Bildinterpretation aus wissenschaftlicher Sicht

- Schon wenige Hilfslinien können den Bildaufbau verständlich(er) machen. Bild: LMZ
Ein Bild ist nicht einfach ein Bild, sondern wer es verstehen will, braucht dazu verschiedene Informationen. Beispielsweise gelingt Bildinterpretation dann relativ gut, wenn der/die Betrachter/in weiß
- wann ein Bild entstanden ist,
- wer es mit welchem technischen Gerät gemacht hat,
- ob es eine Auftragsarbeit war,
- ob es sich um eine private, künstlerische oder kommerzielle Aufnahme handelt.
Bei einer Fachtagung mit dem Titel "Bildinterpretation" am 25./26. Juni 2004 an der PH Ludwigsburg waren sich alle Vortragenden einig, dass das Wissen um solche Zusammenhänge und manch zusätzlicher "Kontext" unerlässlich für die Bildinterpretation ist. Vorgestellt wurden verschiedene Ansätze Bilder (hier vorwiegend Fotos) zu entschlüsseln und in die erziehungs- und sozialwissenschaftliche Forschung einzubeziehen.
In den Vorträgen fallen verschiedene Fachausdrücke immer wieder, daher haben wir versucht zwei davon mit einfachen Worten zu erklären.
Verschiedene Herangehensweisen an die Bildinterpretation
| Vortragende/r | Aspekte des Vortrags | Vortrag |
Professor Dr. Ralf Bohnsack, Freie Universität Berlin |
Ralf Bohnsack stellt eine dokumentarische Methode der Bildinterpretation vor und bezieht sich dabei auf Karl Mannheim und Max Imdahl. Eine These von Ralf Bohnsack lautet: Man erfasst ein Bild "im Augenblick", aber für die Interpretation benötigt man ein geeignetes Instrumentarium, das zum Beispiel aus der genauen Analyse des Bildaufbaus bestehen kann. | |
Professor Dr. Alfred Holzbrecher und Sandra Tell, Pädagogische Hochschule Freiburg |
Alfred Holzbrecher versteht die Bildhermeneutik (siehe Stichwort unten) als kommunikativen Prozess und legt seiner Bildinterpretation das Kommunikationsmodell von Friedemann Schulz von Thun zu Grunde. Danach hat jede Nachricht vier Dimensionen, eine Sach-, eine Appell-, eine Selbstoffenbarungs- und eine Beziehungsebene. | |
Professor Dr. Winfried Marotzki und Katja Stoetzer, Universität Magdeburg |
Winfried Marotzki baut seinen Ansatz der Bildinterpretation auf die Arbeiten des Kunstwissenschaftlers Erwin Panofsky auf. Er hält die Narration für ein geeignetes Verfahren, um Sinnzusammenhänge zu erzeugen. Für ihn erzählt jedes Bild eine Geschichte. | |
![]() Dr. Ulrike Mietzner, Humboldt-Universität Berlin |
Ulrike Mietzner analysiert meist Serien von Bildern, zum Beispiel die Preisträgerfotos der letzten vierzig Jahre beim Jugendfotopreis. Sie sagt: "Das Selbst ist nur zu begreifen als mediale Auseinandersetzung". Sie bezieht sich dabei auf Grundlagen der visuellen Kommunikation. | |
Professor Dr. Horst Niesyto und Peter Holzwarth, Pädagogische Hochschule Ludwigsburg |
Horst Niesyto vertritt einen sozial-ästhetischen Ansatz der Bildinterpretation. Er geht grundsätzlich davon aus, dass Kinder- und Jugendkulturen heute Medienkulturen sind und dass Bilder, Zeichen und Symbole darin eine wachsende Rolle spielen. Er plädiert für eine zunächst "intuitive Wahrnehmung" eines Fotos. | |
Professorin Dr. Bettina Uhlig und Professor Dr. Hubert Sowa, Pädagogische Hochschule Ludwigsburg |
Hubert Sowa und Bettina Uhlig betrachten Bilder aus der kunstpädagogischen Perspektive. Sie gehen von einem erlernten Sehen auf der Basis gesellschaftlicher Übereinkünfte aus. Für sie führt der Weg zum Verstehen eines Bildes über das Unverständnis, das zu erkenntnisleitenden Fragen führt. |
Von den Veranstaltern (Professor Marotzki und Professor Niesyto) ist eine
Buchdokumentation zur Tagung geplant. In dieser Dokumentation werden auch das Fotomaterial und die damit verbundenen Kontexte (Beitrag von Peter Holzwarth) vorgestellt.
Stichwort: Hermeneutik
Die Hermeneutik ist die Wissenschaft vom Verstehen. Das (griechische) Wort Hermeneutik (hermeneúein = aussagen, auslegen, übersetzen) bedeutet: Kunst der Auslegung und Deutung, Technik des Verstehens und Verstehen-Könnens. Abgeleitet ist das Wort von Hermes dem Götterboten, der den Menschen den Götterwillen immer verschlüsselt, also interpretationsbedürftig gebracht hat.
Stichwort: Semiotik
Semiotik (vom griechischen Wort "semeion" für "Zeichen") ist die Lehre von den Zeichen und deren Eigenschaften. Ein semiotischer Vorgang ist, wenn eine Nachricht von einem Sender zu einem Empfänger gesendet wird, diese Nachricht vom Empfänger "decodiert" also verstanden wird, damit zu einer Information wird, und somit die Kommunikation zwischen dem Sender und dem Empfänger fördert.
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Literaturtipps: Fotografie
Susan Sontag:
In Platos Höhle
Christoph Hamann:
Das Foto und sein Betrachter
Jürgen Fiege:
Bildgestaltung, Bildsprache: Komposition
Know-how: Digitale Fotografie
Digitale Fotografie
In einem eigenen Kapitel zur digitalen Fotografie geben wir Tipps für die Praxis. Wer selbst Bilder machen möchte, erfährt die wichtigsten Dinge über Kameras, Bildbearbeitung und vor allem die Bildgestaltung. Mehr...




Professor Dr. Ralf Bohnsack, Freie Universität Berlin
Professor Dr. Alfred Holzbrecher und Sandra Tell, Pädagogische Hochschule Freiburg
Professor Dr. Winfried Marotzki und Katja Stoetzer, Universität Magdeburg
Professor Dr. Horst Niesyto und Peter Holzwarth, Pädagogische Hochschule Ludwigsburg
Professorin Dr. Bettina Uhlig und Professor Dr. Hubert Sowa, Pädagogische Hochschule Ludwigsburg

