Mehrsprachiges Zeitungsmodul
Wie kann eine mehrsprachige Zeitung aussehen? Hier soll ein Grundmodul beschrieben werden, bei dem nicht alle Texte in alle Sprachen übersetzt werden, aber die Texte dennoch für anderssprachige Leserinnen und Leser nachvollziehbar sind. Eine Zeitung, die so zusammengesetzt wird, ist eine Sammlung mehrerer Sprachen, die zunächst bis zu einem gewissen Grad unter sich bleiben. Sie ist aber gleichzeitig eine Einladung, sich mit den Sprachen näher zu beschäftigen. Es ist wie mit synchronisierten Filmen. Niemand interessiert sich mehr für die Originalsprache der Akteurinnen und Akteure, sobald eine andere Sprache auf deren Lippen gesetzt wird. Bei der Originalfassung mit Untertiteln ist das schon eine andere Sache. Selten schafft es das Publikum, die gesamten Untertexte zu erfassen, also wird die gesprochene Sprache relevant, auch wenn sie zunächst nicht verstanden wird. Ebenso verhält es sich bei anderssprachigen Texten: Die Leser erkennen die Relevanz durch beigefügte Bilder, durch die Handschrift oder einfach durch die Intention der Texte.
Beschreibung des Grundmoduls für einen anderssprachigen Zeitungsbeitrag:
Ein Kind schreibt einen Text in seiner Muttersprache (z.B. Albanisch) und erfindet dafür eine passende Überschrift. Zu diesem Text soll nun anderssprachige Beifügungen erhalten.
Beispiele für anderssprachige Beifügungen:
Überschrift in der anderen Sprache 1.
Kurzinhalt (2 Sätze) in der anderen Sprache 2.
Kurzinformation über den/die AutorIn in der anderen Sprache 3.
Auf diese Weise erhält der albanische Text des Kindes bereits drei Beifügungen (z.B.) in Deutsch, Türkisch und Rumänisch. Mit Überschrift, Kurzinhalt und Autoren-Info ist der Text sehr gut charakterisiert. Gibt es in der Klasse mehr als vier Sprachen, kann etwa die Überschrift nicht in einer, sondern in zwei anderen Sprachen erscheinen.
Beispiel für ein so ausgeführtes Modul (Der allgemeinen Verständlichkeit wegen erscheint der Inhalt hier in englischer Sprache):
The Diary / yevmiye defteri
I'm Frank. Last Sunday morning I took my bike to visit my friend Stanley. We had an appointment at 10 am for riding to the old mill. But when I wanted to start over there was a book on the carrier. I was very astonished about it. I opened it. It was a diary. I did'nt read anything, and brought the diary to the next police station.
Frank fand ein Tagebuch auf seinem Fahrrad
und brachte es zur Polizei.
Frank ma dziewięć lat. On jest z Krakowa.
Die Beifügungen sind in Türkisch, Deutsch und Polnisch verfasst und liefern jeweils eine Teilinformation. Die Information wird sozusagen auf mehrere verschiedensprachige Leserinnen und Leser aufgeteilt.
Vorteile dieser Sprachenaufteilung - Ausgewogenheit erzielen: Jugendliche und erwachsene Leser werden zunächst "ihre Sprache" suchen und auch alle Teile, die in ihrer Sprache geschrieben sind, lesen. Auf diese Weise entsteht ein "Vorinteresse", das nicht immer vorhanden ist, wenn Kinder Zeitungen in die Hand nehmen und eher die Abbildungen suchen.
Natürlich muss auf Ausgewogenheit zwischen den Sprachen geachtet werden. Gibt es 5 Sprachen in der Gruppe, dann sollte zunächst darauf geachtet werden, dass auch 5 "Kerntexte" in jeweils einer Sprache zustande kommen. Wie sich dann die übrigen vier Sprachen auf die Beifügungen verteilen, muss mit den Kindern besprochen werden.
Die nachfolgenden Ausführungen beziehen sich auf die Einbindung dieses Moduls in eine einfache Zeitungsform.
Die Vorbereitungsstunde - Erfinden der Redaktionen:
Zunächst einmal soll es zwei bis drei verschiedene Zeitungsredaktionen geben. Damit wären auch gewisse Inhalte vorgegeben.
