MAKS - Ausführliche Projektbeschreibung und Ergebnisse
5. Medienpädagogische Anmerkungen
6. Erfahrungen mit der Projektgruppe
7. Weitere Tipps und Anregungen
1. Projektziele
Der generationenübergreifende Ansatz war allen Beteiligten von Beginn an ein wichtiges Anliegen. In der ersten Sitzung wurden folgende Ziele und Grundsätze formuliert
<typolist>Alle am Projekt Beteiligten machen sich mit den neuen Medien vertraut und lernen voneinander.
Der Computer wird von den Seniorinnen und Senioren und den Kindern als kreatives Werkzeug entdeckt und genutzt.
Der Dialog zwischen den Generationen steht im Vordergrund -> Sprachförderung der Kinder; Begegnung und Produkte als Sprechanlässe.
In jedem Kindergarten wird mindestens ein Medienprojekt durchgeführt.
Der Computer wird in die Medienpädagogik der Kindergärten integriert.
Die Ergebnisse der generationsübergreifenden Projektarbeit werden in der Öffentlichkeit bekannt gemacht.</typolist>
Grundsätze
<typolist>Der Begegnung und dem Dialog verschiedener Generationen wird in diesem Projekt ein hoher Stellenwert zugemessen.
Das Zusammenspiel verschiedener Lebensalter und damit verbunden verschiedener Erfahrungen fordert von allen Beteiligten ein hohes Maß an Toleranz und Akzeptanz.
Die spezifischen Interessenslagen und Fähigkeiten der unterschiedlichen Altersgruppen werden entsprechend berücksichtigt.
Das Projekt hat Modellcharakter. Die Projektarbeit basiert in wesentlichen Teilen auf Beziehungen und Interaktion. Unter Berücksichtigung der mitwirkenden Altersgruppen ist es deshalb notwendig, die einzelnen Bereiche (Teilnehmerzahl, Inhalte, Dauer und Anzahl der Einzelprojekte) überschaubar zu halten.
Dennoch können die Ergebnisse und Erfahrungen publiziert werden um als Beispiel eines solidarischen Miteinanders von Generationen zur Nachahmung anzuregen.</typolist>
2. Verlauf

- Wilhelma-Memory
Das Projekt fand im Zeitraum von Februar 2004 bis Juli 2005 statt.
<typolist>Suche nach Projektpartnern durch die Projektleitung
erstes gemeinsames Treffen im Generationenhaus Heslach (ohne die Kindergartenkinder)
erste Fortbildungen im Generationenhaus Heslach
Startveranstaltungen mit den Kindern in den Einrichtungen
Medienarbeit (ca. alle 2 Wochen)</typolist>
- Kennen lernen und Formieren der Projektgruppe thematische Hinführung und Anbindung an die Leitthemen ("Tiere" und "Farben")
- technische Handhabung der Medien
- praktische Übungen und Experimente
- Erstellung eigener kreativer Produkte
- sonstige Aktivitäten
<typolist>Projektbegleitende Fortbildungen (ca. alle 4 Wochen)</typolist>
- Fotografieren mit der Digitalkamera
- Powerpoint-Präsentationen erstellen
- Tonaufnahmen
- abschließende Veranstaltungen mit den Kindern in den Einrichtungen
- öffentliche Abschlusspräsentation am 11.07.2005
3. Organisatorisches

- Herbststilleben
Nach der ersten Kontaktaufnahme mit den sechs Senioren vom SeniorenNet Stuttgart und Gesprächen mit den Kindergärten fand ein gemeinsames Treffen statt, bei dem man sich kennen lernte und Inhalte, Vorgehensweisen, Projektdauer, Zielvorstellungen und zukünftige Termine besprach. Mit den Möglichkeiten der digitalen Fotografie und Tonaufnahme und mit PowerPoint-Präsentationen sollten die Inhalte mediengerecht umgesetzt und dargestellt werden. Inhaltlich legte der Matthäuskindergarten das Thema "Tiere" fest, während sich die Kindertagesstätte Mörikestraße für das Thema "Farbe" entschied. Je drei Seniorinnen/Senioren fanden sich als Gruppe zusammen, die für die gesamte Projektdauer für einen der beiden Kindergärten zuständig war.
Vor der eigentlichen Medienarbeit in den Einrichtungen sollten zunächst ein paar Fortbildungstermine stattfinden. Bewährt hat sich eine halbtägige Fortbildung alle 4-6 Wochen und, je nach Thema, eine wöchentliche oder 14-tägige Medienarbeit mit den Kindern.
