http://www.mediaculture-online.de

Autor: Hinsch, Torge.

Titel: Radio aktiv - Analyse und Produktion von Radiosendungen in der Schule. Wissenschaftliche Hausarbeit zur ersten Staatsprüfung für das Lehramt an Grund- und Hauptschulen.

Quelle: Heidelberg 1999.

Die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Autors.



Torge Hinsch

Radio aktiv

Analyse und Produktion von Radiosendungen in der Schule

Wissenschaftliche Hausarbeit zur ersten Staatsprüfung für das Lehramt an Grund- und Hauptschulen. Eingereicht bei der Pädagogischen Hochschule Heidelberg 1999.

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung 3

2. Jugend und Radio 4

2.1 Jugend und Kinderfunk früher 4

2.2 Veränderungen in der Radiolandschaft 6

2.2.1 Das duale Rundfunksystem 6

2.2.2 Nichtkommerzielle Hörfunkanbieter 8

2.2.3 Internet Radio 8

2.3 Veränderungen im Hörfunkangebot für Kinder und Jugendliche 10

2.3.1 N-Joy 12

2.3.2 Eins Live 14

2.3.3 DASDING 15

2.4 Nutzungsaspekte des Hörfunks bei Kindern und Jugendlichen heute 19

2.4.1 Quantitative Nutzungsaspekte von Hörmedien 19

2.4.2 Qualitative Nutzungsaspekte von Hörmedien 23

Orte und Situationen der Radionutzung 23

2.4.3 Wirkung von Hörmedien bei Jugendlichen 31

3. Radio in der Schule 40

3.1 Stichwort Medienkompetenz 40

3.2 Klassenradios 44

3.2.1 Fazit 49

3.3 Pausenradios 49

3.3.1 Fazit 52

3.4 Modellprojekt Internet-Radio 53

3.4.1 Fazit 57

3.5 DASDING auf Tour 58

3.5.1 Workshop Bad Dürckheim 60

3.5.2 Fazit 67

4. Schlussbernerkung 70

5. Literatur 71

Verwendete Internetseiten: 73

6. Anlage 73

6.1 Skript zum Beitrag "Sojabohne genmanipuliert‘ 73

6.2 Skript zum Beitrag "Joghurt selbst gemacht" 75

6.3 Skript zum Beitrag "Historisches zur Sonnenfinsternis" 76

6.4 Hörbeispiele 77



1. Einleitung

Die Radiolandschaft in Deutschland wird seit Jahren immer größer. Die Jugendwellen der öffentlich-rechtlichen Sender erfreuen sich großen Zuspruchs und das Radio zählt seit Jahrzehnten zu einem der Lieblingsmedien der Kinder und Jugendlichen. Die Möglichkeiten für jugendliche Hörer sich am Programm zu beteiligen werden immer besser. Trotzdem fand die Radioarbeit in der Schule bisher wenig Beachtung.

Und das, obwohl sich die Bedingungen für die Produktion von Radiosendungen in der Schule in den letzten Jahren erheblich verbessert haben: Der Einsatz von PC's zur digitalen Audiobearbeitung und neue Distributionsmöglichkeiten, wie nichtkommerzielle Hörfunksender oder das Internet, vereinfachen auch in der Schule die Arbeit mit dem Radio.

Doch außerschulische Einrichtungen zeigen in den letzten Jahren verstärkt Interesse an diesem Thema: Die Landesbildstelle Württemberg beschäftigt sich im Rahmen des Projektes 'Computer und Radio' (CUR) seit 1998 mit dem Radio in der Schule. Die Projektbeiträge entstehen in Kooperation mit der SWR-Jugendwelle DASDING und werden dort veröffentlicht. Das Medienzentrum Rheinland schloss im Frühjahr diesen Jahres ein seit 1996 unter dem Titel 'Rads - Radio aus der Schule' laufendes Projekt ab. Als Veröffentlichungsform wurde hier der nichtkommerzielle Lokalfunk ('Bürgerfunk') gewählt in dem die fertigen Beiträge ausgestrahlt werden. Das hessische Landesinstitut für Pädagogik hat 1998 einen Erfahrungsbericht zum Thema Jugendradioarbeit1 herausgegeben, in dem u.a. die Erfahrungen mit dem Pausenradio an Schulen beschrieben werden.

Ich gehe deshalb in meiner Arbeit der Frage nach, wie Radioarbeit in der Schule umgesetzt werden kann und welche Chancen sich durch die neuen Produktions- und Distributionsmöglichkeiten eröffnen.

In Kapitel 2.2 erläutere ich zunächst die Veränderungen in der Hörfunklandschaft und in Kapitel 2.3 speziell die Neuerungen im Hörfunkangebot für Kinder und Jugendliche. Dabei stehen die Möglichkeiten der Beteiligung der Jugendlichen an den Jugendwellen im Vordergrund. Wichtig erscheint mir hier auch, die Nutzungsaspekte des Hörfunks in dieser Altersgruppe zu berücksichtigen, sowie deren Funktionen und Wirkungen für die jungen Hörer, auf die ich in Kapitel 2.4 kurz eingehen werde.

Im dritten Kapitel formuliere ich zunächst die Ziele der Radioarbeit, die für alle Projekte gleichermaßen gelten (vgl. 3.1). Anschließend beschreibe ich verschiedenen Möglichkeiten der Umsetzung und stelle sowohl positive, als auch negative Aspekte dieser Methoden dar. Ich habe hierzu exemplarische Beispiele für typische Radioprojekte ausgewählt wie 'KlaRa - das Klassenradio' (Kapitel 3.2) oder das Pausenradio 'Radio aktiv' (Kapitel 3.3). Neuere Umsetzungsmöglichkeiten der Radioarbeit in der Schule bietet das Internet-Radio (Kapitel 3.4) und die Workshops 'DASDING auf Tour' (Kapitel 3.5).

Am Ende der Arbeit, fasse ich unter Punkt vier zusammen, was meiner Meinung nach für die Radioarbeit in der Schule von besonderer Bedeutung ist und in welche Richtungen sie in den nächsten Jahren gehen könnte.



2. Jugend und Radio

2.1 Jugend und Kinderfunk früher



Seit dem Sendebeginn des Hörfunks in Deutschland 1923 existieren spezielle Sendungen für Kinder und Jugendliche. Das Programm des Kinder- und Jugendfunks bestand zunächst aus Inhalten, die auch ohne Hörfunk existierten, wie dem Vorlesen von Märchen und Kinderbüchern, Singen von Kinderliedern, Bastelstunden und Kindertheatern zum Nachspielen. Nur vereinzelt gab es mit Hörspielversuchen die Idee einer hörfunkspezifischen Programmgestaltung.

Die Kindersendungen sollten anregen und zum Mitmachen auffordern. Sie waren unpolitisch und konnten deshalb die Zeit des Nationalsozialismus ohne große Veränderungen überstehen. Die Inhalte beschränkten sich nach 1945 hauptsächlich auf das Vorlesen von Geschichten und auf 'Belehrungsgespräche'. Als 'Moderatoren' dienten fiktive 'Onkels' und 'Tanten', wie 'Onkel Tobias vom Rias' oder 'Onkel Eduard' beim Norddeutschen Rundfunk. In den Sendungen wurde meist ein Bild der heilen Welt gezeichnet und die Realität ausgeklammert. Eine Einbeziehung der jungen HörerInnen gab es nur in Form von Quizsendungen und Ratespielen. Die Kindersendungen lockten vorwiegend am späten Nachmittag und frühen Abend ihre jungen HörerInnen vor die Hörfunkgeräte. Das Angebot wurde von den Kinder angenommen; der Hörfunk war das einzige "Nonprint-Medium, das Kindern unter sechs Jahren täglich ein für sie intendiertes Angebot macht."2 Mit der beginnenden Verbreitung des Fernsehens in den 60er Jahren sank die Bedeutung des Hörfunks für die Kinder. Denn das Fernsehen bot ähnliche Kinderprogramme an, die darüber hinaus mit bewegten Bildern dienten.

Im Gegensatz zum Kinderfunk wurde der Jugendfunk während der NS-Zeit für nationalsozialistische Propaganda missbraucht und diente nach 1945 zunächst der Reeducation. Seine Inhalte waren überwiegend auf die politische Bildung der Jugendlichen ausgerichtet. Es herrschten bis in die 60er Jahre die Formen Hörspiel und Feature vor.

Die narrativen Programmelemente verloren aber im Laufe der Zeit an Bedeutung, so dass auch im Jugendfunk eher journalistische Formen in den Vordergrund traten. Es entstanden Magazinsendungen für Jugendliche, wie 'Der Club' (NDR), 'Pop Shop' (SWF), 'Zündfunk' (BR) oder die 'Radiothek' (WDR). Die Jugendmagazine beinhalteten - neben dem wichtigsten Element Musik - Nachrichten, Reportagen, Berichte und Interviews. Die Themenpalette berührte alle Bereiche, die für die Jugendlichen von Bedeutung waren. Neben den bisherigen hauptsächlichen Themen Schule, Beruf, Familie, kamen auch zunehmend 'problematische' Inhalte in den Magazinen vor, wie Sexualität, Wehrdienst, Beteiligung an Bürgerinitiativen etc. Die Jugendmagazine boten den Jugendlichen ein Forum, ihre Meinungen und Einstellungen öffentlich zu machen. Die Beteiligung der HörerInnen erfolgte hauptsächlich in Livegesprächen, Diskussionsrunden und Wunschkonzerten.

Mitte der 80er Jahre kam es mit der Entwicklung neuer Übertragungstechniken zu grundlegenden Veränderungen in der Radiolandschaft. Durch Kabel- und Satellitenrundfunk stand eine enorme Anzahl an Kanälen bereit. Das Sendemonopol der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten wurde aufgelöst und durch ein duales, föderales Rundfunksystem ersetzt.



2.2 Veränderungen in der Radiolandschaft

2.2.1 Das duale Rundfunksystem

Im dualen Rundfunksystem existieren neben den öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten (Bayerischer Rundfunk, Hessischer Rundfunk, Mitteldeutscher Rundfunk, Norddeutscher Rundfunk, Ostdeutscher Rundfunk Brandenburg, Radio Bremen, Saarländischer Rundfunk, Sender Freies Berlin, Südwestrundfunk und Westdeutscher Rundfunk) auch private Rundfunkanbieter. Dies gilt sowohl für den Bereich des Fernsehens, als auch für den Hörfunk.

Der grundlegende Unterschied zwischen den Hörfunkveranstaltern des öffentlichen und denen des privaten Rechts liegt zunächst in der Finanzierung. Der öffentlich-rechtliche Hörfunk wird zum größten Teil über Gebühren finanziert, die im Rundfunkstaatsvertrag von den Landtagen festgelegt werden. Nur ein geringer Teil wird über Werbeeinnahmen finanziert. Für die privaten Hörfunkanbieter ist die Werbung die wesentliche Finanzierungsquelle.

Die verschiedenen Systeme haben unterschiedliche Zielsetzungen: Die Aufgabe der öffentlich-rechtlichen Programme ist die Schaffung einer Grundversorgung der Bevölkerung mit Information, Bildung, Kultur und Unterhaltung. Die privatrechtlichen Anbieter wollen mit ihren Programmen hauptsächlich Gewinne erzielen. Dies lässt sich am besten realisieren, wenn man das Programm genau auf eine Zielgruppe zuschneidet. Die Anforderungen an Programmbreite und Meinungsvielfalt sind im privaten Hörfunk deshalb geringer. Sie bieten einen Grundstandard.

Ganz strikt läßt sich jedoch diese Trennung nicht aufrechterhalten. Auch die öffentlich-rechtlichen Anbieter kommerzialisieren ihr Programm und auf der anderen Seite kommen die Privatanbieter dem Auftrag nach stärkerer Informationsvermittlung (besonders im lokalen Bereich) nach.3

"Was sich dennoch bei beiden Organisationsformen unterscheidet, ist das Rollen-Selbstverständnis. Im privaten Bereich ist es z.B. möglich, ein Radioprogramm von einem Tag auf den anderen einzustellen, weil es nicht rentiert, im öffentlichen Bereich dagegen kann man ein Programm hoch subventioniert weiter bestehen lassen, obwohl es nicht rentiert. "4

Die duale Rundfunkordnung wird ergänzt durch ein föderales System, d.h. die Rundfunkpolitik unterliegt den jeweiligen Bundesländern. Als gesetzliches Dach existiert der Staatsvertrag über den Rundfunk in Deutschland. Dieser enthält die gesetzlichen Regelungen zur Meinungsfreiheit, zum Schutze von Kindern und Jugendlichen, zur Regelung von Werbung, Programmgrundsätzen und Vorschriften über die Zulassung privater Rundfunkveranstalter.5

Die Kontrolle des öffentlich-rechtlichen Hörfunks erfolgt über den Rundfunkrat und den Verwaltungsrat der jeweiligen Sendeanstalt. In ihnen sitzen Mitglieder der gesellschaftlich relevanten Gruppen (Wirtschaft, Sport, Politik, Kirche .... ). Der Rundfunkrat kontrolliert das Programm, während sich der Verwaltungsrat sowohl um die wirtschaftlichen Belange, als auch um die Arbeit des Intendanten kümmert, der die Leitung der Anstalt innehat.

Die privaten Programme hingegen unterliegen der Aufsicht der jeweiligen Landesmedienanstalt des Bundeslandes. Auch hier gibt es einen Medienrat, der sich aus Mitgliedern der wichtigsten gesellschaftlichen Gruppen zusammensetzt. Der Medienrat ist weiterhin verantwortlich für die Lizensierung der privaten Programme. Wichtigste Kontrollpunkte sind auch hier die Einhaltung des Jugendschutzes und die Gewährleistung der Meinungsfreiheit.



2.2.2 Nichtkommerzielle Hörfunkanbieter

Sowohl die öffentlich-rechtlichen, als auch die privaten Hörfunkprogramme werden von Profis produziert. Eine Beteiligung der Bürger und vor allem der Jugendlichen findet dabei kaum statt. Um eine Selbstbeteiligung der Bürger im Radio zu erreichen, wurde der Nichtkommerzielle Hörfunk als dritte Säule der Hörfunklandschaft ins Leben gerufen.

Die Zulassung der nichtkommerziellen Hörfunksender obliegt den jeweiligen Landesmedienanstalten der Bundesländer, die auch die Kontrolle und die Aufsicht über den Nichtkommerziellen Lokalfunk (NKL) oder auch 'Bürgerfunk' führen.

Träger des NKL sind eine Vielzahl gesellschaftlicher Gruppen, die als eingetragener Verein über Programm und Geschäftsbetrieb selbst entscheiden können. Finanziert wird der NKL größtenteils durch Spenden, Mitgliedsbeiträge und öffentliche Fördermittel.

Ziel des nichtkommerziellen Radios ist es, ein Gegenpol zu den öffentlich-rechtlichen und privat-kommerziellen Sendern zu bilden.

Das Programm stellt eine bunte Mischung aus allen Themen dar, die für die jeweiligen Macher der Sendung von Interesse sind: lokales, Musik, Jugend, Kultur etc..

Das medienpädagogische Ziel der Schaffung des NKL ist es, die Bürger an das Medium Radio heranzuführen und eine aktive Auseinandersetzung damit zu ermöglichen. Gruppen, die im öffentlich-rechtlichen und im privat-kommerziellen Hörfunk keine Beachtung finden, wird durch den NKL eine Möglichkeit geboten, ihre Anliegen an die Öffentlichkeit zu tragen.



2.2.3 Internet Radio

Das Internet bietet Hörfunkanbietern neue Möglichkeiten sich zu präsentieren. Dabei gibt es unterschiedliche Möglichkeiten der Umsetzung. Bereits bestehende Hörfunksender bieten im Internet auf ihren Seiten zusätzliche Informationen wie Programmgestaltung, 'ein Blick hinter die Kulissen', Gästebücher, Bilder der Moderatoren und vieles mehr an.

Die neueste Möglichkeit das Internet für den Hörfunk nutzbar zu machen, ist das Senden des laufenden Programms direkt über die Online-Verbindung. Die im Internet am weitesten verbreitete Methode für die Übertragung von Ton ist Real Audio. Mit Real Audio werden die Audiodateien komprimiert und als so genannter 'Stream' gesendet. Die Daten werden dann auf dem Computer des Hörers zwischengespeichert und dann nacheinander abgespielt.

Der Vorteil des Internet-Radios liegt in seiner weltweiten Verfügbarkeit. Egal ob man im Urlaub auf Hawai oder in Heidelberg ist, man kann über Internet sein Lieblingsprogramm hören.

Das Internet als Distributionsmedium bietet den Vorteil, dass sich die Betreiber damit keine Gedanken über Sendelizenzen machen müssen, da es diese im Internet (noch) nicht gibt.

Mittlerweile gibt es zahlreiche Internet-Radiostationen, die ein Live-Programm senden. Auch viele Jugendwellen (u.a. auch N-Joy) senden ihr Programm als Ergänzung mittlerweile über das Internet. Auch die SWR-Jugendwelle DASDING sendet aus lizenzrechtlichen Gründen im Internet, da (bisher) keine terrestrische Frequenz mehr zur Verfügung steht (siehe 2.3.3 'DASDING').



Audio on Demand

Ein weiterer Vorteil in der Nutzung des Internets als Distributionsmedium liegt in der Möglichkeit Audiodateien verschiedener Formate im Internet abrufbereit abzulegen.

Außerdem bietet das Internet die Möglichkeit, bereits gesendete Hörfunkbeiträge später im Internet zur Verfügung zu stellen. Dafür gibt es verschiedene Wege. Der fertige Beitrag muss zunächst komprimiert werden. Dazu gibt es zwei Möglichkeiten.



2.3 Veränderungen im Hörfunkangebot für Kinder und Jugendliche

Durch die Aufhebung des Sendemonopols des öffentlich-rechtlichen Hörfunks und der Einführung des dualen Systems finden Kinder und Jugendliche heute im Hörfunk eine große Auswahl an verschiedenen Programmen. Der von den Jugendlichen bevorzugte Markt beschränkt sich auf drei Kategorien6:

Die privaten Hörfunkprogramme gewannen nach der Entstehung des dualen Rundfunksystems immer mehr an Bedeutung und ließen zunächst die öffentlich-rechtlichen Programme hinter sich.

Die Unterschiede zwischen den öffentlich-rechtlichen Programmen und denen der privaten Anbieter zeigten sich besonders deutlich am Anteil der Musik und am Tempo des Programms. Die von Jugendlichen bevorzugten öffentlich-rechtlichen Programme (NDR 2, WDR 2, SWF3 ... ) mit ihren Jugendmagazinen wiesen einen Musikanteil von etwa 65 Prozent und einen Wortanteil von 30 Prozent auf (fehlende Prozente: Verkehrsservice, Werbung, Jingles etc.). Demgegenüber boten die privaten Programme etwa 72 Prozent Musik und nur 20 Prozent Wortanteil - dazu einen höheren Anteil an Werbung. Größere Bedeutung für den Rückgang der Reichweiten des öffentlich-rechtlichen Hörfunks hatte neben der Musik das Tempo des Programms, also die Einzelelemente pro Sendetag. Hier lagen die Privaten deutlich über den öffentlich-rechtlichen. Die Privaten wiesen im Schnitt 9413, die öffentlich-rechtlichen 7377 Einzelelemente auf. Dieses schnelle Tempo übt auf Jugendliche eine hohe Faszination aus.7

Die genannten Unterschiede in der Programmgestaltung führten besonders im Alterssegment der Jugendlichen zu einer Veränderung der Reichweiten. Die Reichweiten der privaten Hörfunkstationen übertrafen die Reichweiten der öffentlich-rechtlichen 1995/96 um etwa 20 Prozent, ebenso war die Gruppe der regelmäßigen jugendlichen Hörer doppelt so groß wie die der ARD Sender.8

Als Reaktion auf diesen Akzeptanzverlust unter den Jugendlichen wurden viele ARD-Anstalten tätig und reformierten ihre Programme. Dabei wurden entweder die bestehenden Jugendprogramme für die jugendliche Zielgruppe umgestaltet (wie z.B. SWF 3 und SDR 3) oder aber es wurden neue Jugendwellen gegründet (wie N-Joy, Eins Live, Fritz!, Sputnik .... ).

Die Jugendwellen mussten sich sowohl gegenüber anderen Programmen der ARD-Anstalten behaupten als auch gegenüber der Konkurrenz der privaten Anbieter. Dies konnte nur erreicht werden durch eine zielgruppengenaue Konzeption. Es entstanden Vollprogramme für Jugendliche, die ihnen ihre Musik, ihre Moderatoren, ihr Tempo und ihre Themen boten. Um dies zu erreichen, wurden bei der 'Gründung' folgende Überlegungen befolgt:

Zu diesen Überlegungen kamen auch technische Neuerungen hinzu. Die Jugendwellen wurden verstärkt unter Einsatz von Computern hergestellt. So konnten sowohl Produktions- als auch Personalkosten eingespart werden.

