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Hansi

Jean-Jacques Waltz (1873-1951), bekannt unter der Pseudonym "Hansi" hat das Elsass-Bild geprägt wie kaum ein anderer. Noch heute werden seine idyllisierenden Heimat-Postkarten überall dort verkauft, wo Touristen zu erwarten sind und auch seine Bilderbücher "L´Histoire de l´Alsace racontée aux petits enfants" und "L´Alsace heureuse" sind immer noch Bestseller. Dabei ist er immer wieder in die Diskussion gekommen, weil seine Darstellung des Elsass immer auch geprägt war von nationalistischen, anti-deutschen Einstellungen. Er begnügte sich nicht mit leisen Andeutungen auf die Trikolore in seinen Bildern, sondern wurde auch politisch aktiv. Im Jahr 1910 zeigte er etwa in Paris die Ausstellung "L´Alsace contre l´Allemagne" und gab die deutschkritische Satire-Zeitschrift Dur´s Elsass mit heraus. Für seine Kritik am deutschen Staat wurde er 1914 immerhin zu einem Jahr Gefängnis verurteilt, dem er sich nur durch seine Flucht nach Frankreich entzog. Die nationalsozialistische Zeit des Elsass überlebt Hansi zurückgezogen im Schweizer Exil.

Heute wird Hansi - mehr aber noch die "Hansi"-Mode - wegen seiner verharmlosenden Idyllisierung des Elsass kritisiert (vgl. www.chez.com/hansi/).

 

Thema: Hansi - Elsässische Identität

Klassenstufe: 7/8

Bezug zu anderen Fächern: Französisch

 

Die Postkarten von Hansi

 

Die Hansi-Postkarten

Im Folgenden zunächst ein Postkarten-Motiv von Hansi, das auch heute noch im Elsass verkauft wird. Dabei werden meist die zu nationalistischen Motive vermieden, man zeigt lieber das nostalgisch intakte Touristenländchen. Das zweite Beispiel - in Stil und Darstellung ähnlich - zeigt deutlicher Hansis politische Einstellung.

Postkarte: Maison de Hansi, Riquewihr

Aus: Perreau, Robert: Avec Hansi à travers l´Alsace. Le livre du Centenaire de Hansi 1873-1973. Colmar 1973, 37.

Anregungen für den Unterricht

  • Wie stellt Hansi das Elsass dar. Warum zeigt er vor allem Kinder?
  • Klärt für die zweite Postkarte, was mit "Poilus" gemeint ist. (Das waren die französischen Soldaten im Ersten Weltkrieg, die von den elsässischen Kindern oft begeistert als Befreier begrüsst wurden).
  • Vergleicht die erste und die zweite Darstellung des Elsass. Warum wird die zweite heute nicht mehr als Postkarte verkauft?

Piela/ Weckmann: Hansi

André Weckmann und Raymond Piela kritisieren nicht Jean Jacques Waltz, sondern seine Figur des "Hansi", die mittlerweile im Elsass zu einem kommerzialisierten, verniedlichten Maskottchen geworden ist.

 

Aus: Ziegler, Jean-Philippe: L´identité alsacienne à travers les dessins de Raymond Piela, o.O. 1998, 56.

Anregungen für den Unterricht

  • Was haben Piela und Weckmann an Hansi auszusetzen? Welche Mittel wählen sie für ihre Kritik?

Hansi: Professor Knatschke

Neben seinen Bildern trat "Hansi" auch als Verfasser des satirischen Romans Professor Knatschke (1909) auf: Aus der Perspektive eines chauvinistischen Oberlehrers und seiner Tochter Elsa persifliert er die Borniertheit der Reichsdeutschen und ihre Ignoranz gegenüber der elsässischen oder der französischen Kultur. (Dieser Roman wurde 2002 neu aufgelegt.)

 

Hansi: Professor Knatschke

 

Unter all den Gelehrten, welche in letzter Zeit die deutsch-französische Kulturfrage behandelt haben, nimmt Prof. Knatschke-Königsberg einen hervorragenden Platz ein. Seine mit so viel Sachkenntnis, mit klarem Blick und deutschem Mannesmut verfassten Schriften über Paris, über die elsässische Kulturfrage usw. haben im Elsass ein berechtigtes Aufsehen erregt. Die Elsässer sind stolz auf das große Interesse, welches ihnen der berühmte deutsche Gelehrte entgegenbringt, der, wie er selbst sagt, "seit seiner Kindheit an dem Traum der Wiedervereinigung des Elsasses mit allen "Fasern seines Herzens gehangen".

Eine kurze biographische Notiz wird wohl allen wiedergewonnenen Brüdern willkommen sein.

Prof. Dr. Wilhelm Siegfried Knatschke ist geboren in Tilsit an der Memel, als Sohn des Heringsversandgeschäftsbesitzers und Großkaufmanns Knatschke und seiner Frau Erika, geborene Knitschky. Er besuchte das dortige Gymnasium und schon in Sexta bewies er in einem geschichtlichen Aufsatz, dass eigentlich des deutschen Reiches Grenzen viel weiter westlich verlegt werden sollten, da die Grafschaften Mömpelgard (jetzt leider Montbéliard) und Virten (jetzt Verdun) aus historischen und juristischen Gründen zu Deutschland gehörten. Darauf studierte er Philologie und französische Sprache in Königsberg (Ostpreussen), in welchen Fächern er dortselbst promovierte. Den glorreichen Feldzug von 1870 konnte Professor Dr. Knatschke wegen zu großer Kurzsichtigkeit leider nicht mitmachen, jedoch feuerte er Deutschlands Mannen durch patriotische Gedichte in der "Königsberger Zeitung" zu immer neuen Heldentaten an. Seither hat er der Entwickelung des Deutschtums in dem wiedergewonnenen Elsassland in seinen schriftlichen Arbeiten die größte Aufmerksamkeit zugewandt, und vor zwei Jahren kam er gelegentlich eines philologischen Kongresses sogar persönlich auf einer zweitägigen Wasgaufahrt in das Elsass, und lernte hier Land und Leute kennen; letztes Jahr brachte ihn die Fahrt "Deutscher Burgenfahrer" wieder für einen Tag und eine Nacht in die Reichslande, und bei dieser Gelegenheit machte er mit einigen echten Alt-Elsässern, hauptsächlich Gendarmen und Polizeikommissaren, sowie mit den elsässischen Weinen nähere Bekanntschaft, so dass er jetzt unzweifelhaft als ein vorzüglicher Kenner unserer Verhältnisse gelten kann.

