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Medien am Oberrhein

Medien spielen eine herausragende Rolle bei der Herausbildung von Stereotypen vom anderen und von sich selbst. Dabei orientieren sie sich meistens an einem nationalen Publikum. Regionalzeitungen und Regionalsender dagegen bemühen sich bewusst darum, Signale auszusenden, um die Leserschaft/Zuhörerschaft davon zu überzeugen, dass man ihnen "nah" ist, dass man so besser um ihre Probleme weiß als die "fernen" Nationalmedien, dass man mit ihnen mitfühlt. Welche Rolle spielen die Medien in einer grenzüberschreitenden Region? Kommt es hier zu einer Übernahme der generalisierten Sicht auf den Fremden oder bemüht man sich auch hier um Nähe?

Thema: Medien

Klassenstufe: 9-10

Bezug zu anderen Fächern: Bildende Kunst, Sozialkunde

 

Regionalzeitungen

Internet

Fernsehen

 

Regionalzeitungen

Zeitungen dienen im besonderen Maße dazu, Gemeinschaften zu bilden (vgl. Anderson 1996). Die Leserinnen und Leser von Regionalzeitungen nehmen sich selbst als Menschen wahr, die zumindest örtlich zusammengehören. Dabei ist von besonderem Interesse, wie die Grenzen nach außen gestaltet werden - zu anderen Regionen, zur deutschen Nationalkultur, zu fremden Kulturen. Wer gehört - nach dem Diskurs der Zeitung - zu den "Unseren", wie wird signalisiert, dass das Berichtete "von uns" handelt? (vgl. Schäfer 2003)

 

Literaturhinweise:

Schäfer, Patrick: DNA - L´Alsace - Die Rheinpfalz. Verfahren der Nähekommunikation im Vergleich. In: Lüger, Heinz-Helmut: Im Blickpunkt: das Elsass. Landau 2003, 231-264.

Schäfer, Patrick: Regionale Identität in Mundartbeiträgen der pfälzischen und elsässischen Presse. In: Beiträge zur Fremdsprachenvermittlung 42 (2004), 25-50.

Mathien, Michel/ Klingelschmitt, René: Tagespresse im Elsass und in Baden-Württemberg. In: Lüger, Heinz Helmut: Im Blickpunkt: das Elsass. Landau: Knecht 2003, 187-206.

 

Ploch/ Raschke-Ostermann/ Tertilt: Eigene Fremde jenseits der Grenze

Die Arbeitsgruppe um Ploch/Raschke-Ostermann und Tertilt hat im saarländisch-lothringischen Grenzgebiet die Beziehungen an der Grenze und dabei vor allem die Wahrnehmung des Nachbarn in Regionalzeitungen untersucht. Dabei kommen sie zu folgenden Typen der Grenzziehung in den Zeitungen auf beiden Seiten der Grenze:

 

"Am sichtbarsten unter jenen Prozeduren, die Fremdheit schaffen und damit die Grenze organisieren, ist der "selektive Blick", oder- um es deutlicher zu sagen - das gegenseitige Nicht-Wahrnehmen und Wegblenden von journalistischen Themen, die den Nachbarn auf der anderen Seite der Grenze gerade am stärksten beschäftigen."(677)

2) "Eine zweite Form der Grenzziehung ist die Verdrängung von gemeinsam erlebter Geschichte. Geschichte wird (...) aufgespalten in eigene und fremde Vergangenheit." (677 f.)

3) "Ein anderer Typ von (...) Grenzziehung ist, so will ich es einmal nennen, das Tabu der offenen Kritik. Offene Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Interessen und Lebensformen in der Nachbarregion werden durch die Ordnung des Freundschaftsdiskurses gebannt und ausgeschlossen. Dieses Tabu der Kritik, das zwangsläufig zur Entfremdung der anderen Seite führt, kann jedoch umgangen werden, indem interne Kritik aus dem Nachbarland aufgegriffen und von einem quasi neutralen Standpunkt aus wiedergegeben wird. So lässt man die anderen sagen, was man eigentlich immer schon einmal sagen wollte." (679)

