Licht, Schatten und Bildkomposition - Gummibärchen in Aktion
Ziel der Gummibärcheneinheit ist es, durch experimentierendes Gestalten mit Perspektiven, Einstellungsgrößen, Licht und Bildkomposition verschiedene Situationen, Themen und Stimmungen zu erzeugen. Es geht darum, im Rahmen einer ästhetischen Problemstellung passives mediales Gestaltungswissen zu aktiveren und zu erweitern. Als Lernumgebung werden kleine 'Produktionsstudios' aufgebaut, an welchen die Kinder/Jugendlichen in Kleingruppen selbstständig arbeiten können. Ein Studio besteht aus einem Tisch, zwei verstellbaren Schreibtischlampen, Styroporplatten, farbigen Papieren, verschiedenen Requisiten, Gummibärchen (Um Schwierigkeiten mit muslimischen Teilnehmer/innen zu vermeiden, sollten Gummibärchen ohne Schweinegelatine verwendet werden) und einer Stativkamera. Gummibärchen sind leicht zu beschaffen; sie können aufgrund ihrer Transparenz von hinten beleuchtet werden, wodurch sich interessante Lichteffekte einstellen; sie sind in ihrer Gestalt klein und provozieren die Produzent/innen entsprechend ihrer Ausdrucksabsichten zu Nah- und Detailaufnahmen.
Als Einstieg sollte ein einfaches Thema/Gefühl/Stimmung angeboten werden. Das Gefühl 'Angst' ist sowohl Teil der Lebenswelt, als auch der Medienwelt (Thriller, Krimis, Horror) von Kindern und Jugendlichen, es ist ein charakteristisches Gefühl und gestalterisch auf mehreren Wegen zu realisieren. Die MB kann z.B. die Aufgabe stellen, ein Gummibärchen zunächst so aufzunehmen, dass es auf den Zuschauer bedrohlich wirkt und anschließend ein weiteres Gummibärchen so, dass es sich selbst bedroht fühlt und Angst hat.
Abbildung 50: Experimente mit Licht und Gummibärchen.
'Angsteinflößende' Bärchen können bspw. von unten aus der Froschperspektive in der Einstellungsgröße 'Detail' aufgenommen werden, wobei das Licht ebenfalls von unten her kommend dunkle Schattenpartien oberhalb der 'Extremitäten' und der 'Schnauze' bildet, was der typischen Beleuchtung von Gestalten aus Horrorfilmen ähnelt. Die Lichttemperatur und -färbung kann mit den farbigen Papieren entsprechend angepasst werden. Ängstlich wirkende Bärchen können dagegen aus der Vogelperspektive mit viel Hintergrund in der Totalen gezeigt werden, was in Verbindung mit einer entsprechenden Lichtsetzung die Unsicherheit und Furcht des einsamen Bärchens betont.
Es sind mehrere Lösungswege denkbar. Wichtig ist die gemeinsame Auswertung des entstandenen Materials. Wurden zuvor verschiedene Themen an die Kleingruppen verteilt, können am Ende die Produkte gegenseitig gezeigt und die entsprechenden Gefühle/Themen erraten werden. Teil der Auswertung kann auch sein, dass die MB Standbilder aus professionellen Spielfilmen präsentiert, in welchen das jeweilige Thema/Gefühl inszeniert wird. Die Kinder/Jugendlichen können dann den Vergleich zwischen ihrem Ergebnis und professionell inszeniertem Material ziehen und Ahnlichkeiten wie Unterschiede entdecken und benennen.
In ähnlicher Weise wie mit den Gummibärchen kann auch mit sonstigen Alltagsgegenständen assoziativ gearbeitet werden. Ein möglicher medienpädagogischer/medienkünstlerischer Input könnte die Sensibilisierung der Kinder/Jugendlichen für funktionsfremde Betrachtungsweisen von Gebrauchsgegenständen sein, die sich durch entsprechende Beleuchtung und eine ungewöhnliche Perspektive durch die Kamera einstellen.