Die Umstrukturierungen zeigten deutliche Erfolge. Als Beispiel für die neue Generation der Jugendwellen hab ich die 'N-Joy Radio' (NDR) und 'Eins Live' (WDR) sowie das neue Multimediaprojekt des SWR 'DASDING' ausgewählt, auf die ich im Folgenden näher eingehe.



2.3.1 N-Joy

N-Joy wurde 1994 vom NDR gegründet. Die Programmstruktur weist einen Musikanteil von fast 80 Prozent auf. Damit liegt N-Joy vor der Konkurrenz der privaten Anbieter in Norddeutschland. (Musikanteil bei ffn 64,7 Prozent, Antenne 76,3 Prozent, RSH 68,9 Prozent). Ein Vorteil von N-Joy liegt darin völlig werbefrei zu sein. Dies kann sich dann in einem höheren Musikanteil niederschlagen. Der Wortanteil in den journalistischen Bereichen Nachrichten (5,1 Prozent) und Information (5,2 Prozent) liegt zusammen auf etwa dem gleichen Niveau, wie bei einigen privaten Anbietern. N-Joy setzt dabei jedoch stärker als die anderen Programme auf Informationen außerhalb der Nachrichten. Der Anteil der Moderation liegt bei N-Joy mit 5,6 Prozent im Mittelfeld. Die privaten Hörfunksender kommen auf 5,0 Prozent (RSH) bis 6,2 Prozent (ffn). Im Segment Service liegt N-Joy weit hinter den privaten Anbietern zurück, was hauptsächlich auf das Fehlen des - für die Altersgruppe der Jugendlichen wenig relevanten - Verkehrsfunks zurückzuführen ist- N-Joy 1,0 Prozent, RSH 3,6 Prozent, Antenne 5,2 Prozent.

Deutlich wird das eigenständige Profil von N-Joy in der inhaltlichen Analyse: Die Musik als Hauptbestandteil ist ein prägendes Element des Programms. Bei N-Joy sind von 180 gespielten Titeln nur 10 älter als fünf Jahre. Bei ffn sind 125 von 189 Titeln älter als fünf Jahre. 76 Prozent der täglich gespielten Titel waren bei N-Joy unter den Top 30 und haben so einen hohen Wiedererkennungswert. NJoy setzt hier - viel deutlicher als andere Programme - ein eindeutiges Zeichen zu Gunsten der jungen Musik.

Auch die Nachrichten weisen eine Orientierung zu Themen der Jugendlichen auf. Die Palette ist dabei bunt gemischt: von sozialen Themen bis Unterhaltung werden alle Bereiche, die für die Zielgruppe interessant sind, berücksichtigt.

Das Programm von N-Joy wird geprägt von verschiedenen Musiksendungen, bei denen die Hörer durch Musikwünsche und 'Call-in Einlagen' am Programm beteiligt werden. Dazu kommen Comedy Elemente und stündlich Nachrichten. Danach folgen die 'N-Joy Radio Soundfiles' mit Interviews, Neuvorstellungen aus verschiedenen Musikrichtungen. An Freitagen und Wochenenden überwiegen am Abend Musik- und Partysendungen im Programm.

Eine Einbeziehung der Hörer findet im Rahmen der Call-In-Sendungen, durch Hörerwünsche und in der Radio-Talkshow 'N-Joy Radio People' statt.

Ergänzt wird das Programm durch Angebote im Internet. Neben dem laufenden Programm, dass als Real-Audio-Stream gehört werden kann, findet man dort Informationen zu Veranstaltungen im Sendegebiet ('News'), Moderatoren ('Crew'), zu Frequenzen und Programmablauf ('Service') und zur aktuellen Musik ('Music'). Im N-Joy 'Club' werden spezielle Veranstaltungen (mit ermäßigten Preisen) für Clubmitglieder angeboten und unter 'Files' finden sich Audiodateien mit Interviews von Musikern oder 'Raritäten' wie eigens aufgenommene Unplugged-Stücke bekannter Musiker. Ein direkter Kontakt zu den jugendlichen Hörern erfolgt nur im Chat und im Gästebuch.

N-Joy besitzt ein jugendliches Outfit, liegt im Trend (was sich nicht nur durch die englischen Sendungsnamen ausdrückt) und bringt die Musik, die Jugendliche hören wollen. Dazu kommen Nachrichten und Informationen, die im Interessensbereich der Jugendlichen liegen. Dabei handelt es sich nicht nur um 'Szene-Informationen', sondern auch politische und gesellschaftliche Nachrichten haben ihren Platz, jedoch stehen hierbei die Interessensschwerpunkte der Jugendlichen im Vordergrund.

Dieses eigenständige Profil spiegelt sich in der Tagesreichweite wieder und verhalf N-Joy in der Zielgruppe der 14-19jährigen zu einer Tagesreichweite von 39,4 Prozent. Von den 20-25jährigen werden noch etwa 20 Prozent und von den 25-39jährigen noch 10 Prozent täglich erreicht (Media Analyse 1995). Insgesamt kommt N-Joy in der Gesamtbevölkerung ab 14 Jahre auf eine Tagesreichweite von 7,9 Prozent.

Bezogen auf den Tagesverlauf bestätigen sich auch bei N-Joy die klassischen Spitzenzeiten der Hörfunknutzung Jugendlicher: Besonders stark wird N-Joy zwischen 6 und 8 Uhr morgens und 14 und 16 Uhr am Nachmittag frequentiert.

Als besonders gelungen werden von den Hörern die gespielte Musik, die Mitmachsendungen, die Moderation, sowie die Nähe zum Hörer genannt. N-Joy konnte als Vollprogramm für die 14-19jährigen erfolgreich installiert werden.



2.3.2 Eins Live

Eins Live entstand im Rahmen der Reform der WDR-Hörfunkprogramme als völlig neue Jugendwelle. Die Hauptzielgruppe war wiederum die Gruppe der 14-19jährigen. Auch hier ist entsprechend des Hauptinteresses der Jugendlichen - die Musik der Hauptbestandteil des Programms. Tagsüber wird vor allem aktuelle Musik geboten, während sich das Musikprogramm am Abend für spezielle Musikströmungen öffnet. Dann werden neue Richtungen und Platten vorgestellt, verbunden mit entsprechenden Hintergrundinformationen.

Der Musikanteil bei Eins Live liegt mit etwa 70 Prozent unter dem Wert von N-Joy (80 Prozent).

Die 30 Prozent Wortanteil machen Eins Live zu einem Vollprogramm für die Zielgruppe Jugendliche. Das Motto dabei lautet: Kein Wort zu viel, kein Fact zu wenig. Neben den (von 5-24 Uhr stündlichen) Nachrichten 'Eins Live Prompt' und der (halbstündigen) 'Stauschau', dem Verkehrsservice, gibt es den ganzen Tag über verschiedene thematische Sendungen:



Zusätzlich gibt es im Eins Live Programm Platz für Sondersendungen ('Riffs' vier Stunden) zu aktuellen Themen (von der Loveparade bis zu den Bundestagswahlen). Ergänzt wird dieses Programmangebot durch die Möglichkeit mit einem eigenen Wagen Reportagen vor Ort im Sendegebiet zu erstellen.

Das Angebot von Eins Live im Internet bietet neben dem Live-Programm über Real Audio, zusätzliche Informationen zum Programm, zu Veranstaltungen und zu den Moderatoren, sowie die Möglichkeiten 'Eins-Live'-Produkte' zu kaufen, wie 'Eins-Live TShirts', 'Eins-Live Rucksäcke', 'Eins-Live Uhren' etc. Die Möglichkeiten mit den Machern des Programms in Verbindung zu treten, beschränken sich auf eine Telefonhotline, sowie Fax und E-Mail. Eine direkte Einbeziehung der Hörer in das Programm erfolgt auch hier nur in Call-In-Sendungen und durch Hörerwünsche.

Eins Live hat in seiner Zielgruppe großen Erfolg. Die Tagesreichweiten lagen 1996 in der Gruppe der 14-19jährigen bei 38 Prozent und unter den 20-25jährigen bei 30 Prozent. Innerhalb der Gesamtbevölkerung im Sendegebiet (ab 14 Jahren) liegt Eins Live bei 13 Prozent.



2.3.3 DASDING

DASDING ist ein 'Baustein' der SWR 3-Popunit, die 1998 beim Zusammenschluss von Südwestfunk und Süddeutschem Rundfunk entstand. Da im Rundfunkstaatsvertrag der neuen ARD-Anstalt nur vier Hörfunkprogramme zur terrestrischen Verbreitung zustanden und diese bereits mit den vier erneuerten Radiowellen des SWR belegt waren, mussten andere Verbreitungsmöglichkeiten für die neue Jugendwelle gefunden werden.

DASDING beteiligt sich am DAB (Digital Audio Broadcast)-Pilotprojekt in Baden-Württemberg und kann über Astra 1 C europaweit mit einem ADR (Astra Digital Radio)-Empfänger gehört werden. (Ab März 1999 ist auch ein terrestrischer Empfang auf UKW-Frequenz im Saarland (mit Beteiligung des Saarländischen Rundfunks) möglich. Ab 2000 wird DASDING auch in bestimmten Teilen des nördlichen Baden-Württembergs terrestrisch zu empfangen sein.)

Die Zielgruppe der 11-19jährigen kann damit bisher jedoch nicht erreicht werden, da sie meist nicht im Besitz der digitalen Empfangsgeräte sind. DASDING geht deshalb einen anderen Weg und verbindet die Medien Radio, Internet und Fernsehen miteinander. Es wird zum 'Multimedium'.

Das 'normale' Hörfunkprogramm lässt sich im Saarland über UKW empfangen. In Baden-Württemberg gelangt es über ADR, DAB zum Hörer. Es wird angereichert mit Zusatzinformationen, wie Bildern aus dem 'Ding-Labor' (dem Studio) oder Informationen zur laufenden Musik.

Im Fernsehen kann DASDING werktags von 6 bis 7.30 Uhr im dritten Programm des Südwestrundfunks gesehen werden. Im Fernsehprogramm laufen dann neben dem Audioton Grafiken, Bilder und Animationen ab. Dazu gibt es wiederum Textinformationen zum laufenden Programm, wie z.B. Nachrichtenschlagzeilen, Tourdaten der Musikgruppen, etc. Die 'Hörer' können aktiv in das Geschehen eingreifen, indem sie Faxe und E-Mails zu bestimmten Themen , wie 'So gehe ich zum Fasching' oder 'So kommt ihr fit aus dem Bett' während der Sendung an die Redaktion schicken, die dann ins laufende Fernsehprogramm eingebunden werden können. Es gibt eine direkte Interaktion zwischen den Machern des Programms und seinen Benutzern.

Im Internet kann man das Programm mit Hilfe des Real-Audio-Players hören. Zu allen Rubriken werden die Beiträge im Internet abgelegt und können so später jederzeit abgerufen und angehört werden. Erweitert wird dieses Angebot durch zahlreiche Links. Egal welches behandelte Thema den Hörer besonders interessiert hat, er findet dazu auf den DING-Seiten im Internet zahlreiche Hintergrundinformationen und Links.



Beispiel: 'DASDING der Woche'

Als Beispiel für die Verbindung der Medien miteinander, habe ich die Rubrik 'DASDING der Woche' ausgewählt. Hier werden zu einem übergeordneten Thema verschiedene Beiträge hergestellt und in der Woche gesendet. Die Themenpalette reicht von 'Wie werde ich ein Pop-Star?' bis 'Geheimdienste'.

Das Thema im gewählten Beispiel ist 'Weltuntergang'. Dazu gibt es zehn Beiträge, die sich mit ganz unterschiedlichen Themen befassen (z.B. verschiedene Theorien zum Weltuntergang, dem Computercrash 2000 und den Theorien von Nostradamus und der Bibel). Dazu kommen Beiträge mit den Titeln 'Wie stellt ihr euch den Weltuntergang vor?', 'Die besten Massenselbstmordplätze' und 'Was ihr vorher noch machen müßt!'. Dabei werden unterschiedliche Sendeformen - von der Umfrage bis zur Soundcollage - verwand. Die Beiträge laufen während der Woche im DING-Programm und sind alle auch im Internet abrufbar. Zu den Beiträgen gibt es weiterführende Links im Internet, wie z.B. zu den Seiten der NASA oder Informationen über Nostradamus. Auch auf Links zu englischsprachigen Seiten mit kleinen Filmen zu Asteroideneinschlägen wird hingewiesen. Wer sich für das Thema Weltuntergang interessiert, kann so zahlreiche weiterführende Informationen bekommen. Im Fernsehprogramm am Morgen werden die Zuschauer dazu aufgefordert, per Fax oder Mail ihre Meinung in Form eines Bildes (So stelle ich mir den Weltuntergang vor) an DASDING zu schicken. Diese Bilder werden dann direkt in das laufende Programm eingebunden und erscheinen kurze Zeit später als Fernsehbild.( Hörbeispiele 4-8)

An den Beiträgen lässt sich die typische Machart aller DASDING-Beiträge festhalten:

Die Beiträge beginnen mit einem Opener ('DAS DING der Woche'), verbunden mit einem kurzen Jingle mit dem Titel des Themas ('Weltuntergang'). Danach folgt der Beitrag. Dieser wird am Ende wiederum mit einem Closer abgeschlossen und dann meistens direkt in den nächsten Musiktitel übergeblendet. Die Beiträge sind alle mit einem Musikteppich unterlegt. Diesen Aufbau findet man bei allen Beiträgen des DINGS. Typisch ist auch, dass häufig Geräusche in die Beiträge eingebaut oder Stimmen digital verändert werden, so dass eine bunte Soundcollage entsteht. Diese Methode wird natürlich nur verwand, wenn es der Inhalt zulässt, bei Nachrichten werden Geräusche als Auflockerung natürlich nicht verwendet ( Hörbeispiel 1).

Ein weiterer wichtiger Bestandteil von DASDING ist die Nähe zur Zielgruppe der 11- bis 19jährigen. DASDING wird nicht nur für Jugendliche gemacht, sondern auch von Jugendlichen. Um diesem Leitsatz gerecht zu werden, wird das Programm von ‚Piloten' hergestellt und präsentiert, die im Alter von 15 bis 22 Jahren sind. Sie gehen teilweise also noch zur Schule und arbeiten nachmittags im DING-‚Labor', wo sie die Beiträge recherchieren, schreiben, am Computer schneiden und präsentieren. Sie entscheiden, welche Themen in welchen Medien wie aufgegriffen und behandelt werden. Die jungen Piloten sind der Zielgruppe näher und kennen sich daher mit deren Interessen besser aus. Zur Unterstützung stehen Coaches bereit, die sich mit Redaktionsarbeit von der Recherche bis zum Schneiden bereits besser auskennen. Die Coaches sind in der Regel nur wenig älter als die Piloten, verfügen aber bereits über mehr Erfahrung.

Das Programm wirkt so in seiner gesamten Aufmachung jugendlich. Die Moderation ist nicht aufgesetzt, sondern am jugendlichen Sprachstil orientiert.

Das 'Hör-Programm' von DASDING bietet stündliche Nachrichten ('Dingschau') aus dem politischen und gesellschaftlichen Bereich Hörbeispiel 1. Dazu kommen Berichte über aus dem Interessensbereich der Jugendlichen (‚kurz und bündig', Hörbeispiel 3). Die klassischen Informationen dürfen natürlich auch nicht fehlen. Deshalb gibt es die Programmelemente 'Starship' (Neuigkeiten aus der Musikszene), 'Platzanweiser' (Kinoneuigkeiten) und 'Dr. Spiele'(Tests von Computerspielen).

Die Rubrik 'Bildungslücke' ( Hörbeispiel 2) liefert Hintergrundinfos zu Sachverhalten oder aktuellen Ereignissen (wie z.B. zum Ebola-Virus, der in den Nachrichten bereits erwähnt wurde). Auch zu diesen Themen stehen wiederum im Internet weitere Informationen zur Verfügung.

Die Nähe zum Hörer wird durch die ständige Interaktion zwischen DING-Redaktion und Hörern erreicht. Hierzu stehen zahlreiche Möglichkeiten zur Verfügung. Faxe, E-Mails und Anrufe können direkt ins laufende Programm eingebunden werden. Die Hörer können Themen- und Musikwünsche äußern, sich im Gästebuch verewigen und in Foren untereinander über Fragen diskutieren. Die Themenpalette reicht dabei von 'Problemen in der Liebe' bis 'Modelleisenbahnen'. Die Nutzer können zu diesen Themen auch ihre eigenen Lieblingslinks auf einer Seite platzieren.

Die 'Hör-Beiträge' sind gekennzeichnet durch einen jugendlichen und lockeren Stil. Neben der inhaltlichen Richtigkeit wird großer Wert darauf gelegt, die Sprache der Jugendlichen zu treffen und die Themen mit Witz an den Hörer zu bringen. "im spielerischen Umgang mit den digitalen Produktionsmethoden haben die 'DINGer' einen unverwechselbaren, collagehaften Beitragsstil entwickelt. Geräusche, Originaltöne, Hintergrundmusik und akustische ‚Verpackungselemente' gehen fließend ineinander über"10 Die DING-Beiträge besitzen dadurch einen hohen Wiedererkennungswert.

DASDING ermöglicht eine echte Interaktion zwischen den Produzenten des Programms auf der einen und den Konsumenten auf der anderen Seite. Das Programm wird nicht nur von Jugendlichen für Jugendliche gestaltet, sondern es besteht für Jugendliche durch Workshops die Möglichkeit, aktiv an der Programmgestaltung teilzunehmen, auch wenn sie nicht in der Nähe des 'DING-Labors' in Baden-Baden wohnen. Sie wechseln die Rollen und werden zu Produzenten des Programmes, dass sie selbst hören (siehe 3.5 'DASDING auf Tour').



2.4 Nutzungsaspekte des Hörfunks bei Kindern und Jugendlichen heute

Kindern und Jugendlichen steht heute ein großes Angebot an Hörmedien zur Verfügung. Wie sie aus diesem Angebot auswählen und welche Funktionen und Wirkungen das Radio dabei hat, will ich im Folgenden zeigen.



2.4.1 Quantitative Nutzungsaspekte von Hörmedien

In der Altersgruppe der 6-13jährigen nehmen die auditiven Medien einen Mittelplatz - hinter dem mit 82 Prozent (Prozentzahlen: "Nutze das Medium täglich/fast täglich") deutlich führenden Fernsehen - ein. 46 Prozent der befragten Kinder hören täglich/fast täglich Radio und ebensoviele hören täglich/fast täglich Schallplatte, Kassette oder CD.

Die für die Medien aufgewendeten Zeitbudgets verdeutlichen dies: An einem Durchschnittstag (Montag bis Sonntag) verbringen...



Im Vergleich der letzten zwanzig Jahre haben sich dabei folgende Veränderungen ergeben: die Bildschirmmedien haben an Bedeutung gewonnen und der Hörmedienmarkt zeigt eine Verschiebung zugunsten der Speichermedien.11

Weiterhin lassen sich in den 90er Jahren Unterschiede in der Nutzung der auditiven Medien in der Gruppe der Kinder feststellen (Prozentzahlen-. "Nutze das Medium täglich/fast täglich").

Geschlechtsspezifische Unterschiede: Mädchen hören geringfügig mehr Radio (47 Prozent gegenüber 44 Prozent bei Jungen). Deutlicher ist der Unterschied bei Tonträgern (50 Prozent bei Mädchen gegenüber 42 Prozent bei Jungen).

Ost-Westdeutsche Unterschiede: Ostdeutsche Kinder hören häufiger Radio, als Westdeutsche (55 Prozent gegenüber 42 Prozent im Westen); bei Tonträgern gibt es diese Unterschiede nicht.

Altersspezifische Unterschiede: Mit zunehmendem Alter nimmt auch die Nutzung des Radios zu. Bei den 6-7jährigen hört etwa ein Drittel täglich/fast täglich Radio, während dies in der Altersgruppe der 12-13jährigen bereits zwei Drittel tun. Die Tonträgernutzung nimmt in einem ähnlichen Maße zu.12

Die Nutzungsdauer in der Gruppe der 6-13jährigen lag 1990 bei 23 Minuten Radio (Mo-So) und 19 Minuten Tonträger, wobei die 67jährigen etwas mehr die Speichermedien nutzten (15 Minuten Tonträger gegenüber 13 Minuten Radio), und die 12-13jährigen bereits deutlich mehr Radio (36 Minuten) als Tonträger (25 Minuten) hören.

