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Autor: Donath, Reinhard.

Titel: Electronic-Mail im Fremdsprachenunterricht: Da geht die Post ab.

Quelle: Reinhard Donath/Ingrid Volkmer (Hrsg.): Das Transatlantische Klassenzimmer: Tipps und Ideen für Online-Projekte in der Schule. Hamburg 2000. S. 124-136.

Verlag: edition Körber-Stiftung.

Die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Verlags.



Reinhard Donath

Electronic-Mail im Fremdsprachenunterricht: Da geht die Post ab

Endlich ist vielen Schulen die Zufahrt zur Datenautobahn durch die »Schulen ans Netz«-Initiative der Telekom und des Wissenschaftsministeriums möglich - und damit auch Aktivitäten via Internet, die zum Beispiel den Englischunterricht bereichern können. Hier sollen vor allem Electronic-Mail (E-Mail)-Projekte empfohlen werden. Die gibt es schon seit etlichen Jahren an vielen Schulen in der Bundesrepublik, weil sie zum Teil über Schulnetze auch ohne direkten Zugang zum Internet möglich sind. Spannenden Unterricht ermöglicht das neue Medium allemal!

Kommunikationsfähigkeit zu vermitteln ist das Hauptanliegen von Sprachunterricht - schließlich gilt es, sich in der Fremdsprache angemessen auszudrücken. Da wundert es nicht, dass die kommunikative Kompetenz auch das wichtigste didaktische Prinzip des heutigen Englischunterrichts ist. Und doch sind die Didaktiker mit der Realität dieses Unterrichts nicht ganz zufrieden: »There are no English children's books in the classroom, no pictures relating to the lessons in the textbook, no magazines, no dictionaries, no games, no flash cards.« (Legutke, 1996). Richtig, wir unterrichten in Deutschland zumeist in Klassenräumen, die mehr oder weniger wohnlich hergerichtet sind, allerdings nur in den seltensten Fällen die Illusion einer englischsprachigen Umgebung durch eine entsprechende Raumgestaltung erzeugen. Da schauen wir manchmal neidvoll auf amerikanische oder englische Fremdsprachenkollegen, deren homerooms auf den ersten Blick als fremdsprachige Unterrichtsräume zu identifizieren sind: Bilder, Fotos, Bücher, Zeitschriften, Medienregale spiegeln wider, dass in dem entsprechenden Raum Spanisch, Französisch oder Deutsch unterrichtet wird.

Dennoch sind wir zumindest sprachlich in der Lage, aus der innenarchitektonischen Not eine Tugend zu machen, wenn wir schwungvoll die Tür öffnen und die Klasse mit einem einstimmenden »Good morning, boys and girls!«, begrüßen. »Yes please, this is an English lesson, please take out your homework and let's start working!«

Everything English is provided by a textbook

An Vorschlägen, Beispielen und Konzepten für hoch motivierende Englischstunden, in denen kommunikative Kompetenz mit oder ohne Lehrbuch spielerisch vermittelt oder besser: praktiziert wird. mangelt es nicht. Unabhängig davon, ob in Deutschland Englisch, Französisch oder Spanisch unterrichtet wird, sind die Anforderungen an einen zeitgemäßen Fremdsprachenunterricht weitgehend identisch: Er soll sowohl kommunikativ als auch handlungsorientiert und möglichst projektbezogen sein. Der Versuch einer Quadratur des Kreises allerdings gelingt nur unzulänglich - besonders deshalb, weil alle fremdsprachlichen Bemühungen im Simulationsraum Klassenzimmer stattfinden. Simuliert wird die Notwendigkeit, in der Fremdsprache zu kommunizieren, obwohl im Normalfall sowohl Schülerinnen und Schüler als auch ihre Lehrkräfte eine gemeinsame Muttersprache sprechen. Dennoch wird versucht, alle mündlichen und schriftlichen Kommunikationsakte in der Fremdsprache zu realisieren, wobei leider auch die meisten anderen Aktivitäten im Rahmen von Hausaufgaben oder Projekten simuliert sind und immer nur in einer nicht englischsprachigen Umgebung stattfinden.

