Das Ende der Privatheit
Fast jeder Jugendliche nutzt heute so genannte soziale Netzwerke. Sie ermöglichen es, sich mit minimalem Aufwand selbst darzustellen, Kontakte zu anderen aufzunehmen und über die verschiedensten Themen zu diskutieren. Positiv ist, dass Jugendliche damit selbst zu aktiven Gestaltern des Internets werden. Allerdings gehen sie dabei sehr freizügig mit ihren persönlichen Daten um. Den jungen Nutzerinnen und Nutzern ist oft nicht bewusst, welche Risiken und Gefahren mit der Nutzung von sozialen Netwerken verbunden sind. Oder sie ignorieren die Gefahren.
Auf der Fachtagung „Das Ende der Privatheit“ vom 27. bis 29. April in der Akademie Remscheid, veranstaltet von Jugend online und der GMK, wurde das Phänomen der unreflektierten Preisgabe persönlicher Daten bei jungen Menschen mit Vertretern der Bereiche Datenschutz, Verbraucherschutz, Jugendschutz, Medienpädagogik sowie mit VertreterInnen von Betreiberfirmen und Wirtschaftsverbänden diskutiert.
Erwachsene gehören zu einem anderen Stamm
Professor Franz Josef Röll beleuchtete in seinem Eingangsvortrag Kommunikationskultur und Gemeinschaftsbildung als Ausdruck von Identitätssuche. Im Mittelpunkt stand die Betrachtung von Social Network Sites (SNS), in denen es ein Statussymbol sei, möglichst viele Freunde im Netz zu haben – "und Freunden glaubt man mehr". In den SNS tritt die Stärke der schwachen Beziehung hervor - und damit seien sie optimales Training für die Wirklichkeit. Franz Josef Rölls Vortrag bietet in 50 Minuten eine Fülle von interessanten Denkanstößen.
Von der Stärke schwacher Beziehungen (mp3, 47 MB)
Prof. Dr. Franz Josef Röll (* 1949) lehrt neue Medien und Medienpädagogik an der Fachhochschule Darmstadt.
Webzwonull ist Jugendkultur
Für Professor Bernward Hoffmann sind die sozialen Netze ein Stück (Jugend-)Kultur, wobei die Aneignung der Kompetenz im Umgang mit digitalen Netzen bei Jugendlichen immer eigenständiger verlaufe.
Soziale Grenzen würden in der Netzkultur 2.0 nicht aufgehoben, eher würden bestehende soziale Unterschiede widergespiegelt. Die Chancen der Profitnahme aus sozialen Netzwerken seien ungleich verteilt, die Kommunikation sei unverbindlicher, die Trennung von privat und öffentlich verschiebe sich. Zum Ende seines Vortrags stellte Hoffmann die Frage, ob es neben Phänomenen wie Mobbing oder Cyberbullying und Fragen des Urheber- und Persönlichkeitsrechts nicht vielleicht eine viel größere Gefahr gibt: die der Undurchsichtigkeit von Kommunikationsprozessen im Netz.
Netzkultur 2.0 als Herausforderung an die Medienpädagogik (mp3, 17 MB)
Prof. Dr. Bernward Hoffmann ist Professor für Medienpädagogik an der Fachhochschule Münster. Er ist Mitglied im Bundesvorstand der Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur (GMK).
„Das Netz ist genauso wenig ein geschützter Raum wie die Welt draußen“

- Auf dem Podium: Phillippe Gröschel (2.v.r.) und Edgar Wagner (2.v.l.)
In der Podiumsdiskussion zum Thema “Social Web als jugendkulturelles Phänomen - medienpädagogische Herausforderungen für Politik und Gesellschaft“ äußerte sich Phillippe Gröschel als Jugendschutzbeauftragter von StudiVZ über Persönlichkeitsschutz: "SchülerVZ ist keine Kinderplattform, sondern eine Jugendplattform." Alles eine Sache der Perspektive: „Vergleichen Sie Berlin mit SchülerVZ. Alle Probleme, die es in der Realität gibt, gibt es irgendwann auch im Netz.“
Phillippe Gröschel, StudiVZ/SchülerVZ, zum Thema Persönlichkeitsschutz (mp3, 2,2 MB)
Phillippe Gröschel antwortet auf die Frage zur besonderen Verantwortung, die der Betreiber einer Kindernetzseite hat (mp3, 1,7 MB)
Vielleicht hilft gesetzlicher Datenschutz? Edgar Wagner, Landesbeauftragter für den Datenschutz Rheinland-Pfalz, sieht den Datenschutz in sozialen Netzwerken als eine neue Aufgabe des staatlichen Datenschutzes. Für ihn ist Datenschutz damit auch eine Bildungsaufgabe – und nicht mehr nur eine Gesetzgeber- und Kontrollaufgabe. Es gebe Lücken im Gesetz, doch „ohne Skandale passiert nichts.“
Edgar Wagner, Datenschutzbeauftragter Rheinland-Pfalz (mp3, 1,7 MB)
Zusammenfassung
Die Mitarbeiter des Veranstalters ijab - Fachstelle für Internationale Jugendarbeit der Bundesrepublik Deutschland e.V. haben die Tagung zusammengefasst.
Zusammenfassung (pdf)
Zusammenfassung auf www.jugendonline.de
Web 2.0 und Medienbildung
Durch den Umgang mit Web 2.0 eignen sich Kinder und Jugendliche kulturelle Kommunikationsformen an, die ihre Denk- und Lernprozesse verändern. Der Medienpädagoge Franz Josef Röll beschäftigt sich mit den Herausforderungen für die Medienbildung durch die Veränderungen des Internets:
Web 2.0 - eine Herausforderung für die Jugendmedienbildung










