Story Box
Die Kinder können eine kurze Geschichte in ihren eigenen Sprachen vorbereiten und im Rahmen der "Story Box" präsentieren. Jede Geschichte wird in allen Sprachen, die die Kinder sprechen, eingeleitet. Ziel ist es, innerhalb eines Zeitraums mehrere Story Boxes aufzunehmen. Eine Story Box-Serie hat den Vorteil, dass mit sehr einfachen Geschichten (z.B. Vorlieben und Statements) begonnen werden kann und Schritt für Schritt deskriptive Elemente dazukommen können.
Die Story Box ist wie eine halb geöffnete Schachtel anzusehen. Die Geschichten werden nicht vollständig übersetzt, ihr Inhalt wird zusammenfassend wiedergegeben oder nur angekündigt. Das Endprodukt ist eine Sammlung von Geschichten, die sich die Kinder wieder anhören und dabei wortwörtlich übersetzen lassen können.
Die Geschichten:
Grundsätzlich steht es den Kindern frei, welche Themen sie wählen. Die Geschichte sollte einfach zu erzählen sein und auch die "richtige Länge" besitzen.
Themenbeispiele für die Anfangsphase (3 bis 5 Sätze):
Meine Großmutter (wie alt sie ist / wo sie wohnt / was sie gerne tut).
Mein größter Wunsch (was es ist / was damit anzufangen ist ...).
Meine Lieblingsspeise (was es ist / wo und wie oft ich es essen kann ...).
Mein Lieblingstier im Haus (was es ist / was es frisst / wie ich mich darum kümmern würde / welche Laute es ausstößt ...).
Mein Lieblingstier in freier Wildbahn (was es ist / wo es zu beobachten ist ...).
Was ich überhaupt nicht mag (was es ist / warum ich es nicht mag).
Diese Beispiele gehen von den Kindern selbst aus. Sie erzählen etwas von sich selbst. Es ist aber auch möglich, eine Fantasieperson einzuflechten. Aus "ich" wird dann "Susanne", Herr Gül" oder "Frau Novotny".
"Einschaltung" von Fantasiepersonen
Der größte Wunsch des Herrn Gül.
Das Lieblingstier meiner Tante.
Die Lieblingsspeise des Schulwarts.
Themenbeispiele für die fortgeschrittene Phase (mehr als 5 Sätze):
Mein Tagesablauf (was tue ich morgen / mittags / nachmittags, abends)
Ein Erlebnis am Spielplatz (was passiert ist / wer daran beteiligt war).
Mein Berufswunsch (was es ist / was ich dabei tue / wo ich den Beruf ausüben kann).
Ein kurzes Märchen (Kurzangabe der Handlung und handelnder Personen).
Ein lustiges/komisches Erlebnis (wo es spielte / wer eingebunden war / was passierte).
Natürlich können auch hier wieder "Fantasiepersonen" die Rolle des/der Ich-ErzählerIn übernehmen.
Anzahl und Umfang der Geschichten pro Workshop:
Für die Anfangsphase sollten nicht mehr als zwei oder drei kurze Geschichten vorbereitet werden.
Vorstellen des Aufnahmeziels:
Da es sich hier um eine zwar einfache, aber längere Struktur handelt, ist es besser, die Abfolge der Aufnahmen auf der Tafel oder einem Flipchart zu veranschaulichen.
1. Story box-Signation.
2. Mehrsprachige Einleitung der Geschichte 1.
3. Erzählen der Geschichte 1 nur in einer Sprache.
4. Mehrsprachige Einleitung der Geschichte 2.
5. Erzählen der Geschichte 2 nur in einer Sprache.
6. Mehrsprachige Einleitung der Geschichte 3.
7. Erzählen der Geschichte 3 nur in einer Sprache.
8. Story box-Signation und (ev.) Verabschiedung.
Kleingruppenarbeit:
Bei drei Geschichten bilden sich nun vier Kleingruppen (eine "Signation-Gruppe" und drei "Erzählgruppen").
Die "Signation-Gruppe" erfindet die "Story Box-Ankündigung":
Diese Gruppe erfindet gemeinsam einen Jingle für "ihre" Story Box. Um die Ausdrücke "signation" oder "Jingle" verständlich zu machen, können die Kinder an Radio- oder Fernsehsendungen erinnert werden (z.B. Nachrichten, Shows).
Beispiele für Jingles:
Der Titel wird im Chor gesprochen oder gesungen
Der Titel wird verfremdet (etwa: story-story-story-box!)
Ein mit den Stimmen erzeugtes Signal wird voran- oder nachgestellt
(etwa: dong-ding-dong-storybox)
Die Erzählgruppen:
Jede Erzählgruppe hat einen Erzähler / eine Erzählerin sowie Kinder, die diese Erzählung in allen Sprachen, die in der gesamten Gruppe bzw. Schulklasse gesprochen werden, angesagt.
Beispiel für eine Erzählgruppe:
In der Klasse bzw. gesamten Gruppe werden die Sprachen Bosnisch, Deutsch, Albanisch und Türkisch gesprochen.