Um das Gelernte aus den Fortbildungen üben und die Medienarbeit vorbereiten, durchführen und nachbereiten zu können, wurden den Seniorinnen/Senioren und Erzieherinnen von Anfang an für die gesamte Projektdauer Laptops zur Verfügung gestellt. Es hat sich als praktikabel erwiesen, die weiteren Absprachen im Laufe des Projekts mit den Fortbildungsterminen zu koppeln, um auf möglichst alle Terminwünsche der Beteiligten demokratisch eingehen zu können.
Die Fortbildungen wurden von der Projektleitung organisiert und durchgeführt, die Treffen in den Kindergärten haben die Seniorinnen und Senioren und die Erzieherinnen vereinbart und inhaltlich abgestimmt. Bei allen Terminen in den Einrichtungen waren die Praktikantinnen Corinna Popp und Carmen Schon anwesend, um das Projekt zu dokumentieren, den Projektteilnehmern bei Fragen zur Seite zu stehen und um Protokolle anzufertigen.
4. Arbeitsablauf
Fortbildungen im Generationenhaus:
- Dauer: jeweils ca. 2-3 Stunden (mit Pause)
- Ablauf einer typischen Fortbildung:
- Begrüßungsphase mit Kaffee, Kuchen und Gesprächen Rückfragen zum Inhalt der letzten Fortbildung Einführung in neue Inhalte Experimentier- und Übungsphase mit Betreuung seitens der Projektleitung Nachbereitung zuhause: Möglichkeit der Wiederholung und weiteren Übung anhand des Fortbildungsprotokolls
- Themen: Kommunikationsweg Internet und E-Mail, digitale Fotografie und einfache Bildbearbeitung; Tonaufnahmen und -schnitt; Powerpoint-Präsentationen
Ergebnisbeispiele:
Film Matthäus-Kindergarten - H. Ratzel (wmv, 5,26 MB)
Film Advent (wmv, 3,11 MB)
Hr. Ratzels erste Tonaufnahme (mp3, 410 KB)
Osterhase Schäfer-Kirn (mp3, 239 KB)
Medienarbeit in den Einrichtungen:
- Dauer: ca. 1 Stunde mit anschließender Reflexion ohne die Kindergartenkinder
- Ablauf eines typischen Medienarbeitstermins:
- Begrüßungsphase mit Namenszuordnung
- Rückbindung an den vergangenen Termin: z.B. durch erzählen und erzählen lassen, was bei der Suche nach roten Gegenständen alles passiert ist und welche Sachen gefunden wurden
- inhaltliche und technische Medienarbeit: z.B. arrangieren und fotografieren der roten Gegenstände durch die Kinder mit Unterstützung der Seniorinnen und Senioren
- Erholungs- und Motivationsphasen: z.B. Fotos anschließend auf dem Laptop anschauen
- Nachbereitung zuhause: bei Bedarf Aufarbeitung des bei der Medienarbeit entstandenen Materials durch die Senioren. Sie banden z.B. Fotos in PowerPoint-Präsentationen ein oder schnitten eine Tonaufnahme in die gewünschte Länge.
- Themen: Farben mit Medienschwerpunkt Fotografie (Kindertagesstätte in der Mörikestraße); Tiere mit Medienschwerpunkt Fotografie und Audioarbeit (Matthäuskindergarten)

- MAKS Kalender 2005
Ergebnisbeispiele:
Weltraummaus (wmv, 2,24 MB)
Traumgespräch (wmv, 4,02 MB)
MAKS-Film (wmv, 6,99 MB)
Geräuscherätsel (wmv, 1,26 MB)
Tierlexikon (wmv, 1,24 MB)
5. Medienpädagogische Anmerkungen
Es gibt viele Projekte im Medienbereich an denen Seniorinnen und Senioren beteiligt waren, hauptsächlich mit dem Ziel, sie nicht von der sich rasch entwickelnden und verändernden Medienwelt auszugrenzen. In diesem Projekt sollte aber nicht beim persönlichen Kompetenzgewinn stehen geblieben werden. Diese sollte in die Medienarbeit mit Kindern im Vorschulalter eingebracht werden, indem die Seniorinnen und Senioren die Erzieherinnen in den Einrichtungen unterstützten. Sie hatten durch dieses Projekt die Chance, Fortbildung und Kompetenzgewinn mit ehrenamtlichem Engagement zu verbinden, wodurch verschiedene Motivationsanlässe in einem Projekt miteinander verknüpft waren.
