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Verhalten bei Interviews und Interviewtechnik

Wenn sie andere Personen interviewen, agieren die Kinder bereits als Reporterinnen und Reporter und müssen einige Grundregeln befolgen, damit das Interview für beide Seiten zufrieden stellend verläuft. Schließlich geht es hier um eine Interaktion unter Menschen, die einander in den meisten Fällen nicht kennen. In der Anfangsphase wäre es optimal, wenn Betreuungspersonen in angemessener Entfernung unbemerkt zugegen sind, um schnell einzugreifen, wenn die Kinder Unterstützung erwarten oder das "Reporterglück"auf sich warten lässt.

Die folgenden Tipps beziehen sich auf Interviews mit Leuten im Öffentlichen Raum.

 

Gute Plätze und Einleitungsfrage: Darf ich Sie...über ...?

Gute Plätze sind immer solche, wo Leute von sich aus länger verharren, etwa an Haltestellen, vor Schaufenstern oder in Parks. Dann ist der scharfe Blick der Reporterinnen und Reporter gefragt. Wen von den Leuten sollen wir befragen? Meistens funktioniert die Sache am Besten mit Leuten, denen anzusehen ist, dass sie Zeit haben und nicht im Stress sind. Ausdauer ist gefragt, denn nur ein geringer Teil der Passanten ist bereit, ein Interview zu geben.

Wichtig ist die Einleitungsfrage. Sie entscheidet, ob die Leute sich die Zeit nehmen, auf Fragen zu antworten.

 

Beispiele für eine gute Einleitungsfragen:

1. "Guten Tag. Darf ich Sie über ... befragen?"

2. "Guten Tag, ich komme vom Projekt ....- Was halten Sie von ...?"

 

Frage 1 ist sehr kurz und enthält Begrüßung, Anliegen und die Information, dass das Interview kurz sein wird. Diese Frage hat aber den Nachteil, dass die Antwort "Nein" möglich ist und damit keine Stellungnahme zum Thema, auch nicht im Vorbeigehen, erfolgen könnte. Anders ist es bei Frage 2: Mit "Was halten Sie von ...?" ist immerhin die Antwort "Nichts!" möglich. Und das ist bereits eine Stellungnahme.

 

Frage stellen - Antwort anhören

Oft sind die Kinder in der Anfangsphase sehr nervös und horchen nicht zu, wenn die Leute antworten, sondern warten ungeduldig, bis sie die nächste Frage stellen können. Dabei könnte sich aus der Antwort eine weitere Frage aufdrängen, oder es könnte nachgefragt werden: "Wie meinen Sie das genau?" oder "Könnten Sie das genauer erklären?"

 

Das Hin und Her des Mikrofons

Eine kleine, aber wichtige technische Notwendigkeit ist, dass sich das Mikrofon bereits bei der Person befindet, die gerade sprechen will, und auch bis zum Ende des Statements dort verharrt. Das Mikrofon ist zum Mund gerichtet, etwa eine Handbreite von diesem entfernt.

 

Tipp für das richtige Timing des Mikrofons:

1. Mikro beim Kind, das die Frage stellt.

2. Frage wird gestellt.

3. Erst nach dem Ende der Frage wandert das Mikro zur Interviewpartnerin oder zum Interviewpartner.

4. Es erfolgt die Antwort.

5. Erst nach dem Ende der Antwort wandert das Mikro zum Kind zurück.

6. (weiter bei 1)

 

In der Aufregung vergessen sie Kinder manchmal, ihr Mikrofon richtig auszurichten. Deshalb sollte ein zweites Kind stets assistieren und die Mikrohaltung bei Bedarf korrigieren.

 

Fragen, die Ja/Nein-Antworten ausschließen

Ein langes und gutes Interview ermöglicht es den Befragten, detailliert und erzählend zu antworten. Deshalb sollten Fragen, die nur ein Ja/Nein-Antwort zulassen, vermieden werden.

Fragen, die keine ergiebigen Antworten versprechen:

"Mögen Sie ...?"

"Kennen Sie ...?"

"Können Sie...?"

 

Fragen dieser Art können aber umgestaltet werden, damit mehr als nur "Ja/Nein" geantwortet wird.

 

Fragen, die längere Antworten ermöglichen:

"Was halten Sie von ...?"

"Wie verbringen Sie ...?"

"Erzählen Sie etwas über ...!"

"Was sollte sich bei ..... ändern?"

"Welche Meinung haben Sie von ...?"

 

Die Freiheit der Befragten ...

Wenn Personen kein Interview geben wollen, müssen sich die Reporterinnen und Reporter damit eben abfinden. Unter keinen Umständen sollte nachgefragt werden, warum die Leute nicht dafür bereit sind. Auch sollte den Personen nicht der Weg verstellt werden. Gute Reporterinnen kommen von der Seite, sodass die Befragten jederzeit die Freiheit haben, weiterzugehen.

 

 

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