Das Interview
Das Grundprinzip eines Interviews lautet: viele Fragen an eine Person. Ein Interview im Radio kann verschiedene Funktionen erfüllen:
- Es kann zur Erläuterung von komplizierten Sachverhalten dienen,
- es kann um die Vorstellung einer Person gehen,
- es kann darum gehen, eine Meinung oder Wertung eines Experten einzuholen.
Vor dem Interview sollte man einige Fragen klären:
- Warum führe ich dieses Interview - was soll der Hörer davon haben?, d.h. ich muss das Infoziel festlegen.
- Kann der mögliche Interviewpartner zum Thema wirklich etwas Wichtiges und vor allem Informatives sagen, ist er/sie Experte?
- Weiß ich selbst genug über das Thema/die Person, um gute Fragen stellen zu können, und wo könnte ich die nötige Information her bekommen?
- Habe ich meine Fragen sorgfältig vorbereitet? Schreiben Sie sich Ihre Fragen ruhig auf. Beim Interview ist es dann aber besser die Fragen frei vorzutragen, anstatt sie vom Blatt zu lesen.
Es ist durchaus nützlich beim Interview einige wichtige Aspekte zu beachten:
- Stimmt die Gesprächsatmosphäre? Nehmen Sie sich ausreichend Zeit für ein Interview, auch wenn Ihr Interviewpartner nicht viel Zeit zur Verfügung stellen kann. Informieren Sie Ihr Gegenüber wofür das Interview gedacht ist, eventuell wann es gesendet wird, wer Sie sind.
- Hauptperson beim Interview ist der/die Befragte, das Interview dient nicht der Selbstdarstellung des Reporters. Man sollte den Interviewpartner ernst nehmen, d.h. zuhören und evtl. bei einem interessanten Punkt nachhaken.
- Das Interview besteht aus mehr als drei Fragen, auch wenn später nicht alle Fragen und Antworten gesendet werden. Je mehr Fragen man stellen möchte, desto mehr Zeit sollte man einplanen.
- Immer nur eine Frage stellen, nicht mehrere gleichzeitig. Der/die Befragte weiß sonst nicht, auf welche Frage er/sie zuerst antworten soll oder sucht sich die Frage aus, die ihm am angenehmsten ist.
- Sogenannte "Offene" Fragen sind besser als "geschlossene" Fragen. Offen sind solche Fragen, die dem Antwortenden nicht nur ein "Ja" oder "Nein" ermöglichen, sondern ihn zu ausführlicheren Ausführungen einladen. Also Fragen wie "warum, wie kam es zu...?, was halten Sie von?..., wie sind Ihre nächsten Pläne, Ziele" etc. "Geschlossene" Fragen sind bei längeren Interviews sinnvoll, um das Tempo zwischendurch einmal wieder zu erhöhen. Etwa: "Sind Sie für die Einführung von...". Die Antwort lautet dann "Ja" oder "Nein" und Sie können mit "warum" (=offene Frage) nachsetzen.
- Keine Angst vor Pausen, der Interviewpartner sollte auch Zeit zum Nachdenken haben.
- Vorname, Name und Funktion/Beruf des Interviewpartners vorher nachfragen und auch nennen. Namen sind Nachrichten! Der Doktortitel gehört übrigens zum Namen.
Autorin: Ingrid Bounin, MediaCulture-Online
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