Visuelles Wörterbuch (Foto oder Video)
Visuelle Wörterbücher können auf vielfältige Weise erstellt werden. Hier wird ein einfaches Konzept angeboten. Begriffe werden durch Fotos abgebildet oder spielerisch interpretiert, bei Videoaufnahme wird eine akustische Ebene hinzugefügt. "Buch" ist in diesem Zusammenhang als weitgefasstes Sammel- und Dokumentationsmedium zu verstehen: Mappe, Plakat, Collage, Album, Videoband und vieles mehr eignen sich als "Sammelplätze" für Kombinationen von Bild und Sprache. Zunächst muss entschieden werden, ob mit der Fotokamera oder Videokamera gearbeitet werden soll. Die nachfolgende Beschreibung gilt für beide Medien.
Innenaufnahmen/Kleingruppenarbeit:
Empfohlen wird, mit Innenaufnahmen zu beginnen, und zwar in Kleingruppenarbeit. Jede Gruppe setzt sich aus 3 bis 4 Kindern zusammen, die sich geeignete Raumobjekte suchen oder bestimmte Szenen im Raum darstellen.
Begriffe, die durch Schülerinnen und Schüler in Posen dargestellt werden:
Begriffe können gespielt werden. In diesem Fall stellen (Foto) oder spielen (Video) mehrere Kinder typische Szenen, die den Begriff erklären.
Beispiele:
Im Restaurant (Darstellung: An einem Tisch wird gegessen)
Schlafen (Darstellung: Drei Kinder schlafen auf ihren Stühlen)
Tanzen (Darstellung: Zwei Paare tanzen)
Singen (Darstellung: Szene mit Opernsänger/Opernsängerin)
Lesen (Darstellung: Kinder sitzen, liegen, stehen lesend)
Gefühlszustände (heiter, traurig, glücklich, wütend ...)
u.s.w.
Objekte, die fotografiert bzw. gefilmt werden: Das können Gegenstände in Innenräumen sein, aber auch alles, was den Kinder draußen auffällt.
Beispiele:
Tür
Sessel
Lampe
Tisch
u.s.w.
Im Foto kann auch ein Kind mit abgebildet sein, welches auf das jeweilige Objekt zeigt. Das Kind kann das Objekt auch in Händen halten und für die Kamera präsentieren.
Die Kinder nehmen selbst auf: Hier bewerkstelligen die Kinder die Aufnahmen selbst. Wenn eine Gruppe ihre Szenen, Begriffe oder Objekte gefunden hat, wartet sie, bis die Kamera frei ist, um ihre Aufnahmen durchführen zu können. Szenen müssen zuvor geprobt werden.
Technische Tipps:
Licht und Schatten, die das Tageslicht, welches das Fenster einlässt, erzeugt, werden auf den Aufnahme verstärkt, Schattenpartien werden schwarz, beleuchtete weiß. Der Raum muss daher gut ausgeleuchtet werden. Es reicht in den meisten Fällen die eingeschaltete Zimmerbeleuchtung (Bei analogen Fotokameras - mit und ohne Blitzlicht - muss trotzdem auf die "richtige" Belichtung geachtet werden. Deshalb wäre es gut, wenn eine Betreuungsperson im Vorfeld der Aktion Probeaufnahmen macht.) Kleine Objekte (z.B. Radiergummi) können oft nur aus einer gewissen Distanz fotografiert werden. Da wäre es besser, wenn Kinder diese Gegenstände halten und ebenfalls abgebildet sind. Bei digitalen Fotoaufnahmen kann das Ergebnis unmittelbar nachher betrachtet und die Aufnahme im Bedarfsfall wiederholt werden. Videokameras sind hier "toleranter". Sie passen sich den Lichtverhältnissen besser an. Trotzdem sollten auch hier Probeaufnahmen gemacht werden.
Benennung der aufgenommenen Fotos: Wenn diese vorliegen, gibt es mehrere Möglichkeiten der Benennung. Printfotos können auf weißes Plakatpapier geklebt werden, darunter werden die Begriffe in beiden Sprachen händisch geschrieben. Hier bietet sich auch an, verschiedenfarbige Kärtchen vorzubereiten, die beschreiben werden und neben die Fotos geklebt werden (z.B. jeweils in Grün für Türkisch und Gelb für Deutsch). Digital aufgenommene Fotos, die als Dateien auf den PC geladen werden, können mit vielen Fotoprogrammen direkt beschriftet, nachher ausgedruckt und aufgeklebt werden.
Benennung der aufgenommenen Videoszenen: Hier gibt es die Möglichkeit einer verbalen Benennung, während die Aufnahme läuft. Die Kinder sprechen laut und deutlich den Begriff in beiden Sprachen und könnten auch an beiden Rändern des Bildes sichtbar sein.