Die inhaltlichen Vorlieben der Kinder beim Radiohören gehen zugunsten von Musiksendungen gegenüber Sendungen mit längeren Wortbeiträgen aus. 57 Prozent der 6-13jährigen hören oft Musiksendungen, 22 Prozent Werbung, 15 Prozent Wunschkonzerte, 14 Prozent Magazinsendungen, jeweils 13 Prozent Sportberichte und Sendungen mit Hörerbeteiligung 12 Prozent Nachrichten und 10 Prozent Sendungen für Jungen bzw. Mädchen.

Tonträger werden dagegen inhaltlich etwas anders genutzt: Nur 29 Prozent der Kinder verwenden diese als Musikmedium und 67 Prozent hören auch andere Inhalte, darunter Abenteuergeschichten (37 Prozent), Kindergeschichten (37 Prozent) und Märchen (36 Prozent). Mädchen bevorzugen Märchen und Kindergeschichten und Jungen eher Abenteuergeschichten.

Dieser inhaltliche Trend ist wiederum altersbedingt, denn mit zunehmendem Alter wenden sich die Kinder verstärkt der Musik zu: 80 Prozent der 6-7jährigen sagen, sie hören neben Musik auch 'anderes', 13 Prozent hören nur Musik. Unter den 12-13jährigen hören nur noch 39 Prozent auch andere Inhalte, während sich 59 Prozent der Kinder in diesem Alter auf Musik konzentrieren (zwei Prozent hören nie Tonträger).13



Die Nutzungsgewohnheiten der Jugendlichen zeigen deutliche Veränderungen.

Nach der vom Medienpädagogischen Forschungsverbund Südwest erhobenen Befragung JIM '98 (Jugend, Information, (Multi-)Media) ist die am häufigsten ausgeübte mediale Freizeittätigkeit der Jugendlichen zwischen 12 und 19 Jahren das Fernsehen. 95 Prozent der Befragten sehen täglich/mehrmals pro Woche fern. An zweiter und dritter Stelle folgen die auditiven Medien: 'CD's oder ‚Musikkassetten hören' mit insgesamt 94 Prozent und 'Radio hören' mit 85 Prozent. Weit zurückgefallen in der Gunst der Jugendlichen ist das Hören von Hörspielkassetten mit insgesamt 13 Prozent. Mädchen nutzen dieses Medium häufiger als Jungen. Dazwischen finden sich die medialen Beschäftigungen Zeitung lesen (59 Prozent), Zeitschriften und Magazine lesen (49 Prozent), einen PC bzw. Computer benutzen (48 Prozent), Bücher lesen (38 Prozent) und Videos ansehen (23 Prozent). Die am wenigsten häufig genutzten Medien sind Comics (12 Prozent) und der Kinobesuch (1 Prozent).

Die Studie geht auch der Frage nach, welche elektronischen Geräte die Jugendlichen in ihrem Zimmer bzw. für sich alleine oder zusammen mit Geschwistern zur Verfügung haben. Dabei steht die Hifi-Anlage/Stereoanlage mit CD-Player mit 84 Prozent aller Befragten an erster Stelle. Auf den weiteren Plätzen folgen Fernsehgerät (60 Prozent), Computer (35 Prozent), einzelner CDPlayer (31 Prozent), Videorekorder (26 Prozent), Spielkonsole (23 Prozent), Pager (9 Prozent) und als Schlußlicht das Mobiltelefon mit 8 Prozent. 14

Klingler und van Eimeren kommen in ihrer Untersuchung15 zu dem Schluß, dass es in der Altersgruppe der 14-19jährigen bezüglich der Tagesreichweiten, der Hördauer sowie der Verweildauer im Rundfunk in den letzten 20 Jahren wenig Veränderungen gegeben hat.

In der Media Analyse 1994 lag die Tagesreichweite des Radios bei Jugendlichen von 14-19 Jahren bei 79 Prozent (Montag bis Sonntag), die Hördauer bei 121 Minuten und die Verweildauer bei 153 Minuten. Im Vergleich dazu - 1974 erzielte der Rundfunk in dieser Altersgruppe eine Reichweite von 81 Prozent, verbunden mit einer Hördauer von 125 Minuten und einer Verweildauer von 154 Minuten.



Die Nutzung des Radios im Tagesverlauf

Die Nutzung des Hörfunks wird (während der Woche) stark durch die Schule strukturiert. Für Montags bis Freitags gilt:

Am Samstag und Sonntag liegen die Maximalwerte in den Tagesverlaufskurven etwa fünf Stunden später als an Werktagen.

Die Reichweite der Tonträgernutzung bei Jugendlichen zeigt einen deutlichen Unterschied zum Radio. Sie liegt mit 27 Prozent deutlich unter der des Radios (Montag bis Sonntag: 79 Prozent).

Damit beträgt die Nutzungsdauer der Tonträger 36 Minuten gegenüber 121 Minuten Radio hören. Mehr als drei Viertel des Zeitaufwands für auditive Medien an einem durchschnittlichen Wochentag entfällt damit auf den Hörfunk. 16

Nach van Eimeren/Klingler liegt der Schwerpunkt der Nutzung der auditiven Speichermedien an den Wochenenden. Im Tagesablauf befinden sich die Nutzungsschwerpunkte am Nachmittag. Hier zeigen die Tage Montag bis Freitag und Samstag/Sonntag ähnliche Verläufe. An Samstagen allerdings ist über 0.00 Uhr hinaus noch eine deutlich höhere Nutzung von Tonträgern zu beobachten.

Die Hördauer von Tonträgern steigt am Wochenende deutlich an. Gegenüber 33 Minuten an einem Werktag werden am Samstag 46 und am Sonntag 41 Minuten für auditive Speichermedien verwand. 17



2.4.2 Qualitative Nutzungsaspekte von Hörmedien

Zu den qualitativen Nutzungsaspekten der Hörmedien Jugendlicher zählen Orte und Situationen in denen Jugendliche Hörmedien nutzen, sowie die Funktionen und Bewertungen die Jugendliche mit deren Nutzung verbinden. Hier soll die Konzentration vorwiegend auf den Hörfunk gelenkt werden. Aufgrund der ähnlichen Nutzungsaspekte kommt es jedoch häufig zu Überschneidungen mit den auditiven Speichermedien und deren Funktionen. Dies ist besonders deutlich bei den Funktionen zur Musik zu erkennen, wo eine Trennung Hörfunk/Tonträger fast nicht mehr existiert.

Orte und Situationen der Radionutzung



Nach der Media Analyse von 1994 verteilt sich die Radionutzung folgendermaßen (Angaben: Hörfunknutzung in Reichweiten in Prozent, 14-19 Jahre, Mo-So):

Es zeigt sich, dass das Radio seinem Ruf als ‚Nebenbei-Medium' gerecht wird.

Als wichtigste außerhäusliche Medienorte bei der Nutzung von Hörmedien, in diesem Falle vorwiegend der Musikmedien, nennt six18, die Diskothek, gefolgt von Plattenläden und Kneipen/Musikkneipen.



Funktionen der Radionutzung

Nach den neuesten Untersuchungen werden von Jugendlichen vor allem folgende Motive zur Radionutzung genannt:19

Das Radio verfügt damit als Universalmedium über eine enorme Funktionsvielfalt.

"Hörmedien vereinigen neben der Informationsfunktion des Hörfunks - ähnlich dem Fernsehen - für Jugendliche bedeutsame Funktionen in rekreativen, eskapistischen und sozialen Dimensionen ... Radio (und Fernsehen) dient einem allgemeinen Informationsbedürfnis und befriedigt gleichermaßen die Bedürfnisse nach Unterhaltung, Entspannung und "Loswerden von Ärger“ nach Ablenkung vom Alltag und seinen Problemen."20

In der Literatur stehen sowohl die sozialen Funktionen als auch die Informationsfunktionen des Hörfunks im Mittelpunkt der Untersuchungen. Ebenso spielt die Musik als vermeintlich 'wichtigstes' Radioelement eine große Rolle. Auf diese Funktionen soll im Folgenden näher eingegangen und deren Wirkungen (sofern diese erforscht sind) beschrieben werden.

Vorher soll jedoch die Frage geklärt werden, welche funktionelle Bedeutung Hörmedien im Vergleich zu anderen Massenmedien haben.

Nach Stadler21 werden die affektiven Funktionen ('Wenn ich traurig bin und etwas tun möchte, das mich tröstet...') vor allem den auditiven Medien zugeschrieben. Bücher, Comics, Zeitungen und das Kino spielen hier fast gar keine Rolle. Das Fernsehen liegt bei manchen affektiven Funktionen noch vor den auditiven Medien, so z.B., wenn es darum geht, etwas 'Spannendes' oder 'Aufregendes' zu erleben. Hier jedoch zeichnet sich mit zunehmendem Alter auch eine Hinwendung zu nichtmedialen Beschäftigungen ab, wie Freunde treffen, gemeinsame Unternehmungen etc..

Bei kognitiven Funktionen (Informationsgewinnung, Lernen) stehen Bücher und das Fernsehen an vorderster Stelle, bei älteren Jugendlichen gewinnt auch die Zeitung an Bedeutung. Die auditiven Medien (vornehmlich das Radio) belegen hier einen Mittelplatz.

Eine eindeutige Spitzenposition nehmen die auditiven Medien im Bereich der rekreativen Funktionen ein. Sie führen mit deutlichem Abstand vor nichtmedialen Beschäftigungen und Büchern, die mit dem Fernsehen gleichauf liegen. Mit zunehmendem Alter wird diese Spitzenposition weiter ausgebaut, während Bücher und das Fernsehen zur Rekreation an Bedeutung verlieren.

Ebenfalls einen Spitzenplatz belegen die auditiven Medien bei den eskapistischen Funktionen. Sie liegen noch vor dem Fernsehen, Büchern und nichtmedialen Tätigkeiten.

In dieser Untersuchung fehlen die 'neuen Medien', wie Computer oder Internet. Sie werden vermutlich im Bereich der eskapistischen als auch der kognitiven Funktionen (Informationen über das Internet bekommen) ein Rolle spielen.



Soziale Funktion der Hörmedien

Wie die quantitativen Zahlen zur Nutzung von Hörmedien zeigen erhalten die Hörmedien mit Beginn der Pubertät ein stärkeres Gewicht, als in der Kindheit. Sie dienen als Identifikation in der Gruppe Gleichaltriger, den peer groups. Durch einen gleichen Musikgeschmack kann man sich gegenüber anderen Cliquen und Gruppen anderer sozialer Umfelder abgrenzen.

"Der gleiche Musikgeschmack, ebenso wie die gleiche Medienausstattung sind zum einen die äußeren Zeichen der inneren Zugehörigkeit, des Eingeschlossenseins in einen Kreis Gleichartiger Wer die Melodien erkennt und die Zeichen trägt, der gehört dazu. Zugleich schließt eben das Ritual und die Zuwendung zu bestimmten Inhalten ab von der Mehrheit, die anderen Riten folgt, sich anderen Inhalten zuwendet und anders aussieht“22

Hörmedien, speziell Tonträger, dienen als Prestige-, Image- und Tauschobjekte unter Gleichaltrigen23. Sie können in vielen sozialen Situationen helfen, wie z.B. zur Kontaktaufnahme durch Gespräche über Musik, Musiker, neue Produktionen der Lieblingskünstler etc.

Hörmedien sind praktisch, weil sie überall mit hingenommen werden können. Sie bedürfen keiner großen Installationen (sofern man über einen Walkman, Discman etc. verfügt) und die Bedienung ist bei allen Geräten (fast) gleich. So vermitteln sie Jugendlichen auch in scheinbar unbekannten Situationen eine vertraute Atmosphäre, wie z.B. das Walkman-Hören in der Straßenbahn. Dies wiederum kann auch als Provokation und Abgrenzung gegenüber anderen gesehen werden, vor allem gegenüber Erwachsenen, "die Walkman negativ bewerten bzw. dieses Medium seiten nutzen“.24



Informationsfunktion des Hörfunks

Über die Informationsfunktion des Radios gibt es wenig Untersuchungen. Nach Berg/Kiefer25 ist die wichtigste Informationsquelle Jugendlicher mit Abstand das Fernsehen. An dritter Stelle steht der Hörfunk. Etwas wichtiger als das Radio sind noch Tages- und Wochenzeitungen. Zur Frage, wie Jugendliche das Radio als Informationsmedium nutzen gibt es ebenfalls nur sehr wenige gesicherte Aussagen

Eine neue Untersuchung zur Akzeptanz des Hörfunks als Informationsmedium versucht diese Forschungslücke zu schließen.

Ulrike Six und Gunnar Roters untersuchten in ihrer Studie26 zunächst die Motive zur Radionutzung Jugendlicher. Die rund 250 befragten Jugendlichen im Alter von 14-19 Jahren sollten verschiedene Motive der Radionutzung beurteilen.

Das Ergebnis bestätigte die bisherigen Untersuchungen zu Radiomotiven. Die 'klassischen' Motive 'um über Wichtiges informiert zu werden' und 'um dabei etwas anderes zu tun' liegen in der Gunst der Befragten vorne. Die Doppelfunktion des Radios als Klanguntermalung bei anderen Tätigkeiten und als schnelles Informationsmedium kommen deutlich zum Ausdruck, ebenso die große Wichtigkeit des GenresMusik'.

Der Hörfunk wird nach dieser Studie als 'mittel' bis 'wichtig' zur Informationsgewinnung eingeschätzt. Er liegt damit etwa auf einer Ebene mit ‚Arbeitsplatz', ‚‘Schule‘, ‚Familie und Freunde'. Geringere Bedeutung hat die Zeitung, während das Fernsehen von den Jugendlichen (weiterhin) als wichtigste Quelle von (politischen) Informationen eingestuft wird.

Die Wichtigkeit des Hörfunks als Informationsmedium hängt immer von der persönlichen Wichtigkeit der Informationen für den Hörer ab.

Hier unterscheiden sich jugendliche Hörer maßgeblich von älteren. Steinborn27 stellt fest, das Jugendliche eher Interesse an Ratgeberinformationen zur Freizeitgestaltung haben. Ergänzt wird dies durch Untersuchungen von Ecke28, der bei Jugendlichen ein großes Interesse an musikbezogenen Informationen feststellt.



Ältere Menschen hingegen schätzen am Hörfunk eher "Informationen über lokale Veränderungen sowie deren Kontrolle“.29

In der Gruppe der Jugendlichen zeigen sich wiederum deutliche Unterschiede in der Nutzungsweise des Radios als Informationsmedium. Jugendliche, die das Radio zur Informationsgewinnung als wichtig erachten, werden von Six/Roters folgendermaßen typologisiert:



Funktionen der Musik

Die Musik zählt unter den Jugendlichen zu den mit Abstand beliebtesten Radioelementen. Dies verdeutlichen zahlreiche Studien:

Nach van Eimeren/Klingler30 ist für Jugendliche das entscheidende Auswahlkriterium für ein Radioprogramm die Musik. Danach folgen das Anmutungsprofil des Senders, und erst an dritter Stelle Nachrichten und Informationen.

In der Untersuchung JIM 9831 erreicht das Element Musik mit 94 Prozent das höchste Interesse an Radiobeiträgen/-sendungen. Auf den weiteren Plätzen folgen: Humor/Sketche mit 69 Prozent und fast gleichauf Nachrichten/aktuelle Informationen, lokale Veranstaltungshinweise, Hörerwünsche, Sportberichte, die Moderation und ausführliche Berichte. Am geringsten ist das Interesse für lokale/regionale Berichte und Spiele, bzw. Quizsendungen.

Sportberichte und Humor liegen besonders bei Jungen in der Gunst vorne, während ausführliche Sendungen, Hörerwünsche und die Moderation für Mädchen besonders wichtig sind.

Auch in der Studie von Six/Roters32 liegt das Genre Musik in der Gunst der Jugendlichen ganz vorne: Auf einer Skala von -2 (völlig unwichtig) bis +2 (sehr wichtig) erreicht die Musik +1,4. Auch hier ist ein enormer Abstand zu anderen Genres zu verzeichnen: Politik (+0,2), Freizeittipps (-0,1), Sport (-0,2) und Wirtschaft (-0,4) liegen abgeschlagen auf den folgenden Plätzen.

Warum wird die Musik als so wichtig eingeschätzt?

Schönbach33 gibt auf diese Frage eine kurze, aber treffende Antwort: 'Musik ist multifunktional'.34 Die Musik erfüllt - ebenso wie die Hörmedien allgemein (s.o.) - scheinbar eine Vielzahl von Funktionen. Dies gilt für alle Altersschichten, besonders stark jedoch für Jugendliche.

Die Multifunktionalität der Musik läßt sich nach Berg/Kiefer35 in fünf Funktionsbereiche - ähnlich denen der o.g. Hörmediennutzung aufteilen, denen wiederum zahlreiche Einzelmotive zugrunde liegen:

  1. Musik als Stimmungsausgleich (Musik zum Entspannen, Ausruhen, traurig sein, Ärger vergessen)

  2. Musik als Aktivierung zur Stimmungsverstärkung (Musik zum Tanzen, bewegen etc.)

  3. Soziale Funktion von Musik (Zusammengehörigkeitsgefühl stärken, aber auch als Ersatz bei fehlenden sozialen Kontakten)

  4. Musik als Ersatz (Eskapismusfunktion, fliehen vor dem Alltag mit Problemen in der Schule etc. )

  5. Musik als Möglichkeit des Ausbruchs und der Provokation (Musik zum Auf-den-Putz-hauen, rumalbern usw.)



Image und Bewertung des Hörfunks

Berg/Kiefer36 untersuchten die einzelnen Medien auf das ihnen zugesprochene assoziative Image. Die Jugendlichen und Erwachsenen im Alter von 12-29 sollten aus einer Liste von 15 verschiedenen Eigenschaften, die für sie jeweils passenden den einzelnen Medien zuordnen. Auch hier zeigte sich, dass sowohl das Fernsehen, als auch das Radio die meisten Eigenschaften zugesprochen bekamen. Durchschnittlich waren es vier Eigenschaften pro Medium, das Radio bekam sechs, das Fernsehen sogar acht verschiedene Eigenschaften, während die auditiven / audiovisuellen Speichermedien und die Neuen Medien mit drei Eigenschaften unter dem Durchschnitt lagen. (Zu Bedenken ist hierbei, das diese Untersuchung bereits von 1984 ist und die 'Neuen Medien' damals noch eine allgemein wesentlich geringere Bedeutung hatten, als dies heute der Fall ist. Durch das Internet und das schnell wachsende Angebot im Multimediabereich haben die Neuen Medien darüberhinaus heute sicherlich eine viel höhere Funktionsvielfalt.)

Das Radio steht sowohl in der Dimension der Nutzungsfrequenz, als auch bei der Funktionsvielfalt an vorderster Stelle. Dies wird durch die Befunde des assoziativen Images noch bestärkt. Auch hier schreiben die Jugendlichen dem Radio (mit) die meisten Eigenschaften zu. Im einzelnen bewerten die Jugendlichen die Hörmedien als unterhaltend, sympathisch und alltäglich. Das Radio wird darüberhinaus als informativ, wichtig, ratgebend, vielseitig und glaubwürdig eingeschätzt. Geschlechtsspezifische Unterschiede konnten nicht festgestellt werden.

Die Glaubwürdigkeit spielt bei vielen Image-Untersuchungen von Medien eine große Rolle. Zur speziellen Glaubwürdigkeit des Hörfunks allerdings ist bisher wenig herausgefunden worden.

Berg/Kiefer37 untersuchten die Glaubwürdigkeit der Medien Fernsehen, Hörfunk und Tageszeitungen.

Gefragt wurde, weichem Medium man glauben würde, wenn sich Berichte zu einem Ereignis in den Medien widersprächen.

Nach ihren Untersuchungen lag das Fernsehen hier mit großem Abstand an erster Stelle, gefolgt von Tages-, und Wochenzeitungen, sowie dem Radio. Schlußlicht in der Glaubwürdigkeitsbewertung sind die Zeitschriften. Diese Rangfolge gilt für alle Altersgruppen.

Es fällt jedoch auf, dass das Fernsehen mit zunehmendem Alter unglaubwürdiger wird- Während unter den 12-15jährigen noch 73 Prozent das Fernsehen für das glaubwürdigste Medium halten, sind dies unter den 25-29jährigen nur noch 58 Prozent. Das Radio hingegen bleibt innerhalb der einzelnen Altersgruppen konstant glaubwürdig- es wird jedoch von den Tages-, und Wochenzeitungen 'überholt', die mit zunehmendem Alter der Befragten immer mehr an Glaubwürdigkeit gewinnen.

