Inframe - Out-of Frame - Verkehrte Welt
Die Idee für diese Lernumgebung habe ich von FRANS VAN LOKVEN (Medienpädagoge im CHICAM Club in den Niederlanden) übernommen. Eine Kamera wird mit dem Objektiv nach unten an der Decke befestigt. Ein langes Kabel verbindet die Kamera mit einem Fernseher oder Videobeamer. Der so entstehende Bildausschnitt wird mit Klebeband am Boden markiert. In einem ersten Schritt haben die Teilnehmer die Möglichkeit, innerhalb des Bildausschnitts zu agieren und sich dabei auf der Leinwand zu beobachten. Sie sehen sich aus einer ungewohnten Perspektive (extreme Vogelperspektive) und stellen fest, wann sie sich im Bild (Inframe) und wann außerhalb des Bildes (Out-of-Frame) befinden. Die Übung kann mit theaterpädagogischen Impulsen kombiniert werden. Die Teilnehmer bekommen Rollen zugeteilt, die sie immer nur dann spielen, wenn sie den Bildausschnitt (Bühne) betreten. Wenn sie die Rolle nicht weiterspielen wollen, müssen sie lediglich wieder den Ausschnitt verlassen und können wieder sie selbst sein.

- Abbildung 42: Experiment mit der an einen Beamer angeschlossenen Deckenkamera.
Im nächsten Schritt wird ein Stuhl seitlich auf den Boden gelegt. Er wird so arrangiert, dass die Stuhlbeine die untere Bildkante an der Leinwand berühren. Durch die Konstruktion mit der Deckenkamera entsteht für den Betrachter der Eindruck, dass der Stuhl ganz normal vor einer Wand steht, die in Wirklichkeit der Boden ist. Ein Schauspieler kann sich nun so auf dem Stuhl platzieren, dass es so aussieht, als würde er darauf sitzen. Dazu muss er sich seitlich auf den Boden legen. Als Ergänzung können noch ein Tisch, ein weiterer Stuhl und diverse Requisiten mit einbezogen werden. Spontan können kurze Szenen entstehen, in die sich alle Teilnehmer einbringen können.
- Zwei Personen treten gegeneinander im Armdrücken an.
- Eine Person liest Zeitung, die andere schenkt sich ein Glas Wasser ein (lustiger Effekt).
- Ein Schwergewichtheber hebt mit seinem kleinen Finger fünf Menschen hoch.
Die Übung soll in erster Linie ästhetische Erlebnisse ermöglichen und Spaß und Motivation zur weiteren Videoarbeit aufbauen. Sie kommt Kindern entgegen, die gerne spontan vor der Kamera agieren und gibt auch eher zurückhaltenden Schauspielern Gelegenheit, an der Leinwand optische Entdeckungen zu machen. Wichtig ist die Monitorfunktion der Leinwand. Die Darsteller müssen sich während ihrer Szenen stets selbst beobachten und die visuelle Wirkung ihres Verhaltens kontrollieren können. Auf diese Weise wird Wahrnehmung und ästhetische Reflexivität im Hinblick auf die eigene Person geschult.
Abbildung 43: Weitere Experimente mit Deckenkamera.
Weiter zu: Mut zum Detail I












