob der Persönlichkeit Adenauers gemeint, gibt Kühn damit preis, daß selbst ein rednerisch schwacher Adenauer von der eigenen Fraktion in Schutz genommen und seine Rede gegen die Opposition instrumentalisiert wurde. Salopp gesagt: Auch wenn er schlecht vortrug, man wußte, was politisch gemeint war und applaudierte dem rhetorischen >Als-ob<.
Die Diagnose vom Verfall der politischen Beredsamkeit in Deutschland zielt vor allem auf die politische Sprache. Erhard Eppler hat hierzu 1992 ein auch selbstkritisches Werk vorgelegt, in dem er »Plastikwörter, halbtote Bilder und fertige Klischees« der in der Sprache vieler Politiker rügt.37 In der Tat führen die sogenannten »Sprachregelungen« zu einem politischen Code, den jeder Redenschreiber zu Anfang erlernen muß und den er nur in wenigen Fällen zu verändern vermag. Leidige Beispiele der in allen Parteien vorherrschenden Sprachregelungen sind die Wörter »Herausforderung« und »Aufgabe« als Euphemismen für Schwierigkeiten und handfeste Probleme.
Vor allem den Intellektuellen diese Verkürzung sei mir im folgenden erlaubt ist diese Entwicklung seit langem ein Dorn im Auge. Wo sie aber in der Vergangenheit die Möglichkeit ergriffen, etwa selbst als Redenschreiber zu arbeiten, waren sie mit dem Ergebnis häufig nicht zufrieden. In der Ära Brandt kam es für einige Zeit zu jenem Brückenschlag zwischen Geist und Macht, der inzwischen zur Legende verklärt worden ist. Genau besehen läßt sich aber auch hier manches Urteil nicht halten. Im folgenden Abschnitt möchte ich deshalb die Rolle der beiden einflußreichsten Intellektuellen für die Politik genauer: die Rhetorik Willy Brandts näher betrachten, nämlich die Rolle von Günter Grass und Klaus Harpprecht.
Günter Grass machte 1969 Wahlkampf für Willy Brandt. Er trat als Redner der SPD in über 100 Veranstaltungen in der ganzen Bundesrepublik auf. In seinem Tagebuch einer Schnecke hat er diese Zeit literarisch verarbeitet. Grass' Beschreibung der Strategierunden, an denen er teilnahm, stutzt den vermeintlich großen Einfluß »der Intellektuellen« in der SPD auf das tatsächliche, bis heute für alle Parteien gültige bescheidene Maß zurück:
Kein Glaubensartikel, den Gaus nicht in Whisky ersaufen ließe. Keine These, der Sontheimer nicht einen Vorbehalt abgewönne. Nichts, was Ehmke nicht besser wüßte. Und selbst Eppler, dessen Haaransatz steil aufschießenden Idealismus verspricht, wird schroff, sobald die Dritte Welt mit Hilfe des Prinzips Hoffnung kuriert werden soll.38
Unausgesprochen klingt Grass' Autorschaft des Willy Brandtschen ceterum censeo »Auch wenn der Fortschritt eine Schnecke ist ... « an. Doch exklusiv für Willy Brandt geschrieben hat Günter Grass nicht. Die Rolle des persönlichen Redenschreibers übernahm zu Regierungszeiten Willy Brandts der Publizist Klaus Harpprecht. Günter Grass lieferte jedoch über die Strategierunden und Begegnungen mit Willy Brandt Anregungen, die später in die Reden (mehr als in die Praxis) des Bundeskanzlers Brandt Eingang fanden. So etwa Grass' Vorschlag, eine »Deutsche Nationalstiftung« zu initiieren, die in der Regierungserklärung Brandts vom 18.1.1973 auftaucht. Der Kabarettist Dieter Hildebrandt verriet im Fernseh-Magazin » ZAK« am 13.6.1993, daß auch er einmal einen Redeentwurf für Willy Brandt geschrieben habe. Brandt habe sogar Formulierungen daraus verwendet, so Hildebrandt, aber »leider die falschen«. Auch wenn dies komisch gemeint ist, es bekräftigt die Erfahrung, daß manche Intellektuellen wenn sie zur Mitarbeit an politischen Reden eingeladen werden in einer Umkehrung der These Bergsdorfs den Primat häufig in der Rhetorik sehen und nicht in der Politik. Die ästhetische Wirkung eines einprägsamen neuen Begriffs verpufft jedoch schnell, wenn man auf die Nachfrage der Journalisten »Und was bedeutet das jetzt konkret?« wieder auf das Paraphrasieren der politischen Botschaft angewiesen ist.