Beispiele für Redaktionen:
Aktuelle Erlebnisse und Erfahrungen ("Erlebnisredaktion")
Statements, Kritiken und kluge Tipps ("Gedankenredaktion")
Geschichten und Gedichte ("Leseredaktion")
Ideen und Visionen ("Zukunftsredaktion")
Erfinden des Zeitungsnamens:
Ein guter Name ist wichtig, weil er mit dem Inhalt identifiziert wird. Die gesamte Gruppe überlegt sich einen passenden Namen und ein passendes Logo.
Aufteilen in gemischtsprachige Redaktionsteams:
Jetzt bilden die Kinder für jede Redaktion ein eigenes Team aus maximal 4 Kindern. Diese Teams arbeiten gemeinsam an den Texten. Dabei sind sprachhomogene Teams nicht erforderlich. Das obige Textbeispiel etwa besteht aus vier Sprachen (Text in Englisch, zweite Überschrift in Türkisch, Kurzinhalt in Deutsch und Kurzinfo in Polnisch). Die Kinder müssten eine "Verkehrssprache" finden, in der sie sich verständigen.
Selbstständiges Arbeiten während der nächsten drei Wochen:
Die Kinder recherchieren selbstständig (vielleicht in ihrer Freizeit oder in Schulpausen) und verfassen nach und nach handschriftliche Beiträge im DIN A4- oder DIN A5-Format. Die Beiträge beinhalten alle Elemente des Grundmoduls (siehe oben). Die Teams haben natürlich auch die Möglichkeit, ihre Beiträge am PC zu verfassen und auszudrucken. Fotos oder Zeichnungen können ebenso einbezogen werden. Berteuungspersonen stehen in dieser Zeit beratend zur Verfügung.
Produkte, die in anderen Workshops der mehrsprachigen Medienarbeit entstanden sind, können auch in die Zeitung einfließen. Es muss also nicht alles neu ausgedacht werden.
Produktionswerkstatt - Drei Stunden:
Alle treffen sich wieder, um aus dem losen Material eine Zeitung zu erstellen. Entweder wird alles auf DIN A4-Blätter geklebt - Texte, Fotos und Zeichnungen - , um eine Kopiervorlage zu erhalten, die dann vervielfältigt wird. Oder das Material wird in den PC eingescannt und dort zu Zeitungsseiten verarbeitet.
Die erste Seite der Zeitung: Diese sollte einige gleichbleibende Elemente enthalten, damit die Zeitung auch bei der nächsten Nummer gleich wiedererkannt wird.
Gleichbleibende Elemente der ersten Seite:
Name der Zeitung
Logo
Impressum (Adresse)
Alle Sprachen der Gruppe sollten auf der ersten Seite vertreten sein.
Was sonst noch auf der ersten Seite aufscheinen soll, bestimmen die Kinder selbst. So könnte es etwa ein Inhaltsverzeichnis in allen Sprachen geben oder eine passende Schlagzeile, die ebenfalls in alle Sprachen übersetzt ist, und/oder ein Foto.
Entfaltungsmöglichkeiten:
Der Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt. Die Kinder können sich formale Anregungen in anderen Zeitungen holen (Wie ist das dort gemacht?). Vielleicht werden sie auch das Grundmodul verlassen und andere Modelle finden, um Mehrsprachigkeit zu platzieren.
Rahmenbedingungen für das Projekt "Mehrsprachige Zeitung"
| Ziel | Kontinuierliches Arbeiten an Zeitungsartikeln |
| Themen | Alle Themen, welche die Kinder als relevant erachten |
| Ergebnis | Herausgabe einer Infozeitung |
| Präsentation | Gruppenübergreifend |
| Sprache | Vielsprachig |
| Arbeitsform | Arbeit mit der gesamten Gruppe und in Kleingruppen |
| TN | 12 bis 20 Kinder |
| Alter | 9 bis 13 Jahre |
| Dauer | 2 (Schul-)Stunden mit Pause als Vorbereitung, selbstständiges Weiterarbeiten mit Betreuung und fachlicher Unterstützung, 3 Stunden Produktionswerkstatt |
| Betreuer | Zwei Betreuungspersonen |
| Geräte | A4-Blätter, Notizblöcke und Schreibgerät, PC und Drucker, Digitalkamera für Recherchen, Papierklebstoff für Kopiervorlagen, ev. Scanner |
| Räume | Innenrau |
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