Albert Einstein: Mythos und Medienstar
Der "Mythos Einstein" besteht im Grunde aus drei Elementen:
seinem Charakter,
Er wird beschrieben als jemand, der sein Leben lang Kind geblieben ist: offen und neugierig, spielerisch und witzig, gerechtigkeitsliebend und kühn, aber auch störrisch und dickköpfig. Seine äußere Erscheinung, das wie ein Sternenkranz abstehende Haar und die stets nackten Füße (Einstein trug nie Socken), seine Witze, Spötteleien und in Gedichtform vorgetragenen Kalauer, sein Geigenspiel und das Geheimnis um sein Familienleben faszinierten die Menschen damals wie heute. Schon in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts war Albert Einstein ein Medienstar. Im Berliner Tagblatt vom 12.4.1922 heißt es beispielsweise:
"Dieser Deutsche hat Paris erobert. Alle Zeitungen haben sein Bild gebracht, eine ganze Einstein-Literatur ist entstanden...Einstein ist die große Mode geworden. Akademiker, Politiker, Künstler, Spießer, Schutzleute, Droschkenkutscher, Kellner und Taschendiebe wissen, wann Einstein seine Vorlesungen hält..."
Dass er in seinen zwei Ehen "schmählich" scheitert, wie er selbst bemerkt, und er zu seinen Kindern stets auf Distanz blieb, tut seinem Ansehen auch in späteren Jahren keinerlei Abbruch.
"Ich bin ein richtiger Einspänner, der dem Staat, der Heimat, dem Freundeskreis, ja, selbst der eigenen Familie nie mit ganzem Herzen angehört hat, sondern all diesen Bindungen gegenüber ein nie sich legendes Gefühl der Fremdheit und des Bedürfnisses nach Einsamkeit empfunden hat".(zitiert in: Einstein sagt - Zitate-Einfälle-Gedanken, München 1997, S. 44)
In England, USA - überall auf der Welt bilden sich sofort Menschentrauben um den berühmten Physiker, die Massen jubeln ihm zu und erbitten Autogramme. Man erzählt sich von "Damen in Pelzmänteln", die mit dem Opernglas seine Vorlesungen besuchten, um einen Blick auf den berühmten Einstein zu erhaschen. Mit einer Vielzahl von Wissenschaftlern, Künstlern, Musikern und Philosophen stand Albert Einstein in engem Kontakt. Viele von ihnen hat er mit seinem Leben und seiner politischen Grundüberzeugung stark beeinflusst (Man denke nur an "Die Physiker" von Friedrich Dürrenmatt, in denen Einstein explizit als Person vorkommt.)
Seine Theorien
Zum Mythos tragen auch seine schier unglaublichen wissenschaftlichen Erkenntnisse bei, mit denen Albert Einstein nicht nur die Physik revolutionierte, sondern auch vielen anderen Fachrichtungen den Weg ins 20. Jahrhundert wies. Innerhalb nur eines Jahres - 1905, es wird ehrfürchtig "annus mirabilis" genannt - entstanden fünf von Einsteins wichtigsten Werken:
- die spezielle Relativitätstheorie (veröffentlicht unter dem Titel "Zur Elektrodynamik bewegter Körper"),
- "Über einen die Erzeugung und Verwandlung des Lichts betreffenden heuristischen Gesichtspunkt" (dies ist die Lichtquanten-Hypothese, für die er 1922 den Nobelpreis erhielt),
- "Eine neue Bestimmung der Moleküldimensionen" (dies war die Grundlage seiner Dissertation an der Universität Zürich),
- "Ist die Trägheit eines Körpers von seinem Energieinhalt abhängig?" (in diesem Aufsatz taucht die berühmte Formel E=mc² zum ersten Mal auf) und
- "Über die von der molekularkinetischen Theorie der Wärme geforderte Bewegung von in ruhenden Flüssigkeiten suspendierten Teilchen".