Klaus Harpprecht hat inzwischen seine Notizen aus seiner Zeit als Redenschreiber bei Willy Brandt veröffentlicht, unter anderem im Reden-Berater bei Norman Rentrop. Daraus läßt sich der Produktionsprozeß der Regierungserklärung Willy Brandts vom 18. Januar 1973 präzise nachvollziehen. Harpprechts Aussagen geben einen einzigartigen Einblick in die Arbeit und den Einfluß des Redenschreibers bei der Entstehung einer zentralen politischen Rede.
Grundlage der Arbeit des Redenschreibers ist ein Vorentwurf der Fachressorts, der Katalogcharakter besitzt. Er geht knapp zwei Wochen vor dem Redetermin ein. Auf Harpprechts Nachfragen zu einzelnen Punkten erhält er eine Woche später eine korrigierte Version. Harpprecht benötigt für seinen ersten Rohentwurf einen halben Tag. Am selben Abend wird der Text in der kleinen Runde um Willy Brandt und die engsten Berater des Kanzlers besprochen. Brandt gibt als Leitmotiv den Begriff der »Kontinuität« vor; der Einstieg des Redenschreibers (»Nüchterne Vision im Alltag«) wird von Brandt verworfen. Die Schwerpunkte des Hauptteils werden in der Diskussion festgelegt. Man orientiert sich dabei an jüngsten Umfragen, die die Rangfolge der Interessen der Bürger ermittelt haben. Die »Bereitschaft zum Mitleiden« wird auf diese Weise zu einem zentralen Begriff der Rede. Noch in der Nacht überarbeitet Harpprecht den entstandenen Entwurf stilistisch. Am nächsten Morgen geht eine größere Runde unter Vorsitz des Kanzlers die Abschnitte einzeln durch. Man einigt sich auf einen neuen Einstieg. Es werden Aufträge für bestimmte Versatzstücke verteilt. Der Bundeskanzler selbst schreibt nicht.
Am nächsten Morgen wird erneut getagt. Die frühere Anregung von Günter Grass, eine »Deutsche Nationalstiftung« zu initiieren, wird aufgenommen weil der Abschnitt über die auswärtige Kulturpolitik noch zu dürftig erscheint. Willy Brandt will hervorheben, daß auch der Staat Forderungen an die Bürger zu stellen habe. Hierbei zeigt sich, daß eine der Hauptaufgaben des Redenschreibers neben der stilistischen Überarbeitung darin besteht, bei der Produktion längerer Reden den Überblick zu behalten. Brandts Satz ist redundant, da bereits im sozialpolitischen Teil der Rede enthalten. Weil er dennoch darauf besteht, den Gedanken im allgemeinen Teil erneut aufzunehmen, fügte der Redenschreiber in der letzten Fassung schließlich den Zusatz » ich sage das zum wiederholten Mal in dieser Regierungserklärung « ein.
