Metanavigation:


Die Kamera

Hier geht es nicht nur um einige Punkte, die Sie beim Kauf oder bei der Ausleihe einer Video-Kamera beachten sollten, sondern Sie erfahren auch einiges über die Arbeitsweise Ihres Geräts und Zubehörteile.

 

 

Es existieren im Prinzip drei Camcorderklassen: Die Handycam-Klasse, die Handycam-Henkelklasse und die Klasse der (professionellen) Schulterkameras. In diesem Tutorial sollen nur die beiden Handycam-Klassentypen eine kurze Beschreibung finden, weil professionelle Schulterkameras mit Preisen bis etwa 50.000 Euro in der Regel das Budget des ambitionierten Hobbyfilmers bei weitem übersteigen.

 

Handycams

Handycams sind klein, kompakt und ohne eingebauten Bildstabilisator (SteadyShot, s.u.) zum Videofilmen eigentlich ungeeignet. Sie passen perfekt in Koffer und Handtaschen und sollten daher erste Wahl sein, wenn es darum geht hier und da mal einen Urlaub für die Lieben zu Hause zu dokumentieren.

Für das Aufzeichnen eines anspruchsvolleren Videofilmes sind diese kleinen Handycams eher ungeeignet. Wenn Sie "nur" eine solche Kamera für Ihr Projekt zur Hand haben, sollten Sie sich unbedingt ein passendes (dreibeiniges) Stativ für Ihren Dreh besorgen.

"Henkelklasse"

In dieser Klasse verschwinden die bisher klaren Grenzen zwischen Profi und Semi-Profi bzw. Hobbyfilmer immer mehr. Mittlerweile greifen sogar eingefleischte Kameraprofis auf die (kostengünstigen und leichten) Wunderkisten japanischen Ursprungs zurück. In Verbindung mit dem Videosystem DV bzw. DVCAM und dem richtigen Licht lassen sich hiermit Ergebnisse erzielen die schon sehr nah an die oben erwähnten Schulterexemplaren für 50.000 Euro heranreichen - für rund ein Zehntel des Preises. Solche Kameras sind im übrigen auch zunehmend fürs Fernsehen im Bereich Dokumentation, Reportage und aktuelle Berichterstattung im Einsatz.

Ein-Chip und Drei-Chip Kameras

Die Bildaufnahme bzw. die Wandlung des Bildes in digitale Daten übernehmen sogenannte CCD-Chips (Charged Coupled Device). Im Bereich der Videografie bzw. der Kameraausstattung unterscheidet man zwischen Ein-Chip- und Drei-Chip-Kameras (3CCD Kamera). Bei der 3CCD Variante kommt für jede Farbe (Rot-Grün-Blau, RGB) ein separater Chip zur Signalverarbeitung zum Einsatz. Mit solchen Kameras lassen sich deutlich bessere Ergebnisse erzielen als mit Ein-Chip Varianten, bei denen die drei Farbsignale sich einen Bildchip teilen müssen.

 

Chipgrösse

Auch die Grösse der verwendeten Bildchips spielt eine große Rolle hinsichtlich der erzielbaren Bildqualität. Achten Sie beim Kauf / bei der Ausleihe einer Kamera darauf, dass die (3) Bildchips der Kamera die Größe von ¼ Zoll nicht unterschreiten. Schon sehr gute Ergebnisse liefern 1/3 Zoll und ½ Zoll Bildchips. Zum Vergleich: Professionelle Broadcastkameras verfügen über 2/3 Zoll Bildchips.

 

SteadyShot

Die SteadyShot-Funktion in Videokameras dient der Bildstabilisierung. Das heisst, er "ent-wackelt" die Aufzeichnungen. Bei dieser Funktion werden Bereiche auf den Bildchips für die Bildaufzeichnung "gesperrt" bzw. für das "Entwackeln" reserviert. Die Benutzung dieser Funktion hat also (allerdings geringe) Einbussen in der Bildqualität zur Folge. Wenn es die Situation und die Ausrüstung (Stativ) erlauben, verzichten Sie auf die Funktion bzw. deaktivieren Sie sie im Kameramenü. Beachten Sie bitte, dass bei den meisten Kameras der Steadyshot als Standard aktiviert ist und Sie ihn deaktivieren müssen.