Gesamtaufnahme Videowörterbuch: Um nachträgliche und aufwändige Schnittarbeiten im Videobereich zu vermeiden, kann die gesamte Aufnahme durchgestaltet werden. Dabei werden zwischen den Szenen wiederkehrende Elemente aufgenommen, z.B. ein Schild (Zeichenblatt A3), auf dem "Unser Wörterbuch" in beiden Sprachen geschrieben steht.
Beispiel eines Aufnahmeschemas des Videowörterbuchs Türkisch-Deutsch:
Einblendung des Schilds "Unser Wörterbuch" in beiden Sprachen
Szene 1: Ein Tisch ist zu sehen / "masa" und "Tisch" sind zu hören
Einblendung des Schilds "Unser Wörterbuch" in beiden Sprachen
Szene 2: Eine Tür ist zu sehen / "kapı" und "Tür" sind zu hören
Einblendung des Schilds "Unser Wörterbuch" in beiden Sprachen
Szene 3: Ein Kind isst genüsslich / "yemek" und "essen" sind zu hören
u.s.w.
Außenaufnahmen: Die Gruppe überlegt sich gemeinsam mit den Betreuungspersonen, welche Plätze sie aufsuchen möchte. Gut ist es, sich auf ein konkretes Ziel zu einigen (z.B. Spielplatz, Bahnhof, Fußgänerzone, "Um die Schule herum") und vorher zu überlegen, was es dort alles geben könnte, um ins Wörterbuch aufgenommen zu werden. Wenn die Gruppe dann vor Ort ist, bilden sich Kleingruppen und versammeln sich jeweils vor den Objekten bzw. Szenen, die sie aufnehmen möchten, und proben für die Aufnahme (Blickwinkel, bei Video SprecherInnen). Foto- bzw. Videokamera wird anschließend herumgereicht.
2 Sekunden - Pausen am Beginn und am Schluss der Videoaufnahmen: Auch hier gilt die selbe Regel wie bei den anderen Spielen. Die Aufnahme wird gestartet. Ehe eine Aktion stattfindet bzw. etwas gesprochen wird, muss zwei Sekunden gewartet werden. Am Schluss darf nicht sofort abgeschaltet werden, auch hier sollen die Kinder 2 Sekunden verstreichen lassen.
Laut sprechen bei Videoaufnahmen:
Da in den meisten Fällen nur das Mikrofon auf der Kamera die Stimmen der AkteurInnen aufnimmt und die Kamera weiter von ihnen entfernt ist als bei Tonaufnahmen, sollen die Kinder laut sprechen, damit sie deutlich verständlich sind.
Erweiterungsmöglichkeiten: Das gesamte Wörterbuch kann in mehreren Etappen entstehen und auch begrifflich differenziert werden. Auf diese Weise könnte eine Wörterbuchserie entstehen.
Beispiele für Differenzierungen:
Wörterbuch 1: Thema Essen
Wörterbuch 2: Thema Spielplatz
Wörterbuch 3: Thema Verkehr
Wörterbuch 4: Thema Schule
u.s.w.
Rahmenbedingungen für das Projekt "Visuelles Wörterbuch"
| Allgemeine Ziele | Kennenlernen bestimmter Worte in einer anderen Sprache. |
| Themen | Worte, Begriffe und Redewendungen, welche die Kinder häufig gebrauchen. |
| Spielergebnis, Produkt | Aufnahme von Fotos oder Videoaufnahme. |
| Präsentationsmöglichkeit | Intern für die Klasse bzw. Gruppe, auch präsentierbar im Rahmen bestimmter Veranstaltungen. |
| Sprachen | Zweisprachig. |
| Arbeitsweise | Arbeit in Kleingruppen. |
| Teilnehmer | 15 bis 20 Kinder. |
| Alter der TN | 8 bis 13 Jahre. |
| Dauer | 3 (Schul-)Stunden mit Pause, bei analogen Fotos zunächst 2 Stunden, nach der Ausarbeitung 1 Stunde. |
| Betreuungspersonen | Zwei Betreuungspersonen. |
| Geräte | Video: Eine Videokamera, ein Fernsehapparat (Bildschirm) Foto: Eine Fotokamera (digital oder analog), ev. PC für digitale Nachbearbeitung. |
| Vorbereitungszeit/Vorkenntnisse | Handhabung der Geräte und Verbindungen (Aufnahme, Wiedergabe) und Erklärung, wie die Kinder die Geräte selbst bedienen können. |
| Räumlichkeiten | Innen- und Außenaufnahmen. |
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