Dieter Spanhel
Dieter Spanhel hat den Begriff der "Integrativen Medienerziehung" geprägt. Er zählt sie zu den Zukunftsaufgaben der Schule. Im Rahmen eines Modellversuchs wurde sie ab 1995 für drei Jahre an der Ernst-Penzoldt-Hauptschule in Erlangen erprobt. Dieter Spanhel schrieb damals:
"Die Schule verliert ihr Informationsmonopol: Über die Medien ist den Schülern die "ganze Welt" verfügbar. Medien eröffnen den Heranwachsenden neue Lernformen und Lernwege zu interessanten Fragen und Themen und sonst nicht zugänglichen Bereichen ,der Wirklichkeit. Schule steht vor der außerordentlich schwierigen Aufgabe, die breiten Interessen der Schüler, ihr bruchstückhaftes und zusammenhangloses Detailwissen, die Fülle unverdauter Eindrücke und Vorstellungen auf die strenge Systematik der einzelnen Unterrichtsfächer einzugrenzen, auf die innere Ordnung eines Lehrganges auszurichten und ihr Lernen den Anforderungen der fachlichen Inhalte unterzuordnen."
Als weitere Aufgaben der Schule in einem mediengeprägten Alltag nannte er die gründliche und kritische Auseinandersetzung mit einem (medienvermittelten) Sachverhalt. Dabei komme es darauf an, an die Erfahrungen der Schüler anzuknüpfen und ihre medialen Kompetenzen für die Lern- und Bildungsprozesse nutzbar zu machen. Gleichzeitig warnte er:
"Integrative Medienerziehung sollte gerade nicht eine zusätzliche Aufgabe bezeichnen, die zu den anderen, in den Präambeln der Lehrpläne verankerten Erziehungsaufgaben noch hinzu kommt. Sie sollte auch nicht als ein Unterrichtsprinzip mißverstanden werden. Der Gedanke des Integrativen bedeutet vielmehr, daß durch angemessenen Medieneinsatz, durch Medienhandeln, durch Auseinandersetzen mit den Medien, ihren Inhalten, Botschaften und formalen Angebotsweisen neuartige Handlungsrahmen und Kontexte für Unterricht und Schulleben erzeugt werden, in denen gleichzeitig mit der Medienerziehung die Bewältigung auch noch anderer Lern- und Erziehungsaufgaben möglich wird. In diesem Sinne kann und muß Medienerziehung immer zugleich als Werterziehung und Sozialerziehung gesehen und betrieben werden".
Bei dem Modellversuch ließ man sich von folgenden Grundgedanken leiten:
- Einbeziehung der außerschulischen Medienerfahrungen und -kompetenzen der Schüler in den Unterricht Zusammenarbeit mit den Eltern;
- Berücksichtigung aller Medien, Printmedien, audio-visuelle Medien, Computer, Multimedia);
- Verbindung von mediendidaktischen und medienerzieherischen Zielen;
- Verbindung von fachlichen Unterrichtszielen mit medienerzieherischen Zielen durch Thematisierung und Reflexion des medialen Aspekts;
- Nutzung vielfältiger Medien im Schulleben, zur Ausgestaltung und Bereicherung der Schulkultur.
Medienkompetenz gilt auch der schulischen Medienerziehung als oberstes Ziel. Dieter Spanhel hebt in diesem Zusammenhang vor allem auf die kommunikativen Fähigkeiten ab:
"Da alle Medien Kommunikationsmedien sind, müssen zur Vermittlung von Medienkompetenz zunächst grundlegende kommunikative Fähigkeiten aufgebaut und weiterentwickelt werden. Jeder Mensch muß sich im Laufe seines Lebens solche kommunikativen Fähigkeiten aneignen, wenn er als eigenverantwortlich handelnder Bürger ein subjektiv befriedigendes und sozial verträgliches Leben in der modernen Gesellschaft führen will. Es handelt sich dabei um folgende Kompetenzen:
- Die Fähigkeit zur Verständigung über Inhalte: Der Mensch muss Informationen über die Außenwelt (über Wahrnehmungen, Phantasien oder Abstraktionen) mitteilen und verstehen können.
- Die Fähigkeit zur Herstellung und Aufrechterhaltung sozialer Beziehungen: Der Mensch muß persönliche und öffentliche Beziehungsbotschaften herstellen und verstehen können.
- Die Fähigkeit zum Aufbau und zur Erhaltung der Identität: Der Mensch muss in den sozialen Beziehungen sein persönliches Erleben artikulieren, sich selbst darstellen und dabei sein Selbstbild gewinnen und stabilisieren können.
Für all diese Dimensionen menschlicher Kommunikation eröffnen die modernen Medien neue Möglichkeiten und Formen. Daher ist es unabdingbar, daß die Menschen spezifische Medienkompetenzen erwerben, damit sie die ganze Bandbreite der Medien zur Ausgestaltung und Bereicherung der Kommunikationsprozesse adäquat einsetzen können. Diese Kompetenzen sind Teil der Sozialisation jedes Individuums, die sich über den ganzen Lebenslauf hin erstreckt. Die Aneignung dieser Fähigkeiten ist nie abgeschlossen; sie müssen immer wieder weiterentwickelt, auf neue Anforderungen hin spezifiziert, geübt und neu gefestigt werden".
Weiter zu:
Zurück zu:
Literaturtipps: Dieter Spanhel
Dieter Spanhel:
Medienkompetenz als Schlüsselbegriff der Medienpädagogik?
Dieter Spanhel:
Integrative Medienerziehung in der Hauptschule. Ein Entwicklungsprojekt auf der Grundlage responsiver Evaluation.







