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Kreatives Schreiben

Malen, Musizieren, mit der Maus klicken, alles wird gelehrt. Und das Schreiben? Orator fit, poeta nascitur (Redner kann einer werden, zum Dichter muss man geboren werden), so lautet die Devise in Deutschland, der Geniekult wirkt nach. Immer noch gilt Inspiration viel, Handwerk hingegen wenig.

Anders ist dies in den Vereinigten Staaten von Amerika, wo seit den frühen siebziger Jahren creative writing als hoch respektiertes Fach an allen Universitäten gelehrt wird und so bekannte Schriftsteller wie Thomas Wolfe und Eugene O´Neill selbst Creative Writing-Kurse besucht haben. Sieht man von dem Deutschen Literaturinstitut in Leipzig und dem Studio für Literatur und Theater in Tübingen einmal ab, so gibt es in Deutschland kaum praxisorientierte Ausbildungsstätten für literarische Wortkunst.

Es gibt hingegen eine ganze Menge an kommerziellen Schreibschulen, so genannten "Schriftstellerinstituten" und "Fördereinrichtungen des literarischen Nachwuchses", die zum Beispiel mit folgenden Slogans um die Gunst ihrer Kunden werben:

 

"In kurzer Zeit werden Sie bei uns ein guter Autor. Sie wollen etwas erzählen, [....] geben Sie ihrem Leben einen neuen Sinn [...], fordern Sie die Fachinformation 'Das große Schriftstellerseminar' an..."

 

"Rhetorik ist hier nicht schönes Reden, sondern der psychologisch fundierte Umgang mit dem Wort. Sie kann Mittel der Beeinflussung sein, aber auch Möglichkeit der Kommunikation; sie kann Menschen führen, sie ist aber auch Selbstbefreiung und Ausdruckstherapie"

Der Boom an kommerziellen Literaturbüros, Workshops und Schreibkursen resultierte aus der "neuen Subjektivitätsbewegung" in den 70er Jahren. Ganz dem damaligem Zeitgeist der neuen Innerlichkeit entsprechend, dem Anspruch auf Authentizität gerecht zu werden, hatte das Schreiben oft einen psychotherapeutischen Hintergrund.

 

Autoren wie Bernward Vesper unterstützten diese Schreibbewegung enthusiastisch mit dem Motto: "Es gibt keine Künstler mehr! Jeder kann schreiben." Neben den zahlreichen Veröffentlichungen autobiographischer Krankengeschichten, zählen zu den bekannteren, die Texte des krebskranken Fritz Zorn. Die Antwort auf die Texte der 70er Jahre, die sich durch eine "bemerkenswerte ästhetische Anspruchslosigkeit" (Walter Jens) auszeichneten, war ein gesteigerter Kunst- und Formanspruch in den 80er Jahren. Botho Strauß skizzierte in "Paare, Passanten" die Texte der 70er Jahre als "eine Art hypochondrisches Display, das Werbung betreibt für die eigene Hochempfindlichkeit."

Im Deutschen wird der Begriff Creative Writing an Hochschulen und in Seminaren mit "Kreatives Schreiben" übersetzt.

Was im deutschen Sprachraum als etwas Modisches oder auch Elitäres erscheinen mag, hat im angelsächsischen Sprachraum eine Tradition, die bis ins letzte Jahrhundert zurückreicht. Bereits 1890 gab es einen "writers' workshop" an der University of Iowa. Autorinnen und Autoren wie Susan Sontag, J.D. Salinger oder Sylvia Plath haben ganz selbstverständlich Kurse für creative writing besucht.

 

In Deutschland gab es in diesem Zusammenhang kaum eine Tradition, doch lässt sich zumindest auf die umfangreichen Einlassungen von Opitz, Gottsched, Lessing oder Friedrich Theodor Vischer verweisen. Schreibschulen im engeren Sinn entwickelten Walter Jens und Walter Höllerer in den 60er und siebziger Jahren in Deutschland.

 

Im schulischen Umfeld wird, genaugenommen, kreatives Schreiben schon immer mehr oder weniger intensiv gepflegt, ohne dass sich freilich Lehrerinnen und Schüler über diesen Prozess im Sinne einer "Schreibschule" Rechenschaft ablegen.

 

Kreatives Schreiben am Beispiel eines Hörspiels

Das Gurkenfass (mp3)

Entstanden im Rahmen eines Creative-Writing-Seminars an der Staatlichen Hochschule für Musik und darstellende Kunst, Stuttgart.

Autorin: Julia Stärk.

 

Linktipps:

Schreibwerkstätten für Jugendliche im Literaturhaus Stuttgart:

www.literaturmachen.de

 

Schreibzentrum der PH Freiburg:

www.ph-freiburg.de/schreibzentrum/

 

Studio Literatur und Theater Tübingen:

www.uni-tuebingen.de/uni/nal/index

 

Deutsches Literaturinstitut Leipzig:

www.uni-leipzig.de/dll/

Literaturtipps: Kreatives Schreiben

Otto Kruse:
Kunst und Technik des Erzählens

Ulf Abraham:
Was tun mit Steinen?

Katrin Bothe:
Kreatives Schreiben

Gert Ueding:
Schreiben für alle?

Wolfgang Maxlmoser:
In die Tiefe schreiben oder Kreatives Schreiben und neue Medien

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