Die nächste Sitzung erfolgt mit dem Planungsstab, in dem die anderen Redenschreiber (darunter die spätere Vorsitzende der Gewerkschaft ÖTV und heutige EG-Kommissarin Monika Wulf-Matthis) agieren. Es gilt, die nun inhaltlich abgestimmte Rede stilistisch zu überarbeiten. An jedem Abschnitt wird gefeilt, der Planungschef achtet auf mögliche >Sprachfallen<. Die Nacht durch erfolgt die Redaktion der Rede, am frühen Morgen liegen die fertigen Kopien des Entwurfs für das Koalitionsgespräch mit der FDP vor. In den nächsten zwei Tagen folgen drei weitere Durchgänge, bei denen Änderungen auf Bitten der FDP, Sachkorrekturen nach Intervention einzelner Kabinettsmitglieder sowie weitere stilistische Glättungen vorgenommen werden.
Erst in der vorletzten Nacht vor dem Redetermin erhält Willy Brandt sukzessive die fertigen Kapitel. Der Redenschreiber legt der letzten Sendung einen Brief bei, in dem er den Bundeskanzler bittet, die »rhetorischen Teile« der Rede nicht sehr zu verkürzen. Die Regierungserklärung müsse über das Parlament hinaus auch auf die Bevölkerung wirken. Hier hat der Redenschreiber Harrprecht bereits den Spagat der unmittelbaren und der mittelbaren medialen Wirkung im Blick.
Am letzten Tag überarbeitet der Redenschreiber die vom Kanzler redigierten Seiten noch einmal stilistisch. Dann erfolgt die Schlußredaktion, in der es vor allem um Streichungen geht. Der Kanzler formuliert die Schlußsätze der Rede. Nicht der Redenschreiber, sondern der Politiker verfällt darauf, ganz nach der klassischen Regel Ciceros am Schluß Stärke zu zeigen und die Gemüter zu bewegen. Brandt wird, stark amerikanisiert, sagen: »Machen wir uns an die Arbeit! Tun wir unsere Pflicht! «
Letzte politisch-rhetorische Kontrollinstanz ist der Chef des Presse- und Informationsamtes, der am Redemanuskript nichts zu beanstanden hat. Tags darauf, am 18. Januar 1973, hält Willy Brandt seine Regierungserklärung. Er spricht eineinhalb Stunden, der Redenschreiber hatte die Sprechzeit auf zwei Stunden veranschlagt in anderen Fällen eine fatale Fehleinschätzung, die etwa bei Staatsempfängen zu beträchtlichem diplomatischen Aufruhr führen würde.
Insgesamt haben wohl über zwei Dutzend Mitarbeiter an der Erstellung der Rede mitgewirkt. Willy Brandt war während ihrer Entstehung immer Herr des Verfahrens, der geistige Autor der Hauptlinie. Seine eigene Schreibarbeit beschränkte sich aber auf das Redigieren jener Fassung, die ihm sein persönlicher Redenschreiber in Zusammenarbeit mit den Kollegen des Planungsstabs, den engsten Beratern sowie zahlreichen Fachreferaten erstellte. Zwei Jahrzehnte später ist dies auch bei Helmut Kohl nicht wesentlich anders.
Anhand des klassischen Fünfschritts der Produktion einer Rede lassen sich als Fazit folgende Zuordnungen treffen: Der Politiker39 bestimmt sowohl über die inventio als auch die dispositio seiner Rede. Hierbei werden neben den politischen Beratern zum Teil auch die Redenschreiber gehört. Deren Arbeit konzentriert sich jedoch vor allem auf die elocutio, die sprachliche Ausarbeitung der beschlossenen Redeteile. Zu diesem Zweck erfolgt mitunter eine Aufteilung nach Themen oder Redeabschnitten. Mit der oft mehrfachen persönlichen Überarbeitung der Redeentwürfe stellt der Politiker sicher, daß die Rede dann nicht nur seine Gedanken wiedergibt, sondern auch im wörtlichen Sinne seine Handschrift trägt. Die Einübung der Rede, gegebenenfalls sogar die memoria nach klassischer Art, kann ihm niemand abnehmen, genausowenig wie den anschließenden Vortrag. Anders als etwa bei Vorbereitungen auf Fernsehsendungen greift kaum ein führender Politiker zur Vorbereitung von Redeauftritten auf Rhetoriktrainer zurück.