Simulation ist per se nichts Schlechtes, vor allem nicht im fremdsprachlichen Unterricht, in dem es zwangsläufig nur selten authentische Kommunikationsmöglichkeiten gibt. Dass allerdings Schüler dabei zumeist (passive) Objekte des Lernprozesses sind, stört nicht nur Fremdsprachenlehrerinnen und -lehrer und die rezipierenden Schülerinnen und Schüler, sondern widerspricht auch dem Konzept des kommunikativen Sprachunterrichts, der eine wesentlich stimulierendere Lernsituation intendiert:

»Communicative Language Teaching (...) has advanced a view of learning which grants the learners a considerably expanded scope of action in an expanded and restructured classroom. It implies a learner who is no longer seen as a passive recipient of language form, but rather as an active and creative language user involved with fellow learners and the teacher in jointly negotiating content and process of classroom action while working through challenging tasks using a whole range of authentic sources, etc.« (Legutke, 1996)

Hier kommen wir zu den Sozialformen des Unterrichts, die einen kommunikativen Englischunterricht befördern können: Gruppenarbeit, Projektarbeit, fächerübergreifende Projekte, aber auch die Konzepte des Offenen Unterrichts sind adäquate Formen für sprachliches Lernen - damit »classroorn action« und »challenging« möglich werden. Und die »authentic sources«? Da ergänzen wir das Lehrbuch durch Materialien wie Videos, Prospekte, Bücher, Zeitschriften und vieles andere mehr. Auf dem langen Weg zum »redesigning the language classroom« (Legutke) befinden wir uns also bereits, das Ziel haben wir auch definiert: den mit kommunikativer Kompetenz ausgestatteten Schüler. Vielleicht sollten wir nun einen Blick werfen auf weitere Möglichkeiten, die uns zur Verfügung stehen.

Computer als Kommunikationsmedium

The perfect school is what students dream about. If you are going to a new school, you think that it is going to be perfect. Unfortunately there is no such thing as a perfect school. Anyway, the perfect scbool means several things to me. I think the foundation is the relationship with the teachers that will make learning easy. The perfect school behelps the students academicall . This program will provide an environment that will allow the students to reach their desired goals. The teachers would volunteer after school, for students who need extra help. Then the students will learn and progress in academic fields. To accomplish this, the school will provide advanced technology with computers attached to the desks. Then students will learn how to work independently.

Diese Aussagen sind nicht mein didaktisches Plädoyer für die Integration von Computern als Kommunikationsmedium in den Englischunterricht, sondern Teil einer Beschreibung der »Perfect School« der vierzehnjährigen Katherine Hobal von der Public School 95 in der Bronx. Adressiert war die Beschreibung an ihre Partnergruppe, Achtklässler des Gymnasiums Ulricianum in Aurich, im Rahmen eines E-Mail-Projektes im Frühjahr 1994, als das Thema »New York« im Lehrbuch behandelt und dann um einen aktuellen E-Mail-Austausch mit Gleichaltrigen in New York ergänzt wurde.

Mit der zunehmenden weltweiten Vernetzung von Rechnersystemen Ende der 80er Jahre wurde die Kommunikationsmöglichkeit per Computer für den Englischunterricht interessant: Die elektronische Kommunikation mit Partnerklassen zum Beispiel in englischsprachigen Ländern bietet eine Bereicherung des traditionellen Sprachunterrichts. Denn E-Mail-Projekte ermöglichen die Anwendung der Sprachkenntnisse in einer realistischen Kommunikationssituation, wenn auch noch hauptsächlich schriftlich. Die mündliche Kommunikation kommt dennoch nicht zu kurz, schließlich besteht ein großer Koordinations- und Informationsbedarf innerhalb der Lerngruppe. Außerdem steht mit der Software »Cuseeme« eine preiswerte Möglichkeit zur Verfügung, per Internet eine Live-Konferenz durchzuführen - obwohl die Technologie dafür nicht ganz ausgereift ist.