Mehr zu den Bahn brechenden Erkenntnissen
Die Neugier hat ihn schon im Kindesalter zur Wissenschaft gebracht, er las und las und las, während andere spielten. Neugier und Offenheit prägten auch seine Tätigkeit im Berner Patentamt, die mancher heute noch mit ungläubigem Kopfschütteln kommentiert. Mit der spielerischen Lust am gedanklichen Experiment ging er ans Ersinnen der Bahn brechenden Theorien um Zeit, Raum, Masse und Licht. In seinen wissenschaftlich produktivsten Jahren zwischen 1905 (Spezielle Relativitätstheorie) und 1925 kommt auch seine pazifistische und gerechtigkeitsliebende Seite zum Ausdruck.
Sein politisches Engagement

- Eine Gruppe Kinder gratuliert Albert Einstein (r) in dessen Haus in Princeton (New Jersey) zum 70. Geburtstag. Vorn Einsteins Hund Chico. Bei den Kindern handelt es sich um sogenannte "displaced persons", Menschen die vorwiegend aus Osteuropa vertrieben worden waren. Bild: dpa
Er nennt sich selbst einen "Obersozi" der Akademiker, er tritt während des Ersten Weltkriegs einer pazifistischen Vereinigung bei - eine Ausnahme unter den Wissenschaftlern seiner Zeit. In Deutschland wird er in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts als Jude angefeindet, erhält Morddrohungen, vor denen ihn auch die Zugehörigkeit zur Preußischen Akademie der Wissenschaften nicht schützt. Seine Vorlesungen an der Humboldt-Universität in Berlin bricht er nach dem Mord an Walther Rathenau, dem deutschen Außenminister, im Jahr 1922 ab. Bereits 1919 hatte Albert Einstein in einem Artikel im "Berliner Tagblatt" vor der rechten Demagogie gewarnt:
"All diese Argumente zielen darauf, schärfste Maßnahmen, d.h. Zusammenpferchung in Konzentrationslagern oder Auswanderung aller Zugewanderten zu erzwingen". (zitiert in Jürgen Neffe, Einstein - eine Biografie, Reinbek 2005, S. 348)
Gerade in Zeiten des aufziehenden Faschismus in Deutschland betont Albert Einstein seine pazifistische Gesinnung immer wieder. Er wirbt für seine Haltung in der Öffentlichkeit.
"Als wichtigste Aufgabe des Staates sehe ich die, das Individuum zu schützen und ihm die Möglichkeit zu bieten, sich zur schöpferischen Persönlichkeit zu entfalten...Dies Gebot verletzt der Staat, wenn er uns mit Gewalt dazu zwingt, Militär- und Kriegsdienst zu leisten."
"Mein Pazifismus ist instinktiver Natur - ein Gefühl, von dem ich besessen bin. Der Gedanke des Mordes an einem menschlichen Wesen erfüllt mich mit Abscheu. Meine Haltung ist nicht von intellektueller Theorie, sondern von einem tiefen Widerwillen gegenüber jeglicher Art von Grausamkeit und Hass motiviert". (zitiert in: Einstein sagt - Zitate-Einfälle-Gedanken, München 1997, S. 158ff)
Sein "Glaubensbekenntnis" nimmt er für die "Deutsche Liga für Menschenrechte" 1932 sogar auf Schallplatte auf.
Selbst seine Rede zur Eröffnung der Funkausstellung in Berlin 1930 nutzt er für einen Hinweis, dass es die Aufgabe des Rundfunks sei, zur Völkerverständigung beizutragen:
Rede zur Eröffnung der Funkausstellung, 1930.
Beide Originaltöne wurden uns vom "Deutschen Rundfunkarchiv" in Wiesbaden zur Verfügung gestellt.
Autorin: Ingrid Bounin
Einstein - Literaturtipps
Sascha Trippe:
Gekrümmter Raum und gebogene Zeit.
Sascha Trippe:
Masse - eine Größe von Gewicht.
Sascha Trippe:
(Fast) alles ist relativ.
Ralf Koehler:
Raum.
Albert Einstein:
Mein Glaubensbekenntnis.
Agentur Einsteinjahr 2005:
"Aus Ihnen wird nie etwas, Einstein!"