1. Ein bosnischsprachiges Kind sagt die Erzählung in Bosnisch an.
2. Ein deutschsprachiges Kind sagt die Erzählung in Deutsch an.
3. Ein albanischsprachiges Kind sagt die Erzählung in Albanisch an.
4. Ein türkischsprachiges Kind sagt die Erzählung in Türkisch an.
5. Der/die Erzähler/in beginnt mit der Geschichte in seiner/ihrer
Muttersprache.
Die Anzahl der Erzählgruppen hängt auch von der Verteilung der Sprachen innerhalb der gesamten Gruppe bzw. Klasse ab. Wenn nur ein Kind Albanisch spricht, wird dieses Kind dann in mehreren Erzählgruppen die Ansagen durchführen. Auf diese Weise werden einerseits weniger häufig vorkommende Sprachen im Spiel gefördert, andrerseits erhalten ihre SprecherInnen dadurch auch eine gewisse Exponiertheit. Es liegt daher an den Betreuungspersonen, hier ein Mittelmaß zu finden und diese Kinder besonders zu unterstützen.
Die Ansagen: Diese sollen je nach Zeitbudget möglichst kurz gehalten sein.
Beispiele für Ansagen:
"Ihr hört jetzt Hassan, der von seinem Großvater erzählt".
"Jetzt stellt Julia ihr Lieblingstier vor".
"Güvet erzählt die Geschichte vom weißen Stier".
Die Aufnahme:
Sie erfolgt in der oben beschriebenen Reihenfolge (Aufnahmeziel). Nach dem Aufnehmen der Signation in der Signation-Gruppe geht die aufnehmende Person von Erzählgruppe zu Erzählgruppe und nimmt jeden Sprechpart in der vorher festgelegten Reihenfolge auf. Danach wird die Schlusssignation wieder mit der Signation-Gruppe aufgenommen.
Das gemeinsame Anhören der Aufnahme:
Das Ergebnis wird zweimal vorgespielt. Die Kinder hören zum ersten Mal die gesamte Storx Box und achten darauf, welche Geschichte sie näher erklärt bekommen haben wollen. Anhören ist hier gleichzeitig der Auslöser für Interesse an anderssprachigen Inhalten.
Reduktionsmöglichkeiten:
Die Durchführung ist zunächst auch mit einer einzigen Erzählung möglich. Dann ergäben sich zwei Gruppen (eine Signation-Gruppe und eine Erzählgruppe).
Erweiterungsmöglichkeiten:
Inhaltlich und formal ergeben sich viele Möglichkeiten zur Erweiterung. Geschichten können beliebig lange konzipiert werden oder auch von mehr SprecherInnen ("wir beide" oder "wir drei") gesprochen werden. Thematische Ausrichtungen sind ebenfalls möglich (z.B. Thema Schule, Thema Sport und Freizeit, Thema Musik). Die einzelnen Ansagen und Erzählungen könnten akustisch durch stimmliche Signale abgeteilt werden.
Produktion einer Story Box-Serie über einen längeren Zeitraum:
Steht wiederholt Zeit für diesen Workshop zur Verfügung, könnte monatlich ein- bis zweimal eine Story Box produziert werden. Das böte die Möglichkeit, sehr einfach zu beginnen (eine Erzählung) und Schritt für Schritt, wenn die Kinder die Struktur schon kennen, auf mehrere und längere Erzählungen pro Workshop zu erweitern. Wenn auf diese Weise z.B. 10 Story Boxes zustande kommen, wäre das schon eine beachtliche Sammlung von sprachlich und thematisch gestreuten Statements.
Rahmenbedingungen für das Projekt "Story Box"
| Allgemeine Ziele | Interesse an anderen Sprachen und anderssprachigen Inhalten unterstützen. |
| Themen | Kinder können von sich bzw. aus ihrer Position heraus erzählen. |
| Spielergebnis, Produkt | Tonaufnahme. |
| Präsentationsmöglichkeit | Intern für die Klasse/Gruppe, Präsentationsmöglichkeit zu bestimmten Anlässen, Festen. |
| Sprachen | Vielsprachig. |
| Arbeitsweise | Arbeit in Kleingruppen. |
| Teilnehmer | 10 bis 25 Kinder. |
| Alter der TN | 6 bis 10 Jahre / 10 bis 13 Jahre. |
| Dauer | 2 oder 3 (Schul-)Stunden mit Pause(n). |
| Betreuungspersonen | Zwei Betreuungspersonen. |
| Geräte | Eine Tonaufnahmeeinheit mit Wiedergabemöglichkeit (Mikrofon und Rekorder, Kassettengerät mit eingebautem Mikrofon, Diktiergerät mit Boxen, Minidisc-Rekorder mit Mikrofon und Boxen). |
| Vorbereitungszeit/Vorkenntnisse | Handhabung der Geräte (Aufnahme, Wiedergabe). |
| Räumlichkeiten | Ein Innenraum. |
Weiter zu: Countdown
Zurück zu: Auditive Medienarbeit