Untersuchungen von E-Mail-Projekten (Rautenhaus, 1993, Eck u.a., 1995) machen deutlich, welche Qualitäten das Fremdsprachenlernen in einem solchen Rahmen hat:

Die vielfältigen Erfahrungen aus den letzten Jahren zeigen, dass die hohen Ansprüche des kommunikativen Englischunterrichts durch Electronic-Mail-Projekte realisiert werden können - gerade weil eine authentische Kommunikation nur mit veränderten Sozialformen und Methoden möglich ist. Zu einem von Michael Legutke postulierten »redesigning of the language classroom« in Zeiten der Informations- und Kommunikationsgesellschaft kommt es nur durch eine entsprechende Öffnung des Klassenzimmers, und dabei können Computer eine sehr wesentliche Rolle spielen. E-Mail-Projekte gemeinsam mit einer elektronischen Partnerklasse sind der erste Schritt in eine andere Unterrichtswirklichkeit, die nicht nur den Klassenraum zur Welt hin öffnet, sondern auch die Methodik des Fremdsprachenlernens stark verändern kann. Eine Erweiterung des reinen E-Mail-Austausches durch die Nutzung des World Wide Web führt zu umfassenden Online-Projekten und damit zum nächsten konsequenten Schritt des Fremdsprachenlernens in der Informationsgesellschaft.

Electronic-Mail-Projekte: Prämissen und Ziele

In den Fremdsprachenunterricht integrierte Electronic-Mail-Projekte mit einem thematischen Schwerpunkt - ergänzen das Lehrbuch und die darin vermittelten Informationen - ermöglichen eine Kommunikation mit realen Kommunikationspartnern - erfordern eine sinnvolle Anwendung der Sprachkenntnisse - erweitern die Sprachkompetenz - motivieren Schüler zum vertiefenden Sprachenlernen.

Technisch und finanziell sind E-Mail-Projekte durch das Internet mittlerweile recht einfach und preiswert durchzuführen. Dabei werden viele fachdidaktische Schwerpunkte realisiert: Gefordert ist projektorientiertes Arbeiten in Gruppen, gegeben sind konkrete Handlungsanlässe, benötigt werden autonome Lernprozesse seitens der Schülerinnen und Schüler. Außerdem wird die konkrete Zusammenarbeit über die engen Grenzen des Faches hinaus ermöglicht - schließlich behandeln E-Mail-Projekte in der Fremdsprache Themen, die mit vielen anderen Fächern zu tun haben.

Partnersuche

Doch zunächst der erste Schritt: Wie komme ich eigentlich an eine Partnerschule für ein E-Mail-Projekt? Am ergiebigsten für internationale Kontakte ist nach meiner Erfahrung die St. Olaf-Liste, zumal hier zielgerichtet Partner gefunden werden - anders als in den teilweise recht chaotischen und weniger verbindlichen Newsgroups bzw. Bulletin Boards des Internets.

Partnerschulen werden auch im Rahmen der »Internet-Klassenpartnerschaften« der Goethe-Institute durch den Verfasser vermittelt. Basierend auf ersten Erfahrungen aus einem Pilotprojekt des Goethe-Instituts San Francisco im Jahre 1993 nehmen mittlerweile Hunderte von Schulen aus den USA, aber zum Beispiel auch aus Australien, England, Schweden, Belgien und anderen Ländern an E-Mail-Projekten im Rahmen des Deutschunterrichtes teil. Diese Projekte sind für die deutsche Seite ebenfalls interessant: Schließlich ist nicht nur der Deutschunterricht gefragt, sondern auch die Fremdsprachen oder fächerübergreifende Unterrichtskonzepte. Oft werden in diesen Projekten zwei (Fremd-)Sprachen zur Kommunikation benutzt, so dass vielfältige Einsatzmöglichkeiten, natürlich nach vorheriger Absprache mit dem Partnerlehrer, bestehen.

