"access_un_limited"
Visionen einer digitalen Archivkultur
(Access: noun, The right or opportunity to use or benefit from something.)
Der allgegenwärtigen Verbreitung von Informationen und Medien über das Internet stehen juristische und ideelle Barrieren gegenüber. Das Symposium "access_un_limited" ging daher der Frage nach, inwieweit produzierende, archivierende und auswertende Institutionen mit diesem Gegensatz umgehen können, ohne ihre Vision eines fairen Umgangs mit Kulturgut aufgeben zu müssen. Dabei wurden auch gegenwärtige Konzepte diskursiv aufgegriffen, die im Zusammenhang mit dem von der Kulturstiftung des Bundes geförderten Archivierungs- und Präsentationsprojekt "mediaartbase.de" stehen.
Die Tagung fand am 9. Oktober 2009 im Rahmen der Festwoche zum 20-jährigen Jubiläum des ZKM | Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe statt; Veranstalter war das ZKM | Institut für Musik und Akustik.
Zur Öffnung der Kunst –
"mediaartbase.de" auf dem Weg zum öffentlichen Archiv

- Ludger Brümmer ist Komponist und Leiter des ZKM | Institut für Musik und Akustik.
Archive sind heutzutage zu einem Instrument der Rezeption geworden und gehen damit weit über ihren ursprünglichen Zweck der Konservierung von Informationen hinaus. Mit Hilfe neu entwickelter Informationsträger können Archive ihre Inhalte leichter distributieren, so dass die Schätze der Archive unmittelbar in Forschung und Kreativität einwirken können. Hierbei stehen sich jedoch zwei Aspekte gegenüber: zum einen das bestehende Copyright und zum anderen das Anrecht der Öffentlichkeit auf Nutzung und Publikation.
Anhand des Projektes mediaartbase stellt Prof. Ludger Brümmer vor, wie das Archiv in seiner gewandelten Funktion aussehen kann.
"mediaartbase" auf dem Weg zum öffentlichen Archiv (mp3 | 18 MB)
Die europäische digitale Bibliothek "Europeana" und der Aufbau einer "Deutschen Digitalen Bibliothek"

- Gerald Maier ist Referatsleiter beim Landesarchiv BW sowie Beauftragter des Bundesrats für "Digitalisierung und Online-Zugänglichkeit kulturellen Materials und dessen digitale Bewahrung".
Im Zeitalter von Google und Wikipedia spielen Online-Angebote für digitalisiertes Kulturgut und wissenschaftliche Informationen eine große Rolle. Auf europäischer Ebene gibt es bereits ein entsprechendes Angebot: die spartenübergreifenden digitale Bibliothek Europeana, die zur Zeit einen Zugriff auf 4.6 Millionen Objekte ermöglicht. In Deutschland wird ab Anfang 2010 mit dem Aufbau einer interdisziplinären Deutschen Digitalen Bibliothek (DDB) begonnen, die von Bund und Ländern gemeinsam getragen wird.
In seinem Vortrag skizziert Dr. Gerald Maier
den aktuellen Stand und Perspektiven dieser beiden Online-Informationssysteme.
Die "Europeana" und Aufbau einer "DDB"
(mp3 | 18,8 MB)
Preserving the complexity of music

- Daniel Teruggi ist Komponist und Direktor der Groupe de Recherches Musicales (GRM) am INA in Paris.
Die technologische Fragilität von Medien und Maschine führte unweigerlich zum Verlust wichtiger Werke elektroakustischer Musik. Viele Komponisten sind sich dieser Fragilität bewusst und möchten zukünftige Verluste durch bewährte Methoden der Langzeit-archivierung vermeiden. Dabei betrifft die Problematik nicht nur die elektroakustische Musik, sondern ebenso darstellende Künste und andere Kunstformen, die bei Reproduktionsprozessen an bestimmte Bedingungen geknüpft sind.
Prof. Daniel Teruggi stellt in seinem Vortrag wichtige Schritte und Projekte vor, die neue Wege der Konservierung eröffnen.
Preserving the complexity of music (mp3 | 18,1 MB)
Juristische Aspekte der Archivierung von digitalisierter Kunst

- Rupert Vogel ist Rechtsanwalt und auf Fragen des IT-, Urheber und Multimedia-Rechts spezialisiert.
Eine Vielzahl urheberrechtlicher Fragestellungen, die auch die Archivierung von Kunst und Medien betreffen, stehen momentan in der öffentlichen Diskussion. Problem-Felder sind beispielsweise "Google Book Search", elektronische Leseplätze in Bibliotheken oder das automatische Sammeln von Web-Inhalten (Web-Harvesting).
In seinem Vortrag untersucht Prof. Dr. Vogel zunächst, was und in welchem Umfang digitalisiert und archivert werden darf. Dann geht er der Frage nach, wozu das Archivgut verwendet werden darf, wobei hier zwischen verschiedenen Nutzungsformen unterschieden werden muss.
Juristische Aspekte der Archivierung von digitalisierter Kunst (mp3 | 18,4 MB)
Netzkonzepte der Zukunft: Creative Commons

- Jürgen Keiper ist Experte für Film und Neue Medien und seit 2006 an der Deutschen Kinemathek für IT-Projekte veranwortlich, u.a. LOST FILMS.
Eine neue Netzpraxis seitens der Nutzer sowie neue Videoportale verdeutlichen den Bedarf nach rechtlich abgesicherten Nutzungsformen jenseits eines traditionellen Urheberrechtes. Gerade für Archive und Kulturinstitutionen bietet daher die so genannte "Creative Commons"-Lizenz eine Perspektive, die eine nichtkommerzielle Nutzung von Kulturgut in den Vordergrund stellt.
In seinem Vortrag beschreibt Jürgen Keiper die Umsetzung der "cc"-Lizenz innerhalb des Internet-Projektes "Wir waren so frei..." und greift die bisherigen Erfahrungen auf. Zum Abschluss verweist er auf den Kurzfilm Google EPIC 2015, der ein fiktives Szenario unserer Informationsgesellschaft zeichnet.
Netzkonzepte der Zukunft: Creative Commons (mp3 | 11,2 MB)