Man mag einwenden, es seien heute zu viele Mitarbeiter am Entstehungsprozeß wichtiger öffentlicher Reden beteiligt. Sie spiegeln aber nur auf der Seite der Produzenten wider, was Kopperschmidt für die Seite der Adressaten als veränderte Konstitutionsbedingungen in einer komplexen und funktional differenzierten Gesellschaft ausgemacht hat. Der ehemalige Bundestagspräsident Philipp Jenninger hat diese veränderten Bedingungen außer Kraft setzen wollen: Er hat das Manuskript seiner Gedenkrede keinem Dritten gezeigt.
Mit der Veränderung der äußeren Konstitutionsbedingungen vor allem durch die Medien haben sich auch die Produktionsverfahren politischer Rede gewandelt. Viel stärker als früher sind Politiker heute auf Medienberater und Redenschreiber angewiesen. In gewisser Weise ist die politische Rhetorik damit zu ihren Anfängen zurückgekehrt zum instrumentellen Rhetorikbegriff der Sophisten.40
Die Einschätzung, wonach Redekunst und Regierungskunst in Deutschland seit langem auseinanderfallen, erfolgt jedoch aus einer allzu engen Sichtweise. Denn unter Redekunst verstehen die Kritiker dabei fast ausschließlich die Form der öffentlichen Rede präsidialen Stils. Wer aus diesem Blickwinkel Richard von Weizsäcker als letzte Bastion der gelungenen öffentlichen Rede in Deutschland gegen den Verfall der politischen Rede ins Feld führt, vermengt jedoch zwei unterschiedliche politische Funktionen.41 Das Handeln eines Bundespräsidenten besteht zentral im Reden, er wird nahezu ausschließlich an seinen Worten gemessen ein Bundeskanzler dagegen fast ausschließlich an seinen politischen Entscheidungen und deren praktischen Auswirkungen für die Menschen: »Freilich, der Bundeskanzler ist kein Festredner, der nachher nichts mehr zu sagen hat. Im Gegenteil. Er bestimmt die Richtlinien der Politik Tag für Tag, zwölf Monate lang, mit vielerlei Folgen für das ganze Volk.«42 Daß die Reden eines Bundespräsidenten von enormem politischem Gewicht sein können, steht dabei außer Frage. In den öffentlichen Reden eines Bundeskanzlers sind es häufig nur einzelne Begriffe, die wahrgenommen und zum Streitfall politischer Debatten werden. In den vergangenen zwei Jahren waren dies die Begriffe »kollektiver Freizeitpark« sowie »blühende Landschaften«. Ihre spannende Geschichte und Instrumentalisierung zu untersuchen, sprengt leider den Rahmen dieses Aufsatzes.
Zu den veränderten Wirkungsbedingungen öffentlicher Reden gehört auch, daß außer in Wahlkampfzeiten die öffentlichen Reden von Politikern meist nur dürftig besucht sind. Ich halte es für falsch, wenn gesagt wird, dies sei Folge der langweiligen Politikersprache, eine Konsequenz des Verfalls der Beredsamkeit in Deutschland. Das diagnostizierte Ende öffentlicher Rede steht vielmehr in kausaler Wechselbeziehung zum nachlassenden öffentlichen Interesse an der Politik insgesamt. Richtig ist, daß eine politische Abendveranstaltung, in deren Mittelpunkt die Rede eines Politikers steht, dem Freizeitbedürfnis der meisten Menschen zuwiderläuft, und zwar ungeachtet der Qualität dieser Rede. Anziehungskraft entwickeln allenfalls die neuen Formen des Infotainment (politische Talkrunden) oder aber absehbares rhetorisches Spektakel etwa bei Auftritten der Politiker Norbert Blüm, Regine Hildebrandt oder Joschka Fischer.
