Mut zum Detail II - Bilderrätsel
Die Begrenzung durch den Bildausschnitt bewirkt, "... dass es oft sehr schwierig ist, im Photo die räumlichen Verhältnisse der dargestellten Situation einleuchtend wiederzugeben. (...) (deshalb B. M.) braucht man, um die Größe eines Gegenstandes zu zeigen, Vergleichsmaßstäbe (...) jemand, der eine Photographie oder ein Filmbild betrachtet, (ist) zunächst rein auf das angewiesen, was ihm die Augen zeigen, also durch keinerlei Körpergefühle unterstützt, und hat weiterhin auch von der optischen Situation nur das, was eben gerade im Rahmen des Bildes steht, als Orientierungsmittel" (ARNHEIM 2003 S. 32). Dieser medienstrukturelle Umstand kann im Rahmen von Übungen spielerisch genutzt werden, um das Verhältnis von Detailaufnahme und Totalaufnahme zu vermitteln.
Die Kinder sitzen im Kreis und die medienpädagogische Begleitung, im Folgenden mit MB abgekürzt, zeigt ein Bild, auf dem ein Gegenstand nicht 'einleuchtend' (ARNHEIM S. o.) dargestellt ist, sondern in Detailaufnahme so abgebildet wurde, dass nicht sofort klar wird, um welchen Gegenstand es sich handelt. Das Bild hat DinA4 Format und steckt in einer Klarsichthülle. Die Kinder versuchen nun den Gegenstand zu erraten. Sobald das Rätsel gelöst ist, wird das Bild herumgedreht und auf der Rückseite ist derselbe Gegenstand gut erkennbar aus größerer Entfernung (Totale) abgebildet. Die Person, die den Gegenstand erraten hat, bekommt von der medienpädagogischen Begleitung das nächste Bild überreicht und lässt die anderen Kinder weiterraten.
Input der MB: "Solche Bilder, die ihr gerade erraten habt, dürft ihr jetzt selber machen. Ihr sucht auch Dinge im Schulhaus oder auf dem Schulhof aus, fotografiert sie zweimal. Einmal ganz nah rangehen (30 cm), so dass man es nur schwer erkennt, und einmal von weiter weg, dass man es gut erkennt."
Um Missverständnisse so gering als möglich zu halten, wird ein Bildpaar mit den Kindern gemeinsam im Produktionsraum erstellt und am Beamer gesichtet.
"Damit das Ganze ein wenig spannender wird, bilden wir zwei Gruppen und die Bilder, die ihr macht, muss dann jeweils die andere Gruppe erraten. Schaut, dass ihr 5 Bildpaare hinbekommt."
Die entstandenen Bilder werden am Computer betrachtet, die Kinder raten jeweils gegenseitig, welche Gegenstände aufgenommen wurden. Im Vergleich werden die zugehörigen 'Normalbilder' gezeigt.
Abbildung 45: Beispiele für Ratebildpaare
Hauptintention dieser Übung ist einerseits, die Kinder dazu zu motivieren, mit der Kamera nah an die Aufnahmeobjekte heranzugehen. Andererseits soll ein erstes Bewusstsein dafür entwickelt werden, wie die Art der Inszenierung eines Objektes seine Bedeutung verändern kann. Eine weitere Erkenntnis ist die, dass 'rätselhaft' aufgenommene Objekte einen gewissen Reiz ausüben können, der Rezipienten dazu veranlasst, sich mit Bildern auseinanderzusetzen.
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