Erster Ansprechpartner sollte allerdings immer die Schule sein, mit der ein Schüleraustausch besteht. Schließlich ist ein E-Mail-Projekt mit anschließender persönlicher Begegnung im Rahmen eines Schüleraustausches die intensivste Form der interkulturellen Begegnung!

Partnerklassen durch die St. Olaf-Liste finden

Hinter der St. Olaf-Liste verbirgt sich das St. Olaf-College in Minnesota. Um regelmäßig an Partnergesuche und Projektvorschläge zu kommen, genügt eine E-Mail an:

<iecc-request@stolaf.edu> (für den Primar- und Sekundarbereich) bzw.

<iecc-he-request@stolaf.edu> (für den Bereich der higher education ab Jahrgang 11).

In der »Betreff«-Zeile muss das Stichwort Subscribe stehen. Zum Abbestellen der Liste genügt ebenfalls eine E-Mail an die entsprechende Adresse, nun allerdings mit dem Stichwort Unsubscribe. Wer als Nutzer der Liste eingeschrieben ist, kann auch selbst Partnergesuche an diese Liste schicken, die meist stichwortartig nach einem standardisierten Prinzip formuliert sind. Das ist sehr schnell erkennbar, wenn man die ersten Meldungen von den Intercultural E-Mail-Classroom-Connections (iecc) empfangen hat. Die Nutzung der St. Olaf-Liste ist kostenlos. Falls ein direkter Zugang zum Internet besteht, können weitere Informationen im WWW bezogen werden: http://www.iecc.org/

Internet-Klassenpartnerschaften der Goethe-Institute

Anmeldungen zur Teilnahme an den Projekten der Goethe-Institute von deutscher Seite bitte an den Verfasser: reinhard.donath@emsnet.de

Eine Anmeldung ist, sofern ein direkter Zugang zum Internet zur Verfügung steht, auch über die WWW-Seiten zum Thema »Internet-Klassenpartnerschaften« des Goethe-Instituts möglich (http://www.goethe.de/z/ekp/deindex.htm). Unter dieser Adresse finden sich auch weitere Hinweise zur Realisierung von Online-Projekten mit Partnerklassen sowie verschiedene durchstrukturierte Projektbeispiele. Anfragen nach Partnerschulen in Deutschland, die über den Goethe-Server bei mir eintreffen, leite ich weiter an die »E-Mail-Online-Liste«, die zurzeit von ca. 120 Lehrerinnen und Lehrern in Deutschland abonniert wird. Um ständig die Anfragen nach Partnern in Deutschland zu erhalten, genügt eine E-Mail an mich, oder an

<E-Mail-online-request@informatik.uni-oldenburg.de> mit dem Stichwort Subscribe.

Vorbereitung eines E-Mail-Projektes

Die Erfahrungen aus den Projekten der Goethe-Institute haben ergeben, dass vor der gemeinsamen Arbeit einige Wochen der Koordination mit der Partnerlehrkraft unbedingt notwendig sind, um ein für alle Beteiligten bereicherndes Projekt zu realisieren:

Nach einer solchen Koordinationsphase könnte die Arbeit an einem fünfwöchigen Projekt zum Beispiel folgendermaßen aussehen:

1. Woche: persönliche Vorstellung der Schülerinnen und Schüler

2. Woche: erster Informationsaustausch zum Thema

3. Woche: Nachfragen, Austausch recherchierter Informationen

4. Woche: weitere Informationen, Diskussion der Erkenntnisse

5. Woche: Erstellung eines Readers, gemeinsame Auswertung

Konkrete Projektvorschläge sowie Praxistipps und Vorschläge zu Klassenarbeiten habe ich an anderer Stelle ausführlich beschrieben (vgl. Donath, 1996b), einer sei jedoch hier beispielhaft dargestellt:

