Nationalsozialismus in der Region
Thema: Nationalsozialismus in der Region
Klassenstufe: 9/10
Bezug zu anderen Fächern: Geschichte
Karikatur: "Scher dich da weg, du sale boche!"
Hermann Gerstner: Grenzlandlied
Die nationalsozialistische Invasion hat bis heute ihre Spuren im kollektiven Gedächtnis der Bevölkerung v.a. im Elsass hinterlassen. Deutsche Kultur und Sprache wurden nach 1945 erfolgreich durch die französische Schul- und Kulturpolitik zurückgedrängt, weil sie schon durch das Auftreten der Nationalsozialisten diskreditiert war. Erschwert wurde die Bewältigung der Phase zwischen 1940 und 1944 dadurch, dass die Nationalsozialisten bei einem Teil der Bevölkerung auf Zustimmung stießen, bei denen nämlich, die die französische Präsenz nach 1918 als Unterdrückung des elsässischen Regionalismus empfunden hatten.
Werbe-Anzeigen
Elsässische Hemden-Fabrik
E. BIEHLER
MÜLHAUSEN Hindenburgstrasse 7-9
(Franklinstrasse) Fernruf 3219
Sporthemden für Herren und Knaben
Diese Marke bürgt für Ia Qualität, guten Schnitt und tadellosen Sitz
Die modische Qualitätskleidung für Herren und Damen
Uniformen - Berufs,- Werkschutz- und Wetterschutzkleidung
F Neidl & Co., Mülhausen
Mass- und Bekleidungshaus, Eigene Werkstätten
Metzgergasse 2 (am Adolf-Hitler-Platz), Fernruf 2852/2854
Aus: Vogesen-Heimatkalender. Ein Kalender über Land und Leute am Oberrhein 1(1943), o.S. (Anhang)
Anregungen für den Unterricht
- Wie kann man in den Werbeanzeigen in elsässischen Zeitschriften erkennen, dass das Elsass nun besetzte Zone ist?
Gauleiter Robert Wagner
Robert Wagner (geboren 1895, hingerichtet 1946) war von 1933 bis 1945 Reichsstatthalter von Baden, ab 1941 des Oberrheins (Baden und Elsass). Er war Hitler bedingungslos ergeben. Dies zeigt auch seine Rede auf der ersten Großkundgebung am 20. Oktober 1940 in Straßburg, aus der im Folgenden zitiert wird. Dabei bringt er die deutsche Politik im Elsass nach der Annektion auf den Punkt: Das Elsass war schon immer deutsch und wird nun vor der welschen Kultur gerettet.
Gauleiter Robert Wagner in Straßburg
Das Elsaß soll wieder sein, was es nach der Bestimmung des Herrgottes immer war: Blut von unserm Blut und Geist von unserm Geist, ein Teil der unbezwinglichen, wieder einig, stark und jung gewordenen deutschen Nation, die unter dem größten Führer, den Deutschland je hervorgebracht hat, aufgebrochen ist, zu neuen Idealen, zu neuer Zeit und zu einer neuen glücklichen Zukunft.(...)
Ich bin gekommen, um mit allen meinen Kräften dafür einzutreten, dass das Elsaß frei wird von der Herrschaft Fremder, frei wird von einem unerhört grausamen Schicksal und nunmehr für alle Zeiten heimfindet zu seiner deutschen Mutter. Darin sehe ich meinen Auftrag. Und ich weiß heute schon, dass das elsässische Volk mir bei der Erfüllung meines Auftrags willig Gefolgschaft leisten wird!
Aus: Oberrheinischer Heimatkalender für Baden und das Elsaß 1941, 3
Anregungen für den Unterricht
- Wie sollen sich die Nationalsozialisten im Elsass verhalten? Wie sieht ihr Umgang mit der Bevölkerung aus? Wie ihre Sprachpolitik? Wie ihre Kulturpolitik (Umgang mit Literatur, Radio, Theater, Musik, Museen,...)? Was sagt die Rede darüber?
- Schreibt im Verwaltungston Richtlinien für die deutschen Besatzer im Elsass, die Robert Wagner erlassen haben könnte.
Karikatur: "Scher dich da weg, du sale boche!"
Es handelt sich beim dem Bild um eine antisemitische Karikatur aus der autonomistischen Satire-Zeitschrift "Das Narrenschiff" aus dem Jahr 1933.
Aus: "Das Narrenschiff" 21 (1928) In: Hallier, Christian: Vom Selbstbehauptungskampf des deutschen Volkstums im Elsass und in Lothringen 1918-1940. Bühl 1944, Tafel 21. Quelle: Konkordia im Bildungsverlag EINS GmbH, Troisdorf.
Anregungen für den Unterricht
- Welche Stereotypen werden in dieser Karikatur angesprochen?
- Untersucht den historischen Hintergrund der Karikatur.
Hermann Gerstner: Grenzlandlied
Hermann Gerstners Gedicht hat mit traditionellen Heimatgedichten nichts mehr gemein. Es geht nicht mehr um die Erhaltung einer besonderen Kultur, um einen Dialekt oder eine bestimme Region, sondern das "Grenzland" hat seine Bedeutung nur im Kontext einer Vorstellung von einer nationalen Einheit des Volkes, das verteidigt werden muss gegen Eindringlinge. In diesem Sinne ist das Gedicht auch ein Kriegsgedicht.