4) Der vierte Typus der Grenzziehung: "ich meine die Schaffung einheitlicher Fremd- und Selbstbilder, die auf einer nationalen und regionalen Vergleichsebene Identitäten definieren sollen. Das Bild vom 'faulen Franzosen' oder auf französischer Seite vom 'tumben Deutschen definiert natürlich nicht nur den anderen, sondern auch denjenigen, der die Klassifizierung vornimmt."( 679)

 

Aus: Ploch, Beatrice/ Raschke-Ostermann, Susanne/ Tertilt, Hermann: Eigene Fremde jenseits der Grenze. In: Greverus, Ina-Maria/ Köstlin, Konrad/ Schilling, Heinz (Hrsg.): Kulturkontakt - Kulturkonflikt. Zur Erfahrung des Fremden (28. Deutscher Volkskundekongress in Frankfurt vom 28. September bis 2. Oktober 1987). 2 Bde. Frankfurt/Main: Institut für Kulturanthropologie und Europäische Ethnologie der Universität Frankfurt 1987, Bd. 2, 673- 685.

 

Anregungen für den Unterricht

  • Stimmt das, was Ploch u.a. 1987 für die saarländisch-lothringische Presse schreiben noch heute für die pfälzisch-elsässische? Lassen sich ihre Muster auch auf unsere Presselandschaft übertragen?
  • Untersucht dazu deutsche und elsässische Regionalzeitungen der Region. (Von den Dernières Nouvelles d´Alsace gibt es auch deutschsprachige Ausgaben: Wendet Euch an folgende Adresse: Dernières Nouvelles d´Alsace, 67077 Strasbourg CEDEX, 17 Rue de la Nuée Bleue, Tel. 00333 88 2155 00, www.dann.fr) Ihr könnt auch die Internetfassung der Zeitungen benutzen.
  • Untersucht, wann, wie und wie umfangreich Eure Tageszeitung über das berichtet, was auf der anderen Seite der Grenze passiert. Dazu müsst Ihr sie mindestens eine Woche lang lesen. Ihr könnt Euch in Spezialgruppen aufteilen: z.B. Sport, Polizeiberichte, Lokales, Kultur,...
  • Besonders interessant sind auch die Überblicksreportagen zum abgelaufenen Jahr, die zu Silvester in den beiden Zeitungen erscheinen. Welche Meldungen über das Vorjahr sind identisch, wo lassen sich in der regionalen und in der nationalen Berichterstattung Unterschiede finden?
  • Vergleicht die Berichterstattung zu einem lokalen Ereignis in einer deutschen und einer französischen Zeitung. Wo wären Ergänzungen notwendig?
  • Sammelt ca. einen Monat lang Informationen über das Leben in der Grenzregion und gestaltet eine eigene grenzüberschreitende Zeitung. Wendet euch an die Regionalzeitungen. Eventuell haben sie Interesse an euren Ergebnissen.

Das Internet

Der Einsatz neuer Medien scheint für kleinräumige Arbeitsvorhaben überflüssig zu sein, ist doch der Computer eher geeignet große Distanzen zu überwinden und Kontakte zu Korrespondierenden weltweit herzustellen. Er ist aber auch für die grenznahe Arbeit in der Region eine wichtige Bereicherung.

 

Literaturhinweis:

Breilmann, Sybille/ Grunow, Cordula/ Schopen, Michael (Hrsg.): Computer, Internet & Co im Deutschunterricht ab Klasse 5. Berlin: Cornelsen Scriptor 2003. (Sehr gute praxisbezogene Anregungen für die Arbeit mit dem Computer sowie relevante Links.)

Wormer, Jörg: Internetbilder. In: LIFE. Ideen und Materialien für interkulturelles Lernen BMW AG 1997 ff., 2.7.5.

