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Europa

Das Interesse der Elsässer an der Idee eines geeinten Europas geht hervor aus der Zwischenstellung zwischen nationalen Interessen, die friedlich gelöst werden könnten, wenn man sich an gemeinsamen Interessen in Europa orientieren würde. Die Utopie eines "geistigen Elsässertums" ist demnach vor allem seit René Schickele verknüpft mit einer "europäischen Identität". Elsässer sind nicht nur deshalb geborene Europäer, weil in Straßburg das Europaparlament ist.

Thema: Ein Europa der Regionen?

Klassenstufe: 9/10

Bezug zu anderen Fächern: Geographie, Geschichte, Sozialkunde.

 

Tomi Ungerer: Elsass und Europa

René Schickele: Der Oberrhein als Buch

Michael Bauer: Jumelage

 

Tomi Ungerer: Elsass und Europa

Die folgende Werbung ist ein Teil einer Anzeige der "Région Alsace" mit der Unterschrift: "Cultive tes racines et plante-les dans les étoiles."

Aus: DNA-Beilage Tomi Ungerer 21.11.2001

Anregung für den Unterricht

  • Wie werden in diesem Bild "elsässische" und "europäische" Motive verknüpft?

René Schickele: Der Oberrhein als Buch

René Schickele (1883-1940) stammt zwar aus einer französischsprachigen Familie, hat aber die deutsche Schule besucht und wurde dadurch zum Vermittler zwischen beiden Kulturen. 1902 gibt er mit Ernst Stadler und Otto Flake die expressionistische Zeitschrift Der Stürmer heraus. Er propagiert das Ideal des "geistigen Elsässertums", das französische und deutsche Kultur vereinigen soll. Schickele arbeitete hauptsächlich als Redakteur, Lektor und Journalist. Ab 1911 ist er Chefredakteur der Straßburger Neuen Zeitung, ab 1914 gibt er die pazifistische Zeitschrift "Die weißen Blätter" heraus, die er nur in der neutralen Schweiz weiter veröffentlichen darf. Sowohl in Berlin wie in Paris war er nämlich aufgrund seiner antimilitarischen Haltung unerwünscht. 1922 bis 1932 lebt Schickele in Badenweiler, 1932 flieht er vor den Nationalsozialisten nach Südfrankreich, wo er 1940 in Vence stirbt.

 

Schickele nimmt mit dem folgenden Ausspruch eine Tradition von Modellen auf, die auf die Bedeutung des Elsass als Brücke zwischen den Nationen und damit als Keimzelle der europäischen Einigung verweist.

 

Literaturhinweise:

Woltersdorff, Stefan: Chronik einer Traumlandschaft. Elsassmodelle im Prosatexten von René Schickele 1899-1982. Frankfurt/Main/Berlin 2000.

René Schickele: Wir wollen nicht sterben (1922)

Das Land der Vogesen und das Land des Schwarzwaldes waren wie die zwei Seiten eines aufgeschlagenen Buches - ich sah deutlich vor mir, wie der Rhein sie nicht trennte, sondern vereinte, indem er sie mit seinem festen Falz zusammenhielt. Die eine der beiden Seiten wie nach Osten, die andre nach Westen, auf jeder stand der Anfang eines verschiedenen und doch verwandten Liedes. Von Süden kam der Strom und ging nach Norden und er sammelte in sich die Wasser aus dem Osten und dem Westen, um sie als Einziges und Ganzes ins Meer zu tragen... und dieses bewohnte die Halbinsel, in die das gewaltige Asien deutlich endet... EUROPA.

 

Aus: Dossier Schickele. Choix de textes à l´usage des classes d´allemand du second cycle, dans le cadre de "Langue et culture régionale".Strasbourg: CRDP 1983, 11

 

Anregungen für den Unterricht

  • Welche Bedeutung gibt Schickele dem Elsass in der europäischen Politik?
  • Verfertige eine Mind-Map zum Begriff Europa.

Michael Bauer: Jumelage

Der folgende Text von Michael Bauer stammt aus dem Gedichtband "Heimatmaladie", der schon im Titel die Beschäftigung mit der pfälzisch-französischen Beziehungsgeschichte andeutet. Hier macht er sich lustig über die oberflächlichen Begegnungen zwischen den offiziellen Vertretern von deutschen und französischen Partnerstädten.

 

Michael Bauer: Jumelage

 

Der Herr Bürgermeister schenkt Monsieur le maire

einen Krug mit dem Ortswappen von Dingsheim.

 

Monsieur le maire schenkt dem Herrn Bürgermei-

ster eine Glasschale mit dem Ortswappen von Sainte-Chose.

 

Der Herr Bürgermeister überreicht Monsieur le

maire ein Aquarell des Ortkerns von Dingsheim.

 

Monsieur le maire überreicht dem Herrn Bürger-

meister ein Ölgemälde. Motiv: Der Ortskern von Sainte-Chose.

 

Der Herr Bürgermeister übergibt Monsieur le maire

feierlich einen Kupferstich mit dem Panorama von Dingsheim.

 

Monsieur le maire übergibt dem Herrn Bürgermei-

ster feierlich eine Fayence mit dem Panorama von Sainte-Chose,

 

Der Herr Bürgermeister enthüllt während einer

festlichen Zeremonie ein Monument, das niemand

anderen als Monsieur le maire darstellt.

 

Monsieur le maire tauft im Rahmen einer mehrtägi-

ger. Feier einen Schaufelradbinnendampfer auf den

Namen des Herrn Bürgermeisters.

 

Und so steht bereits fest, daß der Dauerfreund

schaftsrekord, der bisher auf die Namen Winnetou

und Old Shatterhand zu Guinnes-Blutsbruder-Buche

stand, von Monsieur le maire und Herrn Bürgermei

ster gebrochen ist.

 

Welch schöner Tag für Dingsheim und Sainte-Chose,

besonders aber für die Monumenten- und Schiffs-

bauer, Glasfabrikanten, Porzellan- und Kunstmaler.

Sowie Kupferstecher!

 

Aus: Bauer, Michael: Heimat-Maladie. Mit einem Nachwort von Gabriele Weingartner und Bildern von Ines Braun. Blieskastel 1997, 58

Anregungen für den Unterricht

  • Den Schülerinnen und Schülern werden nur die ersten vier Zeilen gegeben, sie sollen das Gedicht weiterschreiben.
  • Vergleicht Bauers Gedicht mit Euren Fortsetzungen.
  • Der Schluss des Gedichts ist doch ziemlich langweilig. Versucht einen interessanteren Schluss zu finden.
  • Was genau kritisiert Michael Bauer?

Autorin: Annette Kliewer

 

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