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Gewalt in den Medien

Statt Wirkungsforschung Forschungswirkung

Wie wirkt Gewalt in den Medien? Zu dieser Frage gibt es trotz jahrzehntelanger Forschung keine eindeutigen Ergebnisse. Monokausale Erklärungen, die negative Verhaltensweisen als Resultat von zu viel gewalthaltigen Filmen oder Computerspielen sehen, greifen zu kurz.

Bild: Photocase

Und selbst wenn wissenschaftliche Studien eine Korrelation zwischen einem hohen Medienkonsum und beispielsweise aggressivem Verhalten oder schlechten Schulnoten feststellen, kann noch nicht von einem Ursache-Wirkungs-Zusammenhang ausgegangen werden. Um das zu erklären wird gerne das Storchbeispiel herangezogen: Auch wenn es eine statistische Korrelation zwischen dem Rückgang der Störche und dem Rückgang der Geburtenrate gibt, kann noch nicht daraus gefolgert werden, dass die Störche die Kinder bringen.

 

Eine Tagung in Ludwigshafen hat sich deshalb mit der Forschung selbst auseinandergesetzt. "Gewalt in den Medien. Statt Wirkungsforschung Forschungswirkung. Bestimmt die Perspektive das Ergebnis?" Unter dieser Fragestellung hat die Landeszentrale für Medien und Kommunikation Rheinland-Pfalz am 14. Juni 2007 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verschiedener Disziplinen eingeladen, die jeweilige Perspektive von Kommunikationswissenschaft, Pädagogik, Medienpsychologie und Kriminologie zu verdeutlichen.

 

Professor Hans-Bernd Brosius und Katja Schwer

"Die Gewaltforschung macht es den Wissenschaftlern schwer, gut auszusehen"

 

Der Kommunikationswissenschaftler Hans-Bernd Brosius und seine Mitarbeiterin Katja Schwer haben die wissenschaftliche und die öffentliche Debatte um Gewalt in den Medien analysiert. Sie stellen ihre Studie vor und zeigen typische Fehler und Kurzschlüsse der Diskussion um Mediengewalt auf. Mehrere Ausschnitte ihrer Vorträge haben wir hier zusammengestellt.

 

Hans-Bernd Brosius und Katja Schwer (mp3, 14 MB)

 

Hans-Bernd Brosius ist Professor am Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung an der Ludwig-Maximilian-Universität München.

Professor Lothar Mikos

"Wir überschätzen, wenn wir uns professionell mit Medien befassen, generell die Bedeutung von Medien."

 

Für den Kommunikationswissenschaftler Lothar Mikos gilt es, Forschungsmethoden zu finden, die dem komplexen Zusammenspiel von medialer Gewaltdarstellung, journalistischer Berichterstattung über Gewalttaten und den sozialen, ökonomischen und politischen Ursachen von Gewalt Rechnung tragen. Er erwartet nicht, einfache Antworten auf komplexe Fragestellungen zu finden.

 

Lothar Mikos (mp3, 12 MB)

 

Lothar Mikos ist Professor für Fernsehwissenschaft an der Hochschule für Film und Fernsehen in Potsdam-Babelsberg.

Professor Uwe Sander

"Man könnte auch mal so eine Veranstaltung machen: 'Macht Schule gewalttätig?'"

 

Uwe Sander verdeutlicht die Perspektive der Erziehungswissenschaft, in dem er seine eigene Studie zum Thema vorstellt. Kennzeichnend für den pädagogischen Ansatz ist es dabei, nicht nach der Wirkung von Gewalt zu fragen, sondern sich damit zu beschäftigen, wie Jugendliche gewalthaltige Medien rezipieren.

 

Uwe Sander (mp3, 9 MB)

 

Uwe Sander ist Professor an der Fakultät für Pädagogik der Universität Bielefeld.

 

 

Professor Roland Mangold

"Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie den Methodenteil der Studie und befragen Sie bei Gelegenheit auch mal Ihren Medienpsychologen"

 

Die wissenschaftliche Disziplin der Medienpsychologie wird von Roland Mangold vorgestellt. In seinen Ausführungen zu Forschungsmethoden setzt er sich auch kritisch mit den Studien von Christian Pfeiffer auseinander.

 

Roland Mangold (mp3, 10 MB)

 

Roland Mangold ist Professor für Informations- und Kommunikationspsychologie an der Hochschule der Medien Stuttgart.

Professor Christian Pfeiffer

"Gewaltorientierte Jugendliche berauschen sich an Gewaltexzessen in den Medien"

 

Der Kriminologe Christian Pfeiffer stellt die Ergebnisse seiner Studie zum Zusammenhang zwischen Medienkonsum und schlechten schulischen Leistungen dar. Zudem beschäftigt er sich mit den Auswirkungen gewalthaltiger Computerspiele und mit deren Suchtpotential. Zwei inhaltlich identische Vorträge von Herrn Pfeiffer finden Sie hier:

 

Christian Pfeiffer am 11. Januar 2007 in Nürtingen

Christian Pfeiffer am 8. März 2007 in Stuttgart

 

Christian Pfeiffer ist Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen e. V.

Anhörung zur Medienwirkung

Mit der Wirkung von Medien auf Kinder und Jugendliche hat sich auch eine Anhörung im Landtag von Baden-Württemberg beschäftigt, die wir hier dokumentieren.

Special:
Vorsicht Bildschirm?

Die Thesen von Manfred Spitzer und Christian Pfeiffer sind schlicht: Wenn Kinder zu viel vor dem Fernseher oder dem Computer sitzen werden sie dick, dumm, traurig und gewalttätig. mehr...

Literaturtipps: Medienwirkung

Werner Früh/Carsten Wünsch:
Medienwirkung

Heinz Bonfadelli:
Neue Perspektiven: Medienzuwendung als soziales Handeln

Klaus Neumann-Braun/Lothar Mikos:
Musikvideos und ihre Wirkungen auf ZuschauerInnen

Manuel Ladas:
Brutale Spiele(r)? Eine Befragung von 2141 Computerspielern zu Wirkung und Nutzung von Gewalt

Jan-Uwe Rogge:
Die Gefahr des Bösen, die Lust am Bösen: Über die Gewalt in den Medien

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