Audiotechnik: Tipps für gute Aufnahmen

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Eine schlechte Aufnahme ist durch noch so gute Nachbearbeitung nicht wirklich zu retten. Deshalb lohnt es sich, eine Aufnahme – erst recht, wenn man Anfängerin oder Anfänger ist – gründlich vorzubereiten.

Allgemein

Tipp 1: Machen Sie sich mit der Technik vertraut. Lesen Sie ruhig einmal in den Gebrauchsanleitungen der Geräte nach, wie was eingestellt sein sollte, um ein gutes Klangergebnis zu bekommen.

 

Tipp 2: Machen Sie eine Probeaufnahme. Alle Teile (Mikrofon, Kabel, Aufnahmegerät, Pop-Schutz) werden dafür zusammengestöpselt, die Aufnahme gestartet, der Pegel eingestellt, der Abstand vom Mikro zur Klangquelle ausprobiert. Und hören Sie sich das Ergebnis an. Zu leise, zu laut, verzerrt?

 

Tipp 3: Gerade bei Sprachaufnahmen (Gesang, Interview) empfiehlt es sich, vorher störende Nebengeräusche auszuschalten: brummende Computer, lärmende Neon-Röhren, ausgeprägte andere Geräusche im Hintergrund. Wird beispielsweise im Hintergrund gehämmert, gebohrt, laut Musik gehört oder ist das Fenster offen und das Haus liegt an einer stark befahrenen Straße sind die Aufnahmen später nicht zu gebrauchen. Hier hilft nur: Fenster schließen, Licht oder Computer ausschalten, die Handwerker oder Musik-Fans um eine kurze Pause bitten – oder in einen ruhigeren Raum wechseln.

 

Tipp 4: Hallende Räume verschlechtern maßgeblich das Aufnahmeergebnis. Wenn Sie Aufnahmen in einem Klassenzimmer oder einem großen Raum im Jugendhaus machen möchten, halten Sie nach Vorhängen Ausschau. Teppich(boden) und Vorhänge sorgen für bessere Akustik als ein Linoleumboden und kahle Wände. Auch der aufgeklappte Kleiderschrank oder eine Bücherwand sorgen für einen weniger verhallten Klang. Wenn das alles nicht geht, kann man mit einem Mic-Screen bzw. einem Difussor nachhelfen. Dabei handelt es sich um eine gewölbte Schaumstofffläche, die am Mikrofonstativ hinter das Mikrofon oder dem mobilen Recorder befestigt wird.

 

Tipp 5: Beim Aufstellen von Mikros, Stativen und Musiker/Sprecher sollte man sich ein wenig mehr Zeit nehmen. Die Position im Raum trägt dazu bei, ob der aufgenommene Klang verhallt oder trocken klingt. Man kann mit aufgesetztem Kopfhörer das Mikrofon/Stativ verstellen und bewegen und hört gleichzeitig wie sich der Klang verändert.

Tipp 6: Hat man für Stative, Notenhalter, Verstärker und Klangelemente den richtigen Punkt gefunden, sollte man sich gut merken, wo was in welchem Abstand zueinander ist. Es empfiehlt sich mit Tape die Standpunkte auf dem Boden zu markieren. Der Grund ist, dass im Falle einer Unterbrechung bzw. Um- oder Abbaus, die Suche nach dem „perfektem“ Klang nicht wieder von vorne beginnt. Beispiel: Steht der Sänger beim Aufnehmen des Refrains etwa 20 cm vom Mikro entfernt, dann sollte er nach einer Kaffeepause wieder an der gleichen Stelle stehen.

Interviews

Die Reporterschlaufe; Bild: LMZ

Tipp 1: Gewöhnen Sie sich bei Interviews mit dem Mikro in der Hand an, die sogenannte „Reporter-Schlaufe“ zu machen. Das Kabel zwischen Mikrofon und Aufnahmegeräte wird dabei einmal um die Hand geschlungen. Dadurch baumelt das Kabel nicht frei herum und es entstehen keine Kabel-Bewegungsgeräusche auf der Aufnahme.


