Metanavigation:


Heimatfilme

Die Gattung des Heimatfilms ist spezifisch deutsch. Sie waren vor allem in den 50er Jahren ein Versuch, die Schrecken der Kriegszeit und die Vergangenheitsbewältigung zu verdrängen zugunsten einer nostalgischen Feier der vorindustriellen Idylle. Gleichzeitig boten sie Identifikationspunkte gegenüber den "fremden" Kultureinflüssen, wie sie vor allem durch die Kulturpolitik der Alliierten in das Land getragen wurden. Man besann sich einerseits auf die Stoffe der Heimatliteratur aus dem 19. Jahrhundert, andererseits wurden neue Stoffe entwickelt, in denen aber das bleibende Thema - die Auseinandersetzung zwischen städtischer Moderne und ländlicher Idylle - beibehalten wurden.

Thema: Heimatfilme

Klassenstufe: 7/8/9

Bezug zu anderen Fächern: Kunst

Arbeitsblatt "Heimatfilme"

Anregungen für den Unterricht

Literaturhinweis:

Scheffer, Andreas: Der neue deutsche Heimatfilm: Wege aus der Misere des deutschen Films. Wiesbaden: Fachhochschule, Fachbereich Medienwissenschaft, 2002.

 

Arbeitsblatt "Heimatfilme"

 

Edgar Reitz: Weggehen, um anzukommen

Edgar Reitz (geboren 1932) nahm das alte Medium "Heimatfilm" mit seiner Film-Reihe zum Thema Heimat auf (Heimat, 1984, Die zweite Heimat, 1989 und Heimat 3, der noch gedreht wird), verknüpfte es aber mit der kritischen Auseinandersetzung um Regionalkultur, wie sie sich vor allem durch die Geschichtswerkstätten und die "oral history" innerhalb und außerhalb der Geschichtswissenschaften etabliert hatte. Seine Filme, die vor allem als Fernsehserie eine große Anhängerschaft gefunden hatte, waren Ausdruck eines gesamtgesellschaftlich erwachten Interesses an Regionalkultur wie auch Auslöser zu einer noch größeren Popularisierung dieser Strömung. Entscheidend war auch, dass Reitz sich einer bislang nicht sehr bekannten Region, dem Hunsrück, zugewandt hatte und damit auch vom Sujet her neues Selbstbewusstsein bislang vernachlässigter Kulturen verstärkte. Reitz erhielt 2004 die rheinland-pfälzische Carl-Zuckmayer-Medaille. In seiner Dankesrede identifiziert er sich mit Carl Zuckmayer, der auch die Heimat geflohen hat, um verändert wieder zurückzukehren und zitiert ihn: "Das Weltgefühl ist die natürliche Steigerung des Heimatgefühls" (Die Rheinpfalz 20.1.2004).

 

Edgar Reitz: Weggehen, um anzukommen (zu dem Film "Heimat")

"Jedes Erinnern ist ein Neuschaffen des Lebens und dadurch werden wir viel reicher. Wir haben viele Leben, das eine, das vielleicht tatsächlich sich so ereignet hat, aber viele andere, die wir daraus machen können. Und das ist ein Gefühl des Reichtums (...) Wenn ich mich erinnere (...), dann habe ich immer die Gelegenheit, anderes hineinzumischen. Ich vermische mich selbst mit der Welt, mit der Geschichte dabei, und pack´ in meine Fiktion das hinein, was mir gefällt."

 

Aus: Reitz, Edgar: Heimat. Weggehen, um anzukommen. Ein Gesprächsabend mit Edgar Reitz und Gästen, Köln, WDR 1997 (ausgestrahlt am 13.7.1997, 3sat).

Anregungen für den Unterricht

  • Beschafft Euch den Film "Heimat" und /oder seine Fortsetzung "Die zweite Heimat". Wie unterscheiden sich diese Filme von den herkömmlichen Heimatfilmen der 50er Jahre? Besorgt Euch auch einen dieser Filme zum Vergleich.
  • Der Landauer Filmemacher Michael Schorr (Schultze Gets the Blues) plant einen Film über das Grenzdorf Scheibenhard(t). Stellt Euch vor, worum es in diesem Film gehen könnte. Entwerft ein Skript.

Autorin: Annette Kliewer

 

Weiter zu

Die Nachbarn Deutschland und Frankreich

 

Zurück zur Übersicht.