Dennoch hält sich bei manchem der Wunsch, daß die Gabe der öffentlichen Rede mit dem Geschick der >richtigen< Entscheidungen zusammenfallen möge und umgekehrt. Genau besehen steckt dahinter aber häufig eine idealtypische Vorstellung von politischer Rhetorik. »Einen Mann, der mit glanzvollen Reden beeindruckt, hätten die Berliner sicher gern im Rathaus«, heißt es in einem Artikel über den langjährigen Chef des Daimler-Benz-Konzerns Edzard Reuter. »Doch der müßte sich im Parlament dann auch stundenlang mit der Frage beschäftigen, ob im Winter Streusalz oder Granulat auf die verschneiten Straßen geschüttet wird.«43 Hier wird beispielhaft der eingeengte Blickwinkel auf eine politische Rhetorik präsidialen Zuschnitts deutlich, deren Glanz nicht vom grauen Alltag politischer Praxis überschattet werden soll. Auch die Bemerkung von Hans Dieter Hüsch über den »Volkstribun der heutigen Zeit«, die ich meinem Beitrag als Motto vorangestellt habe, beschwört das verklärte Ideal eines modernen vir bonus. Rhetorik und Politik erscheinen in dieser Logik heute als notwendige Gegenpole, deren Spannungsverhältnis dann aber paradoxerweise an anderer Stelle beklagt wird. Es ist kein Wunder, wenn aus einer solchen Perspektive die These vom Verfall der öffentlichen Beredsamkeit in Deutschland regelmäßig bekräftigt wird. Der Realität jedoch wird sie nicht gerecht.
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1 Focus, 12.9.2994. S. 88.
2 Kopperschmidt, Josef: Öffentliche Rede in Deutschland. In: Muttersprache 99 (1989). S. 213-230.
3 Jens, Walter: Von deutscher Rede. München 1969. S. 27.
4 Kopperschmidt, Öffentliche Rede, 221.
5 Kopperschmidt, Öffentliche Rede, 228.
6 Kopperschmidt weist indesssen selbst und zu Recht auf jene Literatur hin, die die Klagen über den Verfall der Beredsamkeit bereits als antiken Topos identifiziert.
7 Kopperschmidt, Öffentliche Rede, [Anm. 2], 221.
8 Kopperschmidt bringt bei seiner Analyse im übrigen das Datum des Redeanlasses und den tatsächlichen Vortrag durcheinander: »Der Eklat vom 9. November [1988] im Deutschen Bundestag« (Kopperschmidt, Öffentliche Rede, 226) ereignete sich tatsächlich erst einen Tag später.
9 meine Hervorhebung.
10 Zit. nach: Stenographischer Bericht des Deutschen Bundestages vom 10.11.1988. S. 7272. Dasselbe Stilmittel eine Frage als historisches Zitat in der Art einer >erlebten Rede< hat auch Richard von Weizsäcker in seiner Rede vom 8. Mai 1985 verwendet. Dort heißt es etwa: »Würde man noch eigene Angehörige finden? Hatte ein Neuaufbau in diesen Ruinen überhaupt Sinn?« [Weizsäcker, Richard von: Reden und Interviews. Hg. vom Presse- und Informationsamt der Bundesregierung. Bonn o. J. [1987]. Bd. 1. S. 279-295, hier S. 280].
11 Der Spiegel, 7.11.1994, S. 136.
12 Hamburger Abensblatt, 23./24.3.1974. Auf diese Tätigkeit Harpprechts werde ich später noch ausführlich eingehen.
13 Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.7.1993.
