Verstehen und Strukturieren von Ideen

- © Carlos de la Orden
Schritt 4: Texte verstehen
- Es gibt Texte, die ein Thema auf einer logisch-begrifflichen Ebene entwickeln. In ihnen kommt es darauf an, herauszuarbeiten, wie Begriffe verwendet, wie mit ihnen Behauptungen über einen Gegenstand getroffen und wie sie mit anderen Behauptungen in Beziehung gesetzt werden.
- Es gibt Texte, die sind sachzentriert und stellen empirische Ergebnisse über ein bestimmtes Thema dar. In ihnen geht es darum, zu einem Verständnis davon zu kommen, wie die AutorInnen ihren Gegenstand verstehen und wie sie ihre Sicht durch die Verwendung von empirischen Forschungsergebnissen begründen.
- Es gibt Texte, die sind argumentativ. Sie wollen von einer bestimmten Meinung überzeugen. Sie zu verstehen heisst, die wichtigsten Argumente herauszuarbeiten und ihre Begründungen zu analysieren.
- Es gibt Texte, die sind als Forschungsberichte zu verstehen. Sie dokumentieren eine bestimmte Vorgehensweise. Sie zu verstehen, heisst nachzuvollziehen, was die AutorInnen getan, welche Resultate sie dabei erzielt und wie sie diese interpretiert haben.
In jedem dieser Fälle müssen Sie unterschiedliche Wege einschlagen, um zu einem Textverständnis kommen. Die meisten Texte allerdings tun mehreres gleichzeitig: Sie definieren z.B. ihre Begriffe, stellen Forschungsergebnisse dar und versuchen nebenbei, theoretische Positionen abzustecken. In diesen Fällen müssen Sie entsprechend flexibel lesen.
Schritt 5: Exzerpieren und Paraphrasieren
Der Begriff Exzerpieren kommt aus dem Lateinischen (ursprüngl."herausgreifen") und bedeutet so viel wie einen Auszug aus einem Text zu machen. Während das Lesen, das dazu dient, eine Übersicht zu erhalten, auch ohne Mitschrift erfolgen kann, muss das Lesen der Kerntexte unbedingt mit schriftlichen Aufzeichnungen verbunden sein. Und diese schriftlichen Aufzeichnungen sollten von Anfang an in einer Form gehalten sein, die ihre Verwendung in einem eigenen Text erlaubt.
Wenn man beginnt, systematisch zu exzerpieren, ist es wichtig, sich noch einmal auf die Themeneingrenzung zu besinnen. Daraus leitet sich ab, auf welche Fragen die gelesenen Texte Antwort geben sollen und welche Textpassagen man systematisch exzerpieren muss.
Beim Exzerpieren von wissenschaftlicher Literatur ist darauf zu achten, dass Sie die übernommenen Passagen paraphrasieren, d.h. sie in eigenen Worten wiedergeben und gleichzeitig auf die fremde Autorschaft hinzuweisen.
Nach Meinung der Autorin ist ...
Die Autoren vertreten die Position, dass ...
Der Autor hält ... für ein Grundproblem, das ...
Die Autorin interpretiert die bisherige Forschung dahingehend, dass ...
Wenn ich die Autoren richtig verstehe, vertreten sie eine Position, die ...
Wissenschaftlichkeit ist eng damit verbunden, die Urheberschaft fremder Ideen und Forschungsbeiträgen zu respektieren, und Paraphrasieren ist die wissenschaftsübliche Form, mit fremden Gedanken umzugehen.
Schritt 6: Kernaussagen sammeln und strukturieren
Alle exzerpierten Textelemente, die für die eigene Arbeit nützlich sein könnten, sowie eigene Gedanken, Statistiken und Zitate gilt es zu sammeln. Am besten versieht man sie mit einer Überschrift oder einem Stichwort, so dass sie für eine spätere Verwendung gut erkennbar bereit liegen. Dies geschieht am besten auf einer Karteikarte oder in einem Computerprogramm, das Textelemente zu speichern und zu sortieren erlaubt.
Ist das Material gelesen und ausgewertet, dann ist es Zeit, es zu ordnen, d.h., verschiedene Aspekte des Themas zu unterscheiden, um zu einer Gliederung zu gelangen. Das beste Verfahren, dies zu tun, ist das "Mind Map". Es ist ein graphisches Ordnungs- und Strukturierungsverfahren, das es erlaubt, viele Informationen zu gruppieren und miteinander in Beziehung zu setzen. Es wird um ein Kernwort oder ein Thema herum aufgebaut. Die wichtigsten Gesichtspunkte, unter denen sich das Thema betrachten lässt, werden als "Äste" direkt an das Kernwort angefügt. An die Hauptäste lassen sich wiederum Zweige anbringen, die untergeordnete Gesichtspunkte repräsentieren, und diese können sich weiter verzweigen. Oft sind mehrere Versuche nötig, bis alles Material in einem Mind Map untergebracht ist.
Material zu strukturieren heisst, unterschiedliche Ordnungsgesichtspunkte auszuprobieren und zu sehen, ob sich das Material durch sie gut aufteilen und zuordnen lässt. Voraussetzung für sinnvolles Ordnen ist, dass Sie das, was Sie ordnen wollen, d.h. einzelne Ideen, Argumente, Fakten, Forschungsergebnisse usw., gut vorbereitet haben.
Schritt 7: Referat halten
Viele Hausarbeitsthemen müssen im Seminar mündlich vorgetragen werden. Das erfordert in der Bearbeitung des Themas einen Zwischenschritt, der sich gut als Vorarbeit für die eigentliche Schriftfassung eignet.
Für die Referatvorlage brauchen Sie eine andere Systematik bzw. Gliederung. Die wichtigsten Gesichtspunkte für diese Gliederung liegen in den Fragen: "Was muss ich meinen ZuhörerInnen vermitteln, damit sie mein Thema verstehen?" Und: "In welcher Reihenfolge muss ich dies tun?" Anders als bei einem schriftlichen Text, können Sie ZuhörerInnen nur relativ kurze Textpassagen zumuten, wenn Sie ihre Aufmerksamkeit erhalten wollen. In ein Referat können etwa folgende Punkte aufgenommen werden:
- Thema oder Fragestellung,
- theoretischer oder sachlicher Zusammenhang, in dem das Thema steht
- Bezug zum Thema des Seminars
- Ziel des Referats, grobe Gliederung, Überblick
- Schwierigkeiten bei der Erarbeitung des Themas
- Präzisierung des Gegenstandes, Definition, evtl. konkretes Beispiel
- Darstellung zentraler Thesen
- Illustration wichtiger Passagen durch Beispiele
- Formulierung offener Fragen und Diskussionsanregungen
Es ist nicht nötig, dass Sie für Ihr Referat alle diese Punkte schriftlich formuliert haben. Jeder Vortrag wird lebendiger, wenn einzelne Passagen erzählt werden, und Sie verlieren dann nicht so leicht den Bezug zum Publikum. Dort allerdings, wo Sie präzise sein wollen und müssen, sollten Sie eine schriftliche Vorlage haben.
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Autor: Otto Kruse