Projektbeispiel: Meine Traumschule

1. WOCHE: PERSÖNLICHE VORSTELLUNG UND LITERARISCHE ANNÄHERUNG AN DAS THEMA

2. WOCHE: MEINE TRAUMSCHULE

3. WOCHE: SCHULREALITÄT

4. WOCHE: VERÄNDERUNGEN

5. WOCHE: ZUSAMMENFASSUNG

Dieses Projekt wird - unabhängig von seiner Dauer - die beiden beteiligten (Fremdsprachen-)Klassen mit einer Unmenge authentischen Materials versorgen, aber auch sehr viele hoch motivierende Schreibanlässe bieten. Schließlich haben Schülerinnen und Schüler gerade zum Thema »Schule« ein großes Kommunikationsinteresse. Ergänzend könnten bei diesem Projekt Homepages von Schulen in englischsprachigen Ländern einbezogen werden, so dass ein breites Bild über Schulen und Schulsysterne entsteht.

An geeigneten Themen für E-Mail-Projekte mangelt es nicht: Generell können alle Einheiten des Lehrbuchs um E-Mail-Projekte zur vertiefenden Information oder zu einem gemeinsamen Erfahrungsaustausch erweitert werden.

Für die Sekundarstufe I sind beispielsweise folgende Themen denkbar: Schulsysteme, Freizeitverhalten, Jobs nach der Schule, Familie, Religion, Feiertage, Sport, Gewalt, Drogen und Alkohol, Gangs. Möglich sind auch Projekte, die ein gemeinsam zu schreibendes Theaterstück oder eine Kurzgeschichte zum Inhalt haben.

Für die Oberstufe finden sich vergleichbare Themen, aber auch Berufswünsche, Ausbildungssysteme, das Bild vom Anderen (stereotypes), Immigration, Migration und Wanderarbeit, multikulturelle Gesellschaft, aktuelle politische Ereignisse. Ebenfalls denkbar: gemeinsame landeskundliche und geografische Untersuchungen. Alle diese Themen nutzen die Fremdsprache zum Informationsaustausch, der durch persönliche Erfahrungen der peers angereichert wird.

Neue Lernstrategien und interkultutrelles Lernen

Um die eher persönlich gefärbten Informationen der E-Mail-Kommunikation zu ergänzen, kann nicht nur der Einsatz von Multimedia-Enzyklopädien auf CD-ROMs, sondern vor allem die Nutzung des World Wide Web sehr bereichernd sein (vgl. Donath, 1996a, 1997). Aber die Online-Informationsbeschaffung will ebenso gelernt sein wie die Informationsverarbeitung - schließlich soll niemand in der Masse der gefundenen Informationen ertrinken. Neben Fakten zum behandelten Thema, die über das WWW beschafft werden, sind meist auch Detailinformationen über die Stadt oder den Staat der Partnerschule schnell zugänglich. Solche Informationen fließen wiederum in die Kommunikation mit den Partnerschülern ein und werden von diesen ergänzt oder revidiert. Ein sehr lebendiges Informations- und Kommunikationsprojekt: In gemeinsamer Arbeit werden dabei Schülerinnen und Schüler mit den Lernstrategien der Informationsgesellschaft vertraut gemacht, sie praktizieren ihre Sprachkenntnisse, erweitern sie ständig und entfalten Aktivitäten, die der traditionelle Lehrbuchunterricht nicht verlangt und leider auch nur selten ermöglicht.