Die Integration des Computers in die (medien)pädagogische Arbeit in Kindergärten wird immer noch kontrovers diskutiert. Viele Einwände dagegen sind auch ernst zu nehmen. Sollen Kinder nicht erst einmal „echte" und "wirkliche" Erfahrungen sammeln, ehe sie sich auf die virtuellen Realitäten der Medien einlassen? Allerdings haben heute die meisten Kindergartenkinder bereits multimediale Erfahrungen. Computer und andere Medien sind heute „reale” Erfahrungsbereiche der Kinder, die aus unserer Welt nicht mehr wegzudenken sind. Im Projekt MAKS war deshalb die Frage des „Ob” beantwortet, mit dem „Wie” sollte experimentiert werden. Dabei ging es nicht, wie bei vielen Kindergartenprojekten, um den Einsatz oft fragwürdiger Spiele- oder Lernsoftware. Es sollte eine Alternative zum passiven Medienkonsum vermittelt werden, den die Kinder überwiegend in ihren Familien beobachten können. Deshalb stand im Mittelpunkt für alle beteiligten Gruppen immer das eigene kreative Tun, der aktive Umgang mit Medien - immer im generationenübergreifenden Dialog.
Bei der medienpädagogischen Arbeit mit Kindergartenkindern und Seniorinnen und Senioren ist besonders darauf zu achten, dass die Personen dort abgeholt werden, wo sie stehen. Wenn Senioren schon beruflich mit dem PC gearbeitet haben und Kinder schon an einem Computer die Maus bedienen können, muss dementsprechend differenziert werden. Umgekehrt heißt das aber auch, dass man bei Anfängern kleinschrittig vorgehen muss und diese erst behutsam an das Medium heranführen sollte. Zu berücksichtigen sind zudem die in beiden Altersgruppen unterschiedlich ausgeprägten Fähigkeiten zur Ausdauer, Konzentration und Lerngeschwindigkeit. Den Seniorinnen und Senioren musste vermittelt werden, dass das Lernen bei Kinder im Kindergarten noch eher auf der Stufe von Spiel, Experiment und Nachahmung stattfindet und weniger auf einer kognitiven Ebene.
Kinder im Kindergartenalter haben noch relativ kurze Konzentrationsspannen. Nach einer besonders intensiven Phasen der Medienarbeit müssen deshalb andere Tätigkeiten (z.B. Bilder malen, auf dem Spielplatz toben, Vorlesezeiten, etc.) eingeplant werden. Dadurch relativiert sich auch der Stellenwert der Medien. Alle Phasen müssen kindgerecht und immer handlungsorientiert gestaltet werden. Kleinen „Lerneinheiten”, z.B. Bedienung der Digitalkamera, sollte immer eine kreative Phase, z.B. „Wir experimentieren mit allen Knöpfen der Kamera” folgen. Die Vermittlung von Fertigkeiten und der Spaß am Experimentieren sollten gleichberechtigt nebeneinander stehen, aber auch deutlich voneinander getrennt werden. Ein maßvoller, selbstverständlicher Umgang mit Medien, der diese weder abwertet noch überhöht, fördert den kompetenten Umgang der Kinder mit Medien.
Medienarbeit und ihre Ergebnisse besitzen ein hohes Potential für die Selbstmotivation der Kinder. Kinder sind stolz auf ein eigenes Produkt ("Das Foto habe ich selbst gemacht!"). Ein schnelles Feedback ist möglich: Fotos könnten am Bildschirm betrachtet, Tonaufnahmen sofort angehört werden. Der Kindergarten ist der letzte leistungsfreie Raum in dem die Kinder, anders als später in der Schule, die Möglichkeit haben, wirklich spielerisch mit dem neuen Medium umzugehen ohne dass eine direkte Bewertung im Raum steht.
Medienarbeit stellt soziale Nähe her, da sich ein Arbeiten in Gruppen geradezu aufdrängt. Während der Arbeit entstehen unterschiedlichste Kommunikationsanlässe, die nicht nur die Kinder sondern auch die verschiedenen Generationen einander näher bringen können. Viele Situationen können hervorragend als Sprech - und Erzählanlässe für Kinder genutzt werden. Tonaufnahmen eröffnen Möglichkeiten bewusster Selbstwahrnehmung; außerdem besitzen sie ein hohes Motivationspotential (Traumgespräch H. Bullen).
6. Erfahrungen mit der Projektgruppe

- Matthäusweihnachtshasen
Die zunächst (noch!) ungewöhnliche Konstellation der im Projekt versammelten Personen - Kindergartenkinder, Senioren, Erzieherinnen, Projektleitung - erwies sich im Verlauf des Projektes als sehr fruchtbar und gewinnbringend für alle Seiten. Die Seniorinnen und Senioren hatten durch die Fortbildungen einen großen Kompetenzzuwachs im Umgang mit den Medien, waren in beiden Einrichtungen geschätzte Mitarbeiter und Medienexperten und wurden von den Kindern immer freudig willkommen geheißen.