Hermann Gerstner: Grenzlandlied (1943)
Wir kommen vom Norden, kommen vom Süden,
vom Westen und Osten hallt unser Schritt.
Wir drängen herbei, die Grenze zu hüten,
der Glaube der Heimat wanderte mit.
Hier an den Marken halten wir Wacht,
Deutschland, für dich durch Tage und Nacht!
Wir rufen die Losung unter die Bauern:
ihr Siedler des Landes wahrt euer Gut!
Die Ahnen vererbten euch diese Mauern,
sie gaben dem Acker Leben und Blut.
Hier an den Marken blühe ihr Stamm,
stehe bereit als lebender Damm!
Wir künden die Weihe heimischer Erde
und sprechen sie heilig, rühmen sie laut.
Denn wer ihren Segen kämpfend vermehrte,
hat kraftvoll am Werk des Reiches gebaut.
Hier an den Marken tönt nun Gesang,
wo einst der Väter Schwertruf erklang!
Wir wollen in dieser Stunde der Größe
uns tiefer bekennen zu unserem Land.
Wie oft war die Grenze laut vom Getöse,
wie oft war des Krieges Feuer entbrannt!
Hier an den Marken trug man die Not,
stritt um die Heimat, rang um das Brot!
Wir wollen uns ganz der Fahne verpflichten,
die herrlich in unserem Grenzlande weht.
Wir wollen das Holz zum Feuerstoß schichten,
so findet uns jeder, der mit uns geht.
Hier an den Marken rufen wir hell:
Ewiges Deutschland, wir sind zur Stell!
Aus: Lindemann, Klaus (Hrsg.): Heimat. Gedichte und Prosa. Stuttgart 1992, 113.
Anregungen für den Unterricht
- Wie begründet Gerstner die Politik der "Grenzsicherung"?
- Vergleicht Gerstners Gedicht mit einem traditionellen Heimatgedicht (Paul Münch, Helmut Metzger, Heinrich Meyer). Wo sind die Unterschiede?
- Stellt Euch vor, es gebe eine Kommission, die überprüfen muss, ob Hermann Gerstner im Sinne der nationalsozialistischen Ideologie geschrieben hat. Als Beispiel soll das vorliegende Gedicht untersucht werden. Spielt dieses Verfahren: Bildet einen Ausschuss zur Anklage und einen zur Verteidigung von Gerstner, die jeweils vor der Kommission ihre Argumente vortragen sollen. Die Kommissionsmitglieder haben das Recht an beide Ausschüsse Fragen zu stellen.
Jacob Böshenz: Gruß dir Pfalz
Jacob Böshenz, nach dem der pfälzische Mundartpreis benannt wurde, weil er sich als Heimatdichter und Bürger der Gemeinde Bockenheim besonders für die Regionalliteratur engagiert hatte, ist zugleich eine umstrittene Persönlichkeit, weil er zur Zeit des Nationalsozialismus zu guter Zusammenarbeit mit den Machthabern bereit gewesen war. Von seiner fragwürdigen Haltung zeugen auch noch Texte aus der Zeit nach 1945 wie das folgende: Hier finden sich vor allem gegen Schluss Verweise darauf, dass das "Deutsche" doch noch wichtiger ist als das "Pfälzische".
Jacob Böshenz: Gruß dir Pfalz
Pfälzer Land am grünen Strome,
Heimaterde, heil'ger Rhein,
laßt mich knie'n, wo eurer Dome
Türme glüh'n im Morgenschein
Berge, rebenblutgesüßt,
seid mir tausendmal gegrüßt!
Traute Rast in dunklen Wäldern,
wo die Burgen trotzig steh'n,
gold'ner Glanz von Ährenfeldern,
wenn die Sicheln drüber geh'n,
Mühlrad, das sich schwingt im Tal,
seid gegrüßt mir tausendmal!
Männer stolz und stark zu schauen,
frei das Wort und froh der Sang,
und ihr süßen Pfälzer Frauen,
seid gepriesen lebenslang!
Reine, treue, deutsche Art!
Bleibt in Frieden uns gewahrt!
Pfälzer Herzen, Pfälzer Erde,
lange trugt ihr fremdes Joch,
lange trugt ihr Knechtsgebärde,
aber deutsch, deutsch bleibt ihr doch.
Deutsch auf ewig, Gott erhalt'sl
Segen über dich, o Pfalz!
Aus: Böshenz, Jacob: Stimme der Heimat. Geschichte und Geschichten von Bockenheim nebst einem Anhang heimatlicher Lyrik. Bockenheim: Gemeindeverwaltung Bockenheim 1951
Anregungen für den Unterricht
- Der Jacob Böshenz-Preis wird jedes Jahr von der Gemeide Bockenheim für einen Schriftsteller vergeben, der sich für die pfälzische Literatur eingesetzt hat. Informiert Euch über die Bockenheimer Mundarttage im letzten Jahr.
- Im Jahr 1991 wies der Schrifsteller Michael Bauer diesen Preis zurück, weil er nicht in die Tradition von Böshenz gestellt werden wollte. Das obige Gedicht wurde nach 1945 veröffentlicht. Hätte es Bauer in seinem Ablehnungsschreiben zitieren können?
- Schreibt einen Leserbrief auf Bauers Ablehnung. Stimmt Ihr ihm eher zu oder lehnt Ihr seine Entscheidung als übertrieben ab?
Autorin: Annette Kliewer
Weiter zu
Zurück zur Übersicht.