So entstehen neue interkulturelle Lernprozesse: »In dieser Kommunikation mit Gleichaltrigen anderer Länder und Kulturen erleben und erfahren die Schüler authentisch eine andere Wirklichkeit, sehen auf der anderen Seite aber auch, dass die >anderen<, dieselbe Musik hören, dieselben Dinge gern tun und dieselben Schwierigkeiten mit ihren Lehrern und Eltern haben. So werden nicht nur die Unterschiede, sondern auch die Gemeinsamkeiten deutlich.« (Lichte, 1994) Die bewusst steuernde Aktivität der Lehrkraft ist in diesem Zusammenhang besonders wichtig: Interkulturelles Lernen läuft - zumal bei einer Schülergeneration, die aufgrund ihres Medienkonsums glaubt, bereits alles zu wissen - nicht automatisch ab, sondern beruht auf der Fähigkeit, »to ask questions that lead to even more questions«, wie Gerd Fischer, Fachberater Deutsch in Wisconsin, betont:

»We have partner schools, and we have the opportunity to work with them in order to get our questions answered. We do not have to simulate dialogs, but we can actually have real conversations with real people. I would suspect that this can get quite interesting if we allow our students to talk about the content that they want to talk about. It does not really matter to me what the students talk about as long as they learn through their conversations and that they find things out about their peers. It is important to me as a teacher that students use language for communication and that they realize in this process that they have to know another language. The organization of such learning experiences lies in the responsibility of the teachers: They need to know enough about their subject matter, i.e. about the other culture and its language, to help their students to ask interesting questions« (Fischer, 1996)

Am Ende eines E-Mail-Projektes könnte die Auswertung ergeben, dass Schüler und Lehrer einen Schritt weitergekommen sind, hin zum »redesigning of the language classroom«. Die bisherigen Erfahrungen jedenfalls zeigen:

Electronic-Mail-Projekte ermöglichen einen - aktuellen

Englischunterricht, in dem Sprachenlernen eingebettet ist in einen Lern- und Arbeitsprozess mit Kommunikations- und Informationstechnologien als sinnvoll eingesetzte Medien. Wenn Sie mal wieder das Gefühl haben, dass die Lehrbücher ein ziemlich antiquiertes Bild der USA, Australiens oder Englands liefern - just go online and see for yourself what's possible!

Literatur

Donath, R., E-Mail-Projekte im Englischunterricht. Stuttgart: Klett, 1996b

Donath, R., Multimedia macht's möglich: Selbstgesteuertes Lernen im Englischunterricht mit CD-ROMs und dem World Wide Web, In: Computer und Unterricht 5/1996a, S. 35-39

Donath, R., World Wide Web im Englischunterricht - Why? In: Drabe, M./ Garbe, D. (Hrsg.), Schulen ans Netz: Methodik, Didaktik, Technik, Organisation (Ergänzungswerk). Berlin: LOG IN-Verlag, 1997, S. C 15-C22

Eck, A./Legenhausen, L./Wolff, L., Telekommunikation und Fremdsprachenunterricht: Informationen, Projekte, Ergebnisse. Bochum: AKS-Verlag, 1995

Fischer, G., Tourist or Explorer? Reflection in the Foreign Language Classroom. In: Foreign Language Annals 29/1, 1996, S. 1-9

Legutke, M., Redesigning the Language Classroom. In: Christ, H./Legutke, M. (Hrsg.), Fremde Texte verstehen, (Festschrift für Lothar Bredella). Tübingen: Narr, 1996, S. 1-14

Lichte, M., Wir holen die Welt ins Klassenzimmer. In: Praxis des neusprachlichen Unterrichts 4/1994, S. 383-391

Rautenhaus, H. (Hrsg.), Telekommunikation im Englischunterricht. (Bericht aus einem Seminar der anglistischen Fachdidaktik). Oldenburger Vor-Drucke 185/1993

Rautenhaus, H., Möglichkeiten der Integration von Telekommunikation in einen kommunikativen Englischunterricht. In: Gienow, W./Hellwig, K. (Hrsg.), Prozeßorientierte Mediendidaktik im Fremdsprachenunterricht. Frankfurt a.M.: Lang, 1993, S. 173-188

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