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Anwendungsbeispiele

Die RFID-Technik wird besonders in der Logistik und im Handel eingesetzt, da Gegenstände auf diese Weise einzeln gekennzeichnet werden können. Im Gegensatz zu Barcodes, die für gleiche Produkte identisch sind, zeichnen die Funketiketten jedes einzelne Buch, jede Rasierklinge und jeden Schokoriegel mit einem individuellen Code aus.

 

Darüber hinaus wird die RFID-Technologie auch für Zugangskontrollen verwendet, in Bibliotheken oder bei der Identifikation von Tieren. Einige Beispiele für den Einsatz der "intelligenten" Etiketten stellen wir Ihnen vor.

 

RFID im Schulranzen

© Anissa Thompson

Seit September 2004 nutzt die Rikkyo-Grundschule in Tokio ein neues Sicherheitssystem, das auf RFID-Technik basiert. In die Schultaschen der Kinder werden RFID-Transponder integriert. RFID-Lesegeräte wurden an den Eingängen installiert und registrieren, wann ein Kind die Schule betritt oder verlässt. Automatisch kann das System E-Mails an Eltern oder Lehrer schicken. Damit soll die Sicherheit der Schülerinnen und Schüler verbessert werden.

 

An einer kalifornischen Grundschule sollte der Einsatz von RFID-Technik ebenfalls getestet werden: RFID-Anstecker wurden bereits an die Schülerinnen und Schüler verteilt und RFID-Lesegeräte an den Klassenzimmertüren sollten die Anwesenheit der Kinder automatisch überprüfen. Nach massiven Protesten der Eltern wurde der Versuch jedoch abgebrochen. Die Eltern sahen die Privatsphäre der Kinder eingeschränkt und wollten sie nicht gekennzeichnet sehen wie Inventar oder Rinder, zudem gab es gesundheitliche Bedenken.

 

 

Linktipps:

 

heise-news vom 18. Februar 2005:

Kalifornische Schule bricht RFID-Test ab

 

heise-news vom 28. September 2004:

Japanische Grundschule überwacht mit RFID-Technik

Supermarkt: der gläserne Kunde

Der Handel hat die Möglichkeiten, die in der RFID-Technik stecken, schnell erkannt. Warenbestände können mit dieser Technologie mühelos erfasst, kontrolliert und verwaltet werden. Paletten mit Waren werden ohne zusätzlich Aufwand bereits registriert und erfasst, wenn sie ins Lager gefahren werden. Aber auch den Kunden wird die Auszeichnung der Artikel mit Smart-Tags schmackhaft gemacht.

 

In den "Future-Stores" der Metro-AG werden zum Beispiel Kassen getestet, die ganz ohne Personal auskommen. Einfach den Einkaufswagen durch eine Schranke fahren und alle Waren werden automatisch erfasst und abgerechnet. Auch so genannte "intelligente" Haushaltsgeräte werden entwickelt, wie beispielsweise ein Kühlschrank der zu Ende gehende Milchvorräte meldet oder über bereits abgelaufene Lebensmittel informiert.

 

Linktipps:

 

Die Handelsgruppe METRO informiert über den Modelleinsatz von RFID:

www.future-store.org

 

Der Verein FoeBuD hat sich aktiv gegen eine mögliche Überwachung der Kunden in den METRO-Future-Stores engagiert:

www.foebud.org/rfid/metro

 

Claudia Fischer:

Der gläserne Mensch: Paranoia 1984, Wirklichkeit 2004?

Der elektronische Reisepass

Seit 1. November 2005 gibt es in Deutschland den neuen elektronischen Reisepass, der mit einem RFID-Chip versehen ist. Der Funk-Chip enthält neben den bisher üblichen Angaben in Reisepässen auch so genannte biometrische Daten. Zur Zeit ist das ein digitales Passbild, das ab 2007 durch zwei elektronische Fingerabdrücke ergänzt wird. Der neue "ePass" soll vor allem eine größere Sicherheit vor Fälschungen bieten.

 

Mit speziellen Schutzmaßnahmen wird verhindert, dass die Daten des RFID-Chips ohne das Wissen der Passinhaberin oder des -inhabers ausgelesen werden können. Das "Basic Access Control" genannte Verfahren stellt sicher, dass RFID-Lesegeräte nur auf die Daten zugreifen können, wenn ein optischer Zugriff auf die Datenseite des Passes erfolgt, der Reisepass also einem Zollbeamten zur Kontrolle übergeben wird.

 

Datenschützer kritisieren die massenweise Speicherung und Verarbeitung biometrischer Daten, die mit der Einführung des elektronischen Reisepass einhergehen. Zudem weisen sie darauf hin, dass kein elektronisches System hundertprozentige Sicherheit bieten kann. Diese Skepsis scheint angesichts solcher Meldung nicht unbegründet zu sein: Im Februar 2006 berichtete das niederländische Fernsehmagazin Nieuwslicht, dass die holländischen elektronischen Reisepässe erfolgreich "gehackt" worden sind. Es gelang, die Kommunikation zwischen dem RFID-Chip des Passes und dem Lesegerät abzuhören und aufzuzeichnen.

 

Linktipps:

 

Telepolis-Artikel vom 1. Februar 2006:

Niederlande: Biometrie-Pass erfolgreich gehackt

 

Informationen einer privaten Initiative:

www.neuer-reisepass.de        

Bibliotheken setzen auf RFID

Bereits seit März 2004 funktioniert das Ausleihsystem der Stadtbücherei Stuttgart mittels RFID-Technologie. Stuttgart war die erste Bibliothek in Deutschland und nach Wien die zweite Bücherei in Europa, die auf RFID-Technik setzte. Nun können die Kundinnen und Kunden die Bücher oder CDs selbständig verbuchen, indem sie den Bücherstapel einfach auf die Ablage des RFID-Lesegeräts legen. Die Benutzerausweise sind jedoch nicht mit einem RFID-Chip ausgestattet sondern mit einem Barcode. Auf diese Weise ist eine Verknüpfung von Buchdaten und Nutzerdaten außerhalb der Bücherei nicht möglich. Aus Datenschutzgründen sollen auch keine Nutzungsprofile der Büchereikundinnen und -kunden angelegt werden.

 

Mittlerweile werden zahlreiche Bibliotheken mit RFID-Technik ausgerüstet, denn neben einem Selbstbuchungsverfahren für den Verleih, bietet die Technik noch weitere Vorteile: Die einzelnen Bücher lassen sich viel leichter erfassen, lokalisieren und vor Diebstahl schützen.

 

 


Autorin: Henriette Carle, MediaCulture-Online

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Literaturtipps: RFID-Chips

Robert und Gabriele Schoblick:
RFID - Radio Frequency Identification

Claudia Fischer:
Der gläserne Mensch: Paranoia 1984, Wirklichkeit 2004?

Friedemann Mattern:
Allgegenwärtige und verschwindende Computer

Alexander Roßnagel:
Datenschutz im 21. Jahrhundert

Johann Čas/Walter Peissl: Datenhandel - ein Geschäft wie jedes andere?