14 Der Spiegel, 22.11.1993. S. 210.
15 Zit. nach: Presse- und Informationsamt der Bundesregierung. Fernseh- und Hörfunkspiegel Inland I, 9.1.1995. S. 2
16 Unveröffentlichtes Transkript der ZDF-Sendung »Was nun, Herr Engholm?«, 31.3.1993, 2215-2300.
17 Der Spiegel, 8.11.1993, S.21
18 Zit. nach Kühn, Heinz: Auf den Barrikaden des mutigen Wortes. Die politische Redekunst von Ferdinand Lasalle und Otto von Bismarck […]. Bonn 1986. S. 175.
19 Vgl. Thies, Jochen: Helmut Schmidts Rückzug von der Macht. Stuttgart 1988. S. 55.
20 Thies, Schmidts Rückzug, 55.
21 Der Spiegel, 27.3.1995, S. 116.
22 Vgl. hierzu: Vogel, Bernhard (Hg.): Das Phänomen. Helmut Kohl im Urteil der Presse. Stuttgart 1990.
23 Focus, 9.5.1994. S. 118.
24 Bonner General-Anzeiger, 3.4.1995.
25 Handelsblatt, 22.2.1994.
26 Kölnische Rundschau, 22.2.1994. Weitere positive Besprechungen der Rede finden sich in: Kieler Nachrichten, Westfälische Nachrichten, Oldenburgische Volkszeitung, Express, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Frankfurter Neue Presse, Die Welt alle vom 22.2.1994.
27 Süddeutsche Zeitung, 22.4.1994.
28 Rheinische Post, 22.2.1994.
29 »Der Kanzler hat erstaunlich klare Worte gefunden.« (Der Tagesspiegel, 6.4.1995); »Respekt, Herr Kanzler« (Frankfurter Rundschau, 6.4.1995); »Bemerkenswerte Rede« (Neue Rheinzeitung, 6.4.1995); »Helmut Kohl hat sich mit seiner Rede bei der Klimakonferenz der Vereinten Nationen in Berlin neue Freunde gemacht« (Stuttgarter Zeitung, 6.4.1995).
30 Siehe Kopperschmidt, Öffentliche Rede [Anm. 2].
31 Ueding, Gert; Steinbrink, Bernd: Grundriß der Rhetorik. Geschichte – Technik Methode. 3., überarbeitete und erweiterte Auflage. Stuttgart, Weimar 1994. S. 178.
32 Weber, Max: Politik als Beruf. Berlin 1968. S. 67.
33 Pappenheim, Burkhard von: Grüne zwischen Anspruch und Wirklichkeit. In: Stuttgarter Zeitung, 27.4.1995.
34 Bergsdorf, Wolfgang: Zur Sprache der deutschen Politik im 20. Jahrhundert. In: MUT. Forum für Kultur, Politik und Geschichte, Nr. 331, Juli 1993. S. 28.
35 Bergsdorf, Zur Sprache der deutschen Politik, 28.
36 Kühn, Auf den Barrikaden [Anm. 16], 175.
37 Eppler, Erhard: Kavalleriepferde beim Hornsignal. Die Krise der Politik im Spiegel der Sprache. Frankfurt/Main 1992. S. 246.
38 Grass, Günter: Aus dem Tagebuch einer Schnecke. Neuwied und Darmstadt 1972. S. 58.
39 Selbstverständlich gelten alle meine Ausführungen gleichermaßen für Politikerinnen, Beraterinnen, Redenschreiberinnen; allein der besseren Lesbarkeit wegen bleibe ich jedoch bei der männlichen Form.
40 Vgl. Ptassek, Peter [u.a.]: Macht und Meinung. Die rhetorische Konstitution der politischen Welt. Göttingen 1992.
41 Wie Joachim Becker [Handeln als Reden im attischen Stil. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 8.8.1992] scharfsinnig darstellt, sind selbst die herausragenden Reden des ehemaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker nicht frei von stilistischen »Unvollkommenheiten«. So endet die Rede zum 8. Mai mit der abgegriffenen und zudem schiefen Metapher: »Schauen wir [...] der Wahrheit ins Auge.«
42 Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.12.1994.
43 Der Spiegel, 12.9.1994. S. 126