Diese Ergebnisse sind jedoch nie auf ein spezielles Ereignis bezogen. Allgemeine Untersuchungen ergeben häufig eine andere Rangfolge in der Glaubwürdigkeit, als Untersuchungen zu einem konkreten Ereignis. Auch innerhalb eines Mediums können beispielsweise verschiedene Sendungen unterschiedliche Glaubwürdigkeit besitzen.

Außerdem ist die Glaubwürdigkeit natürlich auch abhängig vom Rezipienten, dessen Sozialisationsbedingungen bei seiner Beurteilung der Glaubwürdigkeit eine große Rolle spielen. Von Wichtigkeit bei der Bewertung von Glaubwürdigkeit eines Mediums ist hier auch das Urteilsvermögen "als Teil von Medienkompetenz [...], die im Sinne einer 'Metakompetenz' Wissen über Medien erffordert“.38

Konkrete Ergebnisse zur Glaubwürdigkeit des Hörfunks bei Jugendlichen lassen sich zwar nicht formulieren, jedoch vermuten Six u.a.39, dass das Radio dann unglaubwürdig für Jugendliche ist, wenn sie "im Programm nicht genug berücksichtigt bzw. nur über erwachsene Kommunikatoren bedient werden"40. Hier hat sich jedoch in den letzten Jahren ein starker Wandel vollzogen. Immer mehr Jugendwellen setzen mittlerweile auf junge Moderatoren, die der Lebenswelt der jugendlichen Hörerschaft näher sind.



2.4.3 Wirkung von Hörmedien bei Jugendlichen

Zur Wirkung von Hörmedien bei Jugendlichen liegen ebenfalls wenig Untersuchungen vor. Dies ist erstaunlich da sowohl die quantitativen, wie auch die qualitativen Nutzungsaspekte die große Bedeutung von Hörmedien bei Jugendlichen verdeutlichen.

Das Radio und seine (inhaltlichen) Effekte standen vor allem seit seiner beginnenden Verbreitung in den 20er Jahren bis in die 40er Jahre im Blickpunkt der Untersuchungen. Heute bezieht sich die Wirkungsforschung hauptsächlich auf das Fernsehen und in den letzten Jahren auch verstärkt auf die neuen, interaktiven (Multimedialen-) Medien.

Um Aufschluss über die speziellen Wirkungen von Hörmedien zu erhalten, müssen also Wirkungsuntersuchungen von anderen Medien übertragen werden. Konkrete Ergebnisse liegen hier zur Wirkung von Musik und zur Effektivität von kognitiven Wirkungen vor. Während im Bereich der affektiven und emotionalen, sowie der beiläufigen, nichtbeabsichtigten Wirkungen kaum Ergebnisse zu finden sind.41

Zu den Wirkungen von Massenmedien haben sich im Laufe des Jahrhundert (sehr grob!) drei grundsätzliche Sichtweisen herauskristallisiert42. Die Konzentration richtet sich dabei (je nach Ansatz) stärker auf den Kommunikator oder auf den Rezipienten. Es wird dabei unterschieden in eine Phase der wirkungsstarken (etwa von 1910 bis in die 1940er Jahre) und eine Phase der wirkungsschwachen Medien (Mitte der 1940er Jahre bis etwa 1980). Mit den 80er Jahren beginnt dann eine "Phase der neuen Konzepte“.43



Wirkungsansatz

Der Wirkungsansatz geht der grundsätzlichen Frage nach: Was macht das Medium mit seinem Rezipienten? Dieses (behavioristische) Reiz-Reaktions-Modell, das vom Anfang des Jahrhunderts bis in die 40er Jahre aktuell war, ging davon aus, dass die Menschen von den Medien überredet wurden. Die Rezipienten reagierten auf einen bestimmten Reiz oder Stimulus den die Medien aussendeten. Nach diesem Modell hatten die Medien eine ungeheure Macht. Dies wollte sich vor allem die Politik zunutze machen und richtete so ihre Wahlwerbung nach diesem Modell aus. Durch das in den 20er Jahren aufkommende Radio, sollten die Wähler für die jeweilige politische Richtung gewonnen werden.

Als Wendepunkt in der Wirkungsforschung wird eine Untersuchung von Lazarsfeld in den 40er Jahren gesehen. Lazarsfeld untersuchte in Wahlstudien eingehend die Einflussmöglichkeiten der Massenmedien auf das Wahlverhalten der Rezipienten.

"Die Ergebnisse dieser Arbeiten führten zum Teil zu Pessimismus gegenüber den Einflußmöglichkeiten der Medien. Diese Einstellung kam dadurch zustande, daß man im Film, Radio und anderen Medien in den 30er und 40er Jahren entscheidende Beeinflußungspotentiale gesehen hatte und jetzt immer mehr intervenierende Variablen entdeckte."44

Die Studie zeigte, daß nur etwa fünf Prozent der untersuchten Personen durch die Radiokampagnen ihre Meinungen änderten.45 Das Reiz-Reaktions-Modell verlor damit an Bedeutung. Diese Phase der Wirkungsforschung wird allgemein als Phase der starken Medien bezeichnet. Lukesch46 kritisiert allerdings eine Unterteilung in starke und schwache Medien vor dem Hintergrund dieser Untersuchung, da hier von nur einer Untersuchung in einem bestimmten Bereich (Wahlentscheidung) auf die Wirksamkeit der Medien im Allgemeinen geschlossen wurde.

Auch weitere Untersuchungen zum Reiz-Reaktions-Modell brachten keinen Aufschluss darüber, wie stark die Zusammenhänge zwischen Reiz und Reaktion bzw. zwischen Ursache und Wirkung sind.

Würde man radikal alle Zusammenhänge ausschließen, würde sich jedwede Werbung in Print-, Hör- und audiovisuellen Medien erübrigen. Die Bedingungen der Überzeugungsveränderung, folgerte man, liegen zum Teil im Rezipienten selbst.“47

Diese Idee führte in den 60/70 er Jahren zum sogenannten Nutzenansatz.



Nutzenansatz

Dieser geht (vereinfacht) der Frage nach: Was macht der Rezipient mit dem Medium? Nach diesem Modell hat der Rezipient bestimmte Erwartungen, die durch Medien befriedigt werden können. Der Rezipient prüft die einzelnen Medien auf ihre Verwendbarkeit für seine Bedürfnisse und sucht danach das beste Medium aus. Die Befriedigung des Bedürfnisses kann aus dem Medieninhalt, der formalen Darstellung oder aus dem sozialen Kontext heraus erfolgen, wobei jedes Medium eine Kombination dieser drei Aspekte darstellt.48 Es gibt also verschiedene Motive, Medien zu nutzen. Die Rezipienten suchen sich zum Lernen ein anderes Medium aus, als zum Entspannen, Langeweile vertreiben etc. Neben diesen Motiven sind für die Auswahl des "richtigen" Mediums, ("richtig" - im Sinne von Verfügbarkeit und maximaler Befriedigung) natürlich auch die Medienimages von Bedeutung. Ein Medium das eine geringe Glaubwürdigkeit besitzt, wird von seinem Rezipienten nicht als Informationsmedium genutzt werden.



Neuere Modelle der Wirkungsforschung

Neue Untersuchungen zu Wirkungen zeigen eine Vielzahl von Einflussfaktoren bei der Nutzung von Medien. Dazu zählt natürlich der Rezipient und seine soziale Einbettung (Alter, Geschlecht, Entwicklungsstand, Intelligenz, Kompetenz im Umgang mit Medien etc.). Dann sind die Eigenschaften des Kommunikators von Bedeutung. Hierzu zählen die Glaubwürdigkeit (im Sinne von Fachkompetenz und Vertrauenswürdigkeit), die Attraktivität (Ähnlichkeit, Bekanntheit, Sympathie, physische Attraktivität) und die (soziale) Macht, die der Kommunikator ausübt.49

Bei der Betrachtung von Medienwirkungen können also weder die Botschaft des Kommunikators noch der Nutzenanspruch des Rezipienten als ausschlaggebend gesehen werden. Das Zusammenspiel beider ist entscheidend dafür, wie ein Medium bei seinem Rezipienten 'ankommt'.

Der umfassendste Versuch die speziellen Wirkungen von Hörmedien50 zu systematisieren findet sich bei Six u.a. . Sie unterscheiden zwei generelle Wirkungsfelder: die intendierten und die nicht-intendierten Wirkungen.



Intendierte Wirkungen des Hörfunks

Hierzu zählen alle erzielten Ziele', die von Kommunikatorseite von vornherein festgelegt sind. Dies sind häufig Wortbeiträge, die einen bestimmten Auftrag erfüllen sollen - zum Beispiel den Rezipienten bilden (Schulfunk, Funk-Kolleg), Informationen und Tipps übermitteln (Nachrichten) oder Kampagnen bekannt machen (z.B. Spenden-Aufruf für Kriegsflüchtlinge etc.).

Verantwortlich für die Aufnahme von kognitiven Informationen aus dem Radio sind sowohl Variablen auf der Seite des Rezipienten, als auch auf Kommunikatorseite. Auf der Seite des Rezipienten spielt neben den allgemeinen sozialen Faktoren (Alter, Entwicklungsstand, soziales Umfeld) das Interesse am Nachrichten/Informationsgenre eine große Rolle. Das Informationsangebot wird eher aufgenommen, wenn der Rezipient das Genre als wichtig erachtet und darin eine größere Nützlichkeit für sich selber sieht.

Große Bedeutung für das Verstehen und Behalten der Nachrichten messen Six u.a.51 besonders den Faktoren Vorwissen und der Verbindung der Nachrichten zur Erlebnis- und Erfahrungswelt der Rezipienten zu. Dabei ergeben sich Probleme, wenn die Nachrichten nicht explizit auf die Zielgruppe eingehen. Zu viele Informationen in kurzer Zeit, eine komplizierte 'Erwachsenensprache', verschachtelte Satzstrukturen und Fremdwörter, die nicht im Sprachgebrauch der Kinder/Jugendlichen vorhanden sind, können zu Fehlinterpretationen und Inhaltsverzerrungen durch die Hörer führen. Komplexere Inhalte werden gedanklich versucht zu vereinfachen und dadurch u.U. verfälscht. Deshalb sollten (besonders) Nachrichten durch die Kommunikatorseite zielgruppengerecht aufbereitet werden. Ist dieses nicht der Fall, kann es dazu kommen, daß die intendierte Wirkung verfehlt oder gar eine (negative) nichtintendierte Wirkung beim Rezipienten eintritt.

In der (allerdings nicht-repräsentativen)52 Studie von Six/Roters53 zu den 'Behaltensleistungen' von Radiosendungen wird festgestellt, daß die kürzeren Nachrichten und ein längerer Beitrag keine unterschiedlichen Behaltensleistungen aufweisen. Insgesamt konnte nur etwa ein Fünftel der Jugendlichen die Nachrichten wiedergeben. Entscheidend für die Behaltensleistungen der Jugendlichen ist neben dem Präsentationsstil auch der Positionseffekt. Hier zeigten Studien, dass besonders die erste und die letzte Meldung behalten werden.54 Dies gilt auch für die Platzierung der einzelnen Werbespots innerhalb der Werbeblöcke. Der erste und (vor allem) der letzte Spot sind die beliebtesten (und teuersten) Positionen.

Nach Six u.a. nimmt die Werbung eine Sonderstellung ein:

"Werbung verfolgt in der Regel die Intention, die Bekanntheit und Akzeptanz eines Produktes zu steigern, das Image einer Marke aufzubauen oder zu verbessern und letztlich die Rezipienten zum Kaufverhalten zu bewegen.“55

Die Forschungen zur Stellung der Radiowerbung zeigen unterschiedliche Resultate. So wird das Radio gegenüber dem Fernsehen bezüglich der Erinnerung an das Produkt als überlegen eingestuft. Das Fernsehen jedoch besitzt aufgrund seiner ‚dualen Kodierung', also der Präsentation des Produktes über auditive und visuelle Sinne gegenüber dem Hörfunk einen Vorteil. Wiederum andere Untersuchungen sehen in dieser Frage die Printmedien an vorderster Stelle.56

Für die Effektivität der Werbung müssen zwei grundlegende Unterscheidungen vorgenommen werden, "...nämlich zwischen der Zeitspanne der Wirkung (kurz-langfristig) und der Wirkungsabsicht (intendiert/nicht-intendiert)“57. Diese Einteilung wurde von Klingler/Groebel zwar hauptsächlich im Zusammenhang mit Untersuchungen zum Fernsehen vorgenommen, kann jedoch auch in Teilen auf den Hörfunk übertragen gelten. Klingler/Groebel58 teilen die kurzfristigen Wirkungen wiederum ein in:

Als intendierte Wirkung der Werbung kann man die Bindung des Rezipienten an das Produkt nennen, die über einen möglichst großen Zeitraum aufrechterhalten werden soll (Produktsozialisation).

Zu den nicht-intendierten Effekten der Werbung gehört beispielsweise der Einfluß der Werbung auf den Lebensstil des Rezipienten. Zu negativen Wirkungen kann es hier im Zusammenhang mit Alkoholwerbung kommen.

Auch im Bereich der Wirkungen durch die Werbung ist eine Betrachtung der Eigenschaften des Rezipienten und des Kommunikators von großer Bedeutung.

Moderiert wird der Werbeeinfluß durch den (Konsum-) Erziehungsstil der Eltern, das Alter und die kognitive Fähigkeit der Kinder, den sozialen Druck in der unmittelbaren Umwelt, zum Beispiel Konsumverhalten und Bedeutung von Marken in der Klasse die Menge des Fernsehkonsums der Kinder sowie die Präferenz für Werbung, zum Beispiel Lieblingsspots."59



Nichtintendierte Wirkungen des Hörfunks

Grundsätzlich können nichtintendierte Wirkungen in Verbindung mit einer beabsichtigten Wirkung auftreten, oder aber völlig eigenständig.

In Zusammenhang mit der beabsichtigten kognitiven Wirkung von Nachrichten, kann es zu Veränderungen in Bezug auf politische Einstellungen und Werte, Engagement und Gesprächsverhalten Jugendlicher kommen. Diese Veränderungen können sowohl positiver als auch negativer Art sein. Als Beispiel für eine negative Auswirkung kann nach einer Studie von Weiß+Nebel60 die „Forcierung von Vorurteilen und Ausländerdiskriminierung bis hin zu rechtsextremer Radikalisierung auf Seite der Rezipienten“61 gelten, die durch die Negativtendenz und den Sensationsjournalismus beeinflußt werden können. Dabei spielt jedoch die soziale Umgebung des Rezipienten eine wichtige Rolle. Jugendliche, die bereits zur rechten Szene gehören, sind von solchen Wirkungen eher betroffen.

Es kann zu Inhaltsverzerrungen von Nachrichten kommen, wenn diese nicht zielgruppengerecht präsentiert werden. Diese Inhaltsverzerrungen können wiederum negative nichtbeabsichtigte Wirkungen nach sich ziehen.

Eine weitere wichtige Rolle im Bereich der nicht-intendierten Wirkungen spielen Emotionen, die in Zusammenhang mit (beispielsweise) Nachrichten auftreten können. Zum einen können Nachrichten, die den Rezipienten mit negativen Emotionen belasten, eine Art Hilf-, oder Machtlosigkeit bewirken, die umschlagen kann in Desinteresse oder Politikverdrossenheit, aber auch in Hass oder Aggression bei gesellschaftlichen Themen.

Emotionen, die im Zusammenhang mit Nachrichten auftreten, bleiben länger haften, als die eigentlichen Nachrichten. So kann beispielsweise eine Nachricht längst wieder vergessen sein, die damit verbundenen negativen oder positiven Assoziationen mit einem Politiker sind jedoch noch im Bewußtsein.



Wirkungen des Musikhörens

Die Effekte des Musikhörens im Radio sind äußerst vielfältig. Dabei zeigt sich, dass auch hier durchaus mit negativen Wirkungen zu rechnen ist. Six u.a.62 unterteilt die wesentlichen Wirkungsfelder des Musikhörens in 3 Kategorien:

  1. Affektive und emotionale Wirkungen: Die bestimmenden Faktoren für die Ausprägung dieses Wirkungsfeldes lassen sich sowohl im Musikstil, als auch in der Persönlichkeit des Hörers finden. Hierzu zählen neben Alter, Geschlecht, sozialem Umfeld, Entwicklungsstufe, auch die Hörgewohnheiten des Rezipienten und der soziale und kulturelle Kontext, in dem Musik gehört wird.

  2. So wird Musik von jedem Rezipienten anders emotional wahrgenommen und verarbeitet. Eine Festlegung auf bestimmte Musikstile, die eine dazugehörige Wirkung beim Hörer erreichen, kann es deshalb nicht geben.

  3. Wirkungen auf Konzentration und Leistungsverhalten: Bei einfachen und routinemäßigen, eventuell eintönigen Tätigkeiten kann Musik als Hilfe wirken. Sie kann leistungssteigernd und somit förderlich sein. Dies schlägt jedoch ins Gegenteil um, sobald beim Musikhören kognitive Arbeiten erledigt werden. Dann sinkt die Konzentration infolge der Musik und die Leistungsfähigkeit des Hörers nimmt ab. Dies kann für alle Tätigkeiten gelten in denen Aufmerksamkeit erforderlich ist, sei es beim Erledigen der Hausaufgaben, beim Autofahren oder am Arbeitsplatz. Ein Sinken der Aufmerksamkeit lässt sich auch bei der Rezeption von Wortbeiträgen im Radio beobachten, die von Musik umrahmt sind. Die Wirkungen der Musik bleiben beim Hörer länger im Gedächtnis, als beispielsweise der Nachrichtentext. Besonders bei Programmprofilen, die schnell zwischen Text und Wortbeiträgen wechseln und noch dazu Wortelemente mit Klangteppichen unterlegen, kann es dazu kommen, dass die (emotionalen) Wirkungen der Musik länger im Gedächtnis bleiben, als die (kognitiven) Wirkungen der Nachrichten. Der Lerneffekt wird so vermindert, da in den Prozess des ‚Nachrichtenverarbeitens' der neue Reiz in Form von Musik gesetzt wird und dieser dominierend wirkt.

  4. Ideologische und Soziale Wirkungen von Musik: Es ist bisher ungeklärt, wie stark die Wirkungen von bestimmten (radikalen) Musiktexten (und den damit verbundenen häufig aggressiven Musikstilen) auf ihre Rezipienten sind. Negative Auswirkungen werden sowohl im Bereich der links bzw. der rechtsextremen, als auch in der Heavy-Metal Musik vermutet. Six u.a.63 schätzen diese Wirkungen durchaus als relevant ein.

    Musik kann als Protest in Erscheinung treten und dabei eine (politische) Aktivierung der Hörer bewirken

    "Dabei ist allerdings unklar, wieweit es sich hierbei um Wirkungen der Musiktexte selber oder um Wirkungen der Assoziation zwischen Musikimages und Ideologien oder gar nur um Effekte der Rezeptionssituation, etwa des Hörens entsprechender Musik gemeinsam mit Gleichgesinnten handelt."64

    Soziale Wirkungen können jedoch durchaus auch positiver Art sein. Dann, wenn Jugendliche beispielsweise aus der Musik heraus Informationen im Sinne von 'Lebenshilfen' gewinnen können. Musik hilft dabei, die eigene Position in der Gesellschaft zu finden und - besonders in der Pubertät „Fragen nach dem Sinn der Existenz und des eigenen Handelns"65 Zu beantworten.



Voraussetzung für ein solches Handeln ist natürlich das Verstehen der (meist englischsprachigen) Texte bzw. wenigstens das Erfassen des Liedinhaltes über Schlüsselwörter.

Neben diesen Hauptaspekten der Wirkung von Musik in den Hörmedien, können natürlich auch negative körperliche Effekte eintreten. Hierzu zählen vor allem Beeinträchtigungen beim Hören. Stereoanlage und Walkmann können eine Lautstärke von bis zu 120 dB besitzen. Auch Konzerte und Diskotheken können diesen Pegel erreichen. Negative Folgen für das Hörorgan sind bereits bei 65-90 dB möglich. Lautstärken über 80 dB bewirken Störungen im Innenohr, die bei längerem Hören zu dauerhaften Schäden führen können. Derartig hohe Lautstärken werden beim Radiohören nicht erreicht, da es vornehmlich nebenbei gehört wird.



3. Radio in der Schule

Im Folgenden beschreibe ich zunächst die grundlegenden Ziele der Arbeit mit dem Radio in der Schule. Im Anschluss daran gehe ich auf verschiedene Umsetzungsmöglichkeiten der aktiven Radioarbeit ein. Ich haben hierfür stellvertretend für viele Projekte, AG's etc., die sich mit dem Radio in der Schule beschäftigen, vier Formen herausgesucht. Zu allen beschriebenen Projekten sind auf der CD Hörbeispiele vorhanden, um einen anschaulichen und vor allem 'anhörbaren' Eindruck von der Vielfältigkeit der Radioarbeit in der Schule zu vermitteln.



