Sagen der Region
Sagen, die schon immer zum Lehrplan der 5. und 6. Klasse gehören, können dazu beitragen, eine Verbindung zur Umwelt zu reflektieren und Bezüge zur Vergangenheit herzustellen.
Literaturhinweise:
Carl. Viktor: Pfälzer Legenden. Otterbach-Kaiserslautern o.J.
Früh, Sigrid: Sagenhafte Frauen: historische und mythische Frauengestalten aus Baden, Elsaß, Schwaben, Lothringen, der Schweiz und der Pfalz. Lahr 1997.
Schlundt, Rainer: Sagen aus Rheinland-Pfalz. Köln 1983.
Thema: Sagen der Region
Klassenstufe: 5-6
Bezug zu anderen Fächern: Bildende Kunst
Anonym: Vum Bumpernickel
Der folgende Text ist eine Anekdote aus Weißenburg.
Anonym: Vom Bumpernickel
Fragt man einen Weißenburger, woher er stamme, hört man oft die rätselhafte Antwort: »Von Weißenburg, wo man den Bumpernickel in der Kirche singt.«
Diese Redensart erklärt sich: Zu Anfang des vorigen Jahrhunderts diente im Gasthaus zur Krone ein armer, gutmütiger, aber etwas einfältiger Mensch namens Nickel als Stallknecht. Mit gesegnetem Appetit ausgestattet, verschmähte er auch die geringsten Bissen nicht. Oft saß er in der Wirtsstube hinter dem Ofen und verschlang gierig, was ihm die hier einkehrenden Fuhrleute aus Frankreich von den Abfällen anboten. »C'est bon pour Nickel«, pflegten sie zu sagen, woraus der Übername Bumpernickel entstand. Eines Abends hörte Nickel, in einem dunklen Stallwinkel sitzend, wie ein paar verwegene Gesellen einen Anschlag auf das dortige Benediktinerkloster planten. Rechtzeitig konnte er die Mönche warnen, denen es dadurch gelang, das Gesindel zu fangen und der gerechten Strafe zuzuführen. Zum Dank nahmen die frommen Väter den ehrlichen Nickel in ihr Kloster auf und pflegten ihn bis zu seinem Tode. Sie ließen ein Bild aus Stein von ihm anfertigen mit der Jahreszahl 1717 und daneben folgende Verse einmeißeln:
Hört zu ihr Brüder insgemein
Weil wir allhier versammelt sein
Von wunderlichen Dingen
So Bumper Nickel tut singen.
Der Bumper Nickel singt
Das in der Kirch erklingt.
Trinkt rum ihr lieben Brüder,
Daß es kommt bald an mich
Ach, ach, wie dürst es mich,
Der Bumper Nickel ist gar trunken,
Drum erhencken sein Zumpen.
Aus: Rieple, Max: Sagen und Schwänke vom Oberrhein, Konstanz 1995, 91 f.
Anregungen für den Unterricht
- Ist diese Geschichte eine richtige Sage? Informiert Euch.
- Kennt Ihr Sagen aus Euren Dörfern/ aus der Gegend? Wie wurden sie mit den vorhandenen Örtlichkeiten (z.B. mit Gebäuden, mit Felsen, mit Gewässern,...) verknüpft?
Sagen aus dem Elsass: Hans Trapp
Nach der Sage hat der Raubritter Hans von Trotta den Weißenburger Mönchen zunächst das Wasser aus der Lauter gesperrt und ihre Stadt hinterher überflutet. Seitdem wurde Kindern immer wieder mit dem "Hans Trapp" gedroht, wenn sie nicht gehorsam waren. (In der Pfalz ist das "der Melac", ein General Ludwig des XIV, der sich durch seine besondere Grausamkeit im Pfälzischen Erbfolgekrieg ausgezeichnet hatte.) An Weihnachten sammelt nach dieser Sage der Hans Trapp die bösen Kinder ein, um sie auf sein Schloss, den Berwartstein, zu bringen. Die Stadt Wissembourg hat diese Tradition touristisch vermarktet, indem jedes Jahr am 22. Dezember ein Christkindel- und Hans-Trapp-Umzug organisiert wird, der zweisprachig abgehalten wird.
Jean Dentinger: Hans Trapp
Das ganze Elsass kennt das Christkindel. In der Weihnachtsnacht geht eine weissgekleidete junge Frau von Haus zu Haus, um den Kindern Geschenke zu bringen. Oft ist es eine Nachbarin, die sich gut verkleidet hat, damit die Kinder sie nicht erkennen. Ein bärtiger Mann mit einem grossen Sack begleitet sie. Er heisst Hans Trapp und straft die bösen Kinder.
Wenn daher ein Kind nicht brav ist, sagen die Eltern ihm: «Achtung, wenn Du so weitermachst, wird Hans Trapp Dir an Weihnachten eine gehörige Tracht Prügel verabreichen (Er wird Dir Schmier gänn), er wird Dich in seinen grossen Sack stecken und mitnehmen. »
Einige Historiker sind der Ansicht, Hans Trapp habe seinen Namen von einem gewissen Hans von Dratt, einem verrufenen Schlossherrn, der am Ende des XV. Jahrhunderts im nördlichen Elsass sein Unwesen trieb.
Der Herr Hans von Dratt wohnte auf dem Berwartstein (auch Berbelstein genannt) bei Weissenburg, einer Burg, die ihm der Churfürst der Pfalz, Friedrich der Siegreiche, zu Lehen gegeben hatte.
Er unterdrückte die Bevölkerung und war voller Schadenfreude, wenn er ihr Leid zufügen konnte. So hinderte er die Bauern daran, ihre Früchte auf den Weissenburger Markt zu bringen. Er verlegte auch das Bett der Lauter, um das Flössen des Holzes und den Betrieb der Mühlen unmöglich zu machen. Kurz, er war ein Sadist, den die Bevölkerung gern aufgeknüpft gesehen hätte, wiewohl er den Strick nicht wert war.
Hans von Dratt starb im Jahre 1514, ungefähr zehn Jahre vor Ausbruch des Bauernkrieges (1525).
Aus: Dentinger, Jean: 2000 Jahre Kultur am Oberrhein. Mundolsheim u.a. 1977, 74.
Anregungen für den Unterricht
- Und das hier? Ist das eine Sage? Formuliert die dargestellten Informationen zu einer Sage um.
- Informiert Euch genauer über den Berwartstein und den Raubritter Hans Trapp.
- Im Elsass sagt man zu Kindern, die nicht brav sind, der Hans Trapp käme sie holen, in der Pfalz ist das der Melac. Wer war das? Informiert Euch. Was sagt das über die deutsch-französischen Beziehungen aus.
Autorin: Annette Kliewer
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