Der Beitrag
Der sogenannte "gebaute" Beitrag (oder auch O-Ton-Bericht) ist der "große Bruder" der Nachricht. Wie alle journalistische Elemente wird er inzwischen am Computer hergestellt und mit speziellen Programmen abgemischt. Hauptmerkmale des Beitrags sind:
- Er informiert sachlich über alle 5 W-Fragen (Was - Wer - Wann - Wo - Warum?).
- Er ist länger als eine Nachricht und bringt Zusatzinformationen, Hintergründe und Wertungen.
- Er sollte in der Regel mehrere Sichtweisen zu Wort kommen lassen, inzwischen verzichten viele Sender aber auf diese journalistische Tugend.
- Eine klare Gliederung ist gefragt: das wichtigste am Anfang, dann folgt Weiteres mit abnehmender Wichtigkeit.
- Er kann nur Autorentext, aber auch sogenannte Originaltöne (O-Töne) enthalten,
Typischer Aufbau:
- Text- O-Ton - Text - O-Ton - Text...
- Die Fakten erzählt der Autor.
- Die O-Töne bringen Neuigkeiten, Wertungen, Atmosphärisches (news and views).
Das Porträt
Das Porträt ist eine Form des "gebauten" Beitrages. Es berichtet über eine Person, ist wesentlich persönlicher als der informierende O-Ton-Bericht, es darf auch werten. Hier reichen die O-Töne des/der Porträtierten aus.
Das Feature
Das Feature ist ebenfalls eine Form des "gebauten" Beitrags. Es verbindet Hintergründe und Atmosphärisches. Ursprünglich war das Feature immer ein längeres Hör-Stück, das verschiedene akustische Elemente zum Einsatz brachte. Inzwischen kann ein Feature aber auch eine kurze "Geschichte" sein, die Journalistisches und Künstlerisches verbindet, hier kommen neben den O-Tönen auch Geräusche und Musik-Untermalung ins Spiel.
Der Begriff "Feature" erscheint in den Rundfunkprogrammen der BBC in den 30er Jahren zum ersten Mal. Eine "Feature-Story" war zwischen der reinen Nachricht und der persönlichen Meinung des Journalisten angesiedelt, während "Featured Programmes" besonders hervorgehobene Radiopogramme bezeichneten.
Das Wort "Feature" bedeutet soviel wie "Charakterzug", "Besonderheit", "sich auszeichnen durch", "herausstellen". Der Begriff 'Feature' lässt sich auf das lateinische Wort "facere" ("machen") bzw. "factua" ("das Gemachte") zurückführen.
Beim Feature treffen sich journalistische wie künstlerische Elemente und gestalten eine Darstellungsform, die sich durch ihre Schwierigkeit der Ein- und Unterordnung in eine bestimmte radiojournalistische Grundform auszeichnet.
Die Betonung liegt also auf der Verwendung von verschiedenen Elementen und Mitteln aus der Literatur, dem Theater und der journalistischen Berichterstattung.
Hintergrundwissen, Zitate und Ton-Dokumente, Kommentare, Monologe etc. können hier montiert werden, um ein Thema von verschiedenen Seiten zu beleuchten. In einem Kommentarteil erklärt der Autor seinen eigenen Standpunkt und übersetzt die zu behandelnden Geschehnisse in seine eigene Sichtweise und Sprache. Nachgespielte Szenen aus der Literatur, die zum Beispiel der Illustrierung dienen können, wenn über einen Romancier berichtet wird, kann mit professionellen Sprechern und Schauspielern geschehen. Damit begibt sich die Form an die Grenze zum Hörspiel.
Weitere Elemente aus anderen Literatur- und Rundfunk-Genres sind besonders im Wort-Feature der Dialog, Monolog, Kurzszenen und Szenengruppen. Essay und noch mehr das Feature berichten aus der Sicht des Autors, sie sind Ausdrucksformen einer subjektiven Sichtweise.
Die Produktion eines Features oder eines Essays vollzieht sich ähnlich wie beim Hörspiel. Nur werden in der Vorarbeit alle Register der journalistischen Arbeit gezogen.
Will man ein Feature zu einem bestimmten Thema machen, z.B. über die Zeit während der Abiturprüfungen, dann können die verschiedenen radiofonen Formen verwendet werden. Möglich sind Interviews von betroffenen Schülern, Lehrern oder Eltern über den Prüfungsstress und dessen Begleiterscheinungen, ein Monolog eines Schülers beschreibt womöglich seine innere Unruhe, kurze gespielte Szenen geben die Erleichterung bei der Ergebnisbekanntgabe wider oder die Diskussion mit den Eltern beim Beichten eines schlechten Ergebnisses.
Das Thema wird also von vielen Seiten beleuchtet, kommentiert und dargestellt. Zur Auflockerung oder als Übergang zu einem weiteren Themenkomplex kann thematisch sinnvolle Musik (sogenannte Akzent-Musik) dienen oder ein witziger und sinniger immer wiederkehrender O-Ton eines Lehrers, des Hausmeisters oder einer anderen Person.
In einer Klassengemeinschaft lassen sich Gruppen bilden, die sich überlegen, wie sie an das Thema herangehen wollen und dies dann ebenfalls in kleinen Gruppen nach und nach umsetzen. Eine oder mehrere Personen fungieren als Regisseure, die die Gesamtkoordination übernehmen, dem Produkt sozusagen einen stimmigen Anstrich geben.
Sind die Texte und das Drehbuch soweit fertig konzipiert, dann wird produziert. Interviews werden aufgenommen, Szenen vor dem Mikrofon eingespielt, O-Töne gesammelt, Musik ausgesucht. Alles wird in einer Endmischung auf Tonband oder in einen PC übertragen und miteinander gemischt und verblendet. Danach kann das fertige Feature gesendet und/oder auf eine CD gebrannt werden.
PDF: Reiner Friedrichs.Feature und Hörspiel. Projektorientierte Handlungsweisen und Hörspielformen.
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Autoren: Andreas Konitzer/Ingrid Bounin, MediaCulture-Online
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