Tipp 2:
Nehmen Sie beim Einsatz unterwegs immer einen Satz Ersatzbatterien für Mikrofon und Aufnahmegerät mit. Nichts ist ärgerlicher, als wenn die Aufnahme misslingt, weil entsprechendes Zubehör fehlte. 


Tipp 3:
Bei Interviews wird ein Mikrofon mit Nierencharakteristik wird etwa 20-50 cm schräg unterhalb des Kopfes des Sprechers platziert. Dabei wird vor allem der Befragte aufgenommen, die Stimme des Fragers ist kaum zu hören. Sollen beide gleich stark aufgenommen werden, dann empfiehlt es sich, dass beide Personen mit dem Mikrofon ein gleichschenkliges Dreieck bilden. Die Richtwirkung des Nierenmikrofons reicht aus, um beide Personen gleichmäßig aufzunehmen.


Tipp 4:
Das Wechseln des Mikrofons Richtung Frager und Sprecher kann zu unterschiedlich lauten Passagen führen, da die Bewegung nicht rechtzeitig dem Sprechen nachgeführt werden kann. Oft ist diese Form des Interviews kaum vermeidbar, dabei sollte der Frager darauf achten, keine unnötigen Nebengeräusche (wie beifälliges „Ja“ oder „hm, hm“) zu verursachen und dem Befragten bis zum Ende seiner Antwort das Mikrofon vor dem Mund zu lassen.

Gesang

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Tipp 1: Beim Singen sollte der Künstler aufrecht stehen. Die Anatomie des menschlichen Körpers erlaubt im Stehen eine bessere Atmung, da das Zwerchfell mehr Platz bekommt. Aber auch psychologisch bringt das Stehen dem Sänger mehr Selbstbewusstsein.  

 

Tipp 2: Text vorbereiten. Nichts ist anstrengender als wenn der Sänger immer wieder von vorne beginnen muss, weil er im Text unsicher ist. Zwar kann man beim Singen auch den Text auf einen Notenständer stellen. Das führt aber wiederum zu einer schlechteren Haltung des Sängers. Alternativ kann der Sänger das Textblatt hinter das Mikro halten. Papierrascheln sollte aber vermieden werden.

 

Tipp 3: Ausreichend trinken. Sorgen Sie dafür das der Künstler ausreichend Wasser bekommt. Zuckerhaltiges sollte vermieden werden, ebenso Kohlensäurehaltiges und Milchprodukte.

 

Tipp 4: Der Kopfhörer-Mix. Wenn sich ein Sänger gut hören kann, verbessert das auch seine Performance. Nehmen Sie sich ruhig Zeit und fragen nach ob das Playback bzw. der Gesang laut genug ist. Manche Sänger fühlen sich auch besser, wenn sie etwas Hall auf der Stimme hören. Achten sie auch darauf, dass Latenzen bei der Aufnahme vermieden werden. Dabei handelt sich um Verzögerungen, die beim Durchlaufen des Audio-Signals durch den Rechner entstehen. Viele Soundkarten bieten aber die Möglichkeit das direkte Gesangs-Signal auf den Kopfhörer zu schicken anstatt das vom Rechner bearbeitete.

 

Tipp 5: Die Atmosphäre. Sorgen Sie für eine entspannte Atmosphäre bei der Aufnahme. Alle Handys aus, kein zu helles Licht und vor allem Freundlichkeit können auch bei Anfängern zu guten Ergebnissen führen. Sorgen Sie dafür, dass alle technischen Vorarbeiten bereits abgeschlossen sind, wenn Sie mit der Aufnahme beginnen. Nichts verunsichert mehr, als wenn Sie noch kurz vor der Aufnahme dem Sänger mitteilen, dass das Mikro am falschen Platz steht bzw. dass noch ein defektes Kabel ausgetauscht werden muss.

Links

delamar

Recording-Portal mit Tutorial-Bereich und Anregungen, die beim Erstellen des Artikels hilfreich waren.

 

Recording.de: Vocal-Recording – Theorie (Part I-III)

Video mit gutem Einblick in die Kunst des Recordings.

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