 

16:9 Modus

Der bisherige Fernsehstandard ist 4:3 das entspricht einer Auflösung von 720x576 Bildpunkten. In den letzten Jahren setzt sich aber mehr und mehr das Breitbild-Format 16:9 durch. Dies entspricht 960x576 Bildpunkten. Viele Videokameras bieten einen 16:9 Modus an, obwohl die in ihnen verwendeten Bildchips Aufzeichnungen eines echten 16:9 Formates gar nicht erlauben. Dabei wird das 4:3 Bild einfach oben und unten mit schwarzen Balken besetzt. Das Ergebnis erscheint auf einem 4:3 Fernsehgerät authentisch und auf einem 16:9 Gerät zu klein. Bei diesem Prinzip spricht man vom Letterbox-Verfahren. Dessen Pixelverhältnis entspricht 720x432 Bildpunkten.

 

Manche 16:9 Fernsehgeräte vergrössern ein Letterbox-Bild automatisch auf die komplette Bildschirmgrösse. Das hat eine Unschärfe des Bildes zur Folge.

Wenn Sie unbedingt einen 16:9-Look mit Ihrer 4:3 Kamera erzielen wollen, dann kleben Sie sich Ihr Display entsprechend oben und unten ab (z.B. mit Gaffer Band). Schneiden Sie sich zu diesem Zweck unbedingt Papierstreifen zurecht, die Sie dort am Klebeband anbringen, wo es direkt mit dem Display in Kontakt kommt - sonst könnte das Display Schaden nehmen!

 

Manche Camcorder erlauben auch das Einblenden sogenannter 16:9 Guidelines. Das sind Hilfslinien, die während des Drehs helfen sollen, das Letterboxformat einzuhalten. Treffen Sie einen Kompromiss zwischen 4:3 und Letterbox. Dann können Sie sich immer noch während des Schnitts für ein Format entscheiden, denn schwarze Balken können Sie auch dort noch hinzufügen. Schwarze Balken von der Kamera bzw. einer Kamera-Letterbox können Sie aber nicht mehr rückgängig machen!

 

Langsam aber sicher halten auch echte 16:9 Bildchips (960x576 Pixel) Einzug in den Semi-Professionellen Bereich. So erlauben z.B. die Sony PDX10P (ca. Euro 3.000) und die Canon XL2 (ca. Euro 5.000) Aufzeichnungen im echten 16:9 Format.

 

Objektive

Leider gibt es aufgrund der Kamerabauweise im Hobby- und SemiPro-Bereich so gut wie keine Möglichkeit echte Wechselobjektive bzw. Objektive im eigentlichen Sinne zu Nutzen. Eine Ausnahme bilden hier die Canon XL1s, XL2 und die JVC GY-DV5000/5001.

Für alle anderen Camcorder Modelle muss für diesen Zweck auf Zusatzobjektive zurückgegriffen werden. Diese werden auf die bestehenden fest eingebauten Optiken aufgeschraubt.

Um mit einem (kostengünstigen) Camcorder den sogenannten 35mm (Kino-)Filmlook zu erreichen, benötigt es erheblich mehr (Kosten-)Aufwand. Hierfür bieten Anbieter von Camcorder Zubehör und Adapterlösungen.

Sucher, Display und Monitor

Ob ein Sucher nun schwarz/weiss sein sollte oder farbig, daran scheiden sich die Geister. Im Endeffekt muss jede/r seine eigenen Erfahrungen machen und für sich entscheiden mit was er/sie sich leichter tut und die besseren Ergebnisse erzielt. Zur letzten Bildkontrolle sollte auf alle Fälle der Kamerasucher und nicht das Display verwendet werden. Oftmals stimmt nämlich der Bildausschnitt am Display nicht mit dem auf dem Fernsehgerät/Monitor überein. Das Display eignet sich für Kamerafahrten bzw. Kransimulationen (geht am besten mit der oben beschriebenen Henkelklasse).

 

Am besten ist es, wenn Sie am Set einen kleinen Kontrollmonitor (z.B. mit Akkubetrieb) haben, der über eine Underscan-Funktion verfügt. Mit dieser Funktion lässt sich das tatsächlich erfasste Bildsignal komplett wiedergeben.

 

Weiter zu

Computer

Licht

Stative und Zubehör

Ton

 

Zurück zur Übersicht.

Autor: Jan Stillhammer, MediaCulture-Online

Creative Commons License
Dieser Text ist unter einer Creative-Commons-Lizenz lizenziert. Sie dürfen den Inhalt für nichtkommerzielle Zwecke vervielfältigen, verbreiten und bearbeiten, wenn Sie den Namen des Autors/der Autorin nennen und den Text unter den gleichen Lizenzbedingungen weitergeben.