3.1 Stichwort Medienkompetenz

Wie die quantitativen und die qualitativen Zahlen zur Radionutzung zeigen, spielt das Radio eine wichtige Rolle im Leben der Kinder und Jugendlichen. Seine Wirkungen haben Einfluss auf Gefühle, Verhalten und Denken der Rezipienten. Es bewirkt Einstellungsveränderungen (sowohl positive, als auch negative) und kann die Wahrnehmung verändern.

Diese Wirkungen können bei Jugendlichen unterschiedlich ausfallen. Während die einen souverän mit Medieninhalten umgehen, können sich bei anderen negative Einflüsse bemerkbar machen. Zu befürchten ist darüber hinaus, dass sich die milieubedingten Unterschiede durch Medienkonsum noch vergrößern. Die Schule kann hier durch eine bereits in der Grundschule einsetzende Medienerziehung eingreifen. Die Schüler sollen durch den aktiven Umgang mit Medien Medienkompetenz erlangen.

Eine genaue Definition des Begriffes Medienkompetenz gibt es nicht. Im Allgemeinen meint Medienkompetenz „Die Fähigkeit eines Menschen, sich bei seiner aktiven Weltaneignung in Kommunikationssituationen aller Arten von Medien bedienen zu können“.66

Nach Baacke67 ist die Medienkompetenz ein Teil der 'kommunikativen Kompetenz', die jeder Mensch von Geburt an besitzt. Sie beginnt mit dem Erlernen der Sprache und wird zunächst durch die Sozialisation in der Familie - später in zahlreichen Bildungseinrichtungen und auch in Alltagssituationen erlernt und weiterentwickelt. Kompetenz bedeutet dabei jedoch mehr als nur eine Schrift lesen zu können oder eine Sprache zu verstehen: Kompetenz führt dazu, dass der Mensch sich zum Gelesenen oder Gehörten eigene Gedanken machen kann, kritisch darüber zu urteilen lernt oder auch einfach Genussfähigkeit erlangt. Dies gilt sowohl für das Lesen eines Buches als auch für das Hören einer bestimmten Musik.

Medienkompetenz beschreibt demnach den Teil der kommunikativen Kompetenz, der sich auf den Umgang mit Medien aller Art bezieht. Die Nutzung dieser Medien muss gelernt, geübt und gefördert werden. Das Vermitteln von Medienkompetenz bezieht sich dabei auf alle Medien und ist demnach auch ein lebenslanger Prozess. (Vor allem im Bereich der 'Neuen Medien', da hier die Entwicklung neuer Techniken und Geräte besonders schnell voranschreitet.)

Zu dieser Medienkompetenz gehören verschiedene Bereiche, in denen ein Rezipient Kompetenzen erlernen kann:

Radioarbeit in der Schule ist eine Möglichkeit sich aktiv mit einem Medium in der Schule auseinander zu setzen und bietet den Schülern die Möglichkeit ihre Kompetenzen in diesen Bereichen zu erweitern. Dies kann als Grobziel für den Unterricht mit dem Medium Radio in der Schule formuliert werden und findet sich so auch in den Zielangaben aller Projekte mit dem Radio wieder. Auf die konkrete Radioarbeit übertragen sollten die Ziele folgendermaßen formuliert werden:

Während der Radioarbeit werden den Schülern Einblicke in verschiedene Formen des Radios vermittelt. Radioarbeit soll die Schüler befähigen die Umwelt mit anderen Ohren wahrzunehmen und das Medium Radio aus anderen Blickwinkeln zu betrachten. Verschiedene Beitragsformen und dramaturgische Mittel werden kennen gelernt. Das Realitätsbewusstsein der Schüler wird geschult: durch Schnitttechniken veränderte Aufnahmen zeigen, dass das am Ende gehörte nicht unbedingt dem Gesagten entsprechen muss. Mechanismen, die hinter Medienproduktionen stehen, werden bewusst gemacht und die Schüler können in Zukunft kritischer mit Medien umgehen. Dabei soll das Radio als ein Beispiel dienen. Die gemachten Erfahrungen lassen sich jedoch auf andere Medien übertragen. (Wahrnehmungskompetenz)

Die Schüler beschäftigen sich intensiv mit dem Medium Radio. Dabei kommt es auch zum Austausch über eigene bedürfnisgesteuerte Nutzungsvorlieben und -gewohnheiten. Auswahlkriterien zur Hörfunknutzung werden gemeinsam diskutiert und Anregungen zur eigenen Nutzung gegeben. Dabei kann auch kritischer Medienkonsum aufgedeckt und besprochen werden. (Nutzungskompetenz).

Ziel der Radioarbeit muss es sein mit den Schülern ein eigenes Produkt zu gestalten. Sie sollen befähigt werden eigene Radiobeiträge zu produzieren. Dazu gehört das Wissen über die notwendige Technik, aber auch über Darstellungs- und Sendeformen. Die Schüler wechseln die Rolle vom Konsumenten zum Produzenten. Mit den geeigneten Darstellungsmöglichkeiten sollen eigene Themen und Inhalte veröffentlicht und somit transparent gemacht werden. Das Radio soll als lebendige und aktive Form die kommunikativen Bedürfnisse der Schüler erfüllen.

Die Schule trägt mit ihrer Radioarbeit dazu bei den Schülern die Möglichkeiten aufzuzeigen seine kommunikativen Bedürfnisse mit Hilfe von Medien zu befriedigen (Handlungskompetenz).

Ausgehend von diesen Bereichen der Medienkompetenz lassen sich mit aktiver Radioarbeit in der Schule weitere Kompetenzen festlegen, die von den Schülern erlernt werden sollten, die zum festgelegten Aufgabenbereich der Schule gehören. Dabei werden neben bestimmten Grundfertigkeiten immer auch radiospezifische Kompetenzen erlangt.

Methodenkompetenz spielt bei den einzelnen journalistischen Formen eine große Rolle, z.B. 'Wie komme ich an geeignete Informationen zu einem neuen Thema?' 'Wann eignet sich die Umfrage als Beitragsform?' 'Wie wird ein Interview vorbereitet?' Neben dieser medienspezifischen Methodenkompetenz werden auch methodische Fähigkeiten während der Arbeit vermittelt, wie z.B. das Arbeiten in Gruppen oder Teams (wie es im Hörfunk und anderen Medien üblich ist) oder die Übernahme von Verantwortung für bestimmte Teilbereiche, z.B. Recherche, Musikauswahl etc..

Sozialkompetenz: Die Arbeit in Gruppen schult die gegenseitige Toleranz und Rücksichtnahme und die Einhaltung der gemeinsamen Regeln. Dies ist besonders wichtig bei der Einhaltung von eventuellen hierarchischen Strukturen innerhalb der Gruppe, wenn es z.B. einen Leiter gibt, der bestimmte Aufgaben verteilt und kontrolliert. Aber auch die Kritikfähigkeit (sowohl positive, als auch negative Kritik) im Umgang mit den Mitschülern wird gestärkt.

Sachkompetenz: Neben den Grundfertigkeiten (Texte lesen, interpretieren, Informationen recherchieren und dem aktiven Umgang mit Sprache) werden auch radiospezifische Fähigkeiten erlernt, wie z.B. im Bereich der Technik (Umgang mit Schnittsoftware, Aufnahmegeräten etc.). Ein kritischer Blick auf das Radio und seine Inhalte während (und vor allem auch nach der Radioarbeit) werden ermöglicht. Die an eigenen Arbeiten erlernten Kriterien zur Beurteilung des Beitrags können übertragen werden und im alltäglichen Gebrauch des Hörfunks ihre Anwendung finden.

Diese Zielvorstellungen liegen allen Beschäftigungen mit dem Radio in der Schule zu Grunde. Sie gelten auch für die unterschiedlichen Projekte, die ich im Folgenden vorstelle. Darüber hinaus haben die Projekte unterschiedliche zusätzliche Zielvorstellungen, auf die ich bei den jeweiligen Beschreibungen eingehen werde.

Radioarbeit in der Schule kann auf sehr unterschiedliche Art ablaufen. Die folgenden Projekte stehen exemplarisch für verschiedene Möglichkeiten



Durch die technische (und gesellschaftliche) Entwicklung in den letzten 15 Jahren haben sich für die Arbeit mit dem Radio in der Schule viele Veränderungen ergeben. Die Möglichkeiten der Umsetzung, die hier vorgestellt werden, verdeutlichen dies.



3.2 Klassenradios

Klassenradios gibt es schon seit Mitte der 80er Jahre. Häufig entstanden diese aus der Idee heraus die Musik der Jugendlichen stärker in den Mittelpunkt des Musikunterrichts zu stellen: Die im Unterricht behandelte klassische Musik und die Musikrichtungen, die von den Schülern bevorzugt werden, unterscheiden sich sehr stark voneinander. Die Musikdidaktik kann nicht flexibel genug auf die Veränderungen des Musikhörens der Jugendlichen reagieren und 'hinkt' deshalb hinterher.

Aus dieser Tatsache heraus entstand die Idee der Herstellung eines eigenen Musikmagazins mit den Schülern.

Anknüpfungspunkte hierfür finden sich sowohl im Musikunterricht ('Musik in Hörfunk und Fernsehen - Bedeutung der Massenmedien', 'Die Pop-Musik,... ), als auch im Fach Deutsch (‚Sprechen und Schreiben, journalistische Formen, Medien' ' 'Literatur und andere Texte', 'Journalistische Textformen und ihre Möglichkeiten‘).68

Mit der Wahl des Musikmagazins als Sendeform orientierte man sich an den großen 'Vorbilder' im öffentlich-rechtlichen Hörfunk (wie z.B. der SWF 'Pop-Shop' oder NDR 2 'Der Club‘).

Als 'Roter Faden' führt ein Moderator durch die Sendung. Er moderiert Zuspielungen an und ab, gibt kurze Informationen, leitet Diskussionen und kündigt die Musik an. In Magazinen können alle Formen journalistischer Arbeit vorkommen, wie Interviews, Diskussionen, Reportagen, Nachrichten und natürlich die Musik.

Aus dieser Idee heraus entstanden Musikmagazine, wie ‚KlaRa - das Klassenradio' am Gymnasium Karlsbad oder 'Mittwoch Mega Mad' eine Radio AG der Uhland-Realschule Göppingen.

Ziel der Klassenradios ist es, den Schülern einen Einblick in das Medium Hörfunk zu verschaffen, und sie von der reinen Konsumentenseite auf die Seite der Produzenten zu bewegen. Dadurch sollen sie Einblicke in die Produktionsbedingungen und den Produktionsprozess bekommen, und sie sollen befähigt werden dem eigenen Medienangebot kritischer gegenüber zu stehen. Der Hörfunk als eine mögliche Form der Veröffentlichung eigener Interessen und Anliegen soll kennen gelernt werden.

Außerdem sollte eine intensive Beschäftigung mit der Musik erreicht werden, die über das reine 'Hören' hinausgeht. Dies wurde vor allem durch die Auswahl der Musik und die richtige Platzierung der einzelnen Titel innerhalb der Sendung erreicht.

Die verwendete Technik bestand meistens aus analogen Tonbandgeräten zur Aufnahme und zum Schneiden, Kopfhörern und Boxen, Zuspielgeräten (CD, Kassette, weiteres Tonband), sowie einem Mischpult. Das Schneiden der Bänder fand im ursprünglichen Sinne statt, d.h. die Bänder wurden auseinandergeschnitten und an den entsprechenden Stellen wieder zusammengefügt Da diese Technik heute jedoch fast verschwunden ist und die meiste Schnittarbeit 'unsichtbar' am PC erfolgen kann, möchte ich darauf hier nicht näher eingehen. Zur digitalen Audiobearbeitung siehe 3.5 DASDING auf Tour.

Die Arbeit an den Hörmagazinen erfolgt oft fächerübergreifend, wobei die Fächer Musik und Deutsch im Mittelpunkt stehen. Für Fragen der Technik bietet sich eine Zusammenarbeit mit dem Fach Physik (bzw. ITG / Informatik an).

Zur Durchführung der Radioarbeit bieten sich verschiedene Organisationsformen an:



Musik- und Wortbeiträge

Beim Klassenradio KlaRa ist die Auswahl der Musik Geschmackssache der jeweiligen Arbeitsgruppe. Es soll dabei nicht nach dem Geschmack der Klasse ausgewählt werden, oder danach, was gerade in ist, sondern ganz persönliche Vorlieben der Gruppe geben den Ausschlag für die Musik in der Sendung. Die Sendung wird also nicht unter Berücksichtigung der Einschaltquote produziert, sondern orientiert sich am eigenen Geschmack der Schüler.

Dies hat zur Folge, dass die Musikauswahl breiter ist, als im professionellen Hörfunk: es kommen auch Stilrichtungen vor, die im professionellen Bereich wenig Beachtung finden.

Für die Zuhörer findet eine (musikpädagogisch sehr erwünschte!) Horizonterweiterung statt, auch eine Geschmacksbildung. Der Heavy-Metal-Fan beispielsweise lernt auch lyrische Balladen (z.B. von Sting) kennen."69

Der Wortanteil in den einzelnen KlaRa-Sendungen liegt zu Beginn der Herstellung bei 10-25 Prozent, mit mehr Erfahrung der Schüler wird er jedoch gesteigert und erreicht dann etwa 50 Prozent.

Zu den Wortbeiträgen zählen:



Nach der Fertigstellung werden die Kassetten für alle Schüler in der Klasse vervielfältigt. Eine offizielle Aufführung der Sendung für die ganze Schule gibt es nicht.

Für die Vorbereitung der KlaRa-Sendungen wird eine Art Merkzettel entworfen, nachdem sich die Schüler bei der Planung der Sendung richten sollen. Der Merkzettel enthält folgende Bereiche:70



Musikauswahl:

  1. Ich lasse mich ganz von meinem persönlichen Geschmack leiten.

  2. Möglichst 4-5 Titel, die in der Zeitdauer zwischen 3 und 5 Minuten liegen.

  3. In welcher Reihenfolge bringe ich die Titel?



Präsentation der Musiktitel

  1. Mache ich eine An- oder Absage? Oder beides? An- bzw, Absage schriftlich fixieren!

  2. Wird die An- bzw. Absage in die Musik eingeblendet?



Textbeiträge

  1. Was bringe ich als 'Überraschung'? z.B. Interview (Wen interviewe ich?)

  2. Wer stellt das Rätsel?

  3. Alle Texte schriftlich festhalten!



Aufstellen eines Produktionsplanes

Genau abgestoppte Zeit der Musiktitel und Festlegen der Sprecher.

Aus diesem Merkzettel entsteht am Ende der Produktionsplan, nach dem sich die Schüler bei der Erstellung der Sendung richten sollen.

Gerade im AG-Bereich ist eine gute Planung wichtig, da die Schüler (eventuell aus verschiedenen Klassenstufen) nicht täglich zusammensitzen und sich beraten. Einzelne Schüler übernehmen so für die unterschiedlichen Ressorts Verantwortung. Die jeweiligen 'Chefs' für die Gesamtsendung haben feste Ansprechpartner, mit denen sie gegebenenfalls konkrete Probleme schnell beseitigen können.

Auch um vorher einen Überblick über die vorhandenen Beiträge zu haben, ist eine gute Planung wichtig. Beitragsformen und Themen können besser aufeinander abgestimmt, das Fehlen bestimmter Elemente frühzeitig erkannt und behoben werden.

Das Aufstellen eines Produktionsplanes erleichtert die Arbeit im Studio, da sie durch den Plan ungemein beschleunigt wird. Dies lässt sich aus allen Berichten über Radioarbeit in der Schule heraushören.

Im Rahmen der SDR-Sendereihe 'Junge Leute machen Radio' wurden 1988 verschiedene Hörmagazine von Schülern gesendet. Dabei kamen natürlich nur Themen in Frage, die für die Allgemeinheit von Interesse waren. Schulinterne Inhalte fielen bei der Produktion weg. Die Herstellung der Sendung erfolgte in den Studios des SDR (oder des SWF) zusammen mit den Profis des Senders. Die Schüler bekamen also direkt vor Ort einen Eindruck, wie Radio gemacht wird und lernten dabei auch die beteiligten Mitarbeiter Redakteure, Toningenieure, Regisseur etc. - kennen. So wurde ein intensiverer Einblick in das Medium Hörfunk möglich.

Gesendet wurde die Reihe einmal im Monat im Programm 'S2 Kultur' dem Kooperationsprogramm von SDR und SWF. Die ursprüngliche Zielgruppe des Hörmagazins, also die eigene Klasse konnte dadurch erweitert werden, was natürlich (auch durch die direkte Zusammenarbeit mit den beteiligten Sendern) zu einer Steigerung der Motivation der Schüler führte.

Als Hörbeispiel für die Ergebnisse eines Klassenmagazins, habe ich Ausschnitte aus der 'Klara'-Sendung vom 28.1.1988 des SDR ausgewählt, da sie in Inhalt und Machart beispielhaft für diese Art der Hörmagazine sind. ( Hörbeispiele 9, 10 und 11)



3.2.1 Fazit

Als die Klassenradios entstanden, waren die Möglichkeiten zur Veröffentlichung der Beiträge außerhalb der Klasse (z.B. über einen öffentlich-rechtlichen Sender) gering, so dass nur die Klasse (oder vielleicht noch die Schule) in den Genuss der Schülerbeiträge kam. Die Veränderungen im Hörfunkmarkt bieten jedoch auch für Klassenradios neue Chancen. Gerade für Arbeitsgemeinschaften, die sich über einen längeren Zeitraum mit dem Radio beschäftigen, ist es reizvoller die fertigen Beiträge anschließend auch zu veröffentlichen.

Der große Vorteil in der Herstellung eines Klassenradios ist, dass sich die Schüler über einen längeren Zeitraum mit den unterschiedlichen Sendeformen im Radio auseinander setzen können. Die Gestaltungsmöglichkeiten werden so besser kennen gelernt, als bei kurzen Projekten. Im Anschluss daran ist es allerdings wichtig, die Beiträge auch wirklich zu veröffentlichen. Hier bieten die nichtkommerziellen Hörfunksender den Schulen die Möglichkeit die Beiträge einem größeren Publikum zu präsentieren. Für die Sender hat dies den Vorteil einer stärkeren Bindung an die junge Zielgruppe und eine Programmerweiterung im Jugendbereich.

Das Klassenradio wird so von einem Radio für eine Klasse (von einigen Schülern) zu einem Radio von einer Klasse (für die Bevölkerung der Region). Wobei es sicherlich motivierender für die Schüler ist, die eigenen Beiträge einem großen Publikum zu präsentieren, als die Arbeiten nur innerhalb der eigenen Klasse vorzustellen.

Änderungen würden sich daraus allerdings für die Inhalte der produzierten Sendungen ergeben. Sie müssten für die Interessen der Öffentlichkeit zugeschnitten werden und rein schulische Themen ausschließen. Doch da die Idee, aus der heraus die Klassenradios entstanden, vor allem das Herstellen eines eigenen Musikmagazins war, könnte diese Sendeform problemlos beibehalten werden.



3.3 Pausenradios

Nicht immer besteht die Möglichkeit, für seine Radioprojekte Kooperationspartner zu gewinnen, um die Sendungen der Öffentlichkeit zugänglich machen zu können. Um dennoch eine 'kleine' Öffentlichkeit für eigene Sendungen in der Schule zu gewinnen, gibt es Pausenradios.

Dabei werden die Radiosendungen über die Lautsprecheranlage verbreitet. In den meisten Fällen wird ein Raum zur Verfügung gestellt, in dem sich interessierte Schüler während der Pause die Sendungen anhören können. Eine Verbreitung über die gesamte Schulanlage hat sich in vielen Fällen als schlecht erwiesen, da der Pausenlärm beim Zuhören stört. Es soll schließlich nicht nur Musik gesendet werden, sondern auch Wortbeiträge, die ein (zumindest teilweises Zuhören) nötig machen. Denn ein reines Musikprogramm als Dauerberieselung während der Pause würde dem Begriff eines Pausenradios nicht mehr gerecht und sollte dann eher als Pausendisco bezeichnet werden.



Beispiel: 'Radio Aktiv'71

Das Schulradio 'Radio Aktiv' an der Helene-Lange-Schule in Wiesbaden sendet einmal im Monat, freitags in der zweiten Pause in einem Jahrgangstreff über die Lautsprecheranlage. Das Schulradio verfügt über ein eigenes, extra eingerichtetes Tonstudio in der Schule, in dem die Wortbeiträge vorproduziert werden können. Das Programm wird von 10 bis 13 Schülern des Wahlpflichtkurses 'Radio' aus den Jahrgängen 9 und 10 gestaltet.