Die Kinder hatten positive, kreative und mit Gesprächen begleitete Erfahrungen im Umgang mit der digitalen Kamera und dem Laptop und konnten diese in Experimentierphasen selbstständig ausprobieren. Dabei wurde sehr darauf geachtet, dass die Kinder nicht "nur" vor dem Computer sitzen, sondern dass der Umgang mit dem Computer ein Mittel zum kreativen Selbstausdruck ist. Zu Anfang des Projektes wurde der Laptop von einigen Kindern sofort mit "Spielen am Computer" gleichgesetzt, was sich sehr schnell legte. Die Kinder betrachteten die Laptops mit der Zeit neutraler und selbstverständlicher als ein Werkzeug unter vielen im Rahmen der Medienarbeit. Teilweise wurden auch die jüngeren Kindergartenkinder in den Einrichtungen in die Projektarbeit miteinbezogen, beispielsweisel bei Portraitaufnahmen für die Geburtstagskalender oder auf Ausflügen.

- Geburtstagskalender
Die Resonanz bei den Eltern, die von Anfang an über das Projekt informiert wurden, war durchweg positiv. Das wurde vor allem durch die häufige Präsenz der Projektteilnehmer in den Einrichtungen und einen umfassenden Einblick in die Projektergebnisse erreicht. Bei Elternabenden und Weihnachtsfeiern waren die Seniorinnen und Senioren und die Projektleitung anwesend und präsentierten und erläuterten das Projekt.
Die Anwesenheit der Erzieherinnen, auch bei der Medienarbeit, und ihr pädagogisches Know-how waren Voraussetzungen für eine erfolgreiche Projektarbeit im Kindergarten. Die Medienarbeit musste von den Erzieherinnen und Senioren vorher gut abgesprochen werden, damit die relativ kurze Konzentrationsspanne der Kindergartenkinder nicht durch Absprachen mitten in der Medienarbeit belastet wurden.
Kleine Gruppen sind für eine intensive Medienarbeit und für einen für die Kinder in diesem Alter besonders wichtigen vertrauensvollen Umgang von Vorteil. Bei der größeren Projektgruppe stieß auch die mediale Ausstattung an ihre Grenzen. Empfehlenswert ist ein Verhältnis von einem bis maximal zwei Kindern je Seniorin oder Senior. Die Integration der Seniorinnen und Senioren in die Einrichtungen funktionierte nach kurzer Eingewöhnungsphase sehr gut.
Dem Wunsch nach einer Fortführung des Projekts steht vor allem die materielle Ausstattung der Einrichtungen entgegen, die zur Zeit noch ohne Unterstützung durch z.B. das Landesmedienzentrum nur sehr eingeschränkt bzw. gar nicht möglich ist.
7. Weitere Tipps und Anregungen
Protokoll:
Hilfreich für die Fortbildungen waren die sehr ausführlichen Protokolle, mit denen z.B. die Bedienung der verschiedenen Programme nach den Fortbildungen daheim leicht nachvollziehbar war. Die Protokollierung der Medienarbeit hielt alle Projektteilnehmer auf dem Laufenden und informierte über weitere Vorgehensweisen und Termine. Es ist von Vorteil, die Protokolle jeweils von einer Person mit einem gut strukturierten und festgelegten Aufbau schreiben zu lassen (Protokoll Fortbildung als pdf, Protokoll Medienarbeit als pdf).
Reflexion:
Eine direkt an die Medienarbeit anschließende Reflexion der Medienarbeitstermine ist von Vorteil, da dadurch jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer schildern kann, wie sie oder er den Ablauf des Treffens empfunden hat, was vertieft werden sollte, welche Unterstützungsmaßnahmen die Kinder noch benötigen, etc.
Fachliteratur:
Für die Arbeit mit Kindergartenkindern ist es für Personen ohne entsprechenden pädagogischen Hintergrund hilfreich, entsprechende praxisbezogene Fachliteratur hinzuzuziehen, um sich über alterspezifische Entwicklungen, pädagogisch angemessenes Verhalten und gegebenenfalls Medienpädagogik zu informieren. Zu Anfang des Projektes wurden deshalb ein Reader und eine Ideensammlung von der Projektleitung zusammengestellt. Die Ideensammlung wurde später noch etwas erweitert und auf die beiden Themen (Farben und Tiere) abgestimmt
(MAKS-Literaturliste als pdf).
Quelle: MediaCulture-Praxis