 

Anregungen für den Unterricht

  • Vergleicht die Internetseiten der Homepages verschiedener Institutionen Eurer Region und vergleicht sie mit entsprechenden Homepages auf der französischen Seite. In Frage kommen etwa folgende Institutionen: Museen, Theater, Kinos, Regionalzeitungen, Kommunale Einrichtungen, Bildungseinrichtungen (Universitäten, Schulen,....), Grenzüberschreitende Institutionen (PAMINA, Oberrheinrat,...).
  • Wie werden Bild und Wort eingesetzt. Welche Sprache(n) werden verwendet? Wenden sich die Websites an Menschen in der gesamten Region? Was könnte verbessert werden? Schickt Eure Kritik an die entsprechenden Institutionen! Erstellt eine Liste von Ausdrücken, die für Computernutzer wichtig sind und übersetzt sie gemeinsam mit Euren elsässischen Partnern.
  • Erstellt gemeinsam mit Austauschpartnern eine Webseite. Dabei könnt ihr gut als Tandems zusammenarbeiten.
  • Es gibt erste Versuche mit grenzüberschreitenden Online-Zeitungen - etwa im Rahmen von European Medi@Culture online und der passenden Projektplattform dazu, einem Projekt, das durch das Landesmedienzentrum Karlsruhe gerade für die Region entwickelt wurde. Informiert Euch über diese Arbeit.

Fernsehen

Der Sender FR 3 bietet eine ganze Palette von elsässischsprachigen Sendungen an. Dabei ist das Ziel, diese nicht in ein Dialekt-Ghetto abzuschieben, sondern in den normalen Fernsehtag aufzunehmen, mit kurzen Einsprengseln bei Nachrichten, Wetterbericht, Reportagen,... Geplant ist auch eine elsässische Kindersendung am Mittwochmorgen.

Die grenzüberschreitende Sendung "Triangle/Dreierlei" wird auf FR 3 zweimal wöchentlich gesendet, auf SWR 3 einmal wöchentlich. Montag bis Freitag um 18 Uhr 50 wird "RundUm" ausgestrahlt, eine elsässische Nachrichtensendung über die Region (www.france3.fr/semistatic/386-1267-NIL-190632.html).

 

Im Schulfernsehen wird in Zusammenarbeit zwischen SWR 3 und "La Cinq" eine Gemeinschaftssendung "Passe-partout" ausgestrahlt (Vgl. Begleitmaterial unter www.passe-partout.de.). Beim Südwestfunk Baden-Baden ist seit 2002 auch eine DVD mit 12 halbstündigen Sendungen dazu erhältlich.

 

Auch die Einbeziehung des zweisprachigen Senders ARTE bietet sich an, wenn er auch die Region nur selten berücksichtigt. Anregungen für grenzübergreifende Gespräche ergeben sich sicher aus der neuen viertelstündigen deutsch-französischen Sendung "karambolage", die seit Januar 2004 sonntagabends gesendet wird und die den Anspruch hat, Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden Nationen vorzustellen (www.arte-tv.com/karambolage: Hier können alte Sendungen eingesehen werden.).

 

Literaturhinweis zum Medienverhalten von Jugendlichen in der Region:

Bister-Broosen, Helga: Sprachkontakte und Sprachattitüden Jugendlicher im Elsass und in Baden. Vergleichende soziolinguistische Untersuchungen in Colmar (Frankreich) und in Freiburg und Müllheim (Deutschland). Frankfurt/ Berlin 1998.

 

Anregungen für den Unterricht

  • In Austauschgruppen könnte mit dem Fernsehen auch praktisch gearbeitet werden, z.B. in der Erstellung deutsch-französischer Nachrichtenprogramme von und für Jugendliche.
  • ARTE ist ein deutsch-französischer Kulturkanal in Strasbourg, Baden-Baden und Paris auf Französisch oder Deutsch. Ein Besuch dieses Kanals bietet sich an, weil er in der Region liegt.
  • Überprüfe, welche Sendungen es gibt, die das Regionalgeschehen darstellen. Wird dabei auch grenzüberschreitend berichtet?
  • Untersucht das Medienverhalten von Jugendlichen in der Pfalz und im Elsass: Führt dazu Umfragen durch: An welchen Tagen und wie lange sehen Schülerinnen und Schüler Fernsehen, hören Radio, lesen Bücher/Comics/Zeitungen, benutzen das Internet? Lassen sich Unterschiede zwischen den beiden befragten Gruppen feststellen? Führt diese Umfrage auch bei jüngeren Schülerinnen und Schüler oder bei Erwachsenen durch: Welche Unterschiede ergeben sich?

Autorin: Annette Kliewer

 

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