Alle Schüler sind bei der Vorbereitung einer Sendung für alle Bereiche verantwortlich, also sowohl für die Technik als auch für den Inhalt der Beiträge. Präsentiert wird das Programm dann von 4 Schülern, wobei es hier eine Trennung von Moderation und Technik gibt. Die Auswahl der Musik für die Sendung (etwa ein Drittel Musik gegenüber zwei Drittel Wortbeiträgen) liegt bei den Moderatoren, die durch die Sendung führen.

Auch hier hat es sich bewährt ein gemeinsames Redaktionskonzept zu erstellen, dass die Arbeit erleichtert und 'Grundregeln' für die Produktion der Sendung festlegt. Hierin enthalten sind die Gewichtung der Bereiche Wort und Musik, eine Festlegung der Beitragslänge auf l'30 bis 2‘30 (was nicht immer gelingt, wie das Beispiel 'Beamtenbeleidigung' zeigt) und die unterschiedlichen Aspekte der Musik in den Sendungen (Hörerwünsche, aktuelle oder unbekanntere, in jedem Fall aber verschiedenartige Musik, die zum Inhalt der Sendung passt). Festgelegt wird auch, dass die Beitragsinhalte sich nach den eigenen und den Interessen des Publikums richten. Es sollen aber auch solche Beiträge aufgenommen werden, die nicht unbedingt interessant für das Publikum, aber dennoch von allgemeinem Interesse sind; hierunter fallen vor allem politische Themen.

Die Themen reichen von Schulthemen wie einer Glosse über die 'Schultoiletten' und ‚Handy, Trendy, Scall, Quix & Co' bis hin zum Thema 'Beamtenbeleidigung - ein teurer Spaß'. ( Hörbeispiele 12 und 13)

Beim Auswählen der Themen zeigten sich Probleme ganz unterschiedlicher Art:

Es wird von den Schülern als schwierig angesehen die Klassen 5-13 vom selben Thema gleichermaßen zu begeistern. Die Schüler müssen sich also in der 'kleinen' Organisation Schule mit Problemen auseinander setzen, die auch im alltäglichen Radiogeschäft anstehen.

Ein größeres Problem bereitet die Auswahl der Teilaspekte eines Themas. Die von den Schülern ausgewählten Themen sind häufig zu groß und daher schwer umsetzbar. Also müssen Teilaspekte herausgepickt werden, die einen interessanten Beitrag der vorgegebenen Länge hervorbringen können. Dieser Prozess fördert die intensive Beschäftigung mit dem Thema und häufig taucht während der allgemeinen (noch recht groben) Recherche zu einem Thema ein viel interessanterer Teilaspekt auf, der als Grundlage für den Beitrag dienen kann. Diese Art zu arbeiten wird den meisten Schülern zunächst unbekannt sein. Sie tauchen damit aber aktiv in die journalistische Radioarbeit ein. Die entscheidenden Fragen (Was will ich mit dem Beitrag aussagen? Wo kann ich gezielt die besten Informationen bekommen? Wer ist kompetent genug, um zu diesem Thema interviewt zu werden?) kommen dann ganz automatisch. Die Schüler nehmen später andere Beiträge (eigene und fremde) unter einem anderen Blickwinkel wahr.

Als Beitragsformen finden alle im Radio üblichen journalistischen Gattungen Beachung.

Bei der Sprache, sowohl in den Beiträgen als auch während der Live-Moderation, wird darauf geachtet, dass sie locker (aber dennoch seriös) ist und dem Sprachgebrauch der Altersgruppe entspricht.



3.3.1 Fazit

Das Pausenradio bietet den Schülern die Möglichkeit, sich mit dem Medium Radio auseinander zu setzen und den aktiven Umgang damit zu erlernen. Die Herstellung eines Pausenradios ist technisch und finanziell kein Problem, die meisten Geräte für die Live-Moderation und die Musik (also Mischpult, Musikanlage und eine Lautsprecheranlage) finden sich an den meisten Schulen. Zum Erstellen der Beiträge können PC's mit eingebauter Audioschnittkarte genutzt werden, die in ihrer Bedienung leicht zu erlernen sind (s. 3.5 DASDING auf Tour). Multimedia-PC's sind an den meisten Schulen vorhanden. Es müssen also nur Aufnahmegeräte und gute Mikrofone angeschafft werden. Das Pausenradio ist somit im Rahmen der aktiven Medienarbeit mit dem Medium Radio eine Möglichkeit der Umsetzung, die mit bescheidenen technischen Mitteln auskommt. Die Schüler lernen, ihr Programm für eine bestimmte (allerdings kleine) Zielgruppe zu produzieren. Dabei werden vom 'großen' Radio die wichtigsten Bereiche (journalistische Arbeit, Technik und Moderation) übernommen und in kleinerer, bescheidener Art umgesetzt.

Wichtig für ein Pausenradio ist in meinen Augen, dass es nicht nur der Musikberieselung dient, sondern dass darin auch verschiedene Sendeformen vorkommen. Die Beiträge sollten kurz sein - höchstens zwei bis drei Minuten (im öffentlich-rechtlichen und privaten Jugendradio sind Beiträge noch kürzer), um möglichst mehrere verschiedene Beiträge in einer Sendung unterzubringen. Es bieten sich alle bekannten journalistischen Gattungen an, wie Nachrichten, O-Ton-Berichte, Umfragen, Interviews und Reportagen. Aber auch Glossen und kleine Hörszenen können vorkommen.

Durch die Beschäftigung mit dem Pausenradio können die Schüler viele für das Radio wichtige Beitragsformen kennen lernen und sie selbstständig umsetzen. Sie beschäftigen sich dabei automatisch auch mit dem 'normalen' Radio, seinen Inhalten und seiner Machart.

Die Schüler gehen zunächst ohne großes Vorwissen an die Radioarbeit. Durch dieses Experimentieren mit Mikrofon, Aufnahmegerät und (digitalem) Schnittplatz können sie miteinander diskutieren und verschiedene Methoden ausprobieren. Auch durch diese Gespräche werden Lernziele erreicht wie Teamarbeit und soziales Lernen. Darüberhinaus verlangt die Radioarbeit ein hohes Maß an Verantwortung und Planungskompetenz.

Ein Nachteil des Pausenradios ist, dass es nur einen sehr kleinen Hörerkreis besitzt, der (völlig radiountypisch) gezielt dem Programm zuhört und dabei die Moderatoren auch noch sieht. Der Begriff Radio wirkt irreführend.

Pausenradios führen nicht nur unter den beteiligten Schülern zu einer intensiven Beschäftigung mit dem Medium Radio, sondern sorgen an der gesamten Schule für eine Auseinandersetzung mit Radioarbeit. Die Möglichkeiten, die hinter dem Medium Radio stecken, können auch von anderen Schülern aufgefangen werden, die ähnliche (oder auch ganz andere!) Radioprojekte selbst durchführen wollen. Dies kann zu einer lebendigen 'Radiolandschaft' innerhalb der Schule führen.



3.4 Modellprojekt Internet-Radio

Technische Veränderungen in der Radiowelt, wie z.B. Internet-Radio oder Audio on Demand, eröffnen auch neue Chancen für Schulradios. Die Verbindung der Medien Hörfunk und Internet bietet den Schulradios eine ganz neue Veröffentlichungsform an.

Das erste Projekt, das sich mit diesem Thema beschäftigt, ist das 'Internet Radio' der Valckenburg-Schule Ulm, einer beruflichen Schule mit dem Profil Ernährung, Agrarwirtschaft, Gesundheit und Pflege.



Themen

Die Produktionen, die von den Schülern der Schule hergestellt werden, beschäftigen sich vor allem mit Themen aus diesen Bereichen.

Die Themen unterscheiden sich von denen der Klassen- und Schulradios dadurch, dass sie aus dem Lehrplan der Schulstufe stammen müssen. Dabei muss das Thema auf einzelne Aspekte begrenzt werden können, um so in einem überschaubaren Zeitrahmen (maximal 10 Minuten!) hörfunkgerecht behandelt werden zu können.

Außerdem spielt das Interesse der Öffentlichkeit für die gewählten Inhalte eine wichtige Rolle, da die produzierten Beiträge im regionalen, nichtkommerziellen Sender 'Radio Free FM', der in Ulm und Umgebung zu empfangen ist, ausgestrahlt werden.

Um die Beiträge nach der Ausstrahlung noch zur Verfügung zu haben, werden sie im Internet bereitgestellt und sind hier jederzeit weltweit abrufbar (Audio on Demand). Ergänzt wird das

Internetangebot durch Links, weiterführende Texte und Bilder zu den Beitragsthemen.

Neben diesen Angeboten für die Konsumentenseite wird das Internet auch bei der Produktion der Beiträge verwendet. Es dient - als vermutlich größte Nachrichtenagentur der Welt - als Hilfe bei der Recherche für die Beiträge. Die Schüler lernen mit Hilfe verschiedener Suchmaschinen im Internet Informationen zu ihren Beiträgen zu bekommen. Auch die spätere Erstellung eigener Internetseiten mit Hilfe einfacher HTML-Editoren, in die ihre Beiträge eingebettet werden, wird von den Schülern selbst vorgenommen. Die Medien Internet und Hörfunk werden miteinander verbunden und die speziellen Eigenschaften beider Medien dabei genutzt.



Beispiel: ‚Sojabohne genmanipuliert' ( Hörbeispiel 16)

Das Thema 'Gentechnologie', dass im Lehrplan der Klasse 11 im Fach Ernährungsökologie vorkommt, aber auch fächerübergreifend in den Bereichen Biologie und Sozialkunde behandelt wird, soll als Oberthema für einen Beitrag dienen. Die Recherchen zu diesem Thema ergeben jedoch eine Fülle von Informationen, so dass das Thema eingegrenzt werden muss.

Durch die Beschäftigung mit dem Thema und die intensive Recherche im Internet wird der Beitrag dann reduziert auf das Thema 'Sojabohne genmanipuliert'.

Auf Grund der beschränkten technischen Ausstattung der Schule wird der Beitrag nach der Eingrenzung des Themas von einer kleineren Projektgruppe interessierter Schüler hergestellt.

Nach eingehender Recherche (hauptsächlich im Internet, aber auch Experten der eigenen Schule werden befragt), beginnen die Interviews und Umfragen der Schüler zu ihrem Thema. Es werden dazu sowohl Verbraucher als auch Experten befragt.

Die Verbraucherbefragung findet in Form einer Straßenumfrage statt.

Als Experten stehen ein Professor der Bundesanstalt für Ernährung und eine Diplombiologin von Greenpeace zur Verfügung. Sie werden aufgefordert innerhalb einer vorgegebenen Zeit (etwa 90 Sekunden) ein Statement zum Thema abzugeben. Dabei ist darauf zu achten, dass der Befragte möglichst präzise antwortet und vorher über die zur Verfügung stehende Zeit informiert wird.

Als Glück für die Projektgruppe, die sich mit der genmanipulierten Sojabohne beschäftigt, stellte sich heraus, dass sie während ihrer Recherche im Internet auf ein Statement des (ehemaligen) Bundesforschungsministers Rüttgers trafen, der sich kurz und präzise zum Thema Genmanipulation äußerte. Dieses wurde dann (obwohl in schlechter Tonqualität vorhanden) in den Beitrag eingebaut. Auf Grund der Neuheit der Technologie 'Internet-Radio' finden sich jedoch nur wenige solcher Audiodateien im Internet. Es wird jedoch bei jedem Beitrag umfassend Ausschau nach O-Tönen im Internet gehalten, da sie die Möglichkeit bieten, Personen im Beitrag aufzunehmen, die ansonsten schwer zu erreichen sind.

Die Schule verfügt über mehrere PCs mit Audioschnittkarten, Internetanschluß, sowie einen tragbaren DAT-Rekorder für die Aufnahme der Interviews und Statements. Als Audioschnittsoftware steht das Programm 'Cutmaster Pro' zur Verfügung.

(Zur Handhabung von digitaler Schnittsoftware siehe 'DASDING auf Tour', bei dem zwar mit einem anderen Programm gearbeitet wird, dass jedoch ähnlich funktioniert.)

Für ein Internet-Radio müssen Schreibrechte auf einem World Wide Web (WWW)-Server vorhanden sein, auf dem sich die Homepage befindet. Im Fall der Valckenburg-Schule steht ein Server der Universität Ulm zur Verfügung. Außerdem bietet die Universität auch Schreibrechte auf einem File Transfer Protocol (FTP)-Server an auf dem die Beiträge ebenfalls abgelegt werden.

Nachdem alle Aufnahmen gemacht sind, werden sie auf den Computer überspielt und bearbeitet. Dazu werden die Moderationen geschrieben und diese ebenfalls aufgezeichnet.

Der fertige Beitrag wird wiederum auf DAT überspielt und zunächst bei 'Radio Free FM gesendet.

Danach beginnt die Arbeit für die Präsentation im Internet. Dazu müssen die Audiodateien komprimiert werden. Hierfür stehen die beiden Möglichkeiten Real Audio oder MP3 zur Verfügung.

Das Ulmer Internet-Radio wendet beide Verfahren an und bietet dem Besucher die Beiträge in verschiedenen Versionen an, um allen Wünschen (schnelle Übertragung auf der einen bzw. bessere Qualität auf der anderen Seite) nachzukommen.

Der letzte Schritt zur Bereitstellung der Beiträge im Internet ist die Einbettung in HTML-Seiten mit Hilfe eines HTML-Editors. Am Einfachsten ist die Arbeit mit einem WYSIWYG (What You See Is What You Get) - Editor, wie dem Netscape Composer oder AOLPress, die ebenfalls unentgeltlich im Internet zur Verfügung stehen. Die Arbeit mit einem solchen Editor bereitet wenig Probleme, da er ähnlich wie z.B. Word funktioniert, dass den Schülern bekannt ist. Mit Hilfe des Editors werden dann die Internetseiten erstellt. Diese enthalten das Skript zum Beitrag mit den Moderationstexten, sowie Bilder der interviewten Personen, aber auch Links zu weiteren Internetseiten zum Thema, die während der Recherche 'entdeckt' wurden.



Zielgruppe der Beiträge

Das Internet-Radio der Valckenburg-Schule hat für seine Beiträge eine breite Zielgruppe ausgegeben:

Zum einen sollen die Bürger der Region über den nichtkommerziellen Privatsender 'Radio Free FM' erreicht werden. Dort werden die Beiträge im laufenden Programm ausgestrahlt. Die Beitragsthemen müssen also für die Öffentlichkeit von Bedeutung sein und außerdem allgemein verständlich aufbereitet werden.

Als weitere Zielgruppe sollen andere Schulen und Institutionen erreicht werden, die sich mit ähnlichen Themen beschäftigen. Die Beiträge können dann von den Schulen aus dem Internet abgerufen werden. Dies kann entweder 'live' im Klassenzimmer mit Hilfe eines PCs mit Audioschnittkarte erfolgen, oder die Beiträge werden vorher vom Computer auf Kassette überspielt, die dann wiederum während des Unterricht angehört werden kann. Die Beiträge dienen als Bereicherung des Unterrichts anderer Schulen, besonders dann, wenn sich Experten zu bestimmten Themen äußern und auch gegenteilige Meinungen innerhalb eines Beitrags auftauchen. Die Sendungen sollen dann dazu anregen, sich mit den behandelten Inhalten im Unterricht intensiver auseinander zu setzen.

Andere Produktionen der Valckenburg Schule Ulm beschäftigten sich mit den Themen, 'Frauen in der Kommunalpolitik' , ‚Yogurt selbst gemacht' oder der 'Sonnenfinsternis 1999‘. (Die Skripte zu diesen Beiträgen finden sich im Anhang, Hörbeispiele 15 und 16.)



3.4.1 Fazit

Das Internet-Radio in der oben beschriebenen Form ist eine gute Möglichkeit mehrere Medien miteinander zu verbinden.

Auf der einen Seite werden die Arbeits- und Produktionsbedingungen des nichtkommerziellen Hörfunks sichtbar, in dem die fertigen Beiträge zunächst veröffentlicht werden. Die Art der Beiträge unterscheidet sich erheblich von denen des öffentlich-rechtlichen und des privaten Hörfunks. Dies zeigt sich vor allem in der Länge der Beiträge- 'Sojabohne genmanipuliert‘ beispielsweise hat eine

Gesamtlänge von über sieben Minuten - eine Länge, die im öffentlich-rechtlichen und privaten Funk undenkbar wäre.

Auf der anderen Seite werden verschiedene Funktionen des Internets kennen gelernt:

Ein Internet-Radio hat zahlreiche Möglichkeiten der fächerübergreifenden Arbeit. Neben dem Inhalt der Beitragsthemen, die auch Fachinhalte betreffen können, bieten sich natürlich eine Zusammenarbeit mit den Fächern Informatik und Physik (für den Bereich der Technik) an. Aber auch die Fächer Musik und Kunst können sich z.B. durch die Gestaltung der Homepage an diesem Projekt beteiligen.

Ein Problem für die Schule könnte darin bestehen Schreibrechte auf einem WWW/FTP-Server zu bekommen, die zum Erstellen der Internetseiten und Bereitstellen der Audiodateien vorhanden sein müssen. Durch Initiativen wie 'Schulen ans Netz' kann jedoch auch diese Hürde übersprungen werden, denn sie stellen für alle Schulen eigene Homepages bereit. Große technische Hindernisse für ein Internet-Radio wird es also in Zukunft nicht mehr geben.

Das Internet-Radio ist deshalb eine gute Möglichkeit Beiträge aus der Schule einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren. Allerdings sollte es immer als Ergänzung zu einer anderen Verbreitungsform vorkommen. Hierfür bieten sich zum einen nichtkommerzielle Lokalsender an, wie im Fall der Valckenburg-Schule. Aber auch ein Pausen- oder Schulradio könnte zusätzlich die Chance nutzen und sich auf diese Weise im Internet präsentieren.

Eine Verbreitung der Beiträge ausschließlich über das Internet ist (zumindest zur Zeit) wenig sinnvoll, da das Radio im Internet noch auf zu wenig Resonanz trifft (u.a. wegen der Telefongebühren) und so die Gefahr besteht, dass die Radiosendungen im Internet zu wenig Beachtung finden.



3.5 DASDING auf Tour

Seit dem Beginn des Schuljahre 1998/99 ist DASDING auf Tour, um mit Schülern Radiobeiträge zu erstellen. 'DASDING auf Tour' wird unterstützt von den Landesbildstellen (als Baustein des CUR-Projektes 'Computer und Radio') und ist Teil der 'Medienoffensive Schule' des baden-württembergischen Kultusministeriums.

DASDING besucht dabei Haupt- und Realschulen, Gymnasien, sowie berufsbildende Schulen in Baden-Württemberg. Ein KLASSEDING-Workshop dauert von Montag bis Donnerstag. Er wird geleitet von zwei bis drei DING-Coaches.

Ziel ist das Herstellen von Beiträgen für DASDING. Die fertigen Beiträge laufen am Donnerstag und Freitag morgen in der Zeit von 6 bis 7.30 Uhr- sie sind also auch ohne Internet und DAB über das Fernsehen zu empfangen.

Die Themen der Beiträge werden zu Beginn des Workshops von den Schülern selbst bestimmt, unterliegen allerdings journalistischen Kriterien. Wie alle Beiträge des DINGS müssen auch diese für die Zielgruppe zugeschnitten sein, also Themen behandeln, die für die jugendlichen Hörer von Interesse sind. Darüberhinaus sollten sie aktuell und natürlich originell sein und für die Hörer einen Unterhaltungswert haben. Das Thema sollte außerdem die Möglichkeit bieten, es mit verschiedenen journalistischen Formen zu behandeln, wobei immer der Blickwinkel der Schüler bewahrt werden sollte. Nachdem die Schüler ein Thema abgesteckt haben, werden vier Gruppen eingeteilt, die sich mit Teilaspekten des Themas und mit den verschiedenen Sendeformen beschäftigen.

Durch die Beiträge wird zum einen das Programm des DINGS erweitert, indem Beiträge zu vielen verschiedenen Themen entstehen, die für die Jugendlichen von Interesse sind. Es werden dabei unterschiedliche Blickwinkel und Betrachtungsweisen sichtbar und das gesamte Programm von DASDING wird bunter und ist noch näher an der Lebenswelt der Jugendlichen.

Zum anderen tragen diese Workshops auch zur Förderung der Medienkompetenz der Schüler bei. Die Schüler können aktiv werden und für ein Programm, dass sie vielleicht selber hören, eigene Beiträge herstellen.



3.5.1 Workshop Bad Dürckheim

Im Folgenden beschreibe ich exemplarisch den Ablauf eines solchen Workshops in Bad Dürckheim im Februar diesen Jahres. Der Workshop wurde geleitet von zwei Coaches des DINGS aus Baden-Baden.