 

Besonders dankbar werden uns die elsässischen Leser sein für das hochkünstlerische Vollbild, welches ihrem geistigen Auge den deutschen Gelehrten näher rücken soll. Groß, die hellen Augen hinter goldenen Brillen hervorleuchtend, die echt germanischen Züge von einem blonden Vollbart umrahmt, steht er da als eine echte deutsche Hünengestalt. Die ganze Figur scheint uns ein stolzes "Civis germanus sum" zuzurufen. Er ist in seinem traulichen Heim dargestellt - das Klavier ist geschmückt mit den Bildern unserer beiden Dichterfürsten in Elfenbeinmasse, und einem Ehrenhumpen. An den Wänden kerninnige Spruchtafeln, das Bild des Eisernen Kanzlers und kunstvolle Öldrucke mit stimmungsvoller Staffage. Hinter ihm der grüne Tisch, auf welchem er wohl seine mit so viel Sachverständnis geschriebenen Artikel verfasst haben mag. Aus dem ganzen Bild spricht deutsche Kraft und deutsche Treue.

 

Eine liebliche Erscheinung auf dem Gebiete der neueren deutschen Literatur ist Frl. Else Knatschke, Prof. Dr. Knatschkes jüngste Tochter, und wir konnten nicht umhin, einige ihrer von deutsch-jungfräulicher Poesie durchwebten Tagebuchblätter zu veröffentlichen. Sie werden besonders das Herz der wiedergewonnenen Schwestern erfreuen. Den kraftvoll-kernigen Aufsätzen ihres Vaters werden sie sich aber anschmiegen, wie das zarte Gänseblümchen, welches an dem mächtigen Stamm der deutschen Eiche emporwächst.

Wir beginnen mit dem " Pariser Brief", den uns Prof., Dr. Knatschke nach seiner Rückkehr aus der französischen Hauptstadt geschrieben hat. Sein tiefes Verständnis französischen Lebens und Treibens, seine offene, mutige Beurteilung französischer Verhältnisse ist mehr als alles andere geeignet, die noch immer für Paris schwärmenden Elsässer endlich einmal von der kolossalen Überlegenheit Berlins zu überzeugen.

 

Aus: Hansi: Professor Knatschke. Des großen teutschen Gelehrten und seiner Tochter ausgewählte Schriften. Den Elsässern mitgeteilt und illustriert von Hansi. Mülhausen i. Els. 1913, 10-12 und Umschlag.

Anregungen für den Unterricht

  • Wie macht Hansi seine Kritik deutlich? Welche Stereotypen über die Deutschen führt er an? Wie lassen sie sich erklären?
  • Schreibe selbst einen parodistischen Text über die Deutschen im Elsass oder in einem anderen Land heute.

Rechtsanwalt Dr. Ruland

Eine andere, ungemein erschöpfende, mit deutschem Fleiss und deutscher Gründlichkeit durchgeführte Arbeit waren die Aufsätze von Rechtsanwalt Dr. Ruland in der "Strassburger Post" (Siehe Strassburger Post Nr. 699, 701, 703, 705, 707, 709, 900 u. n. v. a.). Der Verfasser, aus dessen Arbeit man gleich sieht, dass er es nie gescheut hat, sich unter das elsässische Volk zu mischen, um so die geheimsten Falten der elsässischen Volksseele kennen zu lernen, führt die verschiedenen Faktoren, welche zur Germanisation beitragen können auf. Er nennt als solche 1) den Gendarm, 2) den Vogesenclub, 3) die deutsche Musik.

 

 

 

Aus: Hansi: Professor Knatschke. Des großen teutschen Gelehrten und seiner Tochter ausgewählte Schriften. Den Elsässern mitgeteilt und illustriert von Hansi. Mülhausen i. Els. 1913, 58 f.

Anregungen für den Unterricht

  • Welches Bild von den Deutschen zeichnet Hansi hier? Welche Erfahrungen stecken dahinter?
  • Schreibt (und zeichnet) in Anlehnung an seine ironischen Ausfälle eine Darstellung der Deutschen im Elsass und der Franzosen in Deutschland.

Literaturhinweise:

Hansi: Mon Village. Ceux qui n´oublient pas, (Reprint de l´édition originale 1913). Mulhouse 1988.

Hansi: Siegfried und Marianne. Professor Knatschke. Vortragsreihe des großen deutschen Wissenschaftlers und seiner Tochter Elsa. Funkfassung Ralf Kröner o.J. (25 Min.).

Schroda, Julia: Les frontières géographiques et culturelles dans la caricature et dans la littérature. In: Nouveaux Cahiers d´allemand 1(1999), 257-266.

 

Autorin: Annette Kliewer

 

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