Auf den Workshops werden vier Multimedia-PC's eingesetzt, die im Klassenzimmer aufgebaut werden. An jedem PC arbeitet später eine Gruppe aus maximal drei Schülern. Außerdem erhält jede Gruppe ein Reportagegerät, sowie ein Mikrofon und Kopfhörer. Alle PC's sind miteinander vernetzt und besitzen eine Internet-Anbindung, sowie eine ISDN-Verbindung ins DING-Labor nach Baden-Baden. So können zusätzlich benötigte Töne aus dem SWR-Archiv in Baden-Baden heruntergeladen werden. Auf den PC's befindet sich neben einem Internet-Browser auch das digitale Schnittprogramm 'Cool Edit Pro'. Dies ist ein mehrspurfähiges Programm, d.h. es können mehrere Spuren gleichzeitig bearbeitet und abgespielt werden. Für die Radioarbeit reichen in der Regel vier Spuren aus: je eine Spur für die eigene Moderation, den O-Ton des Interviewpartners o.ä., den Musikteppich, und eventuell Hintergrundgeräusche zur Auflockerung des Beitrags. Die Bearbeitung der einzelnen Spuren erfolgt in der 'Sample Ansicht'. Die wichtigsten Funktionen, also Ausschneiden, Einfügen und Löschen werden wie in einem Textverarbeitungsprogramm gehandhabt. So ist das Bearbeiten kein Problem und schnell erlernbar.

Um die einzelnen Schnitte exakt zu setzen, können die markierten Bereiche wiederholt abgespielt und erst bei optimalem 'Klang' geschnitten werden. Nach der Einzelbearbeitung werden die einzelnen Spuren in das Mehrspurfenster eingefügt und können dort wie 'Bausteine' verschoben werden. Der Beitrag kann immer wieder probegehört und unsaubere Schnitte oder Lautstärkeunterschiede der einzelnen Abschnitte behoben werden. Erst wenn alles fertig ist und die Schüler und Coaches mit dem Beitrag zufrieden sind, wird aus den Einzelteilen ein fertiger Beitrag erstellt.



1. Tag

Als Thema wurde von den Schülern 'lnline-Skaten' gewählt. Dies Thema liegt nahe, da in nächster Zeit eine Skaterbahn auf dem Schulgelände entstehen soll und die meisten der Schüler selbst aktiv Inline-Skaten. Das Thema wurde zunächst in vier Unterthemen aufgeteilt, die Ideen dazu kamen wiederum von den Schülern:



Es entstehen vier Gruppen mit je drei Schülern, die sich mit einem Unterthema beschäftigen.

Dabei sollen unterschiedliche journalistische Beitragsformen entstehen. Deshalb müssen die Coaches helfen und erkennen, welche Möglichkeiten das Thema zur Umsetzung bietet, und welche Gruppe sich für welche Sendeform einsetzen lässt. Denn unterschiedlichen Sendeformen bieten gute Möglichkeiten der Differenzierung an.

Die am häufigsten vorkommende Form ist die Umfrage. Diese Beitragsform ist in der Regel am leichtesten zu realisieren. Die Schüler können in ihrer näheren Umgebung losziehen und Passanten befragen (oder wie bei Gruppe 1 Schüler der eigenen Schule), es muss also vorher wenig recherchiert und kein spezieller Interviewtermin vereinbart werden. Die Fragen müssen allerdings gut durchdacht werden und mit den Coaches abgesprochen sein, um ‚ja' / 'nein' - Antworten auszuschließen. In Bad Dürckheim bieten sich für eine Umfrage zwei Unterthemen an:

Die erste Gruppe erstellt eine Umfrage unter Skatern zu den Fragen Was ist toll am Skaten?‘, 'Sind Euch die Gefahren des Sports bekannt?‘, 'Gibt es Probleme mit erwachsenen Passanten?'. ( Hörbeispiel 17)

Die dritte Gruppe befragt Passanten ‚Was sagen Sie zu den Skatern in der Stadt?‘, 'Haben Sie mit Skatern schon einmal Probleme gehabt?'. ( Hörbeispiel 18)

Die zweite Gruppe beschäftigt sich mit dem Entstehen der Skaterbahn auf dem Schulgelände. Der Stadtabgeordnete, der sich intensiv dafür eingesetzt hat, soll dazu interviewt werden. Für diesen Beitrag bietet sich ein gebauter Bericht an. Die Erstellung dieses Beitrags ist mit mehr Vorarbeit verbunden. Es müssen zunächst einmal Fakten über die Skaterbahn recherchiert, dann ein Interviewtermin mit dem Abgeordneten vereinbart (von dessen Bereitschaft der Beitrag natürlich abhängt), und zuletzt die passenden Fragen für das Interview überlegt werden. ( Hörbeispiel 19)

Die vierte Gruppe will sich mit dem Unterthema 'Gefahren beim Skaten - Wie kann man sich schützen' beschäftigen. Dazu sollen aktive Skater, ein Verkäufer im Sportgeschäft und ein Arzt befragt, sowie über eine Kampagne der Allgemeinen Ortskrankenkassen zum Skaterschutz berichtet werden. Der Beitrag soll ebenfalls ein gebauter Bericht werden. ( Hörbeispiel 20)

Nachdem alle Themen abgesteckt sind, beginnt die journalistische Arbeit der Schüler. Es müssen Informationen recherchiert, Fragen überlegt und schriftlich festgehalten, Interviewpartner gewonnen und Termine mit ihnen verabredet werden. Als erste Informationsquelle dienen die unmittelbaren Freunde. Weiterhin wird zur Recherche das Internet genutzt, mit dem sich die Schüler bereits gut auskennen. Es bereitet ihnen keine großen Probleme mit den entsprechenden Suchmaschinen an Informationen zu kommen. Außerdem verfügt die Schule über eine große Bibliothek, in der zahlreiche (Jugend-) Zeitschriften und Bücher vorhanden sind.

Termine mit Interviewpartnern werden telefonisch vom Schulsekretariat aus geführt. Hier müssen die Schüler zunächst ihre Scheu ablegen, am Telefon ihre Wünsche vorzutragen und nachdrücklich auf einen baldigen Termin bestehen.

Bevor es dann los geht müssen natürlich die Reportagegeräte kennen gelernt werden. Die Bedienung bereitet den Schülern allerdings kaum Probleme, da sie die entsprechenden Bedienungselemente (Aufnahme, Wiedergabe, Lautstärke etc.) von eigenen Geräten gut kennen. Es sind nur wenige Details, die den Schülern mit an die Hand gegeben werden müssen:



Probleme an den ersten Tagen sind weniger technischer, als inhaltlicher Art. Die Vorbereitung der Schüler auf ihre Interviews und Umfragen muss gut geplant werden, um spätere Enttäuschungen (etwa bei schlechten O-Tönen) zu ersparen. Dabei besteht die Arbeit der Coaches darin die inhaltlichen Probleme zu beseitigen bzw. die Schüler erst auf mögliche Probleme aufmerksam zu machen, die bei der Planung der Interviews und Umfragen auftreten können:



Besonders die Formulierung der Fragen und das 'klar werden' über die konkreten inhaltlichen Ziele des Interviews bereiten den Schülern Probleme. Sind die Fragen schlecht gestellt, wird die Fertigstellung des Beitrags wesentlich erschwert, weil die O-Töne eventuell schlecht sind. Erst wenn schlüssige 'Fragebögen' fertig sind, werden die Schüler auf die Jagd nach O-Tönen geschickt. Die Arbeit der Coaches ist hier sehr wichtig. Einige Schüler gehen zunächst mit der Einstellung ‚Mal sehen, was der Interviewpartner sagt - es wird am Ende schon was bei rauskommen' an die Arbeit. Hier greifen dann die Coaches ein und verdeutlichen ihnen, dass nicht der Interviewpartner für den Bericht verantwortlich ist, sondern sie selbst die Verantwortung tragen. Dies fördert sowohl die Verantwortlichkeit der Schüler für den Beitrag, als auch die Motivation.

Das Ziel ein gutes Endprodukt gestalten zu wollen rückt bei den meisten Schülern in den Mittelpunkt und die Schüler gehen mit sehr viel Eigenverantwortung mit ihrem Thema um.

Besonders auffällig ist dies in der Gruppe vier (Gefahren und Schutz beim Skaten) zu beobachten. Nach anfänglicher großer Euphorie für das Thema und vielen Ideen und möglichen Interviewpartnern, stellt sich die Umsetzung des Themas dann jedoch als nicht so einfach, wie zunächst angenommen heraus. Zwei Interviewpartner (Arzt, Verkäufer) wollen zwar Auskunft geben, aber nicht auf Band aufgezeichnet werden. So sinkt die Freude der Schüler ein wenig und sie konzentrieren sich auf die zahlreichen Möglichkeiten der digitalen Schnittplätze zur Veränderung von Stimmen und dem Herstellen des Musikteppichs für den späteren Beitrag. Die Gruppe verbringt viel Zeit damit ohne sich auf ihren eigentlichen Beitrag zu konzentrieren. Erst als ihnen deutlich gemacht wird, dass sie die Verantwortung für den Beitrag tragen und sich selber Alternativen überlegen müssen falls ein geplanter Interviewpartner ausfällt, wird die Konzentration wieder auf das Thema gelenkt.

Die Verantwortlichkeit der Schüler für ihren Beitrag fördert die Motivation enorm. Die Aussicht den eigenen fertigen Beitrag in einem DASDING-typischen 'Outfit' im laufenden Programm hören zu können, motiviert die Schüler dazu, das eigentliche Vorhaben zu ändern und nach Alternativen zu suchen. Anstatt der geplanten Interviews wird nur eine kleine Umfrage gemacht und die Informationen von der AOK per Fax besorgt. Das Endergebnis wird eine bunte Soundcollage mit eigenem Text, Umfrage-O-Ton und zahlreichen Geräuschen.



2. Tag

Der zweite Tag des Workshops beginnt mit dem Erstellen der Interviews und Umfragen. Nachdem diese von den Schülern fertiggestellt sind, werden die O-Töne angehört und in den Computer eingespielt. Dann wird in den einzelnen Gruppen besprochen, wie die Töne in den späteren Beitrag eingefügt werden sollten. Die Schüler nutzten das Schnittprogramm 'Cool Edit Pro' nach einer kurzen Einführung sehr selbstverständlich. Da sie an die wesentlichen Funktionen 'Ausschneiden', 'Kopieren', 'Einfügen' bereits durch die Arbeit mit Word gewöhnt sind, bereitet ihnen dies keinerlei Probleme. Die einzelnen O-Töne werden gekürzt, bestimmte Passagen weggelassen, wiederum andere Stellen an das Ende gesetzt usw. Dabei stehen nicht nur die technischen Details im Vordergrund der Arbeit, sondern auch die O-Töne selbst werden von den Schülern intensiv begutachtet. Sie bekommen schnell ein Gefühl dafür, welche Töne geeignet sind und welche eher der 'Entfernen Taste' zum Opfer fallen sollen. Es wird über den Inhalt der Aussagen diskutiert, ob sie in bestimmte Zusammenhänge passen, aber auch darüber, wie sie geschnitten werden sollen, ob eventuell der Nebensatz noch dazu passt oder nicht.

Auch bei dieser Arbeit halten sich die Coaches zurück und greifen nur bei Problemen ein.

Neben dem Einspielen der O-Töne in den PC experimentieren die Schüler mit Begeisterung an verschiedenen Musikteppichen für den fertigen Beitrag herum und probieren die zahlreichen Zusatzfunktionen des Schnittprogramms aus. Hilfen sind hierbei nicht nötig und durch die Möglichkeit der 'Rückgängig' - Funktion kann jeder Fehler problemlos wieder beseitigt werden.



3. Tag

Die Bearbeitung der Beiträge am PC wird am dritten Tag fortgesetzt. Die Schüler arbeiten sehr konzentriert und zielgerichtet an ihren Beiträgen, die bis zum frühen Nachmittag des Tages fertig sein müssen.

Die Herstellung der Beiträge mit Umfrageelementen stellt sich auch in dieser Phase als einfacher da, als die der gebauten Beiträge. Die einzelnen Umfragetöne müssen hintereinandergeschnitten und die Fragen dazu aufgenommen werden. Jedoch sind auch hier einige Dinge zu beachten, wie z.B. das Mischen der Aussagen nach verschiedenen Kriterien, wie alt/jung, männlich/weiblich, oder auch pro/contra. Eine gute Mischung der Töne ist wichtig, um eine Dramaturgie in ihren Verlauf zu bringen.

Größere Probleme zeigen sich wiederum in der Herstellung der 0Ton-Berichte. Um hier nicht einen Interviewcharakter aufkommen zu lassen (mit abwechselnden Fragen und Antworten), müssen die eigenen Texte treffend formuliert werden und jeweils einen logischen Anschluss an den O-Ton bieten.

Zudem müssen die Schüler mit der für sie neuen Textgattung ('Schreiben für Hören') erst zurecht kommen. Die Tipps, die von den Coaches gegeben werden, sind vor allem:



Die Schüler wollen häufig eine besonders 'gute' Sprache wählen, wodurch die Formulierungen viel zu kompliziert werden. Erst als sie sich im Gespräch untereinander die Zwischentexte in ihrer 'normalen' Sprache erzählen ('Was willst du denn eigentlich sagen?'), merken sie, dass diese Art der Formulierungen wesentlich besser zu verstehen ist.

Ein zweites Problem ist die begrenzte Zeit von 1'30 pro Beitrag. Die Überlegungen der Schüler für ihre Texte und O-Töne liegen meist deutlich über dieser Zeit. Sie müssen sich also entscheiden, welche Informationen sie in den Beitrag aufnehmen und welche sie unberücksichtigt lassen.

Die eigenen Texte werden ebenfalls auf Band gesprochen und in den Computer eingespielt. Das Aufnehmen der eigenen Sprache bereitet den Schülern nur am Anfang Probleme. Sie merken häufig selbst nach der Aufnahme, ob sich das Gesprochene 'künstlich' oder 'irgendwie geschwollen‘ anhört. Nach einiger Zeit hat jeder aber das richtige Gleichgewicht aus locker-jugendlicher und ernsthafter Sprache getroffen. Falls Probleme auftreten helfen die Coaches, indem sie Tipps z.B. zum richtigen Atmen geben oder den Text selber sprechen, um den Schülern einen Eindruck zu vermitteln, wie er sich anhören könnte.

Für das Fertig stellen der Beiträge liegen auf den Computern bereits die entsprechenden Opener und Closer ('Klasse Ding Reporter...‘) bereit. Damit bekommen die Beiträge ihr typisches 'DASDING-Outfit'. Dazu werden noch die Musikteppiche hergestellt, die unter den Beitrag gelegt werden. Die Musikauswahl stammt von den Schülern, die bereits während der gesamten Woche an den Teppichen gearbeitet haben. Danach wird von den Schülern ein eigener Jingle entworfen ('Skater ...‘ ), der zwischen den Opener und den Beginn des Beitrags gebaut wird.

Die Beiträge bekommen von den Coaches noch einen Feinschliff, bei dem einzelne Teile näher aneinander gefügt, die Lautstärken der Bausteine getrimmt und der inhaltliche Zusammenhang geprüft wird.

Zum Abschluss werden in einer Schlusskonferenz die Beiträge der vier Gruppen von der gesamten Klasse angehört und dann per ISDN nach Baden-Baden ins DING-Labor geschickt.



4. Tag

Der letzte Tag dient der Reflexion über den Workshop. Die Schüler erzählen, wie die letzten drei Tage aus ihrer Sicht gelaufen sind, was ihnen gefallen hat und was nicht. In Bad Dürckheim hat der Workshop allen Teilnehmern sehr gut gefallen. Einige sind so begeistert von der Idee des Radiomachens und wollen in nächster Zeit eine Radio AG an der Schule gründen. Kritische Stimmen gibt es keine, außer der Feststellung, dass drei Tage zu wenig sind.

Die morgendliche DASDING-Sendung wird auf Video angeschaut, um die Beiträge noch einmal im Gesamtprogramm zu erleben.

Die Beiträge werden darüberhinaus natürlich im Internet auf Abruf per Real-Audio bereitstehen und können so jederzeit von den Schülern wieder abgerufen und angehört werden.



3.5.2 Fazit

Das Ziel der KLASSE-DING-Workshops ist ähnlich zu formulieren, wie die Ziele anderer Radioarbeiten: Einen Beitrag leisten zur Stärkung der Medienkompetenz der Jugendlichen. Die Schüler sollen lernen, sich bewusst mit dem Medium Radio auseinander zu setzen. Durch ihren eigenen Umgang mit den technischen und inhaltlichen Methoden werden die Strukturen, die hinter dem Medium Radio stehen deutlich.

Diese grundlegenden Erfahrungen können auf drei unterschiedlichen Ebenen festgemacht werden.

Inhaltlichen Ebene: Die Schüler haben aktiv erfahren, welche Beitragsformen es gibt, wie für ein Thema recherchiert wird, wie ein Interview / eine Umfrage vorbereitet und durchgeführt wird, was man beim Schreiben von Texten für den Hörfunk beachten muss, wie ein Thema für den Hörfunk ausgewählt wird und wie sich dieses eingrenzen und in seiner Vielfältigkeit darstellen lässt. Das Beschäftigen mit den Beiträgen und das Schneiden am PC schult das genaue Hinhören: Die O-Töne wurden immer wieder angehört und auf ihre inhaltliche Aussagekraft hin bewertet.

Technische Ebene: Die Schüler haben sich intensiv mit den Produktionsmethoden beschäftigt. Es wurde ihnen deutlich, welche technischen Mittel für eine Radioproduktion nötig sind und wie damit gearbeitet wird.

Soziale und methodische Ebene: Durch die Workshops wurde auch das soziale Lernen der Schüler geschult. Sie mussten sich in der Gruppe auf ein Thema einigen, in Kleingruppen gemeinsam an einem Produkt arbeiten und dies bis zum Ende durchziehen, auch wenn Probleme auftreten.

Die Produktionsbedingungen unter denen gearbeitet wurde ähneln stärker als bei anderen Schulradio-Projekten - denen der professionellen Radioproduktion. Die Schüler hatten einen festen Termin, an dem der Beitrag fertig sein sollte und sie allein trugen die Verantwortung für das Gelingen ihrer Beiträge innerhalb dieses Zeitraumes.

Die Ergebnisse der DASDING-Workshops sind trotz der Zeit von nur drei Tagen an denen sie erstellt wurden, sowohl inhaltlich, als auch in der Machart auf einem hohen Niveau. Wenn man bedenkt, dass die meisten Schüler vor dem Workshop keine Erfahrung mit digitalem Schnitt hatten und noch keiner von ihnen jemals einen Radiobeitrag erstellt hatte, hat der Workshop viel erreicht.

Neben den oben genannten Ebenen, ist ein Ergebnis dieser drei Tage auch, dass sich viele Schüler mit Begeisterung und Spaß mit dem Medium Radio aktiv auseinander gesetzt haben. Eine häufig gehörte Forderung der Schüler am Ende des Workshops war: Wir wollen weiter Radio machen!

In dieser Forderung liegt auch ein weiteres Ziel der KLASSE-DING-Workshops seitens des SWR. Die Workshops sollen nicht nur einmal für drei Tage an den Schulen stattfinden und dann wieder 'vergessen' werden, sondern als Ideengeber für eine eigene Beschäftigung der Schüler mit dem Radio in der Schule dienen.

Das oberste Ziel der DING-Macher ist es dabei, dass die Schüler interessante Themen in Absprache mit dem DING auswählen und daraus selbstständig in den Schulen Beiträge in der DING-typischen Machart herstellen. Diese Beiträge sollen dann nach Baden-Baden überspielt und in das Programm eingebaut werden.

Für die Jugendwelle eröffnet diese Idee eine ganz neue Dimension. Das Programm ist dann noch näher an den Jugendlichen, da die Schüler über die Themen berichten können, die für sie wirklich von Bedeutung sind. Die Themen-Vielfalt wird deutlich breiter, da sich auch viel mehr 'Redakteure' mit eigenen Ideen und Vorlieben am Programm beteiligen können. Das Motto 'Radio von Jugendlichen für Jugendliche', wird erfüllt.

Die Bedingungen für ein solches Vorhaben sind gegeben: Die Technik - das hat der Workshop gezeigt - wird von den Schülern beherrscht. Bei der Auswahl der Schnittsoftware wurde darauf geachtet, dass mit 'Cool Edit Pro' ein Programm ausgewählt wurde, dessen Grundfunktionen leicht zu erlernen und auf andere Programme übertragbar sind.

Probleme sehe ich allerdings in der inhaltlichen Arbeit. Hier reichen drei Tage 'Crashkurs' sicherlich nicht aus, um die Schüler fit zu machen eigene Beiträge herzustellen, zumal DASDING die eigenen inhaltlichen Ansprüche sehr hoch ansetzt. Eine intensive Beschäftigung mit dem Radio in der Schule muss also an einen Workshop anknüpfen, um die inhaltlichen Beitragsformen zu vertiefen. Für die Organisation dieser Weiterführung sind mehrere Möglichkeiten denkbar, z.B. in Form von Radio AGs oder regelmäßigen Projekten.

Die Frage, ob die Idee aufgehen wird, die Jugendlichen auf diese Weise an DASDING zu binden, lässt sich jetzt noch nicht beantworten. Für die öffentlich-rechtlichen ist dies jedoch auch eine Möglichkeit die zukünftige Hörerschaft für sich zu gewinnen.



4. Schlussbernerkung

Wie die Beispiele gezeigt haben, ist Radioarbeit in der Schule auf viele Arten möglich.

Der technische und finanzielle Aufwand ist gering. Es lassen sich schon mit bescheidenen technischen Hilfsmitteln gute Ergebnisse erzielen. Durch den Einsatz von PCs zur Herstellung der Beiträge und Sendungen wird die Arbeit wesentlich erleichtert.

Die Durchführung kann im Klassenverband oder auch in Form von AG's und Projektgruppen erfolgen. Wichtig ist jedoch darauf zu achten, nicht zu viele Schüler gleichzeitig an einem Projekt zu beteiligen. Dies ist vor allem notwendig, wenn es um die Arbeit am PC geht. Hier sollten maximal drei Schüler einen Arbeitsplatz besetzen. Die Schüler können sich so intensiver mit der Arbeit auseinander setzen, als in größeren Gruppen.

Nahezu alle Themen lassen sich bearbeiten. Es bieten sich dabei Lehrplanthemen an, wie das Beispiel Internet-Radio zeigt. Aber auch Themen aus dem Interessensbereich der Schüler können umgesetzt werden. Für was man sich entscheidet, hängt natürlich maßgeblich von der möglichen Veröffentlichungsform ab. Soll der fertige Beitrag beispielsweise im nichtkommerziellen Hörfunk gesendet werden, müssen andere Themen behandelt werden, als für einen Beitrag, der im Programm von DASDING gesendet wird.

Für die nichtkommerziellen Sender bietet die Mitarbeit von Jugendlichen auch die Chance ein jüngeres Programm zu gestalten, als dies bisher der Fall ist. Kürzere und vor allem peppigere Beiträge können so zu einer Bereicherung im Jugendprogramm der Sender führen.

Wie die Beispiele gezeigt haben, lassen sich fast alle Sendeformen durch Radioarbeit exemplarisch bearbeiten. Dabei bieten sich für die Lehrperson gute Möglichkeiten der Differenzierung innerhalb der Klasse an. Besonders deutlich wurde dies am Workshop 'DASDING auf Tour'.

Radioarbeit in der Schule bietet darüber hinaus gute Möglichkeiten der Verbindung mit anderen Medien (z.B. Computer). Dabei werden u.a. durch die digitale Schnittechnik am PC und dem Umgang mit dem Internet Erfahrungen mit anderen Medien gemacht, die über das konkrete Radioprojekt hinaus von Bedeutung für die Schüler sind. Es können neueste technologische Fortschritte (wie etwa das Internet-Radio) für die Schüler erfahrbar gemacht und Hemmungen gegenüber den neuen Medien abgebaut werden.

Hinsichtlich seiner Distributionsmöglichkeiten hat das 'Schulradio' in den letzten Jahren große Veränderungen erfahren. Während es in den 80er Jahren kaum möglich war, die fertigen Ergebnisse der Schüler einer breiteren Öffentlichkeit transparent zu machen, gibt es diese Chancen heute. Durch die Zulassung nichtkommerzieller Sender, Internet-Radio und das Bestreben einiger öffentlich-rechtlicher Sender ihre jugendliche Hörerschaft an der Herstellung des Programms zu beteiligen, besteht für das 'Radio in der Schule' die Chance zu einem 'Radio aus der Schule' zu werden. Für die beteiligten Hörfunksender bietet dies den Vorteil eines wirklichen Jugendprogramms von Jugendlichen für die Jugendlichen. Die Schule könnte zur Stärkung der Medienkompetenz der Schüler beitragen und darüber hinaus Schlüsselqualifikationen vermitteln, die im Erziehungsbereich der Schule liegen, wie Selbstständigkeit, Eigeninitiative, Durchhaltevermögen, Argumentations- und Teamfähigkeit.

Die Schüler werden durch die Radioarbeit zu einem aktiven Umgang mit dem Medium befähigt und können eigene Ideen in Jugendwellen oder nichtkommerziellen Programmen umsetzen. Sie können dort ihr eigenes Programm gestalten, eigenverantwortlich handeln und als selbstständig Handelnde in der Medienwelt auftreten. Die Radioarbeit in der Schule kann hierfür als Starthilfe dienen.



5. Literatur

Arnold, Rudolf: Modellprojekt Internet-Radio, Projektbeschreibung, Ulm 1999

Baacke, Dieter; Sander, Uwe; Vollbrecht, Ralf: Lebensgeschichten sind Mediengeschichten, Opladen 1990

Baacke, Dieter: Medienpädagogik, Tübingen 1997

Berg, Klaus; Kiefer, Marie-Luise: Jugend und Medien, Frankfurt 1986

Dietze, Lena; Bernius, Volker: Audio-Visuell 12, Radio Praxis, Frankfurt 1998

Eckhardt, Josef: Die Reform der WDR-Hörfunkprogramme 19951 in: Media Perspektiven 2/1995

Heidtmann, Horst: Kindemedien; Stuttgart 1992

Häusermann, Jürg: Radio; Tübingen 1998

Klingler, Walter: Was Kinder hören; in: Media Perspektiven 1/1994

Klingler, Walter; Groebel, Jo-. Kinder und Medien 1990-, BadenBaden 1994

Lukesch, Helmut: Jugendmedienstudie; Regensburg 1990

Lukesch, Helmut; Medien und ihre Wirkungen; Donauwörth 1996

Löhr, Paul; Schmidbauer, Michael; Kinder- und Jugendsendungen in Fernsehen und Hörfunk, München (ohne Jahr)

Medienpädagogischer Forschungsverband Südwest: JIM 98; Baden-Baden 1998

Medien praktisch - Zeitschrift für Medienpädagogik- Heft 1/98: Medienpädagogik des Hörens;

Palme, Hans-Jürgen; Schell, Fred: Voll auf die Ohren, München 1992

Palme, Hans-Jürgen- Schell, Fred (Hrsg.): Voll auf die Ohren 2, München 1998

Pöttinger, Ida: Lernziel Medienkompetenz; München 1997

Schill, Wolfgang; Baacke, Dieter: Kinder und Radio; Frankfurt 1996

Stadler, Reto-. Medienfunktionen bei Kindern und Jugendlichen im ländlichen Raum, in-. Rundfunk und Fernsehen 4/1990

Stipp-Hagmann (1): Fernseh- und Radiowelt im Unterricht; Villingen-Schwenningen 1996

Stipp-Hagmann (2): Fernseh- und Radiowelt für Kinder und Jugendliche; Villingen-Schwenningen 1996

Six, Ulrike u.a.: Hörmedien; Landau 1995

Six, Ulrike; Roters, Gunnar: Hingehört; Gütersloh 1997

Schönbach, Klaus: Ergebnisse der Medien-Wirkungsforschung, in: Stipp-Hagmann, 1996

Schönbach, Klaus: Auswahl und Funktion von U-Musik im Hörfunk; in: Junge Leute machen Radio - Tagungspapier des SDR, Heidelberg 1991

van Eimeren, Birgit; Klingler, Walter: Elektronische Medien im Tagesablauf von Jugendlichen; Media Perspektiven 57/1995, S. 210-219

ZDF/ARD Marketing: Was Sie über Rundfunk wissen sollten; Berlin (ohne Jahr)



Verwendete Internetseiten:

www.ffn.de

www.n-joy.de

www.eins-live.de

www.ard.de

www.dasding.de

www.uni-ulm.de/schulen/bs/vbs/radio



6. Anlage

6.1 Skript zum Beitrag "Sojabohne genmanipuliert‘

Kennen Sie dieses Geräusch ? Richtig ! Hier genießt jemand Schokolade. Ein Genuß ohne Reue? Wußten Sie eigentlich, daß Schokolade Lecithin enthält und daß dieses Lecithin teilweise aus genmanipulierten Sojabohnen hergestellt wurde?

Bei den gentechnisch veränderten Sojabohnen handelt es sich um Importe aus den USA, die gegen ein bestimmtes Unkrautvernichtungsmittel resistent gemacht wurden.

In der Öffentlichkeit hat das Thema Gentech-Soja wiederholt für einigen Wirbel gesorgt. Denn Soja kommt in der Nahrungsmittelindustrie als Lieferant von hochwertigem Eiweiß bei der Herstellung von rund 30.000 Produkten zum Einsatz.

Wir wollten wissen, wie die Verbraucher die Tatsache beurteilen, dass Schokolade, Babynahrung und viele andere Lebensmittel Bestandteile aus genmanipulierten Sojabohnen enthalten können.

Einspielung: Interviews mit Verbraucher/-innen

Das Meinungsforschungsinstitut EMNID hat ermittelt, dass fast 50% der Befragten sojahaltige Lebensmittel soweit wie möglich meiden wollen und ca. 30 % sogar bereit sind, ganz darauf zu verzichten.

Ob diese Ängste berechtigt sind, darüber haben wir uns mit Professor Dr. KlausDieter Jany von der Bundesanstalt für Ernährung in Karlsruhe unterhalten.

Einspielung: Professor Jany - Bundesanstalt für Ernährung Karlsruhe

Ganz anderer Ansicht ist da die Umweltorgansiation Greenpeace. Bereits im November 96 haben Aktivisten in Hamburg einem Schiff mit 60.000 Tonnen Sojabohnen aus den USA einen unfreundlichen Empfang bereitet.

Diplombiologin Kirsten Jakob vom Ulmer Greenpeacebüro erläutert die Hintergründe dieser Aktion:

Einspielung: Kirsten Jakob - Greenpeace Ulm

Sind die Vorbehalte gegen genmanipulierte Sojabohnen nun berechtigt oder nicht? Die Schweizer haben jedenfalls ganz klar Stellung bezogen, indem sie im März 97 500 Tonnen Schokolade des Herstellers Kraft-Jacobs-Suchard aus dem Handel zurückgerufen haben, weil das Lecithin eines deutschen Herstellers, das Bestandteile aus Gentech-Soja enthielt, falsch deklariert war. Anders als in der Europäischen Union ist Gentech-Soja in der Schweiz verboten.

Hier drängt sich natürlich die Frage auf, wer in der Europäischen Union und speziell hier in Deutschland das Sagen hat.

Die gentechnisch veränderte Sojabohne muß zwar nach dem deutschen Gentechnik-Gesetz genehmigt werden, eine Kennzeichnungspflicht für die daraus hergestellte Schokolade besteht jedoch nicht.

Obwohl die Industrie eine Kennzeichnungspflicht für unnötig und undurchführbar hält, sprechen sich Politiker wie Bundesforschungsminister Klaus Rüttgers unter dem wachsenden Druck der Verbraucher ganz klar für eine Kennzeichnung aus.

Einspielung: Statement Bundesforschungsminister Rüttgers

Und noch etwas hat der Druck der Verbraucher erreicht: Die "Union Deutsche Lebensmittel", die über 1/3 des in Deutschland produzierten Sojaöls weiterverarbeitet, drängt die Sojawirtschaft zur Trennung zwischen herkömmlichen und modifizierten Sojabohnen, um auch künftig gentechnikfreie Ware garantieren zu können. - Auch gentechnikfreie Schokolade!



6.2 Skript zum Beitrag "Joghurt selbst gemacht"

Dreiviertel der deutschen Bevölkerung verzehren mindestens einmal pro Woche einen Naturjoghurt oder einen Früchtejoghurt. Und die Verkaufszahlen steigen gewaltig. Dennoch neigen immer mehr Menschen dazu, ihren Joghurt selbst herzustellen. Wir haben nachgefragt, was diese Leute dazu bewegt, ihren Joghurt selbst zu produzieren.

Einspielung: Interviews mit Passanten

Es ist aber nicht nur die Gewißheit, einen Joghurt zu bekommen, der frei von Konservierungsstoffen und Reinigungsmittelrückständen ist. Auch die Schonung der Umwelt bewegt die Leute dazu, ihren Joghurt selbst herzustellen.

Einspielung: Interviews mit Passanten

Das heißt, daß auch die sogenannte Ökobilanz für viele eine Rolle spielt. Ökobilanz, das bedeutet, daß nachgerechnet wird, wieviel Energie und Rohstoffe verbraucht werden, welche Transportwege anfallen, wieviel Abfall entsteht. So hat z.B. Stephanie Böge am Wuppertal-Institut für Klima, Umwelt und Energie ausgerechnet, daß für einen Becher Erdbeerjoghurt 8000 km Lastwagen gefahren werden.

Aber wie wird Joghurt eigentlich hergestellt ? Auf dem Ulmer Wochenmarkt hat uns ein Fachmann Auskunft gegeben.

Einspielung: Molkereifachmann auf dem Ulmer Wochenmarkt

Also wie war das ? Eine Konstante Temperatur von 42 Grad ? Konstante Temperatur - hört sich kompliziert an. Da geht es doch mit den sogenannten Joghurtmaschinen ein bißchen einfacher.

Einspielung: Verkäuferin

Aber egal, ob mit oder ohne Maschine, die Vorteile von selbstgemachtem Joghurt liegen klar auf der Hand: Keine Chemie, keine Genmanipulation, keine LKW-Abgase, kein unnötiger Abfall. Also Natur pur.



6.3 Skript zum Beitrag "Historisches zur Sonnenfinsternis"

"Die Sonne verfinsterte sich, die Erde bebte, die Toten standen aus den Gräbern auf, und der Vorhang des Tempels zerriss von oben bis unten."

Die Sonne galt schon immer als etwas besonderes. Sie wurde in alten Kulturen oft als Gottheit verehrt, die über das Leben auf der Erde herrschte. Gerade deshalb war eine Sonnenfinsternis, die wir heute als besonderes Ereignis kennen, früher eine Katastrophe. Keiner wusste, ob der Stern des Lebens je wieder scheinen würde. Deshalb fanden bei einer Sonnenfinsternis oft Opferfeste statt, um die Gunst des sich abwendenden Gottes wiederzuerlangen.

Die älteste, völlig zweifelsfrei gesicherte Beschreibung eines solchen Naturschauspiels ist die vom 5. März 1223 v. Chr., die man auf Tontafeln in Syrien gefunden hat.

Die Azteken glaubten, dass die Götter bei der Erschaffung der Welt ihr Herz und ihr Blut der Sonne gegeben hätten; deshalb dachten die Azteken, ein vergleichbares Opfer bringen zu müssen, damit die Welt im Gleichgewicht bliebe.

Im Jahre der Geburt Mohammeds, und an dem Tag als sein Sohn starb gab es jeweils eine ringförmige Sonnenfinsternis zu sehen. Als man Mohammeds Gebeine 39 Jahre nach seinem Tod von Medina nach Damaskus überführen wollte, verdunkelte sich der Himmel, wieder eine Sonnenfinsternis. Diese sah man als Zeichen des Himmels an und gab die Überführung der Gebeine auf.

Auch in unserem schönen Ulm gab es Sonnenfinsternisse zu beobachten. Allerdings ist die letzte schon fast 300 Jahre her. Dr. Weig von Stadtarchiv Ulm, war so freundlich uns einige Zeilen aus einer Chronik, über die letzte totale Sonnenfinsternis am 12. Mai 1706 in Ulm vorzulesen.



6.4 Hörbeispiele

Modernes Jugendradio - Beispiel DASDING (SWR) Alle Beiträge erschienen in der Woche vom 2. Bis 8.8 1999



1. DASDING - Dingschau 2:46

2. DASDING – Bildungslücke 1:41

3. DASDING - kurz und bündig 2:13

4. DASDING - Weltuntergang 1 1:40

5. DASDING - Weltuntergang 2 1:56

6. DASDING - Weltuntergang 3 2:43

7. DASDING - Weltuntergang 4 1:20

8. DASDING - Weltuntergang 5 1:38



KlaRa - Das Klassenradio des Gymnasiums Karlsbad

9. KlaRa - über sich 1:55

10. KlaRa - Interview 4:49

11. KlaRa - Horoskop 3:09



'Radio Aktiv' - Pausenradio der Helene-Lange-Schule Wiesbaden72

12. Radio Aktiv - Beamtenbeleidigung 3:26

13. Radio Aktiv – Handy 1:29



Internet Radio der Valekenburg Schule Ulm

14. Valckenburg Schule - Jogurt selbst gemacht 3:30

15. Valckenburg Schule - Sonnenfinsternis 1999 4:16

16. Valckenburg Schule - Sojabohne genmanipuliert 7:70



DASDING auf Tour - Die 'KlasseDing-Reporter' aus Bad Dürckheim

17. KlasseDingReporter 1 1:44

18. KlasseDingReporter 2 1:29

19. KlasseDingReporter 3 2:05

20. KlasseDingReporter 4 1:25



Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Rechteinhabers unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Speicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.

1 Dietze/Bernius; 1998

2 Heidtmann, 1992

3 Häusermann 1998, S. 19

4 Häusermann 1998, S, 19

5 Stipp-Hagmann (1) 1996, S. 198

6 Six u.a., 1995

7 Six u.a., 1995, S. 16ff

8 Löhr/Schmidbauer; S. 25

9 Eckhardt 1995, S. 540

10 Presseinformation zu DASDING, Baden-Baden1998

11 Klingler, in: Schill/Baacke, 1996, S. 19ff

12 Klingler 1994, S. 14-20

13 Klingler, in: Schill/Baacke 1996

14 Medienpädagogischer Forschungsverband Südwest; JIM 98, Baden-Baden 1998

15 van Eimeren/Klingler 1995

16 van Eimeren/Klingler 1995

17 van Eimeren/Klingler 1995

18 Six u.a. 1995

19 Six/Roters 1997

20 Six u.a. 1995, S.41

21 Stadler 1990

22 Schorb in: Palme/Schell 1998, S.21

23 Six u. a, 1995, S. 35

24 Six/Roters 1997

25 Berg/Kiefer 1986, S. 163

26 Six/Roters 1997

27 Steinbom in: Six u.a. 1995, S. 46

28 Ecke, in: Six u.a. 1995, S. 46

29 Hättenschwiler in: Six, u.a. 1995, S. 46

30 van Eimeren/Klingler 1995, S. 210-219

31 Medienpädagogischer Forschungsverband Südwest JIM 98 1998

32 Six/Roters 1997

33 Schönbach 1991

34 Schönbach 1991, S. 44

35 Berg/Kiefer 1986

36 Berg/Kiefer 1986

37 Berg/Kiefer 1986, S. 160ff

38 Six u.a. 1995, S. 50

39 Six u.a. 1995

40 Six u.a. 1995, S. 50

41 Six u. a. 1995

42 Pöttinger 1997

43 Pöttinger 1997, S. 35

44 Lukesch 1990

45 Pöttinger 1997

46 Lukesch 1996

47 Pöttinger 1997, S. 37

48 Lukesch, ohne Jahr

49 Lukesch 1996

50 Six u.a.; 1995

51 Six u.a. 1995, S. 67

52 Aufgrund der geringen Zahl der Befragten und der "Künstlichkeit" der Befragung (Vorspielen der Beiträge über das Telefon), bezeichnen Six/Roters diesen Teil der Studie als nicht-repräsentativ.

53 Six/Roters, 1997

54 Six u. a. 1995, S. 66

55 Six u.a.; 1995, S. 62

56 Six u. a.; 1995, S. 63

57 Klingler/Groebel; 1994

58 Klingler/Groebel; 1994

59 Klingler/Groebel; 1994, S. 227

60 Weiß & Nebel, in: Six/Roters; 1995, S. 71

61 Weiß & Nebel, in: Six/Roters; 1995, S. 71

62 Six u.a.; 1995

63 Six u.a.; 1995

64 Six u.a.; 1995, S. 76

65 Six u.a.; 1995; S. 77

66 Schill in: Medien praktisch 1/98

67 Baacke 1997

68 Seibold in: Palme/Schell 1998

69 Seibold, in: Palme/Schell 1992, S. 47

70 Seibold, in: Palme/Schell 1992

71 nach: Dietze/Bernius, 1998, S. 15ff

72 Die Hörbeispiele stammen aus dem Buch 'Audio Visuell 12 - Radiopraxis Erfahrungsberichte aus Hessen' von Lena Dietze und Volker Bernius

1